Montag, 8. Juni 2026
Mosaik #606
In lauen Sommernächten Comics auf dem Balkon lesen – lieben wir! 😊
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Samstag, 6. Juni 2026
Quinn Slobodian/ Ben Tarnoff: Muskismus. Aufstieg und Herrschaft eines Technoking
„Technologie, Macht und Größenwahn – wie Elon Musk die Demokratie herausfordert
‚Anhand von Leben und Werk des Elon Musk stellt uns dieses tadellos recherchierte und hervorragend geschriebene Buch etwas vor, das über die Person Musk hinausweist: den Muskismus, ein Programm, das den Staat nutzt, um das eigene Unternehmertum zu finanzieren und den Aufstieg sowie die Herrschaft einer neuen technokratischen Ingenieurselite sicherzustellen. Technisches Können soll nicht länger der Gleichheit, sondern ihrem Gegenteil dienen. Start-ups sind auf dem Weg zu Satrapen zu werden.‘ Branko Milanović“ (Umschlagtext)
Das Verrückte ist, dass seit einigen Jahren so viel und so schnell Verrücktes passiert, dass diese schiere Flut jede bisher als stabil wahrgenommene Normalität ertränkt. Flood the zone with shit.
So liegt das politische Treiben von Elon Musk im US-amerikanischen Regierungsapparat gefühlt schon wieder Jahre zurück. Dass dies nicht bedeutet, Musk hätte sich zurückgezogen, ist uns allen eigentlich klar. Worin sein Wirken seit Jahren besteht, das erhoffe ich mir in diesem Buch komprimiert dargestellt zu finden.
Und damit präsentiere ich mein letztes Mitbringsel von der #lbm26. 😉
„Mit Paypal hat
Elon Musk die Finanzbranche aufgemischt, mit Tesla den Markt für E-Autos
revolutioniert, nach seiner Übernahme Twitter kurzerhand auf rechts gedreht. Im
US-Wahlkampf 2024 schwang er sich zu einem der wichtigsten Einflüsterer Donald
Trumps auf, anschließend machte er sich mit seiner Abteilung für
Regierungseffizienz daran, den amerikanischen Staat zu zerlegen.
Wie wurde aus dem genialischen Nerd eine kettensägenschwingende Ikone der
globalen Rechten? Um die Welt zu begreifen, die Musk erschafft, müssen wir die
Welten verstehen, die Musk erschaffen haben. Quinn Slobodian und Ben Tarnoff
zeichnen nach, wie sich im Silicon Valley um die Vorstellungen von Disruption
und tollkühnen CEOs ein regelrechter Kult bildete, wie soziale Medien und
Videospiele die Erzählung vom heldenhaften Einzelgänger etablierten und wie
rassistische Memes und Verschwörungstheorien Eingang fanden in die Gedankenwelt
des reichsten Menschen der Erde. Der Muskismus, so Slobodian und Tarnoff, ist
ein frankensteinisches Monster des zeitgenössischen Kapitalismus.“
(Klappentext)
(Übersetzung: Stephan Gebauer)
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Freitag, 5. Juni 2026
Helmut Krausser: Schweine und Elefanten
„Die Geschichte einer Amour fou im München der achtziger Jahre ist Entwicklungs- wie Schelmenroman, Selbstentblößung und Schule des Herzens, nicht zuletzt auch das Porträt einer zersprengten Post-Punk-Generation, die, umstellt von scheinbarem Wohlstand, um Identität und Ideale ringt. Komisch, melancholisch, poetisch, vor allem aber ungeschminkt wird ein Erwachsenwerden dokumentiert, ein bittersüß-selbstironisches Rebellentum.“ (Umschlagtext)
Helmut Kraussers erster Roman (Teil einer Trilogie, wie ich auch erst herausgefunden habe ^^) erschien zuerst 1999, diese Ausgabe 2010.
Ich hab das hier schon mal geschrieben, glaube ich, dass ich Kraussers „Melodien“ vor vielen Jahren zufällig in die Hände bekam und mit Begeisterung gelesen habe. Alle paar Jahre versuche ich dann immer wieder, meine Sammlung seiner Romane zu komplettieren – und komme einfach nicht hinterher. Weil so viel schon erschienen ist und Krausser auch einfach nicht mit dem Schreiben aufhört. Gut für mich. 😊
Und nur so am Rande: Einen
Umschlagtext würde heute, 16 Jahre später, doch niemand mehr so schreiben,
oder? 😉
Donnerstag, 4. Juni 2026
Armin Nassehi: Anmerkungen zum Antisemitismus. Die Funktion der Judenfeindschaft und das westliche Selbstverhältnis
„Antisemitische Denkfiguren, Chiffren, Symbole und Taten erfahren derzeit eine erhebliche Sichtbarkeit – was nicht nur mit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Jahre 2023 und den militärischen und politischen Folgen dieses Ereignisses zu tun hat. In seinem neuen Buch nimmt der Soziologe Armin Nassehi den verbindenden Kern antisemitischer Formen rechtsradikaler, bürgerlicher, linker, postkolonialer und islamistischer Natur in den Blick.“ (Umschlagtext)
Auch wenn im Mai eine kleine Lücke in meinem Bücherreigen entstanden ist, bleiben noch zwei Bände als Mitbringsel von der #lbm übrig. 😉
Da war die Hoffnung am Anfang des neuen Jahrtausends doch nicht wenig verbreitet, dass uns fortan hauptsächlich die Zukunft mit ihren neuen Technologien und Möglichkeiten beschäftigen würde. Nach einem Vierteljahrhundert sprechen wir aber eher darüber, wie die Schrecken vergangener Zeiten einfach nicht vergehen wollen und sich stattdessen immer wieder neue Kleider suchen.
Also, nicht nachlassen!
„Armin Nassehis explizit soziologisch
gestellte Leitfrage in diesem Buch lautet: Was ist die Funktion des
Antisemitismus in westlichen Gesellschaften? Sie wird mit der These
beantwortet, dass antisemitische Denkungsarten stets mit ungeklärten
Selbstverhältnissen derer zu tun haben, für die der Antisemitismus exakt dieses
Problem löst: Fragen der Selbstbeschreibung und ihres Selbstverhältnisses zu
lösen. Nassehis Buch ist damit zugleich ein Beitrag zu der Frage, wie die
Selbstbezogenheit des ‚Westens‘ seine paradoxen Selbstverhältnisse auf etwas
Fremdes richtet, das zugleich sein Vertrautestes selbst ist, das imaginierte
Jüdische nämlich.“ (Klappentext)
Dienstag, 2. Juni 2026
Naomi Alderman: The Future
„Was wäre, wenn wir die Zukunft ändern könnten?
Die Silicon-Valley-Milliardäre haben einen Plan geschmiedet für den Fall, dass die fortschreitende Zerstörung der Erde in einer großen Katastrophe mündet. Einen Plan, der es ihnen ermöglicht, in Sicherheit und Luxus weiterzuleben, während der Rest der Menschheit im Chaos versinkt. Aber in einem waghalsigen Manöver versucht eine Gruppe von Freunden, diesen Plan zu durchkreuzen – und die Zukunft in eine neue Richtung zu lenken.
Virtuos verwebt Bestsellerautorin Naomi Alderman das Schicksal ihrer Heldinnen und Helden mit der großen Frage, wer eigentlich die Zukunft gestaltet. Ein Roman, der die Art und Weise, wie wir über die Welt nachdenken, für immer verändert.“ (Umschlagtext)
Nach ihrem ersten Roman DIE GABE hab ich mich jetzt lang genug auf das Taschenbuch des neuen gefreut. Here we go.
Immer wieder spannend ist es, wenn fiktive, in einer nahen Zukunft angesiedelte Geschichten ganz offensichtlich im Hier und Heute fußen. Beim Lesen des Umschlagtextes musste ich unweigerlich an ein anderes Buch denken, dass ich hier schon gepostet habe: Douglas Rushkoff – Survival of the Richest. Warum wir vor den Tech-Milliardären noch nicht einmal auf dem Mars sicher sind.
Ja klar, mir ist schon klar, dass jede Zukunftsvision unweigerlich ihre Wurzeln in der Zeit hat, in der sie entsteht. Aber diese Art Querverweise zwischen Literatur und Realität machen das Schmökern ja auch erst so richtig spannend. Und unter anderem deswegen bildet Lesen ja auch, gelle. 😊
„Als Martha Einkorn die Sekte ihres Vaters verließ, hätte sie sich nie träumen lassen, dass sie viele Jahre später für Fantail, den größten Social-Media-Konzern der Welt, arbeiten würde. Als persönliche Assistentin des exzentrischen CEOs Lenk Sketlish ist Martha mitten drin in der Welt der Supermächtigen. Im Silicon Valley gilt nur ‚Höher, schneller, weiter‘, die Klimakatastrophe und menschliches Elend kümmern hier kaum jemanden. Und so beschleicht Martha langsam das Gefühl, dass die irren Predigten ihres Vaters über das Ende der Welt realistischer sind, als sie dachte. Zur gleichen Zeit gerät die Survival-Expertin Lai Zhen in einer Shopping Mall in Singapur ins Visier einer Terroristin – als plötzlich eine unbekannte Software auf ihrem Handy auftaucht und ihr das Leben rettet. Wo kommt dieses Programm her? Wer hat es generiert? Und warum hat man es ausgerechnet auf ihrem Telefon installiert? Zhens Neugierde bringt sie erneut in tödliche Gefahr. Als Martha und Zhen schließlich einander begegnen, wird eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt, die die Macht der Internetriesen zum Einsturz bringen und unsere Welt für immer verändern könnte.“ (Verlagstext)
(Übersetzung: Barbara Ostrop)




