Sonntag, 1. November 2026

Jochen Schmidt: Schneckenmühle


„Schon Monate vorher träumte ich nachts immer wieder von der Abfahrt, wenn die Kinder in aller Frühe von ihren Eltern im Bahnhofsgebäude abgegeben werden.“ (Seite 7)

Ganz wie Jens, Hauptfigur und Erzähler in diesem Text, war auch ich im Sommer 1989 im Ferienlager, und ich war ebenfalls 14 Jahre alt. Im Gegensatz zu Jens konnte ich damals drei Wochen (glaube ich mich zu erinnern) in ein Betriebsferienlager in der Nähe des tschechischen Ostrava fahren. Jens im Text fährt ins Ferienlager Schneckenmühle, bei Liebstadt, südlich von Sachsen. Bestimmt auch schön. 😊

Das Phänomen Ferienlager ist für mich also sofort anschlussfähig. Dieses ganz eigene Biotop, in dem Kinder und Jugendliche in bunt zusammengewürfelten Gruppen irgendwo, gern im Nirgendwo, in Baracken untergebracht waren – aber immerhin weg von zuhause, ohne Eltern und mit oft genug recht seltsamen Gestalten als Betreuer*innen.

Auch dieses Gefühl, plötzlich in eine Gruppe unbekannter Menschen reingeworfen zu werden, mit denen man auf einmal das Zimmer teilen muss, schnarchend, schnatternd, demonstrativ furzend, in durchgehangenen Doppelstockbetten untergebracht – achja, auch daran kann ich mich noch gut erinnern.

Aus der lauten Masse an Kindern schälten sich dann einzelne Charaktere heraus, die vermutlich jeder Sammlung von Stereotypen wunderbar entsprochen hätten. Laute Rumkrakeeler, strenge Sportler, nachdenklich Leise, und und und. Niemand weiß, ob Eltern jemals wussten, welche Macken ihre Lieblinge in solchen Konstellationen dann gerne mal offenbarten.

Auch die Gruppenaktivitäten schienen sich zu gleichen. Es gab Apelle, Sport und Spiel im Wald, mit Glück an einem See in der Nähe, Wanderungen, Ausflüge, Bergfeste, Neptunfeste (nur mit See, nehme ich an) und natürlich die berühmt-berüchtigte Nachtwanderung als Höhepunkt.

Und alles kam uns unglaublich bedeutsam, einmalig vor. Hach, auch deswegen lesen und erzählen wir alle so gern über diese Zeit, damals, als wir jung waren. 😊

Jochen Schmidt lässt Jens, seinen Erzähler, in vielen kleinen Absätzen allerhand aus dem Lagerleben aber auch vom Zuhause in Berlin in einer christlichen Familie erzählen. Dabei springen die kleinen Anekdoten in Zeit und Ort hin und her und bleiben für meinen Geschmack viel zu unverbunden in der Luft hängen. Es ist zwar klar, dass die Zeit in Schneckenmühle das erzählerische Jetzt ist, aber irgendwie entstand für mich kein konsistenter roter Faden – es blieben eher sehr viele lose Enden.

Auch das Herstellen der Authentizität dieser zeitgebundenen Geschichte empfand ich nicht so geglückt. Das viele Namedroping von DDR-Typischem hat mich beim Lesen eher genervt, als dass es mich in die Zeit zurückversetzt hätte.

Wenn mich meine eigene Erinnerung nicht trügt, war das Ferienlager in diesem Sommer sehr stark geprägt davon, dass es die bekannte, ein bisschen militärisch-sportiv angehauchte Struktur des Lagerlebens immer noch gab, die schon immer in leichter Diskrepanz zu den gern wilden Dynamiken stand, die sich gern ergeben, wenn so viele Kinder und Jugendliche über mehrere Wochen an einem Ort zusammen sind. Dazu kam im Sommer 1989 eben auch, dass die Welt da draußen, die sich ja in diesen Monaten rasend weiterdrehte, auch vor diesen idyllischen Zeitinseln keinen Halt machte. Eine gewisse Unruhe stellte sich unter den Erwachsenen eigentlich überall ein aufgrund all der Entwicklungen.

Irgendwie weht auch das ein wenig zwischen die Zeilen, erreichte mich aber beim Lesen nicht wirklich. Damit blieb der Text für mich zwar kurzweilig zu lesen aber eben leider auch viel zu banal, um tatsächlich wirken zu können. All die lobenden Blurbs auf dem Buchumschlag verhallten für mich. Ein bisschen schade eigentlich!

Kurz und gut: Irgendwie ein bisschen Ostalgie. Muss man nicht lesen!

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Donnerstag, 29. Oktober 2026

Jan Jekal: Paranoia in Hollywood. Wie die USA exilierte Künstler erst retteten und dann verfolgten. 1941-1953


„Von Brecht bis zu den Manns, von Vicki Baum bis William Wyler: Ein Panorama des ‚Deutschen Hollywood‘

Los Angeles zu Beginn der 1940er-Jahre: Aus Europa treffen die vor den Nazis Geflüchteten ein. Sie werden Teil der boomenden Filmindustrie Hollywoods, finden im paradiesischen Kalifornien eine neue Heimat. Doch mit dem Ende des Krieges schlägt die Stimmung um. Eben noch als noble Nazi-Gegner gefeiert, wird jetzt ihr Müll vom FBI durchsucht. Der McCarthyismus macht aus Freigeistern feindliche ‚Kommunisten‘. Das Land, das Zuflucht war, wird zum Ort der Repression und Verfolgung.

Fesselnd und stimmungsvoll zeichnet Jan Jekal anhand bisher unveröffentlichter Dokumente nach, wie die deutschen Exilierten in Hollywood am autoritären Amerika verzweifelten – oder sich wehrten: mit Witz, Courage und mit Filmen, die zu Klassikern geworden sind.“ (Umschlagtext)

Vor vielen, vielen Jahren erlebte ich an der Uni die eine oder andere Veranstaltung zu Exilliteratur deutscher Exilant*innen in der Zeit des Nationalsozialismus. All die Geschichten des Dazwischen, des Ankommens, der Fremdheit, der Zerrissenheit, dann der Verfolgung und des erneuten Widerstands berührten mich damals schon sehr. Ich freue mich auf eine breitere Sicht auf die Exil-Szene und deren Leben im Zeichen des McCarthyismus.

Und es macht vermutlich mal so richtig Sinn erneut einen Blick auf diese Geschichte zu werfen – die USA unter Trump und die autoritären Entwicklungen weltweit vor Augen.

Ganz am Rande: geiles Cover, hat mich gleich gekriegt! 😉

„Santa Monica, Pacific Palisades und Beverly Hills – das sind die klingenden Namen des kalifornischen Idylls, in dem sie Zuflucht gefunden haben: Filmemacher und Schauspieler, Schriftsteller und Intellektuelle, die vor den Nazis aus Europa flüchten mussten, darunter Bertolt Brecht, Helene Weigel und Hanns Eisler, Billy Wilder und Fritz Lang, Thomas und Heinrich Mann. Zusammen mit jenen, die schon zuvor dem Ruf der Filmindustrie Hollywoods gefolgt sind, bilden sie eine Solidargemeinschaft der Exilierten.

Doch dieses romantische ‚Weimar am Pazifik‘ ist nicht die ganze Geschichte: Noch während sie im beginnenden Krieg ihren Beitrag aufseiten der Alliierten leisten, werden die Geflüchteten zu Verdächtigen. Genau jene Eigenschaften, die sie erst beliebt machten, werden ihnen bald zum Verhängnis: Ist das, was man zunächst für kosmopolitisch hielt, nicht eigentlich unamerikanisch?“ (Verlagstext)

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Sonntag, 25. Oktober 2026

Margaret Atwood: Der Report der Magd


„Wir schliefen in dem Raum, der einst die Turnhalle gewesen war.“ (Seite 11)

Wenn das 20. Jahrhundert mit einer gewissen Zukunftsfreudigkeit endete, also wenigstens der Annahme, die Zukunft könnte auch strahlend und hoffnungsfroh sein, dann scheint die Menschheit im 21. Jahrhundert fest entschlossen, lieber die Realität den Dystopien anzupassen, die sonst dem Film und der Literatur vorbehalten zu sein schien.

Nehmen wir doch den „Report der Magd“. 1985 erschien dieser Roman zuerst und wurde, soweit ich weiß, auch schon viel gelesen. Offenbar war der Stoff immer noch gut genug, um 2017 bis 2025 als Serienformat ausgestrahlt zu werden.

Der Roman ist einer der wenigen, die ich tatsächlich mehrfach gelesen habe. Das erste Mal, in den 90ern, fand ich die Story krass, hatte aber nicht den Eindruck, etwas anderes zu lesen als eine sehr düstere aber eher unwahrscheinliche Version einer möglichen Zukunft. Nun, beim letzten Lesen, fühlte sich die Story gar nicht mehr so weit weg an.

Zugegeben, Romanvorlage und Verfilmung kurz hintereinander zu konsumieren erhöht schon auch die Greifbarkeit und Unmittelbarkeit, allein, weil die Szenen im Wort plötzlich realistisch mit nahbaren Figuren dargestellt werden. Aber viel unmittelbarer entstand dieser Eindruck mit jeder neuen Schlagzeile, die das erneute Regime (ja, den Begriff verwende ich hier absichtlich) des Donald Trump produziert.

Und nur ganz am Rande: bekommt irgendjemand nicht sofort Kommandant-Waterford-Vibes beim Anblick von JD Vance?

Die Handlung brauche ich hier vermutlich tatsächlich niemandem mehr zusammenfassen. Lest das Buch, schaut die Serie! 😉

Ich kann also bei dem Punkt der Annäherung von Realität und Fiktion bleiben. Bitter genug, dass darüber überhaupt zu sprechen ist.

In den 90ern wirkte die Vorstellung, Religion könnte jenseits der Rolle als moralische Stimme in der öffentlichen Debatte jemals wieder so prägend das Leben der Menschen bestimmen wie ehedem, vorsichtig formuliert – skurril, schrullig. Offenbar war das ein sehr getrübter Blick und schon auch stark europäisch, ostdeutsch, Post-Wende geprägt. Jenseits kirchlicher Strukturen, die zumindest in meiner Vorstellung lange synonym für Religion standen, gab es offensichtlich Entwicklungen, die hierzulande nur langsam und spärlich sichtbar wurden.

Schräge Freikirchen-Mega-Events, evangelikale Endzeitfantasien etc. waren so ein typisch-komisches Ding, dass halt nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten vorstellbar war – weniger im Schwarzwald. Den Zulauf, den freikirchlich-evangelikale Zusammenhänge erfuhren und erfahren, zu verstehen als Reaktion auf eine immer unsicherer werdende Welt – seien es Kriege, seien es wirtschaftliche Entwicklungen, seien es Naturkatastrophen – ist augenscheinlich keine Schrulle mehr.

Noch ein Einschub: es ist doch verrückt, wie viel religiöser Content sich inzwischen auf den Social Media Plattformen findet, verbreitet von eher jungen Menschen, die offensichtlich im Hier und Heute und unter uns leben.

Und da wird dann ein biopolitisches Thema auf einmal zum scheinbaren Spaltpilz eines ganzen Landes. Die Fronten verlaufen dabei nicht mal zwischen unterschiedlichen Ethiken, sondern dezidiert mit wissenschaftlich vs. religiös argumentierenden Seiten. Dabei geht es nur vordergründig um die Pille und eine Abtreibung als Möglichkeit zur eigenen Entscheidung derer, die schwanger werden können. Zumindest aus meinem Blickwinkel geht es um die Verfügung über den weiblichen Körper.

Daran reihen sich ganz schnell eine ganze Menge Fragen danach, wie wir unsere Gesellschaften denken und leben wollen auf. Frauen Freiheitsrechte einzuschränken, geht einher mit einem Beschreiten des autoritären Pfades, an dessen Wegesrand dann auch gleich noch erkämpfte Rechte von Minderheiten abgeräumt werden.

Im Roman erfolgt dieser gesellschaftliche Rollback in Reaktion und als Antwort auf die moderne, liberale Gesellschaft, wie wir sie kennen. Leider finden sich in der fiktionalen Geschichte genügend Menschen, die glauben dies alles für eine bessere Zukunft in Kauf nehmen zu können und zu wollen. Wie ausweglos, repressiv und gewaltvoll dieser Weg ist, erzählt Atwood aus der Perspektive einer Magd. Ihr Preis des Überlebens ist das sich Einfügen, das Akzeptieren. Erst dann wird ihr Widerstand möglich.

Ein letzter Gedanke, der sich immer wieder aufdrängt. Globalisierung und Digitalisierung haben ein Ausmaß gesellschaftlicher Umwälzungen ermöglicht, dass allenfalls Science Fiction Autor*innen vorhergesehen haben. Den Takt und die Richtung scheinen aber ausschließlich Tech-Oligarchen vorzugeben, die als Nerds gestartet sind, die sich womöglich in genau solchen Zukunftsfantasien verloren, die sie heute in den schlimmstmöglichen Varianten umzusetzen scheinen wollen.

Das spricht überhaupt nicht gegen solche Literatur, ganz im Gegenteil. Heute lesen wir diese Texte erst recht als Mahnung und Aufruf an uns.

Kurz und gut: So wichtig, so gut. Lesen!

(Übersetzung: Helga Pfetsch)

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Dienstag, 20. Oktober 2026

Marcus Hawel/ Stefan Kalmring (Hrsg.): (Ohn)Macht überwinden! Politische Bildung in einer zerrissenen Gesellschaft


„Es ist wahr, wir leben in schwierigen Zeiten.“ (Seite 7)

Wenn es schwierig ist, politische Konfliktlagen undurchsichtig erscheinen, Bewegungen oder Parteien tief in der Krise stecken – dann schlägt die Zeit politischer Bildung. Zumindest wird immer dann am lautesten danach gerufen. Und mir scheint, dass die Rufenden dann gern auch mal deutlich andere Vorstellungen davon haben, was politische Bildung denn nun sei oder vermöchte.

Allein schon deshalb gebührt den Herausgebern und Autor*innen dieses Sammelbandes ein dicker Dank dafür, dass sie fußend auf der Arbeit im Kosmos der Rosa-Luxemburg-Stiftung Erfahrungen, Erkenntnisse und Fragen zusammengetragen haben. Danke also! 😊

Was also kann politische Bildung nun? Ganz grundsätzlich kann sie aufklären, Politikfähigkeit und -verständnis stärken, Handwerk vermitteln und Räume gestalten, in denen inhaltlich wie handwerklich experimentiert werden kann. Ein Denkraum, Handlungsraum und Aushandlungsraum. Sie ist aber eben kein Ersatz dafür, tatsächlich Politik zu gestalten, politisch aktiv zu werden. Und sie ist kein Notfall-Kit, dass sich hervorziehen lässt, wenn es eigentlich an der Zeit ist zu handeln.

Politische Bildung braucht Ressourcen, Zeit, Planung und den Willen, Menschen mit dem Erlernten und Erarbeiteten dann auch wirken zu lassen.

In der Praxis fällt mir oft auf, dass natürlich alle gern über die großen Themen sprechen wollen. Politische Bildung aber auf das rein Inhaltliche zu reduzieren, springt für meinen Geschmack zu kurz. Weil das die Fragen nach der eigenen Organisierung und der der Gesellschaft unbeantwortet lässt, die ja aber essenziell sind, wenn wir mit dem schönen Wissen auch tatsächlich etwas anfangen wollen.

Was uns hier helfen kann, sind kommunikative Grundlagen und Fähigkeiten. Bei all dem Wissen um Kommunikation, dass inzwischen Allgemeingut und in Teilen sogar Schulwissen ist, bleibt oft eben doch zu beobachten, dass zum Beispiel gesellschaftliche Polarisierungen eben auch dazu führen, dass dieses Wissen dem reinen Meinunghaben geopfert wird. Wenn sich Politik machen aber darin erschöpft, ist für aufklärerische, emanzipatorische, progressive Ziele nicht viel zu gewinnen.

Nicht weniger hilfreich finde ich all die Ansätze, die sich in den Kämpfen um Anerkennung, Sichtbarkeit und Selbstwirksamkeit herausgebildet haben. Das ganze woke Zeug eben; auch wenn das inzwischen zum allgemeinen Schimpfwort geworden zu sein scheint.

Und das Wichtigste will ich natürlich nicht vergessen. Politische Bildung ist niemals ein Selbstzweck, sondern zielt auf gesellschaftliche Veränderung. Dafür braucht Menschen mit klarem Blick, offenen Herzen und all den Kenntnissen und Fähigkeiten, die uns helfen können, die Welt ein Stück besser zu machen.

Kurz und gut: Ein feiner Band zum Reflektieren und Stöbern für alle, die praktische Bildungsarbeit für eine bessere Welt machen. Lesen!

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Montag, 19. Oktober 2026

Jonas Lüscher: Verzauberte Vorbestimmung


„Wovon träumen wir Menschen des Kapitalismus, wovon unsere sich zunehmend gegen uns erhebenden Maschinen? Im einzigartigen Spiegelraum dieses Romans ist kein Konflikt vorbei und noch jede Geschichte möglich. Klug und irrsinnig, komisch und scharf erzählt Jonas Lüscher von einer Gegenwart, die gern mehr über ihre Zukunft wüsste.“ (Umschlagtext)

Flucht aus dem Alltag, die Welt mit anderen Augen sehen – es gibt ja so einige Beschreibungen dessen, was Literatur, was Erzählen so vermag. Ausgangspunkt sind wir immer selbst, im Hier und im Jetzt. Egal in welche fremden Welten und Zeiten uns eine Geschichte entführt.

Das Fremde und Ferne steckt aber oft genug auch im Hier und Jetzt und braucht nur eine gute Geschichte, eine Stimme, die sich mehr als das scheinbar Unvermeidliche zu beschreiben traut. Daraus können Dystopien entstehen, die seit etlichen Jahren so hoch im Kurs stehen, aber eben auch Utopien oder Anstöße, unser Jetzt zu hinterfragen.

Ich weiß noch nicht genau, welche Richtung oder Richtungen dieser Roman einschlagen wird, bin aber wirklich neugierig darauf. 😊

„Ein algerischer Soldat gerät in den ersten deutschen Giftgasangriff, beschließt, einer müsse damit aufhören, steht auf und geht. Im Kairo der Zukunft beobachtet eine Stand-up-Comidian eine Androidin beim Lachen über ihre Witze. Ein böhmischer Weber wird durch einen automatisierten Webstuhl ersetzt, raubt einen Hammer und attackiert den Apparat. Wovon träumen wir Menschen des Kapitalismus, wovon unsere sich zunehmend gegen uns erhebenden Maschinen? Im einzigartigen Spiegelraum dieses Romans ist kein Konflikt vorbei und noch jede Geschichte möglich. Klug und irrsinnig, komisch und scharf erzählt Jonas Lüscher auf der Höhe seiner Kunst.“ (Verlagstext)

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Sonntag, 18. Oktober 2026

Taiyo Matsumoto: Tokyo dieser Tage 1


„Die Suche nach dem perfekten Manga – Kreativität, Scheitern und Neuanfang

„Nach drei Jahrzehnten als Manga-Redakteur kündigt Kazuo Shiozawa seine Stelle bei einem renommierten Verlagshaus. Das von ihm gegründete Magazin ist mittlerweile eingestellt und ein Abschied scheint die logische Konsequenz. Doch Shiozawa kann seine Leidenschaft für Manga nicht abschütteln. Und so driftet er durch Tokyo, trifft sich mit verschiedenen Zeichnern und schmiedet Pläne für ein neues, ganz besonderes Projekt …

Taiyo Matsumoto verwandelt seine eigenen Erfahrungen mit den komplexen Arbeitsabläufen in der Manga-Welt in eine poetische Betrachtung der Bande zwischen Manga-Schöpfern und ihren Redakteuren, der Kunst und des Lebensgefühls im heutigen Tokyo.“ (Umschlagtext)

Zum Glück ist ja länger schon das Bild von Manga als ausschließlichem Erzählmedium für Teenies auch hierzulande aufgebrochen. Folgerichtig gibt es sie auch beim Reprodukt Verlag, der sich die Mangas, die neben den Comics ins Programm kommen, offensichtlich wohl aussucht. Für diejenigen, die neben kreischenden Speedlines, abgedrehten Charakteren und wilde Storys – um nur ein paar doofe Klischees auszupacken – entdecken wollen, was diese Comicform noch so zu bieten hat, eine feine Fundgrube.

Ich freu mich immer noch über dieses hübsche Geburtstagsgeschenk, auch wenn´s schon wieder ein paar Monate her ist. Also auf nach Tokyo! 😊

„Nach drei Jahrzehnten als Manga-Redakteur kündigt Kazuo Shiozawa seine Stelle bei einem renommierten Verlagshaus. Das von ihm gegründete Magazin ist mittlerweile eingestellt und ein Abschied scheint die logische Konsequenz. Doch Shiozawa kann seine Leidenschaft für Manga nicht abschütteln. Und so driftet er durch Tokyo, trifft sich mit verschiedenen Zeichnern und schmiedet Pläne für ein neues, ganz besonderes Projekt...

In seinem aktuellen dreiteiligen Werk "Tokyo dieser Tage" beschäftigt sich Taiyo Matsumoto mit den Beziehungen zwischen Manga-Redakteur:innen und -Autor:innen, die in Japan so eng verflochten sind wie auf keinem anderem Comicmarkt der Welt, und nutzt dieses Thema zu einer Betrachtung von Lebensgefühl und -rhythmus im Tokyo von heute.

Die Übersetzung aus dem Japanischen wurde gefördert von Litprom e.V. in Kooperation mit dem Goethe-Institut.“ (Verlagstext)

(Übersetzung: Daniel Büchner)

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Montag, 12. Oktober 2026

Bernhard Pörksen: Zuhören. Die Kunst, sich der Welt zu öffnen


„Was heißt es, wirklich zuzuhören, die eigenen Überzeugungen in Frage zu stellen? Wie erreicht man diejenigen, die man nicht mehr erreicht? Bernhard Pörksen zeigt, welche Mechanismen das Zuhören verhindern – ob im privaten Umgang oder in der Öffentlichkeit. Und er präsentiert Ansätze und Methoden, die eine neue Offenheit, tieferes Verstehen und empathisches Zuhören ermöglichen.“ (Umschlagtext)

Achja, bei all der gesellschaftlichen Gereiztheit ist ja eigentlich so klar wie banal, was unter anderem helfen würde. Zuhören zum Beispiel.

Und trotzdem ist Offensichtliches oft so schwer zu haben. Im Grunde ist egal, ob wir bekannten Mechanismen neue Namen geben. Die Frage scheint ja eher zu sein, was es braucht, um ihnen wieder neues Gewicht zu verleihen – auch unter den Vorzeichen neuer Kommunikationskanäle und Medien. Der Anfang liegt, wie so oft, bei uns selbst.

Diese Selbstvergewisserung ist stehe Aufgabe, muss offensichtlich immer wieder eingeübt und praktiziert werden, damit wir ihren Wert nicht vergessen und immer wieder neu erfahren können. Und deswegen braucht es auch solche Bücher immer wieder – ich bin gespannt auf die Lektüre.

„Was heißt es, wirklich zuzuhören, die eigenen Überzeugungen infrage zu stellen, sich der Weltsicht des anderen auszusetzen? Warum hört man so lange nicht auf die Opfer sexuellen Missbrauchs, warum nicht auf die Warnungen vor dem Klimawandel? Bernhard Pörksen zeigt, welche Mechanismen das Zuhören verhindern. Und er präsentiert Ansätze und Methoden, die tieferes Verstehen und empathisches Zuhören ermöglichen. Wie erreicht man, so lautet die Schlüsselfrage, diejenigen, die man nicht mehr erreicht?“ (Verlagstext)

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