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Sonntag, 28. Juni 2026

Eva von Redecker: Dieser Drang nach Härte. Über den neuen Faschismus


„‘Den Kern des Faschismus bildet eine entfesselte Eigentumslogik. Sein Gegenüber sind keine Menschen, sondern Dinge; seine Feinde sind keine Gegner, sondern Diebe.‘

Es geht ein Rechtsruck um die Welt, überall gewinnen autoritäre Kräfte an Macht und Einfluss. Und doch laufen die ewig bemühten Analogien zur Zeit des Nationalsozialismus ins Leere: Der Faschismus der Gegenwart hat eine neue Gestalt, die nicht leicht zu erkennen ist. In Eva von Redeckers wegweisender Analyse gewinnt sein diffuses Wesen an Kontur – und wird angreifbar. Seinen Kern verortet sie in der Beschwörung eines unbedingten Besitzanspruchs, dessen Verteidigung über Leichen geht.

Ein erhellendes und widerständiges Buch, das Verbundenheit gegen die um sich greifende Härte unserer Zeit stellt und Denkfreude verströmt.“ (Umschlagtext)

Was auffällt: Die gesellschaftlichen Zuspitzungen rechts wie links sind zunehmend keine Sache einer bestimmten Generation mehr. Linke sehen sich immer mehr in einer verteidigenden Position anstelle an der Spitze des Fortschritts. Die dabei verwendeten Begriffe zu Kennzeichnung von gegnerischen Positionen wie „Nazi“ kommen den Erscheinungen von rechts offenbar nicht mehr bei und werden von diesen fleißig umgedeutet und selbst angeeignet.

Dass Individualisierung von einer emanzipatorischen Selbstermächtigung durch libertäre Logik schon längst zu reinem Egoismus umgedeutet wurde, der auch gesellschaftlich ausbuchstabiert wird, ist leider auch keine neue Erkenntnis mehr.

Umso mehr greift, was ich als Kern der Analyse von Redeckers zumindest nach der Beschreibung des Textes schon mal ausmachen kann: die Notwendigkeit, die Analyse und Beschreibung der Gegenwart und damit der anstehenden Widerstandskämpfe zu aktualisieren. Ob das in dem Text enthalten ist, werde ich sehen, aber aus dem Bauch würde ich sagen: erst so gewinnt eine Linke auch wieder Sprechfähigkeit über eine Zukunft, die sich nicht nur als Abwehrkampf verstehen muss.

Neben der Lektüre des Buches freue ich mich auf die Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung u.a. mit Miriam Davoudvandi, Didier Eribon, Édouard Louis – und Eva von Redecker zu „Queer und Klasse: Über Armut, Ausgrenzung und Solidarität“ im Juli in Berlin. 😉

„‘Einen Begriff des Faschismus zu haben, bedeutet nicht einfach, etwas sehr Schreckliches klar ins Auge zu fassen. Es heißt auch, die Schrecken der Gegenwart ohne Hang zur Übertreibung und Vereinseitigung ausloten zu können.‘

Es scheint, als sei die Sprache, mit der wir auf den Rechtsruck in der Gesellschaft reagieren könnten, kaputt gegangen: Analogien verkehren sich, Begriffe werden von der Gegenseite vereinnahmt. Eva von Redecker legt eine neue Analyse des Faschismus vor, die unserer Zeit gewachsen ist. Es geht ihr dabei nicht darum, sich möglichst weit on den Feinden abzugrenzen, sondern darum, grundlegenden Widerstand gegen den heute um sich greifenden Drang nach Härte zu leisten, der sich in der entfesselten Verteidigung unbedingter Besitzanmaßungen zuspitzt. Erst, wenn wir seine veränderte Gestalt sprachlich greifen können, verstehen wir, wie der gegenwärtige Faschismus vorgeht – und können ihn wirksam bekämpfen.“ (Klappentext)

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Sonntag, 9. April 2023

Eva von Redecker: Revolution für das Leben. Philosophie der neuen Protestformen


„Eine neue Kapitalismuskritik
und eine Liebeserklärung
an menschliches Handeln

Katastrophen können bloßlegen, was längst untragbar ist. Protestbewegungen wie Black Lives Matter, Fridays for Future und NiUnaMenos kämpfen derzeit weltweit gegen Rassismus, Klimakatastrophe und Gewalt gegen Frauen. So unterschiedlich sie sein mögen, verfolgen diese Widerstandskräfte ein gemeinsames Ziel: die Rettung von Leben. Im Kern richtet sich ihr Kampf gegen den Kapitalismus, der unsere Lebensgrundlagen zerstört, indem er im Namen von Profit und Eigentum lebendige Natur in toten Stoff verwandelt.
Die Revolution für das Leben bietet unseren Tätigkeiten eine neue, solidarische Form: Wir könnten pflegen statt beherrschen, regenerieren statt erschöpfen, teilhaben statt verwerten.“ (Umschlagtext)

Wenn ich auf meine Leseliste insbesondere in den letzten drei Jahren zurückschaue, fällt mir auf, dass ich hin und her pendle zwischen Untersuchungen von den Gruppierungen und Haltungen, die unser Zusammenleben und unsere Gesellschaften bedrohen und denen, die für Minderheiten eintreten, das Klima und damit die Welt retten wollen und denen, die den Kapitalismus als Wirtschafts- und Gesellschaftssystem kritisch hinterfragen.

Ich möchte gern weiter glauben, dass letztere sich als resilienter und dauerhafter erweisen werden. Mein Teil an Unterstützung ist, mich weiterzubilden und viel darüber zu sprechen, privat oder in Coachings, Workshops etc. Und ihr so?

„Der Kapitalismus zerstört die Grundlagen des Lebens und das Leben selbst. Er knüpft die Herrschaft an das Eigentum und unsere Tätigkeiten an Profit; er durchdringt unsere Demokratien und spaltet unsere Gesellschaften. Er verwertet uns und unseren Planeten rücksichtslos. In autoritären Tendenzen und rassistischen Ausschreitungen, in massiven Klimaveränderungen und einer globalen Pandemie zeigt er seine verheerendsten Seiten. Aber in den Zwischenräumen der katastrophalen Entwicklungen regt sich Widerstand. Aktivist*innen kämpfen gegen die Zerstörung von Leben – Zerstörung durch häusliche und polizeiliche Gewalt, Grenzregime oder steigenden Meeresspiegel.
Die neuen Protestbewegungen von Black Lives Matter über Fridays for Future bis hin zu NiUnaMenos setzen an scheinbar unterschiedlichen Punkten an. In Eva von Redeckers Deutung wird jedoch eine gemeinsame Logik erkennbar. Wir erleben Ansätze einer Revolution, die die verheerende kapitalistische Ordnung stürzen könnte und unseren grundlegenden Tätigkeiten eine neue Form verspricht: Wir könnten pflegen statt beherrschen, regenerieren statt erschöpfen, teilhaben statt verwerten.“ (Verlagstext)


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