Sonntag, 5. April 2026

Tony Sandoval: Doomboy


„Hi, Spaghetti, was gibt´s neues, Mann?“ (Seite 6)

Du lebst als Teenager in irgendeiner Kleinstadt, da sind deine Kumpels, die Typen, die du nicht leiden kannst und in den Clubs ist eigentlich auch nichts los. Das wäre schon irgendwie ok, aber deine Freundin ist weggezogen. Und dann gestorben. Das ist wirklich viel für ein so junges Herz.

Also treibst du durch die Tage, und staunst darüber, dass dieses Loch in deinem Herzen immer größer wird, je mehr du an deine Freundin denkst. Und du wirst das Gefühl nicht los, nichts, zu wenig, das Falsche getan zu haben. Nichts stimmt mehr.

Als du deinem Todfeind deine E-Gitarre über den Kopf ziehst, glaubst du noch, der Tag könnte nicht merkwürdiger werden. Doch auf dem Nachhauseweg streift dich ein Hauch, etwas scheint dich mit sich tragen zu wollen, oder dich anstupsen. Plötzlich ist da diese Idee im Kopf – du schreibst Songs für deine Freundin, um dich endlich von ihr verabschieden zu können. Musik, die das Loch in deinem Herzen vielleicht ein wenig zu stopfen vermag. Ok, du bist eigentlich ein eher mieser Gitarrist, aber darum geht es ja hier nicht.

Am Strand richtest du mit einem Freund ein kleines „Studio“ ein und überträgst deine Musik auf einer alten Radiofrequenz, die niemand mehr nutzt. Schließlich brauchen deine Songs eine Art Übertragung, damit sie deine tote Freundin erreichen können.

Du ahnst dabei nicht, dass diese Übertragungen nicht unbemerkt bleiben und dein von echten, tiefen Gefühlen getragenes Spiel lässt dich über dich selbst hinauswachsen. Aus D wird Doomboy – und alle sprechen von dir. Und nur du hast keine Ahnung davon, genauso wenig, wie alle anderen wissen, wer genau eigentlich dieser mysteriöse, grandiose Gitarrist ist.

Na gut, Metall ist jetzt nicht die leiseste Musik und Schlägereien gibt es auch – aber insgesamt ist Sandoval hier eine wirklich sanfte, traurig-schöne und leise Geschichte gelungen darüber, was das Leben manchmal schon Teenagern abverlangt.

Mit wenigen Strichen und erzählerischen Kniffen baut Sandoval die Welt, in der D lebt. Da sind die prolligen Möchtergernmusiker, bei denen Posen und Ego sich aggressiv vermischen, Metallbräute, Freunde mit Geheimnissen – eine echte Teeniewelt in einer beliebigen Kleinstadt mit wenig Wahlmöglichkeiten fürs Leben darüber hinaus. Und ohne mehr über die Freundin, die erst wegzieht und dann plötzlich verstirbt erfahren wir auch nicht. Trotzdem ist sie in dem Loch in D´s Herzen, im Wind, in seinen Gedanken präsent genug, um die Geschichte und D voranzutreiben.

D braucht nicht viele Worte und würde in einer anderen Geschichte als typischer Außenseiter, maulfauler Teenie durchgehen. Sandoval schaut ihm jedoch tief ins Herz und macht seinen Schmerz, seine Schuldgefühle, seine Einsamkeit sichtbar.

Das alles in einem unverkennbaren Stil, der bei allen Mackerigkeiten und Härten des Lebens die Figuren eben auch als das zeigt, was sie sind: junge Menschen, am Beginn ihres Lebens, die noch dabei sind, sich zu finden, sich auszuprobieren und dabei auch dumme Dinge tun. In dieser Zerbrechlichkeit ist aber auch Stärke angelegt, Zuversicht. Und den aufkommenden Sturm an der Küste, den konnte ich beim Schmökern buchstäblich übers Gesicht fahren spüren.

Kurz und gut: Tolle, feinfühlige Geschichte mit ganz viel Atmosphäre. Unbedingt lesen!

(Übersetzung: Anne Bergen)

#lesefrühling #comic #tonysandoval #crosscult #comingofage #metall #liebe #einsamkeit #verlust #musik #teenager #lesen #leselust #lesenswert #leseratte #bücher #literatur #yesyoucomican

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen