„Hi,
Spaghetti, was gibt´s neues, Mann?“ (Seite 6)
Du lebst als
Teenager in irgendeiner Kleinstadt, da sind deine Kumpels, die Typen, die du
nicht leiden kannst und in den Clubs ist eigentlich auch nichts los. Das wäre schon
irgendwie ok, aber deine Freundin ist weggezogen. Und dann gestorben. Das ist
wirklich viel für ein so junges Herz.
Also treibst
du durch die Tage, und staunst darüber, dass dieses Loch in deinem Herzen immer
größer wird, je mehr du an deine Freundin denkst. Und du wirst das Gefühl nicht
los, nichts, zu wenig, das Falsche getan zu haben. Nichts stimmt mehr.
Als du
deinem Todfeind deine E-Gitarre über den Kopf ziehst, glaubst du noch, der Tag
könnte nicht merkwürdiger werden. Doch auf dem Nachhauseweg streift dich ein
Hauch, etwas scheint dich mit sich tragen zu wollen, oder dich anstupsen. Plötzlich
ist da diese Idee im Kopf – du schreibst Songs für deine Freundin, um dich endlich
von ihr verabschieden zu können. Musik, die das Loch in deinem Herzen
vielleicht ein wenig zu stopfen vermag. Ok, du bist eigentlich ein eher mieser
Gitarrist, aber darum geht es ja hier nicht.
Am Strand
richtest du mit einem Freund ein kleines „Studio“ ein und überträgst deine
Musik auf einer alten Radiofrequenz, die niemand mehr nutzt. Schließlich brauchen
deine Songs eine Art Übertragung, damit sie deine tote Freundin erreichen
können.
Du ahnst
dabei nicht, dass diese Übertragungen nicht unbemerkt bleiben und dein von
echten, tiefen Gefühlen getragenes Spiel lässt dich über dich selbst
hinauswachsen. Aus D wird Doomboy – und alle sprechen von dir. Und nur du hast
keine Ahnung davon, genauso wenig, wie alle anderen wissen, wer genau
eigentlich dieser mysteriöse, grandiose Gitarrist ist.
Na gut, Metall
ist jetzt nicht die leiseste Musik und Schlägereien gibt es auch – aber insgesamt
ist Sandoval hier eine wirklich sanfte, traurig-schöne und leise Geschichte
gelungen darüber, was das Leben manchmal schon Teenagern abverlangt.
Mit wenigen Strichen
und erzählerischen Kniffen baut Sandoval die Welt, in der D lebt. Da sind die
prolligen Möchtergernmusiker, bei denen Posen und Ego sich aggressiv
vermischen, Metallbräute, Freunde mit Geheimnissen – eine echte Teeniewelt in
einer beliebigen Kleinstadt mit wenig Wahlmöglichkeiten fürs Leben darüber
hinaus. Und ohne mehr über die Freundin, die erst wegzieht und dann plötzlich
verstirbt erfahren wir auch nicht. Trotzdem ist sie in dem Loch in D´s Herzen,
im Wind, in seinen Gedanken präsent genug, um die Geschichte und D
voranzutreiben.
D braucht
nicht viele Worte und würde in einer anderen Geschichte als typischer
Außenseiter, maulfauler Teenie durchgehen. Sandoval schaut ihm jedoch tief ins Herz
und macht seinen Schmerz, seine Schuldgefühle, seine Einsamkeit sichtbar.
Das alles in
einem unverkennbaren Stil, der bei allen Mackerigkeiten und Härten des Lebens
die Figuren eben auch als das zeigt, was sie sind: junge Menschen, am Beginn
ihres Lebens, die noch dabei sind, sich zu finden, sich auszuprobieren und
dabei auch dumme Dinge tun. In dieser Zerbrechlichkeit ist aber auch Stärke
angelegt, Zuversicht. Und den aufkommenden Sturm an der Küste, den konnte ich
beim Schmökern buchstäblich übers Gesicht fahren spüren.
Kurz und
gut: Tolle, feinfühlige Geschichte mit ganz viel Atmosphäre. Unbedingt lesen!
(Übersetzung:
Anne Bergen)
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