„‘Den Kern des Faschismus bildet eine entfesselte Eigentumslogik. Sein Gegenüber sind keine Menschen, sondern Dinge; seine Feinde sind keine Gegner, sondern Diebe.‘
Es geht ein Rechtsruck um die Welt, überall gewinnen autoritäre Kräfte an Macht und Einfluss. Und doch laufen die ewig bemühten Analogien zur Zeit des Nationalsozialismus ins Leere: Der Faschismus der Gegenwart hat eine neue Gestalt, die nicht leicht zu erkennen ist. In Eva von Redeckers wegweisender Analyse gewinnt sein diffuses Wesen an Kontur – und wird angreifbar. Seinen Kern verortet sie in der Beschwörung eines unbedingten Besitzanspruchs, dessen Verteidigung über Leichen geht.
Ein erhellendes und widerständiges Buch, das Verbundenheit gegen die um sich greifende Härte unserer Zeit stellt und Denkfreude verströmt.“ (Umschlagtext)
Was auffällt: Die gesellschaftlichen Zuspitzungen rechts wie links sind zunehmend keine Sache einer bestimmten Generation mehr. Linke sehen sich immer mehr in einer verteidigenden Position anstelle an der Spitze des Fortschritts. Die dabei verwendeten Begriffe zu Kennzeichnung von gegnerischen Positionen wie „Nazi“ kommen den Erscheinungen von rechts offenbar nicht mehr bei und werden von diesen fleißig umgedeutet und selbst angeeignet.
Dass Individualisierung von einer emanzipatorischen Selbstermächtigung durch libertäre Logik schon längst zu reinem Egoismus umgedeutet wurde, der auch gesellschaftlich ausbuchstabiert wird, ist leider auch keine neue Erkenntnis mehr.
Umso mehr greift, was ich als Kern der Analyse von Redeckers zumindest nach der Beschreibung des Textes schon mal ausmachen kann: die Notwendigkeit, die Analyse und Beschreibung der Gegenwart und damit der anstehenden Widerstandskämpfe zu aktualisieren. Ob das in dem Text enthalten ist, werde ich sehen, aber aus dem Bauch würde ich sagen: erst so gewinnt eine Linke auch wieder Sprechfähigkeit über eine Zukunft, die sich nicht nur als Abwehrkampf verstehen muss.
Neben der Lektüre des Buches freue ich mich auf die Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung u.a. mit Miriam Davoudvandi, Didier Eribon, Édouard Louis – und Eva von Redecker zu „Queer und Klasse: Über Armut, Ausgrenzung und Solidarität“ im Juli in Berlin. 😉
„‘Einen Begriff des Faschismus zu haben, bedeutet nicht einfach, etwas sehr Schreckliches klar ins Auge zu fassen. Es heißt auch, die Schrecken der Gegenwart ohne Hang zur Übertreibung und Vereinseitigung ausloten zu können.‘
Es scheint, als sei die Sprache, mit
der wir auf den Rechtsruck in der Gesellschaft reagieren könnten, kaputt
gegangen: Analogien verkehren sich, Begriffe werden von der Gegenseite
vereinnahmt. Eva von Redecker legt eine neue Analyse des Faschismus vor, die
unserer Zeit gewachsen ist. Es geht ihr dabei nicht darum, sich möglichst weit
on den Feinden abzugrenzen, sondern darum, grundlegenden Widerstand gegen den
heute um sich greifenden Drang nach Härte zu leisten, der sich in der
entfesselten Verteidigung unbedingter Besitzanmaßungen zuspitzt. Erst, wenn wir
seine veränderte Gestalt sprachlich greifen können, verstehen wir, wie der
gegenwärtige Faschismus vorgeht – und können ihn wirksam bekämpfen.“
(Klappentext)

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