Donnerstag, 6. Oktober 2016

U-COMIX Nr.195

http://www.u-comix.de/2016/09/u-comix-nr-195-erscheint-am-26-10-2016/

Satire nach dem Putsch? Erdogan im Comic-Wahn? Also wer nach dem diesjährigen Comic Salon in Erlangen neugierig auf Comics/Satire aus und in der Türkei geworden ist, der könnte hier fündig werden.
Mal notieren! 26.10.! U-Comix! ^^

Paco Roca: Die Heimatlosen



Irgendwie schreibt dann doch das Leben die dramatischsten Geschichten. Wie diese von Miguel Ruiz, einem republikanischem Kämpfer aus dem Bürgerkrieg gegen das faschistische Franco-Regime.

Mit Paco Rocas Bearbeitung der Erinnerungen von Ruiz entdeckte ich einmal mehr ein Kapitel europäischer Geschichte, von dem ich bisher kaum eine Vorstellung hatte. Das in Form einer Graphic Novel, eines Comics also, zu entdecken, bestätigt einmal mehr die Möglichkeiten, die in diesem Medium stecken – weit über bunte Bildergeschichten für Kinder hinaus.

Die Erzählung setzt ein mit der Flucht republikanischer Kämpfer vor dem vorrückenden Franco-Regime im März 1939. Miguel Ruiz und einigen seiner Kameraden gelingt es gerade noch auf das letzte Schiff zu kommen, das den Hafen von Alicante verlassen kann. Tausende aber bleiben zurück.

Von Rettung kann allerdings für diejenigen, die es auf das Schiff geschafft haben, auch nur schwer die Rede sein. Gerade so erreichen sie erreichen sie den Hafen von Oran an der algerischen Küste, werden aber von den dortigen Behörden zunächst nicht von Bord gelassen. Statt Freiheit im unfreiwilligen Exil erleben die Spanienkämpfer schließlich Gefangenschaft in Arbeitslagern. Als Spielball der Geschichte gestehen ihnen die Außenposten des Vichy-Regimes am Ende nicht einmal den Status von Kriegsgefangenen zu.

Erst die Landung der Alliierten in Nordafrika befreit sie endlich aus diesem trostlosen Schicksal und stellt sie vor die Entscheidung, an der Seite auch ihrer bisherigen französischen Peiniger nun gegen die Deutschen und den Faschismus kämpfen zu können. Als Teil der französischen Befreiungsarmee unter de Gaulle formieren sie sich schließlich zu einer vorwiegend spanisch besetzen Einheit in Bataillonsstärke. Nach der Landung der Alliierten nehmen sie nun an vorderster Front an der Befreiung Frankreichs teil und bilden sogar die Spitze bei der Befreiung von Paris.

In all den Kriegswirren treibt diese spanischen Kämpfer_innen an, dass der Sieg über Hitler-Deutschland auch den Sieg über Franco und sein faschistisches Regime in Spanien bringen soll. Doch mehr und mehr wird ihnen klar, dass außer ihnen offenbar niemand ein Interesse daran hat, auch Spanien zu befreien.

Miguel Ruiz versucht einen Weg zurück in seine Heimat zu finden, muss aber feststellen, dass ihm der durch die langlebige Franco-Diktatur verwehrt bleibt. Er lässt sich letztlich in Frankreich nieder, nimmt ein einfaches, arbeitsreiches Leben auf und schweigt so lange über sein Leben, bis er es selbst vergessen zu haben scheint.

Paco Roca verbindet zwei Erzählebenen miteinander. Im Hier und Heute versucht der Zeichner Paco aus Spanien den Überlebenden Miguel Ruiz dazu zu bringen, sich zu erinnern. In ihren Gesprächen wird deutlich, wie sehr ein Menschenleben zwischen die großen Mühlräder der Geschichte geraten kann. In den Rückblenden werden die verschiedensten Stationen auf Miguels Weg lebendig.

Dieser dicke Wälzer hat mich zutiefst berührt. Die Story, die Aufteilung der Bilder, die Zeichnungen und auch die zeichnerisch gestaltete Atmosphäre in jeder einzelnen Szene – es stimmt wirklich alles.

Puh, was soll ich da noch groß sagen? Lesen, Leute! Entdeckt Paco Roca, wenn ihr ihn nicht schon kennt.

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Dienstag, 4. Oktober 2016

Didier Eribon: "Ihr könnt nicht glauben, ihr wärt das Volk" (Interview auf zeit.de am 04.10.2016)

http://www.zeit.de/kultur/2016-07/didier-eribon-linke-angela-merkel-brexit-frankreich-front-national-afd-interview/komplettansicht

Ein Heißgetränk schnappen, für eine halbe Stunde das Telefon stummstellen und dann dieses Interview mit Didier Eribon lesen. Macht mal. ^^

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Daniel Clowes: Ghost World



A book a day keeps the... na ihr wisst schon. ^^

Kleinstadtidylle in den USA der 90er. Zwei Teenagerinnen hängen zusammen rum, lästern und tratschen, schmieden Zukunftspläne. Und am Ende des Sommers ist dann plötzlich alles anders. Das erzählt und zeichnet Daniel Clowes.

Ich sach ma: Wohl bekomm's! ;);)

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Montag, 3. Oktober 2016

Sebastian Schoepp: Das Ende der Einsamkeit. Was die Welt von Lateinamerika lernen kann



"Es gibt ihn also, den lateinamerikanischen Weg, doch er ist gewunden, ausgesetzt und beizeiten von blühendem Dickicht überwuchert. Eigentlich ist er eher ein Umweg." (Seite 18)

Friedensabkommen mit den FARC-Rebellen in Kolumbien mit knapper Mehrheit von der Bevölkerung abgelehnt, Venezuela im Chaos, Dilma Rousseff in Brasilien als Präsidentin abgesetzt und Lula da Silva, der ehemalige Hoffnungsträger, angeklagt – mit den Schlagzeilen von heute wirkt das Buch von Sebastian Schoepp von 2011 ein wenig wie von der Realität eingeholt.

Schoepp berichtet als Auslandskorrespondent für die Süddeutsche Zeitung aus Spanien und Lateinamerika. Beides kennt er gut aus eigenem Erleben. So führt er in dem Band auch lebendig und mit authentischer Begeisterung für Land und Leute durch die letzten Jahrzehnte und stellt einen Kontinent in Bewegung vor. Eine Bewegung, die nach Jahrzehnten der Stagnation mehrheitlich nach links zeigt.

Mit viel Sympathie berichtet Schoepp vom Überwinden von Differenzen, der Suche nach einem Umgang mit Verschiedenheiten über die Grenzen hinweg. Er stellt uns dies als Anregung für ein krisengeschütteltes Europa vor, dass auch damals schon seinen Weg zu mehr Einigung nur noch sehr zögerlich beschritt.

In den letzten fünf Jahren hat sich Lateinamerika rasant weiter entwickelt. Nicht alles lief so, wie das Buch es hoffen ließ. Trotzdem lohnt sich die Lektüre auch und gerade heute, da sich Auseinandersetzungen nicht nur in Lateinamerika sondern auch hier bei uns deutlich verschärft haben. Ganz abgesehen davon, dass ein unaufgeregter und neugieriger Blick über den Tellerrand noch nie geschadet hat.

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Samstag, 1. Oktober 2016

Jule Jakob Govrin: Sex, Gott und Kapital. Michel Houellebecqs "Unterwerfung" zwischen neoreaktionärer Rhetorik und postsäkularen Politiken



Der Houellebecq ist ja irgendwie das literarische Das-muss-man-doch-mal-sagen-dürfen. Jule Jakob Govrin untersucht seinen Roman "Unterwerfung" und versucht eine Einordnung von Werk und Autor in die geistige Welt der erstarkenden Neurechten. Ich bin gespannt auf die Lektüre, nachdem ich schon einen Eindruck bei der Buchvorstellung bekommen konnte.

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