Sonntag, 15. Februar 2026

Volker Ullrich: Schicksalsstunden einer Demokratie. Das aufhaltsame Scheitern der Weimarer Republik


„Demokratien sind fragil. Freiheiten, die fest errungen scheinen, können verspielt werden. Wenige historische Ereignisse verdeutlichen die so eindringlich wie das Scheitern der Weimarer Republik. Volker Ullrich erzählt eines der größten Dramen der Weltgeschichte – anschaulich, spannend und nahe an den handelnden Personen. Chancen blieben ungenutzt, Alternativen wurden verspielt. Nichts war zwangsläufig oder unvermeidbar. Die Schicksalsstunden einer Demokratie, es gab sie von den Anfängen in der Revolution von 1918 bis zu den verhängnisvollen Tagen im Januar 1933. Es kommt auf die konkreten Handlungen einzelner Personen an – damals wie heute. Eine Lektüre, die beklemmende Parallelen zur Gegenwart zeigt.“ (Umschlagtext)

Man sollte meinen, es gäbe inzwischen genügend Studien, Berichte, Analysen – darüber, was einer Demokratie droht, wenn die Demokrat:innen nicht entschieden zu ihrer Rettung beitragen. Und das bezieht sich ganz sicher eben nicht nur auf die Politiker:innen. So richtig besser will es aber anscheinend nicht werden, trotz all der Regalmeter.

Spricht das dagegen, sich immer und immer wieder mit historischen Momenten auseinanderzusetzen, um im Hier und Heute handeln zu können? Natürlich nicht.

Aber eine Frage wäre da noch: Wo sind all die mutmachenden, hoffnungsvollen und inspirierenden Texte, die Kraft geben und auch Lust machen auf Demokratie? Machen wir uns tatsächlich oft genug auch klar, was wir verteidigen wollen?

„Die Geburt der Weimarer Republik stand unter einem denkbar ungünstigen Stern. Das deutsche Kaiserreich hatte den Weltkrieg krachend verloren. Der Versailler Vertrag legte dem besiegten Land harte Bedingungen auf. Eine nicht abreißende Kette von Krisen – unterbrochen nur durch eine Phase scheinbarer Stabilisierung Mitte der 20er Jahre – erschütterte die Republik. Doch trotz aller Belastungen – das Experiment der ersten deutschen Demokratie war nicht von allem Anfang an auf ein ruhmloses Ende angelegt. In seinem packenden Buch zeigt der renommierte Historiker und Publizist Volker Ullrich, dass es immer wieder Gelegenheiten gab, die Weichen anders zu stellen, von der Gründungsphase der Republik bis zum Januar 1933. So ist Ullrichs Buch auch eine eindringliche Warnung: Wir haben es in der Hand, ob die Demokratie siegt oder scheitert.“(Verlagstext)

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Samstag, 14. Februar 2026

Laura Laabs: Adlergestell


„Wie beginnt man ein Leben am Ender der Geschichte?

Drei Mädchen vom Stadtrand, Center Shock auf der Zunge, abgerissener Mercedesstern um den Hals. Das sechsspurige Adlergestell vor der Nase. Ostberliner Kindheit um 1990.

Sie sind frei. Das wird jedenfalls behauptet. Freier als ihre Mütter, die sich verlieren in den Wirren des Umbruchs. Freier als ihre Großmütter, die noch immer verfolgt werden von den Gespenstern der Vergangenheit. Die drei Mädchen wollen ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Doch als sie merken, dass auch die neue Freiheit Grenzen hat, kommt es zum Knall.“ (Umschlagtext)

Mal ist es das Cover, mal eine Rezension oder ein Lesetipp – und manchmal ist es eine Lesung, die ich eigentlich nur als Begleitung erlebe. Die Kombination aus der Autorin und Jürgen Kuttner auf der Bühne war aber auch herrlich launisch und unterhaltsam zugleich.

Es war natürlich auch ein interessanter, ostiger Auftritt, weil es ja schließlich um eine Kindheit in Ostberlin geht. Und da passte Jürgen Kuttner eben auch wie die Faust aufs Auge als Gesprächspartner für Laura Laabs, die 1985 in Ost-Berlin geboren wurde und Kuttners Stimme sicher oft genug in den Neunzigern im Ohr hatte.

Mal wieder führt mich ein Roman also zurück in die Wende-/Nachwendezeit in Ostdeutschland, obwohl Berlin vermutlich auch damals ein etwas anderes Pflaster war als der Rest des Ostens. Zumindest ist das in meiner Erinnerung so. Zumeist sind mir bisher ja eher Geschichten von Jungs oder jungen Männern aus dieser Zeit in die Hände gefallen. Es wird also Zeit, auch mal die Geschichten von jungen Mädchen und Frauen aus dieser Zeit zu lesen.

„Lenka, Chaline und die Erzählerin wachsen Tür an Tür auf, an der großen Berliner Ausfallstraße, dem Adlergestell. Beste Freunde, unzertrennlich, trotz oder wegen der völlig verschiedenen Milieus, aus denen sie kommen. Mit dem Schulanfang treten sie ein in das Chaos nach dem ‚Ende der Geschichte‘. Das schmeckt so süß und prickelt so sauer wie die neuen Center Shocks. Doch die großen Erwartungen zerplatzen so schnell wie ihre Kaugummiblasen. Denn den Adler kümmert ihre Existenz wenig und ein Gestell gibt keinen Halt. 35 Jahre danach beginnt die Erzählerin eine Spurensuche. Warum haben sie sich verloren? Was hat ihre Vergangenheit, die ihrer Mütter und Großmütter, mit den Verwerfungen von heute zu tun? Und hatten sie überhaupt eine Chance?
Ein furioser Nachwenderoman, der mitten in unsere Gegenwart führt.“ (Klappentext)

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Sonntag, 8. Februar 2026

Ulli Lust: Die Frau als Mensch. Am Anfang der Geschichte


„Stolze Hüften aus Knochen, Stein, gebranntem Ton – wir nennen sie Göttinnen, doch wer oder was waren sie wirklich?

In Büchern über die Steinzeit sehen wir vorrangig Männer beim Jagen, Feuersteinschlagen oder Höhlenbemalen. Die meisten Menschenbilder aber, die uns von Eiszeitmenschen selbst hinterlassen wurden, zeigen Frauen. Was waren das für Gesellschaften, die sie und ihr Geschlecht so zentral und ohne Scham darstellten?

In ihrem groß angelegten Sachcomic geht Ulli Lust zurück zu den Anfängen der Kunst und lotet die Bedeutung der Empathie für das Überleben unserer Spezies aus. Rund um die archaisch-weiblichen Figuren entfaltet sich eine vergessene Welt, in der die Heldenreise Gruppensache war, die nur gemeinsam bestanden werden konnte.“ (Umschlagtext)

Mir kamen in letzter Zeit ja schon häufiger Arbeiten unter, die neueste archäologische und soziologische Studien enthielten, um das Bild unserer Ur- und Frühgeschichte neu zu justieren. Dazu gehört das Aufräumen von heute gängigen gesellschaftlichen Vorstellungen und dem Gefühl, diese seien naturgegeben und schon immer so gewesen. Ob es das Verhältnis von Arm und Reich, von Stärke und Schwäche oder eben auch das Verhältnis von Mann und Frau (und allem dazwischen) angeht.

Vollkommen folgerichtig schlägt sich das auch im Medium Comic zum Beispiel mit diesem Band von Ulli Lust nieder. Und das Beste, noch bevor ich diesen Sachcomic lesen konnte, der zweite Band erscheint noch in diesem Monat. 😊

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Dienstag, 27. Januar 2026

Philipp Felsch: Der Philosoph. Habermas und wir


„Das intellektuelle Gesicht einer Epoche

Jürgen Habermas hat die intellektuellen und politischen Debatten der Bundesrepublik wie kein anderer geprägt. Machen die Krisen, die wir heute erleben, sein Werk obsolet – oder verleihen sie ihm neue Relevanz? Philipp Felsch wirft einen ebenso persönlichen wie durch die Perspektive seiner Generation geprägten Blick auf den einflussreichsten Denker der deutschen Nachkriegszeit.“ (Umschlagtext)

Es ist schon einige Jahre her, da fand ich den Autor einen wunderbaren Begleiter durch den „Langen Sommer der Theorie“, einen wirklich spannend erzählten Gang durch 30 Jahre linker, bundesrepublikanischer Theoriegeschichte. Ein interessierter Gesprächspartner war er bei einer anderen Gelegenheit. All das spricht für eine feine Lektüre an immer noch kalten Winterabenden. 😉

Insbesondere bin ich gespannt, wie Felsch die Frage beantwortet, ob und was uns Habermas heute zu sagen hat und in dieser erschütternd wilden Zeit sagen kann. Immerhin sind so viele Gewissheiten der letzten Jahrzehnte inzwischen wenigstens in Rutschen gekommen.

„Solange Philipp Felsch zurückdenken kann, war Jürgen Habermas around: als mahnende Stimme der Vernunft, als Stichwortgeber der Erinnerungskultur, als Sohn der Nachbarn seiner Großeltern in Gummersbach. Gehört die intellektuelle Lufthoheit des Philosophen der Vergangenheit an, oder bekommen seine Ideen in der Krise unserer ‚Zeitenwende‘ neue Brisanz? Felsch liest in einem kaum zu überblickenden Oeuvre nach, folgt dessen Autor in die intellektuelle Kampfzone der Bundesrepublik und fährt nach Starnberg, um Habermas zum Tee zu treffen. Dabei entsteht nicht nur das Porträt eines faszinierend widersprüchlichen Denkers, sondern auch der Epoche, der er sein Gesicht verliehen hat.“(Verlagstext)

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Mittwoch, 21. Januar 2026

Mosaik #602 und LUXEMBURG. Gesellschaftsanalyse und linke Praxis 01/26


So viel Farbe im Briefkasten. Besser als Rechnungen, gelle. 😊

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Dienstag, 20. Januar 2026

Rebecca F. Kuang: Babel


„Ein außergewöhnlicher Roman rund um die Schönheit von Sprache und die Grausamkeit von Kolonialismus.

1836. Oxford ist das Zentrum allen Wissens und Fortschritts in der Welt. Denn dort befindet sich Babel, das königliche Institut für Übersetzung, der Turm, von dem die ganze Macht des Britischen Weltreiches ausgeht. Zusammen mit dem Inder Ramy, der Haitianerin Victoire und der Britin Letty studiert der aus China stammende Robin Swift mit Begeisterung die feinen Unterschiede zwischen den Sprachen. Doch der wahrgewordene Traum entfaltet schon bald seinen Schrecken. Denn was bloße Forschung zu sein scheint, ist mit der Unterwerfung ganzer Länder verbunden. Aber wie gegen ein Imperium kämpfen?“ (Umschlagtext)

Beim Internationalen Literaturfestival in Berlin im letzten Jahr platzte die Lesung mit Rebecca F. Kung förmlich aus allen Nähten. Toll daran war es zu sehen, wie viele eher jüngere Menschen die Autorin anzuziehen vermochte. Bei Literaturveranstaltungen ist das ja nun nicht zwingend so. Aber etwas Hype gehört natürlich auch hier dazu.

Einen Roman (Yellowface) hab ich inzwischen schon gelesen und konnte mich davon überzeugen, dass sie ihr Handwerk versteht. Auf die Mischung aus Geschichte und Magie vor dem Hintergrund des westlichen Kolonialismus bin ich tatsächlich sehr gespannt – und durchaus bereit für den Hype. Mal schauen, ob der auch bei mir so zündet. 😊

„Kanton, China, 1828. Nachdem seine Mutter an Cholera stirbt, wird Robin Swift von dem geheimnisvollen Professor Lovell nach London gebracht. Dort lernt der Junge jahrelang Latein, Altgriechisch und Chinesisch, um sich auf den Tag vorzubereiten, an dem er ins Königliche Institut für Übersetzung der Universität Oxford – auch bekannt als Babel – aufgenommen werden soll. Für Robin erfüllt sich ein Traum: Er wird an dem Ort studieren, der die ganze Macht des britischen Empire verkörpert. Denn in Babel wird nicht nur Übersetzung gelehrt, sondern auch Magie. Das Silberwerk – die Kunst, die in der Übersetzung verloren gegangene Bedeutung mithilfe von verzauberten Silberbarren zu manifestieren – hat den Briten unvergleichlichen Einfluss beschert, große Teile der Welt sind Kolonien des Empires.
Für Robin und seine Freunde steht Oxford für das Streben nach Wissen. Doch Wissen gehorcht Macht, und Robin erkennt allmählich, dass Babel zu dienen Verrat an seinem chinesischen Mutterland bedeutet. Im Laufe seines Studiums gerät Robin zwischen Babel und den zwielichtigen Hermes-Bund, eine Organisation, die die imperiale Expansion stoppen will. Als Großbritannien einen ungerechten Krieg mit China um Silber und Opium führt, muss Robin sich für eine Seite entscheiden.“(Verlagstext)

(Übersetzung: Heide Franck/ Alexandra Jordan)

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Montag, 19. Januar 2026

Daniel Marwecki: Die Welt nach dem Westen. Über die Neuordnung der Macht im 21. Jahrhundert


„Die jahrhundertelange Dominanz des Westens ist zu Ende. Daniel Marwecki beschreibt die Welt, wie sie sich gerade vor unseren Augen verändert.

In den Trümmern der Kriege in Gaza und der Ukraine zeichnen sich die Konturen einer neuen Welt ab. Donald Trump ist der westliche Abstiegsmanager, der die USA von einem Imperium zurück in einen Nationalstaat verwandelt – zum Leidwesen eines traurigen Europas, das ahnungslos in die neue, multipolare Welt hineinstolpert. Im Schatten all dessen entfaltet die Dekolonisation – verspätet -ihre Wirkung.“ (Umschlagtext)

Liest man nur die Schlagzeilen, könnte man sich endlos in den einzelnen Krisen, Katastrophen, Kriegen, Auseinandersetzungen und Entwicklungen verlieren. Ist es da ein Wunder, dass selbst die hartgesottensten Politikjunkies inzwischen getrieben scheinen von der Ohnmacht angesichts einer kaum noch zu begreifenden Komplexität? Und ist es gemessen daran nicht mehr als nachvollziehbar, dass ganz individuell die Weltlage ebenso wie die persönliche Situation kaum noch zu fassen, geschweige denn beherrschbar scheint?

Ich möchte darauf vertrauen, dass manchmal der Schritt zurück, der Blick aufs große Ganze hilfreich sein kann, um zu sortieren, zu gewichten, für Kontext und Verständnis. Immerhin geht es uns doch allen darum, Handlungsoptionen und damit ein Gefühl von Selbstwirksamkeit im Kleinen, wie im Großen zu gewinnen.

Ich bin also gespannt, ob dieses Buch dabei ein wenig helfen kann. 😊

„Der Westen hat Angst vor seinem Abstieg. Diese Angst ist nicht neu, aber sie ist berechtigt. Längst lassen sich Staaten wie Indien, Südafrika, Brasilien, Indonesien und Saudi-Arabien nicht mehr auf die hinteren Plätze verweisen. In China finden sie eine mächtige wirtschaftspolitische Alternative. Den USA ist der chinesische Aufstieg längst unheimlich geworden. Mit Russland suchen sie einen Schulterschluss über Europa hinweg – das endlich lernen muss, eigenständig und geschlossen zu handeln. Der Politikwissenschaftler Daniel Marwecki versucht in seinem Buch, die Umbruchsmomente und Katastrophen der Gegenwart einzukreisen und potenzielle Zukünfte zu ertasten.“ (Klappentext)

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