Montag, 28. September 2026

Nnedi Okorafor: Tod der Autorin


„Die Zukunft des Geschichtenerzählens ist da.

Zelu steckt in einer Krise: Während in ihrer nigerianischen Familie alle ihren Platz im Leben gefunden haben, verliert sie ihren Job und bekommt als Autorin nur Absagen von Verlagen. Also schreibt sie einen Roman nur für sich: über eine Zukunft, in der Roboter und KI die Erde bevölkern. Doch diese Welt steht vor der Zerstörung und allein der Geschichten sammelnde Android Ankara kann sie retten. Als Rusted Robots überraschend zum Bestseller wird, verändert sich nicht nur Zelus Leben, sondern auch die Welt um sie herum. Sie droht, die Kontrolle über ihre eigene Geschichte zu verlieren.“ (Umschlagtext)

Puh, da hab ich doch erst im August ein Buch von der Autorin gepostet, das im damals noch unabhängigen Cross Cult Verlag erschienen war. Dem sind die ersten Übersetzungen in Deutsche ja überhaupt zu verdanken.

Ich hoffe sehr, dass der Wechsel zu einem Publikumsverlag das Werk noch sehr viel mehr Menschen Lesefreude bereiten wird. Den Erfolg hätte ich aber auch dem damaligen Indieverlag von Herzen gegönnt.

Jetzt könnt ihr euch aber mit mir auf den neuen Roman von Nnedi Okorafor freuen! ;)

„Diesmal war es anders. Sie wollte nicht über gewöhnliche Leute mit gewöhnlichen Problemen schreiben, nur um wieder zu hören zu kriegen, ihre Figuren böten kein Identifikationspotenzial. Sie wollte nicht jahrelang für eine Welt recherchieren, nur im sie in Flammen aufgehen zu sehen. Also tat sie es auch nicht. Sie schrieb über die, die nicht Mensch waren. Sie erschuf eine Welt, in der sie gern herumtollen würde, wenn ihr alles zu viel wurde, die es aber bisher nicht gab. Sie schrieb etwas anderes, etwas Neues. Sie schrieb Rusted Robots.“ (Klappentext)

(Übersetzung: Corinna Rodewald)

#leseherbst #roman #nnediokorafor #ullstein #fantasie #roboter #scifi #menschheit #ethik #familie #kultur #erzählen #lesen #leselust #leseratte #bücher #literatur

Sonntag, 27. September 2026

Mosaik #609 & #610


Puh, das war jetzt eine wirklich lange Pause mit den Bücherposts. Das soll nun aber wieder anders werden. Und die Hefte von September und Oktober sind doch ein guter Wiedereinstieg. 🤓

#lesesommer #comic #mosaik #abrafaxe #abenteuer #zeitreise #mittelalter #prag #hradschin #tychobrahe #golem #lesen #leselust #lesenswert #leseratte #bücher #literatur #yesyoucomican

Sonntag, 16. August 2026

Carel van Schaik/ Kai Michel: Mensch sein. Von der Evolution für die Zukunft lernen


„Mit dem Leben stimmt etwas nicht.“ (Seite 7)

Das Buch erschien 2023 zum ersten Mal. Eine verrückt lange Zeit ist das her, gemessen daran, mit welchem Tempo Entwicklungen aktuell – und auch nicht erst seit gestern – auf uns einprasseln. Es scheint aber folgerichtig, dass die Überlegungen dieses Buches just da greifen, wo, nachdem unter Corona die Welt zumindest kurzzeitig den Atem anzuhalten schien, alles scheinbar auf einmal nachgeholt und vorangetrieben werden musste. 

Insbesondere der Ausgangspunkt dieses Buches, das Unbehagen so vieler Menschen am eigenen Leben, den Lebensumständen, ja der Welt, griff mit den Debatten um die Pandemie, und wie ihr zu begegnen sei, um sich. Mit den sozialen Medien und Plattformen boten sich unzähligen Lesarten dieses Unbehagens Möglichkeiten endloser Verbreitung.

Versteht mich nicht falsch, autoritäre, neoliberale, rechte, verschwörerische Haltungen gab es auch schon vor Corona. Aber das Bild des Schwurblers brachte dann „alternative Fakten“ und derlei schließlich in einem Ausmaß in Umlauf, dass heute ja schon anachronistisch wirkt, wer Spaß am Leben hat und nicht motzt.

Bei mir selbst bemerke ich seit geraumer Zeit ein wachsendes Interesse daran, mehr über die Entwicklung unserer Gattung zu erfahren, vor allem, je drängender dieser Kulturkampf von rechts uns einreden will, was „natürlich“ und dem Menschen gemäß sei. Alter Wein, ich weiß. Aber es verfängt ja offenbar.

Männer sind so, Frauen so. Familie sei schon immer … Ich muss das gar nicht alles hier aufzählen.

Mit diesem Band machten sich nun ein Verhaltensforscher und Evolutionsbiologe auf der einen und ein Historiker und Literaturwissenschaftler auf der anderen Seite auf, um dem nachzuspüren, was denn den Menschen nun wirklich ausmache – und was vor allem eben doch nur menschengemacht ist.

Menschengemacht bedeutet hier immer wieder, dass es Interessen gibt, etwas als quasi natürlich und unverrückbar darzustellen, zu dem nur zurückgekehrt werden müsse, und schon wäre alles wieder gut.

Zurück und gut – nunja.

Das die Welt sich vor noch nicht so langer Zeit scheinbar viel langsamer drehte, das Leben irgendwie noch überschaubarer war, das ist letztlich eine Binse. Und es bedeutet vor allem nicht, dass vorher alles gut gewesen sei.

Van Schaik und Michel gehen eher davon aus, dass uns die letzten paar tausend Jahre Menschheitsgeschichte, also seit dem wir vom Aufkommen von Zivilisationen und Gesellschaften sprechen, eigentlich alles eher darauf angelegt war, menschliches Leben in Zwänge zu packen, die der Evolution so gar nicht entsprechen.

Vereinzelung des Individuums und Flucht ins Materielle, aktuell die Durchdigitalisierung des Lebens, der Versuch der Homogenisierung von Gesellschaften zum Beispiel durch Nationalstaaten und deren Narrative, materielle und gesellschaftliche Ungleichheit, Arbeit als Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, die immer nur Lohnarbeit meint … Die Liste ließe sich beliebig weiter fortsetzen.

Unterm Strich beschreibt auch dieses Buch, wie viel von dem, was wir heute als „natürlich“ imaginieren, letztlich menschengemacht ist und Interessen dient. Ich finde das, trotz aller bedrohlichen Zeiten, eine Erkenntnis, die Hoffnung machen kann. Denn was menschengemacht ist, kann auch von Menschen geändert werden. Vielleicht entlarven wir noch zu zaghaft, Interessen, die sich zumeist auf die eigene Macht beziehen, und uns manipulierend einreden, wie der Mensch wirklich sei.

Was mir Hoffnung macht: in der Evolutionsgeschichte zeigte sich die Überlebensstärke des Menschengeschlechts darin, kooperativ, kreativ, offen, ausgleichend, sozial und vieles mehr an guten Adjektiven zu sein. Dass der Mensch immer des Menschen Wolf sei, ist ein Konstrukt, dass wir nicht als unser wahres Wesen annehmen müssen. Es ist eine Geschichte, die uns erzählt wurde und wird von Interessen, denen dieses Konstrukt dient.

Kurz und gut: Mal wieder ein sehr lesenswerter Baustein für die Frage, was wir als Menschen besser machen können, damit wir mit der Welt doch nicht untergehen. Lesen!

#lesefrühling #sachbuch #carelvanschaik #kaimichel #rowohlt #menschen #evolution #gesellschaft #aufklärung #zukunft #polbil #trainerlife #lesen #leselust #lesenswert #leseratte #bücher

Montag, 10. August 2026

Nnedi Okorafor: BINTI

 

„Der Nebula-Award-Gewinner endlich in einem Band: Die Sammlung der drei Novellen BINTI: ALLEIN, BINTI: HEIMAT und BINTI: NACHTMASKERADE

Ihr Name ist Binti und sie ist die erste Himba, die jemals an der Oomza Universität, einer der besten Lehranstalten der Galaxis, angenommen wurde. Aber diese Möglichkeit bedeutet, dass sie ihren Platz innerhalb ihrer Familie aufgeben und mit Fremden zwischen den Sternen reisen muss, die weder ihre Denkweise teilen, noch ihre Bräuche respektieren.

Die Welt, deren Teil sie werden möchte, hat einen langen Krieg gegen die Medusen hinter sich und Bintis Reise zwischen den Sternen lässt sie dieser Spezies näher kommen, als ihr lieb ist. Wenn Binti das Vermächtnis eines Krieges überleben will, mit dem sie nichts zu tun hatte, wird sie die Gaben ihres Volkes brauchen und die Weisheit, die sich in der Universität verbirgt – aber zuerst muss sie es bis dorthin schaffen, lebendig.“ (Umschlagtext)

Gerade habe ich entdeckt, dass das neueste Buch der Autorin Anfang 2026 in einem größeren Publikumsverlag, nämlich bei Ullstein, erschienen ist. Es bleibt zu hoffen, dass sie dann nicht mehr nur ein Geheimtipp hierzulande bleiben wird.

Schon ein paar Mal hatte ich mich einerseits begeistert von Okorafors Schreiben gezeigt und zugleich ein dickes Danke an Cross Cult formuliert, wo ihre bisher ins Deutsche übersetzten Texte erschienen sind. Auch wenn Cross Cult nun nicht mehr Indie ist, hätte ich ihnen viel mehr Erfolg mit dieser Autorin gewünscht.

Sei es drum. Die hier vorliegende Ausgabe ist tatsächlich nur noch antiquarisch zu finden und ansonsten als Print on Demand erhältlich.

(Übersetzung: Claudia Kern)

#lesesommer #roman #nnediokorafor #crosscult #sciencefiction #africanfuturismus #zukunft #herkunft #fremde #kultur #überleben #lesen #leselust #leseratte #bücher #literatur

Samstag, 1. August 2026

Asma Mhalla: Cyberpunk. Das neue totalitäre System


„Asma Mhalla zeigt in ‚Cyberpunk‘, wie im 21. Jahrhundert ein zweiköpfiges technopolitisches Herrschaftsmonster entsteht: ein neuer Leviathan aus politischer Inszenierung und technologischer Programmierung. Statt historischer Vergleiche nutzt sie die Bildwelt der Science-Fiction – von Blade Runner bis Matrix -, um den Umbau der Demokratie sichtbar zu machen.“ (Umschlagtext)

Wenn derzeit mit viel Marketingblingbling über die Möglichkeiten von KI und Technologien gesprochen wird, klingt es ja immer wieder nach Science-Fiction, die da um die nächste Ecke liegt. Was läge also näher als genau das, was dieser Essay dem Umschlagtext nach vornimmt: Sprache und Ästhetik eines Erzählgenres zu nutzen, um die Welt zu beschrieben, die sich gerade auftut.

Ich bin gespannt, wie fruchtbar diese Herangehensweise ist. Unterhaltsam dürfte sie allemal sein. ;)

„Asma Mhalla ist die Pariser Starintellektuelle der Stunde. Ihr Essay ‚Cyberpunk‘ stand in Frankreich zuletzt monatelang auf der Bestsellerliste und erscheint nun auf Deutsch. Darin beschreibt sie auf bestechende Weise die politischen Entwicklungen unserer Zeit: Ein hybrides, technopolitisches Regime ist am Werk, das einerseits eine große Show inszeniert, während im Hintergrund das System programmiert wird. Sein Einfluss breitet sich still und leise global aus, gestaltet die Demokratie um und kolonisiert Körper wie Geist. Um den aktuellen Verfall der liberalen Demokratie zu verstehen, hilft laut Mhalla kein Rückgriff auf die 1920er- und 1930er-jahre. Stattdessen führt sie uns in die dystopische Welt der Science-Fiction: in stahlharte technologische Gehäuse, in denen desillusionierte Individuen durch apokalyptische Städte irren und von hochzentralisierten Autoritäten mittels KI-Systemen gesteuert werden. Blade Runner und Matrix lassen grüßen.“ (Klappentext)

(Übersetzung: Stephanie Singh)

#lesesommer #sachbuch #asmamhalla #chbeck #editionmercator #cyberpunk #zukunft #gegenwart #technologie #dystopie #gesellschaft #ki #demokratie #leben #debatte #polbil #trainerlife #lesen #leselust #leseratte #bücher

Samstag, 25. Juli 2026

Xiao Bai: Die Verschwörung von Shanghai


„Ein Attentat im Hafen und die bildhübsche Ehefrau an der Seite des Opfers verschwunden. Die Spur führt in die Französische Konzession: 1931 eine zu Reichtum gekommene europäische Enklave mitten in Shanghai, bevölkert von Gangstern, korrupten Polizisten, Revolutionären und Spionen … Xiao Bai spinnt eine meisterhafte Intrige rund um ein verhängnisvolles Begehren, literarisch, spannend, atmosphärisch.“ (Umschlagtext)

Hui, vom Insel Verlag hatte ich länger nichts mehr auf dem Lesestapel und erwarte gute Unterhaltung, ein gepflegtes UE also. (U-nterhaltung, E-rnste Kunst 😉)

Und mal ehrlich, wie schon häufiger an dieser Stelle angemerkt, wir kennen trotz all der unendlich vielen Neuerscheinungen in jedem Jahr dann doch so wenig von der Literatur in der ganzen Welt. Natürlich unterliegt die Auswahl der Verlage immer auch Trends, die sicher nicht nur literaturwissenschaftlich begründet sind, sondern eben eher politischen Trends folgen. Die wiederum können ja dann doch auch oft ein Interesse bei uns, dem Publikum, entfachen. Schade nur, dass es solcher Konjunkturen bedarf, gelle. ^^

Egal, ich bin dann mal gespannt. 😊

„An Deck des Ozeandampfers mit Kurs auf Shanghai schießt Hsueh heimlich ein Bild von ihr. Er ist Fotograf, sie wunderschön, sie verlieren einander aus den Augen. Doch als nach den Schüssen unten am Hafen ihr Gesicht in jeder Zeitung auftaucht und er ihr dann in den Gassen der Französischen Konzession wiederbegegnet, verfällt er ihr hoffnungslos. Um in ihrer Nähe zu sein, wird er Teil eines doppelbödigen Spiels, als Spitzel für die Polizei, Kämpfer für die Revolution und als Waffenhändler. Nur hat Leidenschaft allein in der Französischen Konzession noch niemanden vor einer Kugel bewahrt, das weiß er ganz genau …“ (Klappentext)

(Übersetzung: Lutz-W. Wolff)

#lesesommer #roman #xiaobai #inselverlag #china #1930er #shanghai #thriller #untergrund #liebe #geschichte #spione #gangster #lesen #leselust #leseratte #bücher #literatur 

Freitag, 24. Juli 2026

Mosaik #607 und #608


Ok, die Hundine will offenbar eher ins Wochenende schlummern. Umso mehr bleibt mir Zeit für Eskapismus in Bunt. ;)

#lesesommer #comic #mosaik #abrafaxe #abenteuer #zeitreise #mittelalter #prag #hradschin #aberglaube #alchemie #jagd #lesen #leselust #leseratte #bücher #yesyoucomican