„Es ist wahr, wir leben in schwierigen Zeiten.“ (Seite 7)
Wenn es schwierig ist, politische Konfliktlagen undurchsichtig erscheinen, Bewegungen oder Parteien tief in der Krise stecken – dann schlägt die Zeit politischer Bildung. Zumindest wird immer dann am lautesten danach gerufen. Und mir scheint, dass die Rufenden dann gern auch mal deutlich andere Vorstellungen davon haben, was politische Bildung denn nun sei oder vermöchte.
Allein schon deshalb gebührt den Herausgebern und Autor*innen dieses Sammelbandes ein dicker Dank dafür, dass sie fußend auf der Arbeit im Kosmos der Rosa-Luxemburg-Stiftung Erfahrungen, Erkenntnisse und Fragen zusammengetragen haben. Danke also! 😊
Was also kann politische Bildung nun? Ganz grundsätzlich kann sie aufklären, Politikfähigkeit und -verständnis stärken, Handwerk vermitteln und Räume gestalten, in denen inhaltlich wie handwerklich experimentiert werden kann. Ein Denkraum, Handlungsraum und Aushandlungsraum. Sie ist aber eben kein Ersatz dafür, tatsächlich Politik zu gestalten, politisch aktiv zu werden. Und sie ist kein Notfall-Kit, dass sich hervorziehen lässt, wenn es eigentlich an der Zeit ist zu handeln.
Politische Bildung braucht Ressourcen, Zeit, Planung und den Willen, Menschen mit dem Erlernten und Erarbeiteten dann auch wirken zu lassen.
In der Praxis fällt mir oft auf, dass natürlich alle gern über die großen Themen sprechen wollen. Politische Bildung aber auf das rein Inhaltliche zu reduzieren, springt für meinen Geschmack zu kurz. Weil das die Fragen nach der eigenen Organisierung und der der Gesellschaft unbeantwortet lässt, die ja aber essenziell sind, wenn wir mit dem schönen Wissen auch tatsächlich etwas anfangen wollen.
Was uns hier helfen kann, sind kommunikative Grundlagen und Fähigkeiten. Bei all dem Wissen um Kommunikation, dass inzwischen Allgemeingut und in Teilen sogar Schulwissen ist, bleibt oft eben doch zu beobachten, dass zum Beispiel gesellschaftliche Polarisierungen eben auch dazu führen, dass dieses Wissen dem reinen Meinunghaben geopfert wird. Wenn sich Politik machen aber darin erschöpft, ist für aufklärerische, emanzipatorische, progressive Ziele nicht viel zu gewinnen.
Nicht weniger hilfreich finde ich all die Ansätze, die sich in den Kämpfen um Anerkennung, Sichtbarkeit und Selbstwirksamkeit herausgebildet haben. Das ganze woke Zeug eben; auch wenn das inzwischen zum allgemeinen Schimpfwort geworden zu sein scheint.
Und das Wichtigste will ich natürlich nicht vergessen. Politische Bildung ist niemals ein Selbstzweck, sondern zielt auf gesellschaftliche Veränderung. Dafür braucht Menschen mit klarem Blick, offenen Herzen und all den Kenntnissen und Fähigkeiten, die uns helfen können, die Welt ein Stück besser zu machen.
Kurz und gut: Ein
feiner Band zum Reflektieren und Stöbern für alle, die praktische
Bildungsarbeit für eine bessere Welt machen. Lesen!

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