Freitag, 24. Juli 2026

Mosaik #607 und #608


Ok, die Hundine will offenbar eher ins Wochenende schlummern. Umso mehr bleibt mir Zeit für Eskapismus in Bunt. ;)

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Sonntag, 19. Juli 2026

Morten Paul (Hrsg.): Was war Faschismustheorie?


„Zu fragen, was Faschismustheorie war, heißt, dem vertrackten Verhältnis von Verstehen und Verhindern nachzugehen. […]“ (Umschlagtext)

Der weltweite Aufstieg von Rechtsautoritären, hierzulande ein Rechtsruck bis weit in die Mitte der Gesellschaft – natürlich haben wir zu reden.

Bei allem „Nie wieder“ bleibt die Frage ja immer noch offen, wie wir als Gesellschaft widerstehen können, was jetzt zu tun ist. Schon die aktuelle Debatte um den neuen Song von Danger Dan „Keine Angst“ weist in die Richtung, die auch dieser Sammelband einschlägt: Wir müssen wissen, womit wir es zu tun haben, damit wir wissen, welche Strategien des Widerstands für die Demokratie helfen können. Und vermutlich braucht es mehr als eine davon.

„Der Faschismus ist zurück – und mit ihm die Frage, wie wir ihn verstehen und bekämpfen können. Das Buch nimmt sich dieser Frage auf besondere Weise an. Es richtet den Blick auf die über hundertjährige Geschichte der Faschismustheorie selbst. Statt hektisch eine weitere Deutung anzubieten, beleuchtet es ihre Kontroversen und Brüche, ihre blinden Flecken und vergessenen Einsichten. An diesen Punkten sind die Theorien der Vergangenheit noch heute besonders produktiv. Zu fragen, was Faschismustheorie war, heißt dann nämlich, dem nicht immer einfachen Verhältnis von Verstehen und Verhindern nachzugehen.
Das Buch ‚Was war Faschismustheorie?‘ richtet sich an alle, die über Faschismus nicht nur reden, sondern herausfinden wollen, wie dieses Reden beschaffen sein muss, um zu einem antifaschistischen zu werden.

Mit Beiträgen von Caroline Adler, Luce deLire, Alex Demirović, Frank Engster, Fernando Esposito, Laura Rivas Gagliardi, Stefan Höhne, Mona Leinung, Martin G. Maier, Maria Muhle, Francesca Raimondi, Yanara Schmacks, Philipp Schönthaler, Cecilia Sebastian, Friederike Sigler, Tatjana Söding und Elena Stingl.“ (Verlagstext)

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Samstag, 18. Juli 2026

Benjamin von Eckartsberg/ Chaiko: GUNG HO. Tanaka


„Das ist die Pflicht eines Samurai.

Er stirbt, damit wir leben.

Das ist der Weg des Kriegers.

Eine eigenständige Geschichte, die vor der Hauptreihe spielt.“ (Umschlagtext)

Aus den Weiten Sibiriens überrollt eine Flut weißer, vierbeiniger Monster ganz Europa. Die Menschen flüchten sich in große Städte, die sie mit Mauern umgeben, die Sicherheit bieten und missliebige Menschen ausschließen. Abgesetzt von den Städten gibt es Vorposten, die für Nahrung sorgen und die „weiße Flut“ beobachten und abfangen sollen. In einem solchen Vorposten spielt die Hauptreihe.

Und bevor ich es vergesse: Kreiiiiiiiisch!

Gung Ho ist vollkommen zurecht so hochgelobt worden, finde ich und bin so froh, dass es mit den Prequels nun mehr Lesestoff gibt. 😉

Sehr gespannt bin ich auf die Zeichnungen, die nun von Chaiko gemacht werden. Der wiederum sprang schon bei der „Chronik der Unsterblichen“ ein. Also, ich bin schon wieder drauf! 😊

„Das langerwartete Prequel zum deutschen Comichit!

Tanaka Hasegawa ist ein Actionfilmsstar. Als Elitesoldat stellt er seine Kunst nicht nur in den Dienst des Kinos, sondern auch in den der japanischen Spezialkräfte. Derzeit ist er mit seiner Frau und seiner Tochter auf Promotiontour für seinen neuesten Film in Paris. Dabei schenkt er den Weltnachrichten keine Beachtung, insbesondere dieser neuen Weißen Plage ...

Eine neue Spezies ist aufgetaucht und scheint sich überall einzuschleichen ...

Sie lauert in den Tunneln, schleicht versteckt voran und schlägt dann blitzschnell zu ...

Die Menschheit ist in Gefahr!

Gung Ho-Autor Benjamin von Eckartsberg tut sich sich mit Zeichner Tsai Chaiko (Les Misérables) zusammen und präsentiert die spannende Vorgeschichte von Gung Ho, die sich in jedem Band einem anderen Charakter widmet. Dieses Mal: Tanaka Hasegawa.“ (Verlagstext)

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Sonntag, 12. Juli 2026

Christoph Hein: Unterm Staub der Zeit


„Der vierzehnjährige Daniel kommt 1958 aus seiner ostdeutschen Heimatstadt, wo ihm als Pfarrerssohn das Abitur verwehrt wird, nach Berlin, um dort das Gymnasium zu besuchen. Mit seinen Zimmergenossen – die alle, wie er, aus der DDR stammen – drückt er nicht nur die Schulbank, sondern sie erkunden gemeinsam die Stadt.

Christoph Hein erzählt von einer Jugend in West-Berlin kurz vor dem Mauerbau.“ (Umschlagtext)

In der Erinnerungskultur geht im Schatten der Mauer fast unter, dass es noch eine Zeit vorm Mauerbau gab, in der sich die Blöcke schon unversöhnlich gegenüberstanden, die Grenzen für die Menschen aber noch durchlässig waren.

Mal wieder erzählt Hein vor zeitgeschichtlichem Hintergrund eine Geschichte, die den Blick auf einen historischen Graubereich lenkt, irgendwie bekannt aber im historischen Bewusstsein wenig ausgeleuchtet. Erwachsenwerden und Geschichte gehen ja erzählerisch eh immer wieder sehr gut Hand in Hand. Ich darf also gespannt sein. 😊

„Der vierzehnjährige Daniel kommt 1958 aus seiner ostdeutschen Heimatstadt, wo ihm als Pfarrerssohn das Abitur verwehrt wird, nach Berlin. Er zieht in ein Schülerheim in Grunewald, wo er auch das Gymnasium besucht, und lebt sich in der neuen Umgebung rasch ein. Mit seinen Zimmergenossen – die alle, wie er, aus der DDR stammen – drückt er nicht nur die Schulbank, sondern sie erkunden gemeinsam der Stadt: Als Zeitungsverkäufer ziehen sie allabendlich durch die Kneipen, und wenn das Essen im Schülerheim allzu fade schmeckt, geht es auf eine Erbsensuppe in Aschingers ‚Stehbierhalle‘. Sie erleben den Erweckungsprediger Billy Graham, der die Massen im Tiergarten in Verzückung versetzt, und Bill Haley, der den Sportpalast zum Kochen bringt.“ (Klappentext)

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Sonntag, 28. Juni 2026

Eva von Redecker: Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus


„‘Den Kern des Faschismus bildet eine entfesselte Eigentumslogik. Sein Gegenüber sind keine Menschen, sondern Dinge; seine Feinde sind keine Gegner, sondern Diebe.‘

Es geht ein Rechtsruck um die Welt, überall gewinnen autoritäre Kräfte an Macht und Einfluss. Und doch laufen die ewig bemühten Analogien zur Zeit des Nationalsozialismus ins Leere: Der Faschismus der Gegenwart hat eine neue Gestalt, die nicht leicht zu erkennen ist. In Eva von Redeckers wegweisender Analyse gewinnt sein diffuses Wesen an Kontur – und wird angreifbar. Seinen Kern verortet sie in der Beschwörung eines unbedingten Besitzanspruchs, dessen Verteidigung über Leichen geht.

Ein erhellendes und widerständiges Buch, das Verbundenheit gegen die um sich greifende Härte unserer Zeit stellt und Denkfreude verströmt.“ (Umschlagtext)

Was auffällt: Die gesellschaftlichen Zuspitzungen rechts wie links sind zunehmend keine Sache einer bestimmten Generation mehr. Linke sehen sich immer mehr in einer verteidigenden Position anstelle an der Spitze des Fortschritts. Die dabei verwendeten Begriffe zu Kennzeichnung von gegnerischen Positionen wie „Nazi“ kommen den Erscheinungen von rechts offenbar nicht mehr bei und werden von diesen fleißig umgedeutet und selbst angeeignet.

Dass Individualisierung von einer emanzipatorischen Selbstermächtigung durch libertäre Logik schon längst zu reinem Egoismus umgedeutet wurde, der auch gesellschaftlich ausbuchstabiert wird, ist leider auch keine neue Erkenntnis mehr.

Umso mehr greift, was ich als Kern der Analyse von Redeckers zumindest nach der Beschreibung des Textes schon mal ausmachen kann: die Notwendigkeit, die Analyse und Beschreibung der Gegenwart und damit der anstehenden Widerstandskämpfe zu aktualisieren. Ob das in dem Text enthalten ist, werde ich sehen, aber aus dem Bauch würde ich sagen: erst so gewinnt eine Linke auch wieder Sprechfähigkeit über eine Zukunft, die sich nicht nur als Abwehrkampf verstehen muss.

Neben der Lektüre des Buches freue ich mich auf die Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung u.a. mit Miriam Davoudvandi, Didier Eribon, Édouard Louis – und Eva von Redecker zu „Queer und Klasse: Über Armut, Ausgrenzung und Solidarität“ im Juli in Berlin. 😉

„‘Einen Begriff des Faschismus zu haben, bedeutet nicht einfach, etwas sehr Schreckliches klar ins Auge zu fassen. Es heißt auch, die Schrecken der Gegenwart ohne Hang zur Übertreibung und Vereinseitigung ausloten zu können.‘

Es scheint, als sei die Sprache, mit der wir auf den Rechtsruck in der Gesellschaft reagieren könnten, kaputt gegangen: Analogien verkehren sich, Begriffe werden von der Gegenseite vereinnahmt. Eva von Redecker legt eine neue Analyse des Faschismus vor, die unserer Zeit gewachsen ist. Es geht ihr dabei nicht darum, sich möglichst weit on den Feinden abzugrenzen, sondern darum, grundlegenden Widerstand gegen den heute um sich greifenden Drang nach Härte zu leisten, der sich in der entfesselten Verteidigung unbedingter Besitzanmaßungen zuspitzt. Erst, wenn wir seine veränderte Gestalt sprachlich greifen können, verstehen wir, wie der gegenwärtige Faschismus vorgeht – und können ihn wirksam bekämpfen.“ (Klappentext)

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Freitag, 26. Juni 2026

Paul Lynch: Jenseits der See


„Vor der Küste Mexikos werden zwei Männer in ihrem Fischerboot in einem Sturm auf die offene See getrieben. Wie schon in ‚Das Lied des Propheten‘, geht es in diesem Roman von Booker-Preisträger Paul Lynch um alles. Um Überlebenswillen, Einsamkeit und die menschliche Existenz im Angesicht der Katastrophe.“ (Umschlagtext)

Ach, der Mensch und das Meer. Ist ja nicht so, dass wir das nicht schon in verschiedensten Variationen gelesen hätten. Aber – auch das gehört zur Wahrheit dazu – immer wieder kann das begeistern, ob nun Hemmingway oder auch Yann Martel, um nur zwei zu nennen, die mir da direkt einfallen.

„Das Lied des Propheten“ hat mich auf jeden Fall so begeistert, dass ich mich sehr auf die Variation aus der Feder von Paul Lynch freue.

„Der Fischer Bolivar lebt ein einfaches, unbeschwertes Leben. Im Gegensatz zu seinen Kollegen beginnt er seinen Tag meist erst mittags, raucht viel und trinkt Bier bei Rosa, der Frau, in die er verliebt ist. Er will gerade zu seinem Fang aufbrechen, als er von den Dorfbewohnern vor einem aufkommenden Sturm gewarnt wird. Aber Bolivar fährt entgegen jeder Vernunft an diesem Tag zur See. Er nimmt Hector mit, einen jungen Fischer, der das zusätzliche Geld gut gebrauchen kann, das Bolivar ihm für das Wagnis bietet. Obwohl er Angst vor dem Sturm hat, lässt er sich auf den Job ein. Als sie der Sturm aufs Meer treibt, blicken sie gemeinsam – und doch jeder für sich – dem Untergang ins Auge. ‚Jenseits der See‘ zeichnet ein eindringliches Bild der menschlichen Psyche und geht der Frage nach, wie man es schafft, die Hoffnung in einer aussichtslosen Situation nicht zu verlieren.“ (Klappentext)

(Übersetzung: Eike Schönfeld)

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Samstag, 20. Juni 2026

Rainer Mühlhoff: Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus


„In den USA wird massenhaft Verwaltungsmitarbeitern gekündigt, um einen KI-Staat zu errichten. Tech-CEOs verkaufen künstliche Intelligenz als Heilsbringer für die größten Probleme der Menschheit, obwohl die entsprechende Industrie auf Ausbeutung und Menschenverachtung beruht. Warum lässt sich die Öffentlichkeit durch Spekulation ober Erlösung oder Auslöschung durch KI von den erheblichen Schäden durch KI in unserer Gegenwart ablenken? Wie erkennen wir die zunehmend faschistischen Tendenzen, die sich im Zusammenspiel von Tech-Industrie und der neuen Rechten bilden?

Rainer Mühlhoff entwickelt Antworten und diskutiert Lösungsansätze.“ (Umschlagtext)

Beim Internet wie bei den Sozialen Medien ist ja der Eindruck wahrlich nicht so weit hergeholt, dass die Menschheit sich hier euphorisch auf Technologien einließ, für die wir irgendwie in der Breite noch lange nicht wirklich bereit genug zu sein scheinen. Nun also KI.

Und da ist sie wieder, diese Euphorie, die allüberall erschallt. Ängste werden abgetan als reine Panik, wo die neue Technologie doch jetzt wirklich alles besser machen soll – und vor allem schon übervolle Unternehmenskassen noch weiter anschwellen lässt.

Bei allen Rechtsrucken, autoritären Morgendämmerungen und derlei, für die gerade die Sozialen Medien einen so perfekten Resonanzraum zu bieten scheinen, ist es mehr als naheliegend, auch den Hype um KI kritisch zu hinterfragen. Ich bin gespannt.

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