„Dieses Buch ist ein Abenteuer.“ (Seite 11)
Puh, das ist eines der Bücher, bei denen es mir schwerfällt, einen Leseeindruck zu schreiben. Ich hab so einige Rezensionen gelesen, die voll des Lobes waren. Aber um ehrlich zu sein, kann ich mich denen nicht wirklich anschließen.
In mal mehr, mal weniger essayistischen Kapiteln schreibt Rödder über die digitale Revolution, die Globalisierung, den Klimawandel – den Blick auf die historischen Entwicklungen in Deutschland, später im Buch dann auch weiter gespannt bis hin zur großen Weltpolitik.
Nun gut, dieser Band stammt aus dem Jahr 2015. Acht Jahre später gab es dann eine überarbeite Neuauflage mit neuem Titel. Vielleicht mag mein verspätetes Lesen der ersten Ausgabe die eine oder andere Irritation erklären, weil Historiker im Allgemeinen nicht so gut in die Zukunft schauen können.
Wenn Sie das versuchen, fangen sie üblicherweise an, Politik zu machen, also ihre eigentliche Profession zu verlassen. Umgekehrt wiederum heißt das nicht, dass eigene Urteile oder auch Vorurteile sich nicht auch in historischen Arbeiten finden. Das tun sie ganz sicher.
Aber wenn sich beim Lesen so ein Eindruck bildet, dass es sich dann eigentlich doch wenigstens in Teilen eher um ein politisches Programm handelt, dann fänd ich es angemessen, es auch so zu benennen.
Ich will es an zwei Themen festmachen, die mir noch im Kopf geblieben sind, auch wenn die Lektüre schon wieder einen ganzen Moment her ist:
Familien – 2015 blieb die CDU noch dabei, dass die Ehe ausschließlich für Mann und Frau gedacht sei. Rödder war damals schon CDU-Mitglied und wurde potenziell als Kabinettsmitglied einer möglichen Regierung unter Julia Klöckner gehandelt. Soweit ich erkennen konnte, gehörte er nicht nur mit diesem Text zu denen in der Partei, die eine neue Richtung einschlagen wollten und das Familienbild eher an dem Vorhandensein von Kindern ausrichten. Wenn aber gleichzeitig Individualisierung in der Gesellschaft eher als hedonistisches Zerrbild verstanden und vorgestellt wird, zeichnet sich dann doch schnell ab, in welchem biopolitischen Verständnis die vermeintlich fortschrittliche Haltung an dieser Stelle fußt.
Klimawandel – Schon 2015 galt, was 2026 noch viel klarer ist. Der wissenschaftliche Konsens zum Klimawandel, zu dessen Ursachen und Auswirkungen, ist überdeutlich. In diesem Zusammenhang der Wissenschaft einen Hang zu Weltuntergangsszenarien zu attestieren, fänd ich in einem Meinungsstück in der Zeitung ok. In einem Werk, das ausdrücklich als das eines Historikers und eben nicht als politische Wortmeldung daherkommt, hat das dann doch mehr als ein Geschmäckle.
Ich will es bei diesen beiden Beispielen belassen, wenn ich den Eindruck, den ich damit beschreiben wollte, dann doch an sehr viel mehr Stellen im Buch hatte.
Alles in allem empfand ich beim Lesen den Politiker Andreas Rödder, mit dem Weg, den er in der Folge genommen hat (gegen „Cancel Culture“, Leiter CDU-Grundwertekommission, gegen die Brandmauer zur Abgrenzung zur Afd …), dann doch etwas zu deutlich vorweggenommen in einem Buch, das einen anderen Anspruch zu haben vorgibt.
Kurz und gut: Weiße,
patriarchale Geschichtsschreibung. Kann man lesen …!
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