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Dienstag, 6. November 2018

Néjib: Stupor Mundi. Das Staunen der Welt



„Die Reise war sehr lang.
Wir zogen durch Wüsten, überwanden Berge und Meere …
…bis wir die Küste Apuliens erreichten.“ (Seite 5)

Néjib führt uns in seiner Geschichte vor, wie sehr Glauben sich mitunter durch Wissen und Wissenschaft herausgefordert, bedroht fühlt. Dazu nutzt er das mittelalterliche Castel del Monte als Kulisse, dass der Stauferkaiser Friedrich II. zwischen 1240 und 1250 im südlichen Italien errichten ließ. Die Zeit der Handlung und das abgelegene Bauwerk lassen gleich ein wenig „Der Name der Rose“-Feeling aufkommen. Schließlich handelt es sich auch hier um ein Verwirrspiel mit Krimieinschlag.

Der Kaiser versammelt im Castel del Monte herausragende Geister seiner Zeit um sich. So auch Hannibal Quassim al Battuti, der mit seiner Tochter Houdeh und einem geheimnisvollen Assassinen anreist. Hannibal ist Optiker und hat entdeckt, wie sich mittels der Bündelung von Lichtstrahlen und ein wenig Chemie das Abbild eines Menschen auf eine Leinwand bannen lässt. Einzig die Fixierung des Bildnisses wirft noch Fragen auf.

Doch solcherlei Experimente finden nicht bei allen Zeitgenossen Unterstützung. Der Glaube fühlt sich herausgefordert von etwas, das nicht sein darf. Und so entspinnt sich ein Wettlauf mit der Zeit. Der Kaiser fordert Ergebnisse und verfolgt dabei seine ganz eigenen Ziele. Hannibal ringt um seinen Ruf und die Ergebnisse seiner Forschungen. Aber andere Kräfte halten all dies für Blasphemie. Selbst wenn es gelänge: Es darf nicht sein.

Néjib gelingt es, die verschiedenen Ebenen der Geschichte auf unterhaltsame und spannende Art zu verbinden. Wie bei Umberto Ecos Werk auch, lässt sich „Stupor Mundi“ als Mittelalterkrimi oder philosophische Wissenschaftsgeschichte lesen. Der krakelig-leichte Strich verhindert realistisch angehauchten Mittelalterkitsch und lässt dabei genug Spielraum für Entdeckungen.

Kurz und gut: Der Verlag Schreiber & Leser tat gut daran, diesen zunächst in Frankreich erschienenen Comicband ins Deutsche zu übersetzen. Möge er in vielen Buchhandlungen auch jenseits des begrenzten Comicmarktes seinen Platz und ein Publikum finden.

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