Donnerstag, 30. August 2018

Comixene #128



Bestens geeignet als Morgenlektüre zu den ersten beiden Kaffees am Tag. 😉

Frisch eingetroffen.

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Dienstag, 28. August 2018

Mosaik #513



Diese Zeit im Jahr, wenn unzählige Leute um dich herum stolz erzählen, dass sie jetzt gen Norden aufbrechen, um Urlaub zu machen in diesem Schweden oder Dänemark oder Norwegen, weil es da so unglaublich schön sei ...

Ich schau den Abrafaxen zu und träume von Palmen. So! 😂😉😎

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Mittwoch, 22. August 2018

Monique Truong: Das Buch vom Salz



"Monique Truongs erster Roman erzählt die Geschichte des vietnamesischen Kochs von Gertrude Stein und Alice B. Toklas in Paris, Ende der zwanziger Jahre. Der junge Koch und Ich-Erzähler, der wegen seiner Neigungen aus dem kolonialen Vietnam geflohen ist, ist ein Fremder, eine verlorene Seele, ein anrührender und nicht ganz zuverlässiger Berichterstatter.
Wunderschön und doppelbödig geschrieben, ist 'Das Buch vom Salz' - dem Salz in den Speisen, im Meer, in den Tränen, im Schweiß gewidmet - ein Fest der Sinne und des Erzählens." (Umschlagtext)

Mal wieder hat mich die Beschreibung neugierig gemacht. Zumal die Autorin kürzlich zu einem feinen Literaturfestival in Berlin war. Wie mir nachträglich versichert wurde, saß sie beim öffentlichen Schauen des WM-Finales direkt neben uns. Ok ok, das ist fürs Buch natürlich vollkommen nebensächlich. ;)

Eines noch: Beim Umschlagtext ist mal wieder hübsch zu besichtigen, dass immer noch das Diktum gilt, dass die Worte schwul oder homosexuell nicht an einer solchen Stelle abgedruckt werden. Stattdessen ist betulich von "Neigungen" die Rede. Willkommen im 21. Jahrhundert. ^^

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Dienstag, 21. August 2018

André Kubiczek: Skizze eines Sommers



"1985, Potsdam, große Ferien. Doch der sechzehnjährige René bleibt dieses Jahr zuhause. Die Mutter ist tot, der Vater in der Schweiz; er lässt René tausend Mark da, die er brüderlich mit seinen Freunden Dirk, Michael und Mario teilt. Dies ist, und das spüren sie alle vier, ein Sommer, wie es ihn nie wieder geben wird für sie. Die Jungs streifen durch die heiße, urlaubsleere Stadt und sitzen in Cafés, aber vor allem geht es darum das richtige Mädchen zu treffen." (Umschlagtext)

Mehr als der Teil der Beschreibung spricht mich ja der Hinweis an, das es ein "Roman über die Jugend mit ihrer schönen Tragik" sei. Mit gelungenen, glaubhaften Dialogen und präzise eingefangenen Beschreibungen könnte das durchaus eine urlaubstaugliche Lektüre werden, wie auf dem Buchumschlag versprochen und angekündigt. Ach, wir Menschen sind so leicht zu bedienen. 😂😉😎

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Montag, 20. August 2018

Per Leo/ Maximilian Steinbeis/ Daniel-Pascal Zorn: mit Rechten reden. Ein Leitfaden



"Demokratie ist kein Salon. Die Republik lebt vom Streit, von Rede und Gegenrede, nicht nur von Bekenntnissen und moralischer Zensur. Dieser Leitfaden zeigt, dass es in der Auseinandersetzung mit 'Rechtspopulismus' und 'Neuen Rechten' um mehr geht als die Macht des besseren Arguments. Es geht vor allem um die Kunst, weniger schlecht zu streiten. Leo, Steinbeis und Zorn sagen nicht, wie man mit Rechten reden muss. Sie führen vor, warum, wie und worüber sie selbst mit Rechten reden." (Klappentext)

Es schadet sicher nichts, wenn erstmal der moralische Reflex zuckt. Angesichts eines inzwischen derart nach rechts offenen gesellschaftlichen Diskurses auf der einen und soviel Sprachlosigkeit auf der anderen Seite braucht es womöglich Ansätze auch jenseits von 'Linkspopulismus'.

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Sonntag, 19. August 2018

Igort: Berichte aus Japan [Eine Reise ins Reich der Zeichen]



„Ich will nicht behaupten, dass alles aus heiterem Himmel gekommen wäre.
Bevor ich 1991 zum ersten Mal in Japan war, hatte ich schon über zehn Jahre von diesem Land geträumt. So lange war es her, dass ich Japan zum ersten Mal gezeichnet habe, beinahe unbewusst, und aus diesen Zeichnungen sollte mein erster Comicband werden: „Goodbye Baobab“.
Wonach habe ich gesucht? Diese Frage stelle ich mir seit 25 Jahren. Und mit der Zeit ist mir dieses geheimnisvolle Land unter die Haut gekrochen. Bis meine Sehnsucht in den Neunzigerjahren so groß wurde, dass ich mich dazu entschloss, eine gewisse Zeit dort zu leben.
Dieses Buch erzählt vom Verfolgen eines Traums und der Einsicht, dass man Träume nicht erreichen kann.“ (Seite 7)

Nach Igorts Berichten aus der Ukraine und aus Russland war ich wirklich sehr gespannt auf den Band, in dem er aus und über Japan berichtet. Seine kollagenartige Erzählweise, in der viele kleine und größere Geschichten miteinander verwoben werden und auch die Panel sich nicht in ein festes durchgängiges Raster pressen lassen, begeisterte mich schon beim ersten dieser drei Bände.
Mit den „Berichten aus Japan“ legt Igort für mich noch einmal kräftig nach. Es ist die persönlichste Sammlung an Berichten, da er hier einige Jahre lebte und als einer der ersten westlichen Comicautoren auch in der japanischen Mangaindustrie arbeitete. Er verwebt einerseits seine eigenen Erfahrungen und berichtet davon, wie inspirierend und zugleich erbarmungslos eine Maschinerie wie die des Verlags Kodansha arbeitet, und lässt die Leser*innen andererseits tief in sein Herz schauen auf dem Nachspüren dessen, was ihn an diesem Land so begeistert.

Das Japan, das Igort vorstellt und beschreibt, ist nicht geprägt von der kribbelbunten und hyperaktiv flimmernden Metropole, nicht von J-Pop oder Hightech. Speedlines sucht man dementsprechend in diesem Band vergeblich.

Gerade in Japan angekommen, sieht er zunächst wenig von Land und Leuten. Sein Betreuer bei Kodansha erwartet schier besinnungslose Akkordarbeit, für ein europäisches Selbstverständnis als Künstler wirklich unglaubliche Mengen an Mangaseiten und Ideen. Igort ist der Erschöpfung nahe, quält sich und gibt nicht auf. Er bringt es zu einer eigenen Serie. Und bei alldem bleibt diese Neugierde darauf, zu ergründen worauf dieses „Reich der Zeichen“ beruht.

Wo wir in Europa eher ganze Folgen von Gesten oder Posen benötigen, existiert in Japan eine unendliche Vielzahl an zu Zeichen geronnener Symbolik. Igort stürzt sich in diese Welt und entdeckt Anime ebenso wie die Kunst alter japanischer Meister. Die Art, uns das in Form vieler kleinerer Szenen, Illustrationen und kurzer Geschichten nahezubringen, macht wirklich Lust auf dieses Land, auf die Menschen, die dort leben und auf deren Kultur.

Igorts Zeichnungen sind dabei eine Augenweide, auch weil er in diesem Band nicht nur in den Erzählformen variiert sondern auch in den Zeichenstilen, die er verwendet. Es bleibt aber immer erkennbar Igort.

Ich hoffe sehr, dass dies nicht die letzte Sammlung an Berichten war und würde mich riesig freuen, noch mehr Regionen mit Igort zu bereisen.

Kurz und gut: Dieser Augenschmaus taugt für eine Entdeckungsreise für Japanfreunde, egal ob ihr Zugang nun J-Music und Cosplay oder japanische Gartenkunst ist. Bei diesem Band würde sogar ich Tee trinken. ;)

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Samstag, 18. August 2018

Alexander Münninghoff: Der Stammhalter. Roman einer Familie



„Was ich an einem leeren Nachmittag auf dem Dachboden unseres Hauses in Vooburg fand, brachte mich zum ersten Mal mit den Geheimnissen in Berührung, die mein Leben beherrschen sollten.“ (Seite 10)

Autobiografische Familiengeschichten sind für meinen Geschmack oft genug eine Gratwanderung. Nicht alles, was als Kaffeetischtratsch unterhaltsam wäre und vielleicht auch als spannend durchgeht, ist das dann auch zwischen zwei Buchdeckeln. Was Alexander Münninghoff über seine Familie zu berichten weiß, ist allerdings dann doch so unerhört, dass sich das Aufschreiben für ein größeres Publikum nun wirklich gelohnt hat.

Als vom Großvater auserkorener Stammhalter kam ihm selbst die Rolle des Wahrers der Familientradition, des Verwalters des Vermögens und des Trägers der großartigen Zukunft des Namens Münninghof zu. Allerdings zerbrach die Familie an ihren Geheimnissen und Sturheiten offenbar so nachhaltig, dass der Stammhalter nun dieses Familiendrama vor uns ausbreiten kann.

Dem Großvater gelang es, und da setzt Münninghoffs Erzählung auch ein, als Niederländer in Riga in der Zwischenkriegszeit ein beträchtliches Firmenimperium aufzubauen. Ihm gelang dies mit viel Tatkraft, einer guten Vernetzung unter den Deutschbalten in der Region, besten Verbindungen zur regionalen Oberschicht und einer hinreichenden Portion Skrupellosigkeit.

Zwei Entwicklungen sorgten letztlich dafür, dass dieser Erfolg nicht von Dauer blieb und der Niedergang unausweichlich einsetzte. Die Umwälzungen, die der Zweite Weltkrieg, das Vorrücken der Roten Armee und die Nachkriegsordnung in Europa mit sich brachten, erzwangen die Umsiedelung der Familie zurück in die Niederlanden. Hier konnte „der Alte“ zunächst an seine erfolgreichen Geschäfte anknüpfen. Zu gut war er auch hier vernetzt mit der Politik und schaffte es, sowohl durch die Bedingungen der Besetzung durch Deutschland Geld zu verdienen als auch sich nahtlos in der Zeit des Wiederaufbaus unersetzlich zu machen.

Um all dies für die Zukunft abzusichern und in die nächsten Generationen zu übertragen, hätte es allerdings wohl einer anderen Familie bedurft oder einer anderen Art von Familie. So scheiterte dieser Clan am Ende an sich selbst.

Schon früh wurde deutlich, dass des Großvaters Verhältnis zu seinen eigenen Kindern nicht dazu angetan war, die Familie zusammenzuhalten. Patriarchale Strenge und gleichzeitiges Desinteresse an den Nachkommen sorgten dafür, dass hier kaum Zusammenhalt entstehen konnte. Gleichzeitig forderte er aber unentwegt die Unterwerfung seiner Kinder unter seine Interessen als Oberhaupt der Familie, die letztlich immer geschäftliche waren. So trieb er Alexander Münninghoffs Vater derart in Opposition zu sich, dass der sein Heil in einer Überidentifikation mit den Deutschbalten suchte und sich freiwillig zum Dienst in der SS meldete.

So sehr der Großvater den eigenen Sohn daraufhin verstieß, so konsequent setzte er alles daran, dass sein Enkel, ausgerechnet der Sohn dieses SS-Veteranen, sein Stammhalter würde. Dabei schreckte er nicht davor zurück, die ungeliebte Mutter des Jungen damit zu drangsalieren, dass sie nur als notwendiges Übel in der Familie geduldet wurde. Als sie sich schließlich zur Flucht entschließt, der Krieg ist da schon vorüber, lässt er rechtlich nichts unversucht, des Jungen habhaft zu werden, bis hin zur Entführung.

Nach dem Tod des Alten in den Fünfzigerjahren gelingt es niemandem das wieder erstarkte Firmengeflecht zu übernehmen und weiter erfolgreich zu führen. Neid, Missgunst und eine fast schon ererbte Gefühlskälte sorgen für Entfremdung unter den Kindern und ihrer Familien. Die von Alexander Münninghoff selbst ist mit der Trennung seiner Eltern nachhaltig zerbrochen.

Bemerkens- und lesenswert ist der Blick, den Alexander Münninghoff auf die historischen Entwicklungen wirft. Er kann dies aus der Sicht eines Niederländers tun, dessen Vorfahren nur in der Person seines Vaters direkt mit dem nationalsozialistischen Deutschland verbandelt waren. Sein Großvater blieb Zeit seines Lebens Niederländer, seine Kinder blieben zwischen Riga und den Niederlanden verhaftet und letztlich nur den geschäftlichen Interessen des Alten verpflichtet. Interessant sind Münninghoffs Beschreibungen dieses merkwürdigen Deutschlands während des Krieges und danach, weil sie sowohl auf dem deutschbaltischen Erbe der der Familiengeschichte beruhen aber zugleich auch aus der distanzierten Perspektive dessen, der nach Ende des Krieges in einem Nachbarland aufgewachsen ist.

Nicht weniger interessant ist natürlich die Beschreibung des Innenlebens einer Familie, die schnell sehr reich geworden ist und letztlich doch wieder alles verlor und daran scheiterte, das Erbe der nächsten Generation mitzugeben.

Das alles erzählt Münninghoff in angenehmem, immer wieder selbstironischem Ton, der die Lektüre sehr unterhaltsam macht. Etwas schade finde ich, dass er sein eigenes Erwachsenenleben nur sehr grob skizziert und auf die Verknüpfungen mit den ausführlich vorgestellten Verwandten reduziert. Welche Auseinandersetzungen bedeutete es für ihn, seinen Weg in den Journalismus zu gehen? Wie viel bewusste Abkehr von der Familie war dafür notwendig und möglich? Je dichter die Familiengeschichte an sein eigenes Erwachsenenleben heranrückt, desto weniger gibt er preis. Dies mag auch dem Selbstschutz geschuldet sein. Ich hätte das durchaus spannend gefunden.

Andererseits schreibt zwar das Leben, so will es das Klischee, die spannendsten Geschichten. Aber das Leben passiert trotzdem doch eher selten in Romanform, so dass willkürliche Beschränkungen unumgänglich sind.

Kurz und gut: Was Alexander Münninghoff zu erzählen hat und die Art, wie er das kann und auch macht, ist unterhaltsam, interessant, spannend, erschütternd – und ganz sicher lesenswert!

Dank sage ich dem C.H. Beck Verlag, von dem ich einmal mehr ein kostenloses Leseexemplar erhalten habe. ;)

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