Sonntag, 28. Juni 2026

Eva von Redecker: Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus


„‘Den Kern des Faschismus bildet eine entfesselte Eigentumslogik. Sein Gegenüber sind keine Menschen, sondern Dinge; seine Feinde sind keine Gegner, sondern Diebe.‘

Es geht ein Rechtsruck um die Welt, überall gewinnen autoritäre Kräfte an Macht und Einfluss. Und doch laufen die ewig bemühten Analogien zur Zeit des Nationalsozialismus ins Leere: Der Faschismus der Gegenwart hat eine neue Gestalt, die nicht leicht zu erkennen ist. In Eva von Redeckers wegweisender Analyse gewinnt sein diffuses Wesen an Kontur – und wird angreifbar. Seinen Kern verortet sie in der Beschwörung eines unbedingten Besitzanspruchs, dessen Verteidigung über Leichen geht.

Ein erhellendes und widerständiges Buch, das Verbundenheit gegen die um sich greifende Härte unserer Zeit stellt und Denkfreude verströmt.“ (Umschlagtext)

Was auffällt: Die gesellschaftlichen Zuspitzungen rechts wie links sind zunehmend keine Sache einer bestimmten Generation mehr. Linke sehen sich immer mehr in einer verteidigenden Position anstelle an der Spitze des Fortschritts. Die dabei verwendeten Begriffe zu Kennzeichnung von gegnerischen Positionen wie „Nazi“ kommen den Erscheinungen von rechts offenbar nicht mehr bei und werden von diesen fleißig umgedeutet und selbst angeeignet.

Dass Individualisierung von einer emanzipatorischen Selbstermächtigung durch libertäre Logik schon längst zu reinem Egoismus umgedeutet wurde, der auch gesellschaftlich ausbuchstabiert wird, ist leider auch keine neue Erkenntnis mehr.

Umso mehr greift, was ich als Kern der Analyse von Redeckers zumindest nach der Beschreibung des Textes schon mal ausmachen kann: die Notwendigkeit, die Analyse und Beschreibung der Gegenwart und damit der anstehenden Widerstandskämpfe zu aktualisieren. Ob das in dem Text enthalten ist, werde ich sehen, aber aus dem Bauch würde ich sagen: erst so gewinnt eine Linke auch wieder Sprechfähigkeit über eine Zukunft, die sich nicht nur als Abwehrkampf verstehen muss.

Neben der Lektüre des Buches freue ich mich auf die Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung u.a. mit Miriam Davoudvandi, Didier Eribon, Édouard Louis – und Eva von Redecker zu „Queer und Klasse: Über Armut, Ausgrenzung und Solidarität“ im Juli in Berlin. 😉

„‘Einen Begriff des Faschismus zu haben, bedeutet nicht einfach, etwas sehr Schreckliches klar ins Auge zu fassen. Es heißt auch, die Schrecken der Gegenwart ohne Hang zur Übertreibung und Vereinseitigung ausloten zu können.‘

Es scheint, als sei die Sprache, mit der wir auf den Rechtsruck in der Gesellschaft reagieren könnten, kaputt gegangen: Analogien verkehren sich, Begriffe werden von der Gegenseite vereinnahmt. Eva von Redecker legt eine neue Analyse des Faschismus vor, die unserer Zeit gewachsen ist. Es geht ihr dabei nicht darum, sich möglichst weit on den Feinden abzugrenzen, sondern darum, grundlegenden Widerstand gegen den heute um sich greifenden Drang nach Härte zu leisten, der sich in der entfesselten Verteidigung unbedingter Besitzanmaßungen zuspitzt. Erst, wenn wir seine veränderte Gestalt sprachlich greifen können, verstehen wir, wie der gegenwärtige Faschismus vorgeht – und können ihn wirksam bekämpfen.“ (Klappentext)

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Freitag, 26. Juni 2026

Paul Lynch: Jenseits der See


„Vor der Küste Mexikos werden zwei Männer in ihrem Fischerboot in einem Sturm auf die offene See getrieben. Wie schon in ‚Das Lied des Propheten‘, geht es in diesem Roman von Booker-Preisträger Paul Lynch um alles. Um Überlebenswillen, Einsamkeit und die menschliche Existenz im Angesicht der Katastrophe.“ (Umschlagtext)

Ach, der Mensch und das Meer. Ist ja nicht so, dass wir das nicht schon in verschiedensten Variationen gelesen hätten. Aber – auch das gehört zur Wahrheit dazu – immer wieder kann das begeistern, ob nun Hemmingway oder auch Yann Martel, um nur zwei zu nennen, die mir da direkt einfallen.

„Das Lied des Propheten“ hat mich auf jeden Fall so begeistert, dass ich mich sehr auf die Variation aus der Feder von Paul Lynch freue.

„Der Fischer Bolivar lebt ein einfaches, unbeschwertes Leben. Im Gegensatz zu seinen Kollegen beginnt er seinen Tag meist erst mittags, raucht viel und trinkt Bier bei Rosa, der Frau, in die er verliebt ist. Er will gerade zu seinem Fang aufbrechen, als er von den Dorfbewohnern vor einem aufkommenden Sturm gewarnt wird. Aber Bolivar fährt entgegen jeder Vernunft an diesem Tag zur See. Er nimmt Hector mit, einen jungen Fischer, der das zusätzliche Geld gut gebrauchen kann, das Bolivar ihm für das Wagnis bietet. Obwohl er Angst vor dem Sturm hat, lässt er sich auf den Job ein. Als sie der Sturm aufs Meer treibt, blicken sie gemeinsam – und doch jeder für sich – dem Untergang ins Auge. ‚Jenseits der See‘ zeichnet ein eindringliches Bild der menschlichen Psyche und geht der Frage nach, wie man es schafft, die Hoffnung in einer aussichtslosen Situation nicht zu verlieren.“ (Klappentext)

(Übersetzung: Eike Schönfeld)

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Samstag, 20. Juni 2026

Rainer Mühlhoff: Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus


„In den USA wird massenhaft Verwaltungsmitarbeitern gekündigt, um einen KI-Staat zu errichten. Tech-CEOs verkaufen künstliche Intelligenz als Heilsbringer für die größten Probleme der Menschheit, obwohl die entsprechende Industrie auf Ausbeutung und Menschenverachtung beruht. Warum lässt sich die Öffentlichkeit durch Spekulation ober Erlösung oder Auslöschung durch KI von den erheblichen Schäden durch KI in unserer Gegenwart ablenken? Wie erkennen wir die zunehmend faschistischen Tendenzen, die sich im Zusammenspiel von Tech-Industrie und der neuen Rechten bilden?

Rainer Mühlhoff entwickelt Antworten und diskutiert Lösungsansätze.“ (Umschlagtext)

Beim Internet wie bei den Sozialen Medien ist ja der Eindruck wahrlich nicht so weit hergeholt, dass die Menschheit sich hier euphorisch auf Technologien einließ, für die wir irgendwie in der Breite noch lange nicht wirklich bereit genug zu sein scheinen. Nun also KI.

Und da ist sie wieder, diese Euphorie, die allüberall erschallt. Ängste werden abgetan als reine Panik, wo die neue Technologie doch jetzt wirklich alles besser machen soll – und vor allem schon übervolle Unternehmenskassen noch weiter anschwellen lässt.

Bei allen Rechtsrucken, autoritären Morgendämmerungen und derlei, für die gerade die Sozialen Medien einen so perfekten Resonanzraum zu bieten scheinen, ist es mehr als naheliegend, auch den Hype um KI kritisch zu hinterfragen. Ich bin gespannt.

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Sonntag, 14. Juni 2026

Lars Werner: Zwischen den Dörfern auf Hundert


„‘Partys sind ein Zustand. Den kann man nicht einfach verordnen, Arne! Der muss sich zwischen den Leuten herstellen.‘“ (Seite 7)

Der Osten mal wieder – also literarisch und auf meinem Lesestapel. Da die Geschichte hier 2005/2006 in Dresden und seinem Umland spielt, spüre ich eine deutliche Verschiebung meiner Perspektive. Und das hat mehr mit meiner eigenen Biografie als mit der Story selbst zu tun.

Nach 1994 hat mich mein Leben Stück für Stück aus dem Osten weggeführt. Bestenfalls hätte ich mich in den späten 90ern als Wossi bezeichnet, als … ähem … Wandler zwischen den Welten. Jaja, ich weiß. ^^ Um die Zeit, in der Lars Werners Roman spielt, war ich dann bereits in Berlin angekommen, eigentlich zurück im Osten, aber irgendwie auch nicht wirklich. Eine Jugend in und bei Dresden in dieser Zeit ist also schon recht weit weg von meinem Leben. Aber schauen wir mal. 😊

Benny lebt mit seinen Eltern im Dresdner Umland. Sein Alltag pendelt zwischen langweiliger Schule und dem Erwachsenwerden hin und her. Wie es mit 15, 16 Jahren so ist, fangen Menschen, mit denen man aufgewachsen ist, an sich zu verändern, neue und andere Freunde zu finden. Auch man selbst beginnt mit diesem Erwachsenwerden, was einige Irrungen und Wirrungen mit sich bringt, wie wir alle irgendwie erfahren haben.

Während also ehemalige Freunde aus Kindertagen sich scheinbar über Nacht zu Anhängern von Neonazis entwickeln, treiben Trotz und Wut tief im Bauch Benny eher zum Punk. Auch er lernt neue Leute kennen, findet Freundschaften, die ihn im Jugendzentrum Rosaluchs in einer benachbarten Kleinstadt eine neue Heimat finden lassen. Die ehemaligen Freunde und Benny finden sich also auf einmal auf gegnerischen Seiten wieder.

Nazi oder Punk, wenig Raum für ein dazwischen, das wiederum kommt mir dann doch irgendwie bekannt vor aus den frühen 90ern. Auch wenn das in meiner Jugend, in der Gegend, in der ich aufgewachsen bin, eher Geschichten aus dem Umland waren. Seine Schatten warfen diese Baseballschlägerjahre auch bis in diese beschauliche Landschaft.

Natürlich reibt sich Benny zwischen den natürlich spießigen Eltern, einem schwierigen Verhältnis zum schwierigen Vater, und den neuen Freunden, schwankenden Gefühlslagen, dem Ausprobieren von Gefühlen, Punkkonzerten und Schlägereien mit Nazis. Nein, aufreiben wäre zu viel gesagt, aber reiben, das passt schon. Dann das resultiert aus einerseits dem Gefühl selbst zu drängen, so aus sich heraus, ohne vielleicht genau die Gründe dafür schon erkennen zu können, aber eben auch aus dem Gedrängtwerden, durch Umstände, Situationen, das Handeln anderer aber auch durch Beziehungen, die schmerzen und guttun zugleich.

Zu Letzterem gehört eine Freundschaft, die zu einem Kuss führt, von einem Typen. Und als wenn nicht ohnehin alles schon kompliziert genug wäre, mit dem Erwachsenwerden, macht das für Benny noch einmal eine ganze Menge neue Fragen auf. Anwesende und zugewandte Eltern wären da irgendwie schön gewesen, gerade die hat er aber nicht. Also die sind mit sich und ihrem Leben beschäftigt und der Vater bestenfalls mit seinem Teeniesohn und dessen Welt überfordert. Es ist also die Welt, die sich Benny bis hierhin schon erobert hat, die seinen Weg weiterprägen wird. Freunde, mit denen er feiert, kotzt und weiterfeiert, die für ihn da sind, für die er da ist. Ein Moment, der mir auch sehr bekannt vorkommt: wenn nicht mehr die Eltern im Mittelpunkt der Welt stehen, sondern die Freunde, andere Menschen plötzlich viel mehr die Welt ausmachen. Das bedeutet aber auch eine Art Heimatlosigkeit, wenn derart die eigene Familie dafür nicht mehr so richtig taugt, eine neue aber noch nicht gefunden ist. Oder besser, es noch keinen neuen Ort gibt, den man so nennen könnte oder auch nur das Gefühl dafür noch fehlt, dass das etwas sein könnte, was man braucht. Es ist so ein Dazwischen.

Ok, ich fühle mich definitiv angesprochen und ahne, dass es diese Erinnerung ans eigene Erwachsenwerden sein könnte, die Coming-of-Age-Storys so oft so gut für so viele funktionieren lassen.

Und dann kommt noch Politik ins Spiel. Denn für Benny sind die Auseinandersetzungen zwischen den Neonazis und den Punks keine Spielerei. Auch das Erleben seiner Eltern in ihrer spießigen Selbstbezogenheit, die Erfahrung der Kollision mit der Staatsmacht – das unmittelbare Hereinbrechen der Außenwelt in die eigene, hier bricht sich die eigene Politisierung Bahn. Und auch das kennen viele von uns. Insbesondere unter denen, die sich auch als Erwachsene als politische Menschen verstehen, sich engagieren, ist oft genug der Moment der eigenen Politisierung immer wieder Thema und Bezugspunkt. Wie sich so etwas ganz lebensnah und praktisch vollzieht, lässt sich an Bennys Geschichte gut nachvollziehen.

Bei aller Trostlosigkeit, in der das Leben im Dresden der Jahre rund um das Sommermärchen spielt, bleibt mir eines hängen und ganz nah: Da wächst jemand auf, verortet sich in der Welt und findet Zugang zu seinen eigenen Wünschen, formt sein Ich, mit dem er sich der Welt stellt. Das sorgt für Blessuren und Tränen, hat aber auch etwas Tröstliches. Weil es eben auch die Menschen um Benny herum gibt, die ihn lassen.

Ich mag den Ton, die Stimme, die Lars Werner seiner Hauptfigur Benny gegeben hat. Damit hat er einen Ton getroffen, der hoffentlich viele, unterschiedlichsten Alters, erreicht. Ohne Zweifel gibt es auch heute genügend Teenager, die sich in dieser Geschichte wiedererkennen können und vielleicht genau diesen Trost am Ende wahrnehmen können. Und für alle, für die Bennys Geschichte eine fast vergessene Erinnerung ist, in welcher Hinsicht auch immer, mag es ein Innehalten und Verstehen auslösen.

Kurz und gut: Wichtiger Stoff, wirkungsvoll erzählt. Lesen!

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Montag, 8. Juni 2026

Mosaik #606


In lauen Sommernächten Comics auf dem Balkon lesen – lieben wir! 😊

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Samstag, 6. Juni 2026

Quinn Slobodian/ Ben Tarnoff: Muskismus. Aufstieg und Herrschaft eines Technoking

 

„Technologie, Macht und Größenwahn – wie Elon Musk die Demokratie herausfordert

‚Anhand von Leben und Werk des Elon Musk stellt uns dieses tadellos recherchierte und hervorragend geschriebene Buch etwas vor, das über die Person Musk hinausweist: den Muskismus, ein Programm, das den Staat nutzt, um das eigene Unternehmertum zu finanzieren und den Aufstieg sowie die Herrschaft einer neuen technokratischen Ingenieurselite sicherzustellen. Technisches Können soll nicht länger der Gleichheit, sondern ihrem Gegenteil dienen. Start-ups sind auf dem Weg zu Satrapen zu werden.‘ Branko Milanović“ (Umschlagtext)

Das Verrückte ist, dass seit einigen Jahren so viel und so schnell Verrücktes passiert, dass diese schiere Flut jede bisher als stabil wahrgenommene Normalität ertränkt. Flood the zone with shit.

So liegt das politische Treiben von Elon Musk im US-amerikanischen Regierungsapparat gefühlt schon wieder Jahre zurück. Dass dies nicht bedeutet, Musk hätte sich zurückgezogen, ist uns allen eigentlich klar. Worin sein Wirken seit Jahren besteht, das erhoffe ich mir in diesem Buch komprimiert dargestellt zu finden.

Und damit präsentiere ich mein letztes Mitbringsel von der #lbm26. 😉

„Mit Paypal hat Elon Musk die Finanzbranche aufgemischt, mit Tesla den Markt für E-Autos revolutioniert, nach seiner Übernahme Twitter kurzerhand auf rechts gedreht. Im US-Wahlkampf 2024 schwang er sich zu einem der wichtigsten Einflüsterer Donald Trumps auf, anschließend machte er sich mit seiner Abteilung für Regierungseffizienz daran, den amerikanischen Staat zu zerlegen.
Wie wurde aus dem genialischen Nerd eine kettensägenschwingende Ikone der globalen Rechten? Um die Welt zu begreifen, die Musk erschafft, müssen wir die Welten verstehen, die Musk erschaffen haben. Quinn Slobodian und Ben Tarnoff zeichnen nach, wie sich im Silicon Valley um die Vorstellungen von Disruption und tollkühnen CEOs ein regelrechter Kult bildete, wie soziale Medien und Videospiele die Erzählung vom heldenhaften Einzelgänger etablierten und wie rassistische Memes und Verschwörungstheorien Eingang fanden in die Gedankenwelt des reichsten Menschen der Erde. Der Muskismus, so Slobodian und Tarnoff, ist ein frankensteinisches Monster des zeitgenössischen Kapitalismus.“ (Klappentext)

(Übersetzung: Stephan Gebauer)

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Freitag, 5. Juni 2026

Helmut Krausser: Schweine und Elefanten


„Die Geschichte einer Amour fou im München der achtziger Jahre ist Entwicklungs- wie Schelmenroman, Selbstentblößung und Schule des Herzens, nicht zuletzt auch das Porträt einer zersprengten Post-Punk-Generation, die, umstellt von scheinbarem Wohlstand, um Identität und Ideale ringt. Komisch, melancholisch, poetisch, vor allem aber ungeschminkt wird ein Erwachsenwerden dokumentiert, ein bittersüß-selbstironisches Rebellentum.“ (Umschlagtext)

Helmut Kraussers erster Roman (Teil einer Trilogie, wie ich auch erst herausgefunden habe ^^) erschien zuerst 1999, diese Ausgabe 2010.

Ich hab das hier schon mal geschrieben, glaube ich, dass ich Kraussers „Melodien“ vor vielen Jahren zufällig in die Hände bekam und mit Begeisterung gelesen habe. Alle paar Jahre versuche ich dann immer wieder, meine Sammlung seiner Romane zu komplettieren – und komme einfach nicht hinterher. Weil so viel schon erschienen ist und Krausser auch einfach nicht mit dem Schreiben aufhört. Gut für mich. 😊

Und nur so am Rande: Einen Umschlagtext würde heute, 16 Jahre später, doch niemand mehr so schreiben, oder? 😉

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Donnerstag, 4. Juni 2026

Armin Nassehi: Anmerkungen zum Antisemitismus. Die Funktion der Judenfeindschaft und das westliche Selbstverhältnis


„Antisemitische Denkfiguren, Chiffren, Symbole und Taten erfahren derzeit eine erhebliche Sichtbarkeit – was nicht nur mit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Jahre 2023 und den militärischen und politischen Folgen dieses Ereignisses zu tun hat. In seinem neuen Buch nimmt der Soziologe Armin Nassehi den verbindenden Kern antisemitischer Formen rechtsradikaler, bürgerlicher, linker, postkolonialer und islamistischer Natur in den Blick.“ (Umschlagtext)

Auch wenn im Mai eine kleine Lücke in meinem Bücherreigen entstanden ist, bleiben noch zwei Bände als Mitbringsel von der #lbm übrig. 😉

Da war die Hoffnung am Anfang des neuen Jahrtausends doch nicht wenig verbreitet, dass uns fortan hauptsächlich die Zukunft mit ihren neuen Technologien und Möglichkeiten beschäftigen würde. Nach einem Vierteljahrhundert sprechen wir aber eher darüber, wie die Schrecken vergangener Zeiten einfach nicht vergehen wollen und sich stattdessen immer wieder neue Kleider suchen.

Also, nicht nachlassen!

„Armin Nassehis explizit soziologisch gestellte Leitfrage in diesem Buch lautet: Was ist die Funktion des Antisemitismus in westlichen Gesellschaften? Sie wird mit der These beantwortet, dass antisemitische Denkungsarten stets mit ungeklärten Selbstverhältnissen derer zu tun haben, für die der Antisemitismus exakt dieses Problem löst: Fragen der Selbstbeschreibung und ihres Selbstverhältnisses zu lösen. Nassehis Buch ist damit zugleich ein Beitrag zu der Frage, wie die Selbstbezogenheit des ‚Westens‘ seine paradoxen Selbstverhältnisse auf etwas Fremdes richtet, das zugleich sein Vertrautestes selbst ist, das imaginierte Jüdische nämlich.“ (Klappentext)

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Dienstag, 2. Juni 2026

Naomi Alderman: The Future


„Was wäre, wenn wir die Zukunft ändern könnten?

Die Silicon-Valley-Milliardäre haben einen Plan geschmiedet für den Fall, dass die fortschreitende Zerstörung der Erde in einer großen Katastrophe mündet. Einen Plan, der es ihnen ermöglicht, in Sicherheit und Luxus weiterzuleben, während der Rest der Menschheit im Chaos versinkt. Aber in einem waghalsigen Manöver versucht eine Gruppe von Freunden, diesen Plan zu durchkreuzen – und die Zukunft in eine neue Richtung zu lenken.

Virtuos verwebt Bestsellerautorin Naomi Alderman das Schicksal ihrer Heldinnen und Helden mit der großen Frage, wer eigentlich die Zukunft gestaltet. Ein Roman, der die Art und Weise, wie wir über die Welt nachdenken, für immer verändert.“ (Umschlagtext)

Nach ihrem ersten Roman DIE GABE hab ich mich jetzt lang genug auf das Taschenbuch des neuen gefreut. Here we go.

Immer wieder spannend ist es, wenn fiktive, in einer nahen Zukunft angesiedelte Geschichten ganz offensichtlich im Hier und Heute fußen. Beim Lesen des Umschlagtextes musste ich unweigerlich an ein anderes Buch denken, dass ich hier schon gepostet habe: Douglas Rushkoff – Survival of the Richest. Warum wir vor den Tech-Milliardären noch nicht einmal auf dem Mars sicher sind.

Ja klar, mir ist schon klar, dass jede Zukunftsvision unweigerlich ihre Wurzeln in der Zeit hat, in der sie entsteht. Aber diese Art Querverweise zwischen Literatur und Realität machen das Schmökern ja auch erst so richtig spannend. Und unter anderem deswegen bildet Lesen ja auch, gelle. 😊

„Als Martha Einkorn die Sekte ihres Vaters verließ, hätte sie sich nie träumen lassen, dass sie viele Jahre später für Fantail, den größten Social-Media-Konzern der Welt, arbeiten würde. Als persönliche Assistentin des exzentrischen CEOs Lenk Sketlish ist Martha mitten drin in der Welt der Supermächtigen. Im Silicon Valley gilt nur ‚Höher, schneller, weiter‘, die Klimakatastrophe und menschliches Elend kümmern hier kaum jemanden. Und so beschleicht Martha langsam das Gefühl, dass die irren Predigten ihres Vaters über das Ende der Welt realistischer sind, als sie dachte. Zur gleichen Zeit gerät die Survival-Expertin Lai Zhen in einer Shopping Mall in Singapur ins Visier einer Terroristin – als plötzlich eine unbekannte Software auf ihrem Handy auftaucht und ihr das Leben rettet. Wo kommt dieses Programm her? Wer hat es generiert? Und warum hat man es ausgerechnet auf ihrem Telefon installiert? Zhens Neugierde bringt sie erneut in tödliche Gefahr. Als Martha und Zhen schließlich einander begegnen, wird eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt, die die Macht der Internetriesen zum Einsturz bringen und unsere Welt für immer verändern könnte.“ (Verlagstext)

(Übersetzung: Barbara Ostrop)

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Samstag, 2. Mai 2026

Mosaik #605


Worauf ich mich ja so richtig freue, sind lange Leseabende auf dem Balkon, während die Blätter der Bäume im warmen Abendwind rascheln – genau richtig, um an die alten mystischen Geschichten um Rabbi Löw und den Golem im alten Prag zu denken … 😉

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Mittwoch, 29. April 2026

David Schraven: Die CORRECTIV Story


„CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum in Deutschland. Doch was macht das Medienhaus so besonders?

Warum ist es gerade im Ruhrgebiet entstanden? Warum passt es in keine Schublade? Wieso verbindet CORRECTIV Journalismus mit Medienbildung, mit Kunst und Jugendarbeit? Was treibt die Menschen hinter CORRECTIV an? Warum ist es so wichtig, dass jeder Journalist sein kann?

David Schraven, Gründer und Publisher von CORRECTIV, erzählt seine Geschichte.“ (Umschlagtext)

Zur #lbm26 gehörte wieder einmal ein Besuch am Stand von #correctiv 😉

Die Idee von Bürgerjournalismus und einer redaktionellen Gesellschaft finde ich immer noch ziemlich spannend. Vor allem da der durch Social Media gestützte Aufstieg von AfD und Co den Mangel an Medienkompetenz so offensichtlich werden lässt. Und nein, das ist natürlich nicht die einzige oder die ganze Antwort – könnte aber sicher einen wesentlichen Teil beitragen.

Also freue mich auf mehr Hintergrund zu dem Medienhaus und den Menschen dahinter.

„David Schraven hat den wichtigsten Satz seines Lebens als Kind von seiner Mutter gehört: ‚Wir haben die Grenzen der Welt nicht gesetzt. Warum sollen wir sie halten?‘ Was zwingt uns dazu, Journalismus nur als Zeilenschreiben zu verstehen, als Formatfüllen im Fernsehen? Nicht. Wir können Grenzen überwinden und alles erreichen, wenn wir nur den Mut dazu haben. Schraven ist Gründer von CORRECTIV und leitet das Recherchezentrum als Publisher. Er wurde für seine Arbeit vielfach ausgezeichnet und lebt mit seiner Familie in Bottrop. David geht gern angeln.“ (Klappentext)

#lesefrühling #davidschraven #deutschland #journalismus #medien #gesellschaft #demokratie #polbil #trainerlife #indiebook #lesen #leselust #leseratte #bücher

Sonntag, 26. April 2026

Devika Rege: Die rastlosen Jahre


„Mumbai, nach einer historischen Wahl. Drei junge Menschen, drei Lebensentwürfe, ein Land im Umbruch: Naren kehrt nach mehreren Jahren an der Wall Street nach Indien zurück, begleitet von Amanda, einer Amerikanerin, die in einem Slum für eine NGO arbeitet. Rohit, Narens Bruder, gerät in den Sog des erstarkenden Hindu-Nationalismus, der das Land zunehmend prägt. Während alle drei versuchen, das neue Indien zu begreifen und ihren Platz darin zu finden, verdichten sich die gesellschaftlichen Spannungen, bis sie sich in einer ekstatischen Festnacht, in der ganz Mumbai auf den Straßen ist, offen Bahn brechen.

‚Die rastlosen Jahre‘ entwirft das vielstimmige Panorama einer Nation auf der Schwelle zu einem neuen Zeitalter und erzählt mit weitem Blick von den Konflikten unserer Gegenwart.“ (Umschlagtext)

#lbm26 und kein Ende der Mitbringselliste? Nee, noch nicht. 😊

Ich kann mich noch gut an mein erstes Buch erinnern, den ich je aus dem #Culturbooks Verlag gelesen habe. Es war ein indonesischer Roman, der mich richtig umgehauen hat. Die Beschreibung dieses Bandes lässt mich auf ein ähnlich eindrückliches Leseerlebnis hoffen. 😊

Was mich sofort kriegt, ist, dass wir so oft vergessen, dass auch andere Teile der Welt in der gleichen Zeit leben wie wir selbst. Und obwohl es dank Digitalisierung und Globalisierung so vieles gibt, was uns verbindet, was sich in unserem Alltag wahrscheinlich ähnelt, schon wir dennoch so weit voneinander entfernt. Wie gut, dass es Literatur gibt und Verlage, die diese Entfernungen zu überbrücken suchen!

„Naren, Amanda und Rohit gehören zu einer Generation, die mit globalen Versprechen aufgewachsen ist – und nun erlebt, wie brüchig sie geworden sind. Freundschaft und Begehren bringen sie einander näher und stellen sie zugleich vor die Frage, wie man leben soll in einer Zeit politischer Polarisierung und moralischer Unsicherheit.

‚Die rastlosen Jahre‘ verwebt diese Lebenswege elegant zu einem dichten gesellschaftlichen Gefüge und zeigt ein Indien unter dem Druck wirtschaftlicher Gegensätze und der wachsenden Anziehungskraft nationalistischer Überzeugungen. Was die Figuren verbindet und trennt, ist zutiefst persönlich – und unauflöslich mit den politischen Kräften ihrer Gegenwart verknüpft.

Der Roman erzählt vom Wunsch nach Zugehörigkeit und von Macht und Entfremdung in einem historischen Moment, in dem demokratische Gewissheiten weltweit ins Wanken geraten.“ (Klappentext)

(Übersetzung: Barbara und Stefan Weidle)

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Donnerstag, 23. April 2026

Claudia Hamm (Hrsg.): Gott spielen. Wie Chatbots und KI Sprache, Denken und Handeln automatisieren


„2026: Privatpersonen, Unternehmen, Institutionen, Behörden und Militär setzen längst generative Künstliche Intelligenz ein. Gleichwohl bleiben Grundsatzfragen unbeantwortet.

Welche Auswirkungen hat die Automatisierung von Sprache auf uns, die Literatur und Kultur, auf die Gesellschaft, das Klima und auf politische Systeme? Wie verändert sich die Welt, wenn wir Gedanken und Gefühle nicht mehr selbst verantworten, sondern durch Algorithmen errechnen lassen, die schon heute von Plattformmonopolen manipuliert werden? Was kosten und nützen uns die transhumanistischen Ideologien der Tech-Industrie, welches Menschenbild wird dabei vertreten, wo bleiben Menschenrechte und -würde in diesem ‚größten Diebstahl der Geschichte‘, wo Nachhaltigkeit und Demokratie?

Gott spielen geht den Herausforderungen und Gefahren von generativer KI und Chatbots nach und zeigt, warum gerade im Zeitalter der Algorithmen menschliche Kreativität und Entscheidungsfreiheit unersetzbar bleiben – und was wir tun können, um diese zu schützen.

Mit Beiträgen von: Emmanuel Carrère, Isabel Fargo Cole, Nina George, Johann Wolfgang von Goethe und DeepL, Claudia Hamm, Christian Heck, Annette Hug, Peter G. Kirchschläger, Vincent Lewerenz, Bernhard Malkmus, Gary Marcus, Hans-Joachim Neubauer, Mophat Okinyi, Wolfgang Palaver, Bernhard Pörksen, Monika Rinck, Michael Seemann, Anette Selg, Christian Uetz, Elizabeth Weil und Joseph Weizenbaum.“ (Umschlagtext)

Mitbringsel von der #lbm26 – das Nächste. 😉

Bei einer Podiumsdiskussion, in der es um den Einsatz von KI bei Übersetzungen (hier bei Mangas) ging, gab es diesen Lesetipp. Aber hallo, da waren der MM und ich doch gleich dabei. 😊

In der Indiehalle (Halle 5) fanden wir schnell den passenden Messestand und konnten mit den beiden Vertreterinnen des Verlags noch ein interessantes Gespräch führen. Das Verlagsprogramm schaut außerdem ganz vielversprechend aus – auch wenn wir uns ausnahmsweise mal mit einem Buchkauf zufriedengegeben haben.

Jenseits von Industrie, Verwaltungen oder auch Social Media ist in der Kreativbranche immer mehr Geraune und Verunsicherung über das, was KI wohl kann, und was in der Folge den Kreativen selbst möglicherweise droht: Ersetzung durch KI. Wirklich Ahnung oder eine Vorstellung davon habe ich bis heute nicht so richtig – also endlich mal etwas dazu lesen und hoffentlich schlauer werden. 😊

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Samstag, 18. April 2026

Lisa-Viktoria Niederberger: Lahea


„Zwischen visionären Inselgemeinschaften und den alten Wunden unserer Welt erzählt dieser Roman vom Versuch, ein neues, solidarisches Miteinander zu formen, doch im Verborgenen regen sich Kräfte, die daran rütteln.

Wie weit wird Lahea gehen, um Ebria in die Zukunft zu führen?“ (Umschlagtext)

Noch so eine Entdeckung und ein Mitbringsel von der #lbm26 😉

Den Otto Müller Verlag aus Salzburg hatte ich ja bisher so gar nicht auf dem Schirm, freue mich aber umso mehr um diese Entdeckung in Leipzig. Yieppieh!

Irgendwie lande ich seit einer Weile ja tatsächlich immer wieder bei in der Zukunft angesiedelten Geschichten, mal mehr, mal weniger dicht am Heute. Jenseits der klassischen Stories, die sich um technische Möglichkeiten drehen, und was sie für die Menschheit bedeuten, fallen mir immer häufiger auch Geschichten in die Hände, die gesellschaftliche Entwicklungen durchspielen.

Die Möglichkeit menschlichen Zusammenlebens alternativ zu altbekannten Machtstrukturen, Rollenbildern und gesellschaftlichen Selbstverständnisses wird hier immer wieder gerade auch im Licht aktueller Debatten ausgelotet. Das ist spannend und anregend – und gilt hoffentlich auch für diesen Roman. 😉

‘LAHEA‘ von Lisa-Viktoria Niederberger ist ein visionärer Inselroman über Macht, Gemeinschaft und das Miteinander von Morgen!
Ebria ist eine Insel – fern unserer Zeit und doch erschreckend nah. Als ein toter Wal, begraben unter Plastikmüll, an die Küste von Ipane gespült wird, nehmen sich die Bewohner:innen nur, was sie brauchen – nie mehr, als ihnen zusteht. Sie leben im Gleichgewicht mit der Natur und in einer Gesellschaft, die Gier und Herrschaft hinter sich gelassen hat, wohlwissend, wie fragil dieses Gleichgewicht ist.
Lahea, Tochter der Dorfvorsteherin, soll bald selbst dieses Amt übernehmen. Wie es das Abkommen verlangt, verlässt sie ihr Zuhause, ihre Tochter und ihre beiden Partner und bricht zu einer Reise über Ebria auf. Was als Erkundung beginnt, wird schnell zur Konfrontation: mit verdrängten Wahrheiten, mit Rissen im Fundament des Miteinanders und mit einem Übergriff, der sie an die Grenzen von Macht und Ohnmacht bringt. Denn tief in den Höhlen wächst eine Bewegung, die alles infrage stellt, wofür Ebria steht. Als Lahea deren Spuren folgt, gerät sie in einen Sog aus Verrat, Rebellion und gefährlicher Sehnsucht nach alter Macht. Sie muss entscheiden, wie viel sie zu riskieren bereit ist: für Freiheit, für Gemeinschaft und für sich selbst.
Mit eindringlicher Sprache erzählt Lisa-Viktoria Niederberger in ihrem Romandebüt ‚LAHEA‘ von einer Welt zwischen archaischem Tun und fortschrittlicher Vision, von einer Gesellschaft zwischen Fürsorge und Verrat – und davon, wie weit eine Gemeinschaft gehen darf, wenn sie der Gewalt standhalten will, ohne selbst gewalttätig zu werden.“ (Verlagstext)

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Freitag, 17. April 2026

Klaus Lederer: Queerpolitik im Handgemenge. Ein Blick zurück, ein Blick nach vorne


„‘Politik ist die Antwort auf die Frage: Wer isoliert wen? Für mich hieße das, alle Kraft gemeinsam darauf zu richten, Erkämpftes zu verteidigen und in existierenden Widersprüchen die Hebelpunkte und die Spielräume für Verbesserungen zu suchen. Sehnsucht nach Vereinfachung ist verständlich, aber sie verstellt den Blick darauf, die konkreten räumlich-zeitlichen Bedingungen unseres Handelns, unserer Kämpfe zu reflektieren. Die politische Rechte ist darin sehr geschickt; sie hat unseren Gramsci gelesen. Blicke ich zurück, konnten wir dort erfolgreich sein, wo sich queerer Aktivismus und politische Repräsentation positiv aufeinander bezogen, besser noch, Brücken in andere Milieus und Gruppen gebaut wurden.‘“ (Umschlagtext)

Zur #lbm gehört auf jeden Fall auch immer ein Besuch beim #querverlag – natürlich auch in diesem Jahr. 😉

Und siehe da, in der Essay-Reihe „in*sight/out*write“ ist jüngst dieser Band erschienen. Wie so oft dieser Tage geht es letztlich um so Vieles, was wir in den letzten Jahren, Jahrzehnten für selbstverständlich erreicht hielten und nun als angreifbar erleben. Ich bin gespannt auf diesen Blick auf Queerpolitik.

„‘Queerness‘ steht im Zentrum erbbitterter Kulturkämpfe. So hat es nach Jahrzehnten großer Erfolge manchmal den Anschein, als wären wir auf uns selbst zurückgeworfen. Was bedeutet unter diesen Bedingungen ‚Queerpolitik‘, was kann und sollte sie leisten? Wo findet sie statt? Und für wen und mit wem muss sie kämpfen? In diesem Essay schaut Klaus Lederer erst zurück, doch es geht auch darum, anhand des Wegs der vergangenen drei Jahrzehnte einen entschlossenen Blick nach vorne zu werfen.“ (Klappentext)

#lesefrühling #sachbuch #essay #klauslederer #politik #queer #emanzipation #gesellschaft #demokratie #polbil #trainerlife #indiebook #lesen #leselust #leseratte #bücher

Dienstag, 14. April 2026

Amanda Lee Koe: Sister Snake

 

„Emerald lebt in New York, folgt ihren Launen und schlägt sich mit Charme durchs Leben. Ihre Schwester Su dagegen führt in Singapur ein luxuriöses, kontrolliertes Dasein als Ehefrau eines hochrangigen Politikers. Die beiden verbindet ein uraltes Geheimnis: Lange bevor sie Menschen wurden, waren sie Schlangen im China der Tang-Dynastie.

Als Emerald in Gefahr gerät, holt Su sie nach Singapur. Doch Emeralds ungezähmte Art, zu leben und zu lieben, passt nicht in eine so streng geregelte Gesellschaft. Die Gefahr, entdeckt zu werden, wächst.

‚Sister Snake‘ ist eine düster-komische, queere Neuerzählung der Legende von der weißen Schlange – ein Roman über Schwesternschaft, Anpassung und die Frage, welchen Preis die Freiheit hat.“ (Umschlagtext)

Und noch was von der #lbm26 😉

Weil ich da literarisch gerade unterwegs war, fällt mir natürlich gleich eine Parallele zu Rebecca F. Kuang ins Auge, was die Mischung von Gegenwart, Fantasy und gesellschaftskritischen Fragen angeht – auch wenn Singapur als Ort der Handlung natürlich weitaus weniger mainstreamig daherkommt als Oxford zum Beispiel.

Ich bin also mal wieder bei einem meiner All-time-Favourites der unabhängigen Verlage fündig geworden. 😉 Und ehrlich, das ist schon auch ein Hingucker, was die Gestaltung angeht. Ich sach ma: Farbschnitt olé! 😉 Keinen Zweifel habe ich, dass die Übersetzung der Verlagschefin mich spielend kriegen wird. Word!

„Seit Jahrhunderten verbindet Su und Emerald ein Geheimnis, auch wenn sie sich immer wieder aus den Augen verlieren. Einst waren sie Schlangen, heute leben sie in menschlicher Gestalt, zwischen Anpassung und Verwandlung, und könnten unterschiedlicher kaum sein.

Su hat sich in Singapur ein Leben in strenger Ordnung und Kontrolle aufgebaut. Als Ehefrau eines hochrangigen Politikers hat sie gelernt, ihre wahre Natur zu verbergen. Emerald dagegen lebt in New York in den Tag hinein und verweigert sich jeder Form von Festlegung.

Als Emerald in eine gewaltsame Situation gerät, bringt Su sie nach Singapur, in einen nach außen makellosem Staat, unter dessen Oberfläche jedoch unterschiedliche Formen von Freiheit existieren. Doch mit Emerald kehren auch Kräfte zurück, die Su viele Jahre unterdrückt hat.

Zwischen den Schwestern verschärft sich ein lange schwelender Konflikt. Alte Instinkte brechen auf, und immer drängender wird die Frage, welche Formen von Familie tragen – und welchen Preis es hat, sich selbst treu zu bleiben.“ (Klappentext)

(Übersetzung: Zoë Beck)

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Montag, 6. April 2026

Michael Butter: Die Alarmierten. Was Verschwörungstheorien anrichten


„Verschwörungstheorien sind oft Symptome für tieferliegende Ursachen. Begreift man sie pauschal als Bedrohung für die Demokratie, gerät aus dem Blick, was viel eher geeignet und nötig wäre, um unser politisches System zu stärken. Man adressiert die Folgen, statt die Ursachen zu behandeln.“ (Umschlagtext)

Und zurück zum Stapel mit den Mitbringseln von der #lbm26 😉

Schon den Band „Nichts ist, wie es scheint“ zum Thema Verschwörungstheorien von Michael Butter fand ich sehr hilfreich beim Verstehen und Sortieren. So wenig das Phänomen neu ist, sorgen doch gerade die sozialen Medien für eine sehr viel größere Verbreitung und Relevanz dessen, was sonst eher seltener so öffentlich sichtbar war.

Wie lässt sich aber die Welt noch verstehen, wenn so viel im Durcheinander von Fake News, Desinformation und abstrusen Erklärungen, die keine sind? Dass dies das Fundament demokratisch verfasster Gesellschaften direkt betrifft, weil es die Grundlagen von gesellschaftlicher Kommunikation in Frage stellt und unterminiert, ist inzwischen offensichtlich. Was können wir aber tun, wie umgehen mit denen, die aus lauter Verunsicherung gar nichts mehr glauben und niemandem mehr vertrauen wollen? Auf die Lektüre bin ich einmal mehr gespannt.

„Spätestens seit der Coronapandemie sind Verschwörungstheorien ein Signum unserer Zeit. Je komplexer unsere Welt wird, desto mehr Menschen scheinen für ihre erklärenden Sinnangebote empfänglich. Elon Musk, der reichste Mensch der Welt, hat ein ganzes soziales Netzwerk in eine Schleuder für konspirationistische Erzählungen verwandelt. Donald Trump, der mächtigste Mensch der Welt, amtiert als conspiracy theorist in chief im Weißen Haus.
Michael Butter, Bestsellerautor und einer der renommiertesten Experten für das Thema, präsentiert die Ergebnisse seiner jahrelangen Forschung. So groß die Gefahr auch ist: Eine freie und demokratische Gesellschaft darf sich nicht von der Angst vor Verschwörungstheorien beherrschen lassen und in Alarmismus verfallen. Wie Populismus sind auch sie eine Reaktion auf eine empfundene oder befürchtete Exklusion. Wer sie bekämpfen will, sollte andere nicht einfach als Schwurbler oder Leichtgläubige hinstellen. Vielmehr gilt es, die gesellschaftlichen Ursachen zu bekämpfen. Inklusion und Teilhabe, so Butter, stellen den wirksamsten Schutz gegen Hetze und Unwahrheiten dar.“ (Klappentext)

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Sonntag, 5. April 2026

Tony Sandoval: Doomboy


„Hi, Spaghetti, was gibt´s neues, Mann?“ (Seite 6)

Du lebst als Teenager in irgendeiner Kleinstadt, da sind deine Kumpels, die Typen, die du nicht leiden kannst und in den Clubs ist eigentlich auch nichts los. Das wäre schon irgendwie ok, aber deine Freundin ist weggezogen. Und dann gestorben. Das ist wirklich viel für ein so junges Herz.

Also treibst du durch die Tage, und staunst darüber, dass dieses Loch in deinem Herzen immer größer wird, je mehr du an deine Freundin denkst. Und du wirst das Gefühl nicht los, nichts, zu wenig, das Falsche getan zu haben. Nichts stimmt mehr.

Als du deinem Todfeind deine E-Gitarre über den Kopf ziehst, glaubst du noch, der Tag könnte nicht merkwürdiger werden. Doch auf dem Nachhauseweg streift dich ein Hauch, etwas scheint dich mit sich tragen zu wollen, oder dich anstupsen. Plötzlich ist da diese Idee im Kopf – du schreibst Songs für deine Freundin, um dich endlich von ihr verabschieden zu können. Musik, die das Loch in deinem Herzen vielleicht ein wenig zu stopfen vermag. Ok, du bist eigentlich ein eher mieser Gitarrist, aber darum geht es ja hier nicht.

Am Strand richtest du mit einem Freund ein kleines „Studio“ ein und überträgst deine Musik auf einer alten Radiofrequenz, die niemand mehr nutzt. Schließlich brauchen deine Songs eine Art Übertragung, damit sie deine tote Freundin erreichen können.

Du ahnst dabei nicht, dass diese Übertragungen nicht unbemerkt bleiben und dein von echten, tiefen Gefühlen getragenes Spiel lässt dich über dich selbst hinauswachsen. Aus D wird Doomboy – und alle sprechen von dir. Und nur du hast keine Ahnung davon, genauso wenig, wie alle anderen wissen, wer genau eigentlich dieser mysteriöse, grandiose Gitarrist ist.

Na gut, Metall ist jetzt nicht die leiseste Musik und Schlägereien gibt es auch – aber insgesamt ist Sandoval hier eine wirklich sanfte, traurig-schöne und leise Geschichte gelungen darüber, was das Leben manchmal schon Teenagern abverlangt.

Mit wenigen Strichen und erzählerischen Kniffen baut Sandoval die Welt, in der D lebt. Da sind die prolligen Möchtergernmusiker, bei denen Posen und Ego sich aggressiv vermischen, Metallbräute, Freunde mit Geheimnissen – eine echte Teeniewelt in einer beliebigen Kleinstadt mit wenig Wahlmöglichkeiten fürs Leben darüber hinaus. Und ohne mehr über die Freundin, die erst wegzieht und dann plötzlich verstirbt erfahren wir auch nicht. Trotzdem ist sie in dem Loch in D´s Herzen, im Wind, in seinen Gedanken präsent genug, um die Geschichte und D voranzutreiben.

D braucht nicht viele Worte und würde in einer anderen Geschichte als typischer Außenseiter, maulfauler Teenie durchgehen. Sandoval schaut ihm jedoch tief ins Herz und macht seinen Schmerz, seine Schuldgefühle, seine Einsamkeit sichtbar.

Das alles in einem unverkennbaren Stil, der bei allen Mackerigkeiten und Härten des Lebens die Figuren eben auch als das zeigt, was sie sind: junge Menschen, am Beginn ihres Lebens, die noch dabei sind, sich zu finden, sich auszuprobieren und dabei auch dumme Dinge tun. In dieser Zerbrechlichkeit ist aber auch Stärke angelegt, Zuversicht. Und den aufkommenden Sturm an der Küste, den konnte ich beim Schmökern buchstäblich übers Gesicht fahren spüren.

Kurz und gut: Tolle, feinfühlige Geschichte mit ganz viel Atmosphäre. Unbedingt lesen!

(Übersetzung: Anne Bergen)

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Samstag, 4. April 2026

Uné Kaunaité: 2084


„In einer nahen Zukunft verbringen Menschen ihr Leben fast vollständig in der virtuellen Realität ‚Bubble‘. Die Grenzen zwischen Wahrheit, Erinnerung und Programmierung lösen sich auf. Kajus, ein stiller Beobachter dieser perfektionierten Welt, sucht nach dem, was noch echt ist: Gefühle, Nähe, Freundschaft – jenseits von Datenströmen, die Glück nur simulieren. Mit kühler Klarheit und philosophischer Tiefe erzählt Uné Kaunaité von Liebe und Verlust im digitalen Zeitalter und fragt, was geschieht, wenn künstliche Intelligenz beginnt, unsere Geschichte zu schreiben – und über unser Leben zu bestimmen. Ein Roman zwischen Dystopie und Liebesgeschichte, der George Orwells ‚1984‘ hundert Jahre später weiterdenkt – in einer Welt totaler Überwachung, algorithmischer Sehnsucht und emotionaler Simulation.“ (Umschlagtext)

In die Lesung und Buchvorstellung dieses Bandes bin ich auf der #lbm26 eher zufällig hineingestolpert und war angetan. Nicht, dass ich den #mitteldeutschenverlag als Hort von #sciencefiction auf dem Schirm gehabt hätte – aber es fällt schon auf, die gehäuft Geschichten aus der nahen Zukunft derzeit veröffentlicht werden. Utopien sind die wenigsten davon.

Es soll ja Zeiten gegeben haben, in denen die Menschen voller Lebenshunger begierig auf all das waren, was die vor ihnen liegende Zukunft so an Möglichkeiten bereithielt. Kann sich da noch jemand dran erinnern, und wann ist uns das eigentlich so gründlich abhandengekommen?

(Übersetzung: Markus Roduner)

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Freitag, 3. April 2026

Nicholas Potter: Die neue autoritäre Linke. Eine akute Bedrohung für die demokratische Gesellschaft


„Über eine Linke, die den Terror feiert

Sie gibt sich progressiv, tritt aber seit dem Angriff der Hamas auf Israel zunehmend demokratiefeindlich auf: die neue autoritäre Linke. Mit dogmatischem Eifer deutet sie radikalislamische terroristische Gewalt zum dekolonialen Widerstand um. Propaganda und Desinformation autokratischer Regimes oder zweifelhafter ‚Alternativmedien‘ nimmt sie bereitwillig auf. Wer widerspricht, gilt schnell als Feind, gegen die Presse schürt sie Hass – bis hin zu Mordaufrufen.
Der Journalist Nicholas Potter gibt durch investigative Recherchen und seine persönliche Geschichte Einblicke in das Innerste dieser Bewegung. Er deckt das Netz der neuen autoritären Linken auf, zeigt, wie sie agiert, und fragt: Sind wir darauf vorbereitet?“ (Umschlagtext)

Dann kommen wir mal zur Ausbeute von den diesjährigen #lbm26 😉

Einer Buchvorstellung konnte ich im #tazstudio auf der Messe schon etwas lauschen. Es war rammelvoll und schwer, einen Platz mit guter Akustik zu ergattern. ^^

Klar war mir aber schon, dass im Ringen darum, all den gesellschaftlich-politischen Polarisierungen zum Trotz, Demokratie und demokratische Errungenschaften nicht aufs Spiel zu setzen, auch die Notwendigkeit besteht, Entwicklungen auf allen Seiten zu verfolgen. Natürlich ist das unangenehmer auf der eigenen Seite. Also auf zur Aua-Lektüre. 😉

„Feindeslisten, Fahndungsplakate, Mordaufrufe – die neue autoritäre Linke agiert immer bedrohlicher. Radikalisiert durch den Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 und den Krieg in Gaza, stellt sie auch nach dem Waffenstillstand in Nahost eine Gefahr für die demokratische Gesellschaft dar.
Getrieben von einem unerbittlichen Freund-Feind-Denken und tiefsitzendem Antisemitismus, verklärt sie islamistische Terrorgruppen wie die Hamas, die Hisbollah und die Huthis zu revolutionären Verbündeten im Kampf gegen den westlichen Imperialismus.

Auf Demonstrationen, an Hochschulen, in den sozialen Medien und in linken Subkulturen ist diese Radikalisierung bereits deutlich spürbar. Und sie gefährdet zunehmend die freie Presse. Der Journalist Nicholas Potter, selbst ins Fadenkreuz dieser Szene geraten, zeichnet auf Basis seiner persönlichen Erfahrung und packender Investigativrecherchen ein eindrückliches Bild der neuen autoritären Linken: ihrer Akteure, ihrer Netzwerke, ihrer Ideologie – in Deutschland und darüber hinaus.

Ein eindringlicher Weckruf an die demokratische Gesellschaft, gegenüber jeglicher Form autoritären Denkens und politischen Extremismus wachsam zu sein.“ (Klappentext)

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Sonntag, 29. März 2026

Mosaik #604


 Puh, da köchelt was im Prag um 1600. 

😉

Ich musste jetzt immer mal wieder daran denken, dass ich als Jugendlicher Geschichten um Rabbi Löw und den Golem gelesen habe und sehr davon angetan war. Beim besten Willen komme ich aber nicht mehr darauf, was das für ein Buch gewesen sein könnte. 🤷‍♂️😅

Hach, so viele Bücher und Geschichten
… 😉

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