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Donnerstag, 5. März 2026

Anne Applebaum: Die Achse der Autokraten. Korruption, Kontrolle, Propaganda: Wie Diktatoren sich gegenseitig an der Macht halten


„In unserer Vorstellung sind Autokraten einsame Herrscher. Doch Pulitzer-Preisträgerin Anne Applebaum zeigt: Die Macht von Diktatoren beruht auf vielfältigen Verbindungen untereinander und einem ausgeklügelten globalen Netzwerk, einer ‚Achse der Autokraten‘. Von Belarus bis Syrien, von Myanmar bis Venezuela unterstützen sich autokratische Machthaber gegenseitig mit Waren und Finanzströmen, Söldnern, Waffen und Equipment made in China, Iran oder Russland. In ihrem augenöffnenden Buch offenbart Applebaum, wie diese Achse funktioniert und wie die Autokraten von heute, geeint in ihrer Gier nach Machterhalt und dem Kampf gegen die Demokratie, eine neue Weltordnung erschaffen.“ (Umschlagtext)

Das Buch erschien ursprünglich 2024, kurz vor den US-amerikanischen Wahlen, aus denen Trump zum zweiten Mal als Sieger hervorging. In ihrem aktualisierten Vorwort geht Applebaum darauf ein.

Ist der Blick auf Autokraten von 2024 heute bereits obsolet, wo sich zumindest in Syrien, in Venezuela die Lage verändert hat? Wo sich die Lage der westlichen Demokratien noch einmal in schon dramatischer Weise weiterentwickelt hat – mit derzeit umso offenerer Zukunft?

Es wäre ja zu wünschen, dass Autokraten und ihre Regimes ein eher abseitiges Thema wären. Leider zeigt die weltweite Entwicklung eher etwas anderes. Grund genug also, sich dem Thema intensiver zu widmen – und dabei nicht zu vergessen, auch darüber zu sprechen, was wir mit Demokratie zu erhalten und sogar zu gewinnen haben.

„‘Im Westen, und vor allem in den Vereinigten Staaten, sehen außenpolitische Experten die Welt oft als ein Nebeneinander von getrennten Schauplätzen – Mitteleuropa, der Nahe Osten, das Südchinesische Meer –, auf denen jeweils eigene Spezialisten gefragt sind. Autokraten sehen die Welt anders. Putin unterstützt rechte und extremistische Bewegungen in Europa und versorgt afrikanische Diktatoren mit Söldnern und Waffen. Er führt seinen Krieg in der Ukraine, indem er in aller Welt die Nahrungsmittelknappheit schürt und die Energiepreise nach oben treibt. Der Iran finanziert seine Schergen im Libanon, in Palästina, im Jemen und im Irak. Iranische Agenten haben einen Bombenanschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum in Buenos Aires verübt, Morde in Istanbul und Paris begangen, Attentate in den Vereinigten Staaten durchgeführt und Medien in der gesamten arabisch- und spanischsprachigen Welt finanziert. Der belarussische Diktator versucht, seine Nachbarländer zu destabilisieren, indem er Flüchtlinge aus dem Nahen Osten ins Land holt und nach Europa schleust. Kubaner kämpfen in den Reihen der russischen Armee in der Ukraine, kubanische Geheimpolizisten greifen dem Regime in Venezuela unter die Arme. Und China, mit seinen umfassenden wirtschaftlichen und politischen Interessen in Afrika und Lateinamerika, sieht sich schon lange nicht mehr als ‚asiatische‘ Macht.
Die Autokraten verfolgen die Siege und Niederlagen der anderen sehr genau und wählen den Zeitpunkt für ihre eigenen Schritte so, dass sie damit das größtmögliche Chaos stiften.‘

Aus dem Inhalt“ (Klappentext)

(Übersetzung: Jürgen Neubauer)

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Sonntag, 25. August 2024

Anne Applebaum: Die Verlockung des Autoritären. Warum antidemokratische Herrschaft so populär geworden ist


„Die Erschütterung der liberalen Demokratien wird oft mit der Schwäche der westlichen Werteordnung erklärt. Anne Applebaum wählt einen anderen Ansatz und fragt: Was macht die Rückkehr zu autoritären Herrschaftsformen für viele Menschen so erstrebenswert? An zahlreichen Beispielen – von den Brexiteers bis hin zu den illiberalen Demokratien Osteuropas – zeigt sie, welche Rolle dabei soziale Medien, Verschwörungstheorien und Nostalgie spielen. Ein brillant erzählter, aus persönlicher Erfahrung gespeister Streifzug durch eine westliche Welt, die sich auf erschreckende Weise nach harter Hand und starkem Staat (zurück)sehnt.“ (Umschlagtext)

Nicht nur auf meinen Lesestapeln häufen sich die Texte über den aktuellen Zustand insbesondere der sogenannten westlichen Gesellschaften. So fassungslos ich selbst wie viele andere im Kleinen erlebe, dass Menschen „Lust am Autoritären“ versprühen, so lässt sich Gleiches ja im Großen beobachten – an Diskursverschiebungen hierzulande oder überall dort, wo Gesellschaften – zumindest aus unserer mitteleuropäischen Perspektive – zu kippen drohen oder schon einen Schritt weiter sind.

Wie kommt all das nun zustande? Ich bin gespannt, welche Antworten und Anregungen in diesem Band stecken.

„‘Zu den in diesem Buch beschriebenen Menschen gehören nationalistische Ideologen genauso wie hochgesinnnte politische Essayisten; die einen verfassen anspruchsvolle Bücher, andere lancieren Verschwörungstheorien im Internet. Einige werden von derselben Sorge, Wut und Harmoniesucht angetrieben, die auch ihre Leser und Follower beschäftigen. Ein Teil wurde durch Auseinandersetzungen mit der kulturellen Linken radikalisiert oder von der Schwäche der liberalen Mitte abgestoßen. Andere sind Zyniker und bedienen sich einer radikalen und autoritären Rhetorik, weil sie sich davon Macht und Anerkennung erhoffen. Es gibt Apokalyptiker, die überzeugt sind, dass ihre Gesellschaft dem Untergang geweiht ist und gerettet werden muss, egal, wie das Ergebnis aussieht. Einige sind zutiefst religiös. Manche genießen das Chaos und wollen es herbeiführen, um der Gesellschaft eine neue Ordnung aufzuzwingen. Sie alle versuchen ihre Nationen umzudefinieren, Sozialverträge umzuschreiben und manchmal auch die demokratischen Regeln zu ändern, sodass sie nie die Macht verlieren. Alexander Hamilton warnte vor ihnen, Cicero bekämpfte sie. Einige dieser Menschen waren einmal meine Freunde.‘“ (Klappentext)

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Samstag, 16. Oktober 2021

Steven Levitsky/ Daniel Ziblatt: Wie Demokratien sterben


(Übersetzung: Klaus-Dieter Schmidt)

„Ist unsere Demokratie in Gefahr? Nie hätten wir gedacht, dass wir einmal diese Frage stellen würden.“ (Seite 9)

Dieses Buch 2021 zu lesen, ließ mich schon das eine oder andere Mal bei der Lektüre sarkastisch auflachen. Levitsky und Ziblatt waren, wie wir alle, in den ersten beiden Jahren von Trumps Präsidentschaft offenbar schockiert. Erstreckten sich ihre Demokratiestudien sonst auf andere Teile der Welt, sahen sie sich nun genötigt, über die demokratische Verfasstheit des eigenen Landes nachzudenken.

Anhand verschiedener Beispiele von demokratisch gewählten und später autoritär oder autokratisch agierenden Regierungen stellen sie das Raster vor, nachdem sie einschätzen, wie sehr die Demokratie in einem Land schon gelitten hat, wie sehr sie schon ins autokratische gekippt ist. Die Anwendung dieser Überlegungen auf das Geburtsland der modernen Demokratie erschüttert sie selbst. Allerdings bleiben sie nicht bei dem simplen „Trump ist schuld“ stehen.

Sie liefern viele Beispiele aus der US-amerikanischen Geschichte, in denen die Demokratie, demokratische Verfahren und ihre Institutionen in Gefahr waren. So können sie auch illustrieren, wie beispiellos der Aufstieg und vor allem das Handeln Trumps waren. Und dabei konnten sie natürlich nicht einmal ahnen, was sich noch nach der Veröffentlichung ihres Buches 2018 ereignen sollte.

Genau vor diesem Hintergrund ist es aber spannend, dieses Buch heute zu lesen. Die verzweifelte Anzweiflung des Wahlergebnisses, die Aufstachelung der eigenen Basis bis hin zum Sturm auf das Kapitol aber eben auch Trumps Würgegriff, unter dem die Republikanische Partei zu zerbröseln scheint – all dies schimmert in den Überlegungen und Befürchtungen der beiden Autoren bereits hindurch.

Doch machen sie auch sehr deutlich, dass Trump nur das vorläufige Ende einer Entwicklung ist, die die amerikanische Gesellschaft bereits seit Jahrzehnten immer weiter spaltet. Die Schilderung wie die beiden großen Parteien der USA gleichsam den Platz im Parteiengefüge über einen langen Zeitraum hinweg getauscht haben und welchen Preis dafür insbesondere der wachsende nichtweiße Teil der Bürger:innen dafür zahlt, verbindet sich gut mit den zunehmend lauter und vehementer gewordenen Forderungen nach Gleichberechtigung und Kampf gegen den Alltagsrassismus.

Die Leitplanken der Demokratie, wie Levitsky und Ziblatt sie verstehen und beschreiben, klingen zunächst banal, stellen aber für die Autoren einen möglichen Schlüssel dar, um einen Heilungsprozess in Gang setzen zu können. Es sind im Wesentlichen einerseits die gegenseitige Achtung von politischen Gegnern und die institutionelle Zurückhaltung. Diese eher informellen Regeln und Normen dessen, was und wie in den USA Politik gemacht und das Politikmachen verstanden wird, bestimmen in bedeutendem Maße mit, ob die Buchstaben der Verfassung mit Leben erfüllt werden können oder ob sie ausgehöhlt und unterwandert werden.

Vor dem Hintergrund unserer eigenen Debatten in Deutschland um den Umgang mit randständigen Meinungen und zur Diskursverschiebung, die ganz bedeutend gerade die AfD hierzulande zu verantworten hat, liefert die Diskussion dieser Punkte durchaus auch heute interessante Aspekte und Anregungen.

Beim Lesen des Buches musste ich mir zwischendurch immer wieder mal klarmachen, dass hier zwei Amerikaner über ihr Verständnis von Politik und vom Parteiengefüge in den USA schreiben. Insofern lassen sich beileibe nicht alle Beispiele oder Analysen und Schlussfolgerungen einfach so auf europäische oder die deutsche politische Landschaft umrechnen. Lohnend ist die Lektüre für meinen Geschmack aber durchaus.

Kurz und gut: Der Band besteht auch, wenn die beschriebene Entwicklung schon drei Jahre weiter ist. Der Blick zurück lohnt aber. Lesen!

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