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Freitag, 5. Juni 2026

Helmut Krausser: Schweine und Elefanten


„Die Geschichte einer Amour fou im München der achtziger Jahre ist Entwicklungs- wie Schelmenroman, Selbstentblößung und Schule des Herzens, nicht zuletzt auch das Porträt einer zersprengten Post-Punk-Generation, die, umstellt von scheinbarem Wohlstand, um Identität und Ideale ringt. Komisch, melancholisch, poetisch, vor allem aber ungeschminkt wird ein Erwachsenwerden dokumentiert, ein bittersüß-selbstironisches Rebellentum.“ (Umschlagtext)

Helmut Kraussers erster Roman (Teil einer Trilogie, wie ich auch erst herausgefunden habe ^^) erschien zuerst 1999, diese Ausgabe 2010.

Ich hab das hier schon mal geschrieben, glaube ich, dass ich Kraussers „Melodien“ vor vielen Jahren zufällig in die Hände bekam und mit Begeisterung gelesen habe. Alle paar Jahre versuche ich dann immer wieder, meine Sammlung seiner Romane zu komplettieren – und komme einfach nicht hinterher. Weil so viel schon erschienen ist und Krausser auch einfach nicht mit dem Schreiben aufhört. Gut für mich. 😊

Und nur so am Rande: Einen Umschlagtext würde heute, 16 Jahre später, doch niemand mehr so schreiben, oder? 😉

#lesefrühling #roman #helmutkrausser #brd #münchen #postpunk #comingofage #gesellschaft #lesen #leselust #leseratte #bücher #literatur

Mittwoch, 23. Juli 2025

Szczepan Twardoch: Demut


„Eben noch kämpfte Alois Pokora im Weltkrieg. Dann erwacht er im Krankenhaus in Berlin – und die Welt ist eine andere: Es ist das Jahr 1918, der Kaiser ist geflohen, die alte Ordnung zerbricht. Bald lässt sich Alois von der soghaften neuen Freiheit erfassen, geistig, revolutionär, erotisch. Er gerät in die Berliner Halbwelt, schult für eine dubiose ‚Baronin‘ eine Kampftruppe, trifft Rosa Luxemburg. Nach einer Schießerei mit Kaisertreuen beim Berliner Schloss kann er gerade noch flüchten, heim ins verwunschene Schlesien. Auch hier hat sich alles verändert. Unerwartet muss Alois sich der eigenen Herkunft stellen – und steht endlich seiner Liebe Agnes gegenüber. Aber Alois ist zwischen alle Fronten geraten …

Ein gewaltiger Roman über einen Mann im Strudel der Zeit, zwischen Emanzipation und Selbstzweifel, der in einer explosiven Epoche seinen Weg sucht.“ (Umschlagtext)

So viel wissen wir inzwischen darüber, was zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts geschah. Wie sehr Gesellschaften sich verrennen konnten, die Einzelnen sich den Verlockungen der Moderne ergaben und zugleich im täglichen Überlebenskampf verrohten. Doch mit all unserem Wissen und Erkennen stehen wir dem Hier und Heute scheinbar so machtlos gegenüber, dass es langsam fast zwangsläufig erscheinen mag, dass sich Geschichte wiederholt.

Ich glaube das nicht und will das nicht glauben! Und Literatur ist ganz sicher eines der Heilmittel, derer wir uns bedienen können, um weiter und klarer zu sehen. Wenn die Beschreibung des Romans auch nur halb zutrifft, könnte dies einer dieser Texte sein, die dafür ein Puzzleteil liefern.

Deshalb einmal mehr auch hier: Vielen Dank für dieses Geschenk! 😊

(Übersetzung: Olaf Kühl)

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Dienstag, 7. Januar 2025

Cormac McCarthy: Ein Kind Gottes


„Sie kamen in der Morgensonne wie eine Karawane von Schaustellern durch die mit Bartgras bewachsenen Senken und über den Hügel, der Lkw schaukelte und schlingerte in den Furchen, die Musiker, die auf den Stühlen auf der Ladefläche saßen, schwankten, während sie ihre Instrumente stimmten, der fette Gitarrist gestikulierte grinsend in Richtung anderer in einem Wagen dahinter, beugte sich vor, um dem Fiddler einen Ton anzugeben, und dieser drehte lauschend und mit gerunzelter Stirn an einem Wirbel.“ (Seite 7)

Ok, dieses Buch ist definitiv nichts für kuschelige Weihnachtsfeiertage oder eine leichte Weißweinlaune unterm Sonnenschirm am Strand. Ich glaube, sehr starker Kaffee oder etwas Gebranntes passen da besser und ein Halblicht, das noch nicht zu viele Schatten wirft, aber schon etwas leicht Dramatisches in sich hat.

Karg ist das Leben von Lester Ballard in Tennessee in den 60ern des letzten Jahrhunderts. Wie so oft bei McCarthy ist alles irgendwie in eine triste Wildwest-Romantik getaucht, nur ohne Romantik. Denn das ist so ziemlich das Letzte, was einem bei Lester Ballard einfallen würde.

Es ist schon wieder eine Weile her, dass ich den Roman gelesen habe. Im Kopf geblieben ist mir eine zottelige, abgerissene und wirklich zutiefst bemitleidenswerte Nicht-Figur. Aber selbst das Mitleid löst sich auf wie der Morgendunst wenn eine trübe Sonne über dem tristen Land aufgeht und ihren Blick auf diese Existenz am Rand wirft.

Es braucht gar nicht viel zu wissen über Lester Ballard, denn McCarthy beschreibt einfach und zugleich poetisch den Abstieg dessen, der eigentlich schon unten angekommen zu sein scheint. Haft, Psychiatrie – wie viel tiefer kann es noch gehen?

Lester Ballard zieht sich buchstäblich unter die Erde zurück, wo er alles Menschliche gänzlich zu verlieren scheint, die Opfer seiner Serienmorde ansammelt, ein Dasein führt, für das es in der Welt, der er so weit entrückt ist, schlicht keine Worte mehr gibt.

Besonders ist mal wieder die Sprache McCarthys, die ohne sprachlichen Zierrat auskommt und das Grauen umso besser trifft. Hier geht es ihm aber eben nicht um den Effekt, der Grusel der Zuschauer, auf den billige Horrorfilme abzielen würden. McCarthy lässt die Frage, wo das, was uns als menschlich auszeichnet, anfängt oder vielmehr aufhört. Einsamkeit, purer Instinkt und Trieb, gerade mal der Wille irgendwie zu überleben?

Das Mitleid verfliegt, schrieb ich oben. Und tatsächlich zeichnet McCarthy mit Lester Ballard eine Figur, die, als von der Gesellschaft Ausgestoßener, in einer endlosen Abwärtsspirale gefangen ist. Das schreit doch nach Mitleid. Aber nein, wenn die letzte Seite gelesen ist, folgt eher ein Aufatmen, dass dieses Phantom ein Ende hat. Auf dem Weg dahin ist es schier unerträglich.

Damit hebt McCarthy umso mehr hervor, wie unaufhaltsam diese Spirale geraten kann – für einen Ausgestoßenen wie für diejenigen, die ihn einfach nur noch weghaben wollen, wie menschliches Ungeziefer.

Der Roman buchstabiert die gesellschaftliche Ebene nicht aus, muss er aber auch gar nicht. Auch wenn am Ende immer noch kein echtes Mitleid mit Lester Ballard steht, machte sich bei mir zumindest eine Beklommenheit breit, die mich noch eine Weile beschäftigt hat.

Kurz und gut: Das ist düster. Lesen!

(Übersetzung: Nikolaus Stingl)

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Donnerstag, 26. Dezember 2024

Téa Obreht: Herzland


„Als diese Kerle gestern Nacht runter zur Furt ritten, dachte ich, wir wären erledigt.“ (Seite 9)

Mit elf hielt ich die Geschichten von Old Shatterhand und Winnetou ja noch für realistisch. Als ich dann später erfuhr, dass Karl May sich das alles nur ausgedacht hat, war das dennoch kein großer Bruch. Unausgesprochen und ohne die Worte dafür zu finden, war mir die Macht von großen Mythen schon irgendwie klar – und ich konnte sie immer wieder genießen in ihrer erzählerischen Macht.

Klar, irgendwann war auch ich dann aus dem Westernalter heraus. Andere Themen traten in den Vordergrund. Aber ich kann mich auch gut noch an heiße Sommernächte unterm Dach erinnern, in denen ich die May-Bände, in denen der Ku-Klux-Klan eine Rolle spielte und ich nicht mehr sagen konnte, ob ich vor Hitze oder vor Angst nicht schlafen konnte. In jedem Fall hab ich fast manisch einfach immer weitergelesen, bis mir einfach die Augen zufielen. Das war schon anderer Stoff, nichts mehr von Lagerfeuerromantik und großem Blutsbruderehrenwort.

Es hat lange gebraucht, bis mich Stoffe aus der Siedlungs- und Kolonisierungszeit Nordamerikas wieder ansprachen. Ich glaube, Cormac McCarthy hatte da einen ordentlichen Anteil dran. Und Sebastian Barry, den ich hier auf keinen Fall vergessen darf. Von T.C. Boyle hab ich da auch noch eine Geschichte im Kopf, auf deren Titel ich aber gerade nicht komme.

Diesen Geschichten ist gemein, dass sie nicht von den großen heroischen, bärtig-gewalttätigen aber immer gerechten Typen getragen werden. Ganz andere Charaktere treten hier auf. Es gibt mehr als das reine Gute und das abgrundtief Böse. Ganz normale Menschen treten hier auf, kämpfen ums Überleben, mal gegen die Natur, mal gegen andere Menschen, und wachsen dann auch mal über sich hinaus oder scheitern eben, wie Menschen so scheitern. Das war spannend und mitreißend.

Nun also „Herzland“ von Téa Obreht. Sie entführt uns mit ihrer Geschichte nach Arizona im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht Nora Lark, die mit ihrer Familie auf einer kleinen Farm lebt. So mitten im Nichts, viel Natur drumherum, die nächsten Nachbarn einen ordentlichen Ritt weit entfernt, Freiheit und so. Naja, inzwischen bin ich ja schlauer als mit elf. 😉

Auf der Farm fehlt es an Wasser. Alles trocknet aus, inklusive der Menschen. Noras Mann ist seit Tagen verschwunden. Er wollte Wasser besorgen. Inzwischen ist Nora allerdings in großer Sorge, dass er nicht nur kein Wasser bringen wird, sondern ihm womöglich noch etwas zugestoßen sein könnte.

Ihre beiden großen Söhne sind im Streit auf und davon. Nora vermutet, dass sie auf der Suche nach ihrem Vater sind. Und Heißsporne, die sie sind, bringen sie sich womöglich selbst noch in Schwierigkeiten. Sie selbst ist mit ihrem Jüngsten, der Haushaltshilfe und der bettlägerigen Großmutter zurückgeblieben. Und muss zusehen, wie der Wasservorrat Tropfen um Tropfen schwindet. Freiheit hin oder her, aber die Gegend drumherum gibt einfach auch nichts her und auf Regen ist nicht zu hoffen.

Im Verlauf der Geschichte blättert Obreht geschickt auf, dass es hier nicht nur um das individuelle Schicksal einer Frau geht, die sich ihrem Mann mit großen Hoffnungen angeschlossen hat, um sich auf in einem kargen Farmerleben wiederzufinden. Denn Noras Mann ist Herausgeber der kleinen Zeitung ihrer Stadt. Und hier werden handfeste Interessen ausgetragen. So leer die Gegend erscheinen mag, ist sie doch voller Konflikte darüber, wem welches Land gehört, wer seine Vieherden wo weiden kann, welche Stadt über einen Anschluss ans Eisenbahnnetz an Bedeutung und damit auch Reichtum gewinnen wird, wo Behörden sich ansiedeln und Verdienstmöglichkeiten die eigenen Rechnungen bezahlen können.

Kurz, auch hier ist sehr schnell so gar nichts mehr mit der großen Freiheit von allem. Wo jede und jeder nur seines eigenen Glückes Schmied ist, vollkommen unberührt von der Unbill, das organsierte Gesellschaften so mit sich bringen. Land der Freien und Tapferen, nur dem Glück der Einzelnen verpflichtet – nein, es ging auch hier schon ums Haben und Nichthaben, um Macht im Kleinen und im Großen. All die Dinge, die die ersten Siedler vielleicht hofften, hinter sich im alten Europa zurückgelassen zu haben, waren die ganze Zeit dann halt doch im Gepäck, wenn auch mitunter nur in einem anderen Gewand.

Dennoch, und das ist ja das spannende an solchen Geschichten, ist dieser Gründungsmythos, der medial wie politisch nach wie vor hochgehalten, poliert und stolz vor sich hergetragen wird, auch heute noch präsent und real. Selbst Trump erzählt nur eine weitere Variation davon.

Bücher, wie das von Téa Obreht sind mir da lieber. Weil sie ehrlich erzählt und mit großem Herzen. Weil ihre Sprache und ihr Rhythmus die Büsche hinterm Farmhaus rauschen lassen und das trockene Holz knarzen. Weil es zu Herzen geht, wie Nora sich den auf sie einstürmenden Herausforderungen stellt und welch großes Herz sie dabei offenbart.

Vielleicht braucht es Einwanderer wie Téa Obreht, die den amerikanischen Gründungsmythos immer wieder gegen den Strich bürsten und neu erzählen.

Kurz und gut: Einfach eine Woche Urlaub dranhängen und direkt wegschmökern. Lesen, unbedingt!

(Übersetzung: Bernhard Robben)

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Dienstag, 19. November 2024

Edgar Selge: Hast du uns endlich gefunden


„Eine Kindheit um 1960. Ein bürgerlicher Haushalt, in dem viel Musik gemacht wird. Der Vater ist Gefängnisdirektor. Der Krieg ist noch nicht lange her, und die Eltern versuchen, durch Hingabe an klassische Musik und Literatur nachzuholen, was sie ihre verlorenen Jahre nennen.

Doch überall spürt der Junge Risse. Gebannt verfolgt er die politischen Auseinandersetzungen, die seine älteren Brüder mit Vater und Mutter am Esstisch führen. Aber er bleibt Zuschauer. Immer häufiger flüchtet er sich in die Welt der Phantasie. Dieses Kind erzählt uns sein Leben und entdeckt dabei den eigenen Blick auf die Welt.

Edgar Selges Erzählton ist atemlos, körperlich, risikoreich. Voller Witz und Musikalität.“ (Umschlagtext)

Es gibt tatsächlich eher wenige Autor:innen, von denen ich ein Bild vor Augen habe, weil ich mich meist auf die Texte konzentriere. Dass ich noch viel zur Person nachlese, kommt recht selten vor – zumeist erst, bevor ich, nach dem Lesen, versuche meine Leseeindrücke in Worte zu fassen.

Bei Schauspieler:innen, die mir plötzlich als Autor:innen über den Weg laufen, ist das per se anders – sofern die vorher schon kannte natürlich. Eine gewisse Skepsis kann ich in diesen Fällen nicht verhehlen. Nicht, weil ich denen nicht zutrauen würde, dass sie etwas zu sagen hätten und dafür passende Worte fänden. Aber Schauspielerei, auch wenn sie natürlich Erzählen beinhaltet, ist natürlich etwas anderes als das Schreiben an sich. Denk ich mir so. 😉

Kurz, Geschichten übers Erwachsenwerden kriegen mich ja eh oft. Weil sich auch die Zeiten, in denen es stattfindet, so wunderbar darin spiegeln lassen. Dieser Roman ist offenbar zumindest autobiografisch geprägt. Schauen wir also mal, was er kann. 😊

„Ich schaue durchs Schlüsselloch. Ist ja gerade niemand in der Nähe. Ich wundere mich über das Bild vor meinem Auge: Der Rahmen hat die Form einer Mensch-ärgere-dich-nicht-Figur, im Zentrum mein Vater, der eine ziellose Runde auf dem Teppich dreht. Irgendetwas beschäftigt ihn. Er findet einen Fussel am Boden, hebt ihn auf und legt ihn sorgfältig auf den Wohnzimmertisch. Er geht zu seinem Lieblingsgemälde, Rembrandts ‚Mann mit dem Goldhelm‘. Sieht fast so aus, als ob er mit dem Bild redet. Dann schreitet er zum Flügel, dreht sich um und schaut direkt zu meiner Tür. Ich bekomme einen Schreck, aber so dumm bin ich nicht: Er kann mich nicht sehen. Er legt eine Hand auf den schwarzen Deckel des Instruments und – verbeugt sich. Er steht allein in seinem Flügelzimmer und verbeugt sich in Richtung der Tür, hinter der ich stehe! Dabei lächelt er wie eine alte Katze und nickt mehrmals in verschiedene Richtungen. Auch in meine. Als sei ich ein Saal voller Leute! Der ist ja wie ich, schießt es mir durch den Kopf.“ (Klappentext)

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Montag, 11. März 2024

Paul Auster: 4 3 2 1


„Archibald Ferguson heißt der jugendliche Held von Paul Austers neuestem Roman, und er kommt darin gleich viermal vor – in vier raffiniert verwobenen Variationen seines Lebens, ganz nach dem Motto: Was wäre geschehen, wenn …? So entwirft Auster ein grandioses, episches Porträt der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Amerika, voll von Abenteuern, Liebe, Lebenskämpfen und den Schlägen eines unberechenbaren Schicksals. ‚4 3 2 1‘ ist ein faszinierendes, ein überwältigendes Gedankenspiel und ein Höhepunkt in Austers Schaffen.“ (Umschlagtext)

1259 Seiten – ich singe das Lob der dicken Bücher. 😊 Also, es ist eindeutig mal wieder an der Zeit, ein wirklich richtig dickes Buch zu präsentieren und auf meinem Lesestapel zu begrüßen.

Es ist in der Zwischenzeit natürlich nicht mehr der neueste Roman von Paul Auster, aber ich hörte nur Gutes. Und wie immer, wenn Bücher so richtig viel und hoch gelobt werden, führt das bei mir meist zu einer Blockade. Ich kann die Texte dann nicht auch sofort lesen. Nennt mich komisch, ist aber so.

Egal, der dicke Taschenbuchschinken von 2018 ist also auch bei mir angekommen. Jetzt bin ich gespannt, auch wann ich ihn dann tatsächlich vom Lesestapel greifen und lesen werde. 😊

(Übersetzung: Thomas Gunkel, Werner Schmitz, Karsten Singelmann, Nikolaus Stingl)

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Montag, 19. Februar 2024

Ulrike Sterblich: The German Girl


„New York City in den Sechzigern: die Stadt, die niemals schläft, denn wofür gibt es Pillen. Und mittendrin ein Mädchen aus West-Berlin.

Mona ist jung, hübsch und gerade nach New York gezogen, um Karriere zu machen. Doch die Stadt hat nicht auf sie gewartet. Dafür lernt sie gleich zwei Männer kennen: den Ostküsten-Aristokraten Sidney und Adam, einen schwarz gelockten Bohemien. Hin- und hergerissen lässt sich Mona durch eine Welt treiben, die der aus Berlin vor den Nazis geflohene ‚Dr. Feelgood‘ Max Jacobson mit seinen ‚Vitaminspritzen‘ versorgt.
Und so webt sich ein zweiter Faden in die Geschichte: Ein prominenter Patient von Dr. Feelgood liegt eines Tages tot in seiner Wohnung. Ein Gerichtsmediziner beginnt zu recherchieren. Aufzudecken gibt es einiges – und es betrifft Namen bis hoch ins Weiße Haus …“ (Umschlagtext)

Jaja, ich weiß ja, das ist nicht der aktuelle Roman von Ulrike Sterblich. Aber ich mag meinen antizyklischen Bücherkonsum. 😉

Zeitreise mit Glamour, Glitzer und Thrill dazu – da konnte ich nicht nein sagen. Und das Cover find ich ja mal echt gelungen.

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Sonntag, 20. August 2023

Téa Obreht: Herzland

„Arizona, um 1890. Für Nora Lark bricht ein neuer Morgen eines viel zu heißen Sommers an. Ihre Farm ist bedroht von Dürre und mächtigen Viehzüchtern, neuerdings aber auch von einem Monster, so glaubt zumindest ihr kleiner Sohn Toby. Seit Tagen ist auch Noras Mann verschwunden, nachts sind die beiden älteren Söhne im Streit davongeritten. Doch es stehen noch weitere Prüfungen bevor, die über das Schicksal ihrer Familie entscheiden werden. Das liegt auch an Lurie, der vom kleinen Ganoven zum verfolgten Outlaw wurde und schließlich in einem Trupp der U.S. Army untergetaucht ist.

Téa Obreht erzählt in ihrer bildhaft leuchtenden Sprache den amerikanischen Gründungsmythos neu. ‚Herzland‘ zeigt die Siedlerzeit mit all ihrer Härte und zugleich einen schillernden, unbekannten Wilden Westen – in dem die Konflikte der heuten USA schon aufscheinen.“ (Umschlagtext)

Wilder Westen, raue Menschen in einem rauen Land – so recht fallen mir keine Geschichten dazu ein, in denen Frauen im Mittelpunkt stehen, oder die von Frauen geschrieben wurden. Aber dass diese Welt mich erzählerisch immer wieder anspricht, kann ich nicht leugnen. Früher war es mal Karl May, später dann Geschichten wie die von Cormac McCarthy oder Sebastian Barry. Also auf nach Arizona! 😉

(Übersetzung: Bernhard Robben)

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Sonntag, 11. Juni 2023

Fernando Aramburu: Patria


(Übersetzung: Willi Zurbrüggen)

„Da geht sie, die Arme, um an ihm zu zerbrechen.“ (Seite 7)

„Patria“ erzählt auf über 700 Seiten von der Unmöglichkeit zu Verzeihen und warum es so überlebenswichtig ist, es dennoch zu versuchen. In einem Mikrokosmos lässt Aramburu zwei ursprünglich befreundete Familien in einem baskischen Dorf sich entfremden bis hin zum Mord. Der ist aber nur der Auftakt zum nicht weniger tragischen Unvermögen, den Hass zu überwinden.

Die Geschichte spielt vor dem Hintergrund des Kampfes der ETA, der baskischen Befreiungsorganisation, die aus dem Untergrund das Leben der Dorfbewohner immer stärker prägt. Der Anfang der hier erzählten Geschichte liegt irgendwo in den Achtzigern des letzten Jahrhunderts. Die ETA gilt den einen als Heldin des baskischen Volkes, für dessen Befreiung sie kämpft. Ein sozialistisches, eigenständiges Baskenland soll es werden, im Gegensatz zum zentralistischen, in Francos faschistischem Schatten stehenden Spanien.

Die Väter der beiden Familien, einer ist Unternehmer, der andere Fabrikarbeiter sind befreundet, widmen sich sonntags gemeinsam dem Radsport. Die Mütter gelten ebenso als Freundinnen. Die jeweils zwei Kinder wachsen gemeinsam auf. Parallel zur eigentlich idyllischen Freundschaft der Familien politisiert sich die Stimmung im Dorf zusehends. Bist du für oder gegen die ETA und deren Kampf? Die Dorfjugend wird vom Wirt einer zentralen Kneipe für die ETA angeworben oder zumindest politisiert, deren Eltern hören Ähnliches in den Predigten des Pfarrers. Unmerklich ziehen sich Gräben durchs Dorf, zwischen Freunden aber auch Familienmitgliedern. Wie stehst du zum Kampf der ETA?

Der Unternehmer gerät, womöglich weil er Unternehmer und damit ja Kapitalist ist, ins Visier der ETA. In anonymen Briefen wird er, wie viele andere auch, dazu aufgefordert, „freiwillig“ an die ETA zu spenden. Zunächst lässt er sich das gefallen. Als er in Verzug gerät, tauchen Gerüchte über ihn im Dorf auf. Sprüche gegen ihn werden an Mauern geschrieben. Er wird zum Freiwild erklärt, als er auf diese Einschüchterungen nicht eingehen will. Sein Radsportfreund zieht sich, wie viele andere auch, von ihm zurück. Sie alle wollen nicht riskieren, dass der Schatten, der auf dem Unternehmer nun lastet, auch sie betrifft.

Der Fabrikarbeiter selbst ist nicht einmal entschiedener Befürworter der ETA. Aber seine Frau und der älteste Sohn klingen immer entschiedener, fanatischer. Also fügt er sich drein. Und ganz ohne dass es einen großen Krach oder Streit gegeben hätte, haben sich die Familien entfremdet. Die Kinder spielen nicht mehr zusammen, die Väter verbringen ihre Freizeit getrennt, die jeweils sehr bestimmenden Mütter finden nicht mehr zueinander.

Die Situation um den Unternehmer verschärft sich über die Zeit, in der sich gleichzeitig der Älteste des Fabrikarbeiters bei der ETA bewirbt, in den Untergrund geht und einer ihrer Kämpfer wird. Als der Unternehmer schließlich tatsächlich von einem Kommando der ETA ermordet wird, steht der Verdacht im Raum, dass der Sohn seines ehemaligen Freundes der Täter sein könnte.

Jahre vergehen, in denen das Leben für beide Familien weitergeht. Die Witwe beschließt irgendwann, dass es an der Zeit sei, ihr eigenes Haus im Dorf, aus dem sie verzogen war, wieder zu besuchen. Diese Besuche bringen alles in Bewegung, denn sie bleiben der anderen Familie nicht verborgen.

So wie die Familie des Ermordeten von diesem Mord in Mitleidenschaft gezogen wird, weil sie das Opfersein nicht mehr loswerden können, so klebt all das auch am Leben der anderen Familie, deren ältester Sohn als Terrorist der ETA im Gefängnis sitzt.

Was will die Witwe im Dorf? Will sie provozieren, ihr Leid zur Schau tragen? Oder will sie einfach nur ein bisschen ihres eigenen Lebens zurückgewinnen. Die ehemalige Freundin und Mutter eines Terroristen hat sich längst eingerichtet in ihrer ganz eigenen Opfergeschichte. Und die lässt nicht zu, den Verlust der Witwe anzuerkennen. Wie kann ein solches Chaos, dass historische Kräfte im Leben einfacher Menschen angerichtet haben, jemals wieder entwirrt werden. Wie kann hier Ausgleich, Verständigung oder gar Verzeihen möglich sein?

Aramburu begleitet die beiden Familien und die jeweiligen Familienmitglieder sehr eng. Bedrückend ist es zu lesen, mit welchen unterschiedlichen Strategien sich alle hier ein Leben nach dem Mord zu erringen versuchen und oft genug dabei scheitern. Gerade durch diese enge Begleitung, die alle hier lebendig und menschlich werden lässt, ist sehr bald gar nicht mehr klar, wer hier nur gut oder nur böse sein soll.

Selbst mit der schon fanatischen Anhängerin der ETA, der Mutter des mutmaßlichen Mörders, konnte ich irgendwann nur noch schwer hart ins Gericht gehen. Nicht, weil ich ihre Entscheidungen und Engstirnigkeiten rechtfertigen wollte, sondern weil Ideologie hier zu nachgerade psychischen Verformungen führt, aus denen ein Mensch allein kaum noch herausfinden kann. So schnell ist Menschlichkeit, Empathie, Freundschaft zerstört – für Parolen für oder gegen etwas.

Der Text ist keine leichte Lektüre, die Story keine mitreißende. Aber mir zumindest ging die erzählerische Intensität sehr ans Herz. Die vielen Zeit- und Perspektivwechsel zwangen mich beim Lesen zum ständigen Hinterfragen meiner Einschätzung der Leute und ihres Handelns. Ob die Geschichte eine wahre oder nach wahren Begebenheiten erzählte ist, ist leider nicht vermerkt. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass eine Situation wie die in dieser Region Spaniens genau solche Geschichten hervorgebracht hat.

Kurz und gut: Eine großartig geschriebene Geschichte über Schuld und Vergebung. Lesen!

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Freitag, 26. Mai 2023

Anna Mayr: Die Elenden. Warum unsere Gesellschaft Arbeitslose verachtet und sie dennoch braucht


„Anna Mayr war noch ein Kind und schon arbeitslos. Sie ließ die Armut hinter sich, doch den meisten gelingt das nicht – und das ist so gewollt. Dieses Buch zeigt, warum.

Faul. Ungebildet. Desinteressiert. Selber schuld. Als Kind von zwei Langzeitarbeitslosen weiß Anna Mayr, wie falsch solche Vorurteile sind – was sie nicht davor schützte, dass ein Leben auf Hartz IV ein Leben mit Geldsorgen ist und dem Gefühl, nicht dazuzugehören. Früher schämte sie sich, dass ihre Eltern keine Jobs haben. Heute weiß sie, dass unsere Gesellschaft Menschen wie sie braucht: als drohendes Bild des Elends, damit alle anderen wissen, dass sie das Richtige tun, nämlich arbeiten. In ihrem kämpferischen, thesenstarken Buch zeigt Mayr, warum wir die Geschichte der Arbeit neu denken müssen: als Geschichte der Arbeitslosigkeit. Und wie eine Welt aussehen könnte, in der wir die Elenden nicht mehr brauchen, um unseren Leben Sinn zu geben.“ (Verlagstext)

Armut, Arbeitslosigkeit in unserer reichen Gesellschaft thematisieren – richtig so. Stimmen Raum zu geben, die selbst Arbeitslosigkeit, Armut und alles, was damit verbunden ist, erfahren mussten und sich ein Leben jenseits davon aufbauen konnten – richtig so. Wie oft schaffen wir es aber, mit denen ins Gespräch zu kommen, die nicht zu Lesungen gehen (können), nicht an Diskursen teilnehmen (können), für die es mehr als nur eine Bildungshürde gibt?

Trotzdem und genau deswegen sind Bücher wie dieses wichtig und ich bin gespannt auf die Lektüre.

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Mittwoch, 5. April 2023

Daniel Kehlmann: F


„Es ist der Sommer vor der Wirtschaftskrise. Martin Friedland, katholischer Priester ohne Gauben, trifft sich mit seinem Halbbruder Eric. Der hochverschuldete Finanzberater hat unheimliche Visionen, teilt davon jedoch keinem etwas mit. Schattenhafte Männer, sogar zwei Kinder warnen ihn, nur: Gelten diese Warnungen wirklich ihm, oder ist sein Zwillingsbruder Iwan gemeint, der Kunstkenner und Ästhet? Daniel Kehlmann erzählt von drei Brüdern die – jeder auf seine Weise – Betrüger, Heuchler, Fälscher sind. Sie haben sich eingerichtet in ihrem Leben doch plötzlich klafft ein Abgrund auf.

Ein Roman über Lüge und Wahrheit, über Familie, Fälschung und die Kraft der Fiktion- vielschichtig, geheimnisvoll und kühn.“ (Umschlagtext)

 Ich find ja immer wieder spannend, wie eine Ansammlung an sich komischer und fiktiver Käuze in einer Story plötzlich so herrlich plausibel für gesellschaftliche Entwicklungen stehen können – und hoffe, dass dies in diesem Roman einmal mehr der Fall sein wird. Aber wenigstens behauptet der Verlag, der Text sei sehr unterhaltsam. Ich werde das prüfen. 😊

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Mittwoch, 18. Januar 2023

Cormac McCarthy: Die Straße

 

(Übersetzung: Nikolaus Stingl)

„Wenn er im Dunkel und in der Kälte der Nacht im Wald erwachte, streckte er den Arm aus, um das Kind zu berühren, das neben ihm schlief.“ (Seite 7)

Berlin in diesem grauen so-halb-Winter liefert genau die triste Stimmung, um sich auf die Welt einzulassen, die Cormac McCarthy in diesem Roman unerbittlich entworfen hat.

Nichts ist übrig von Amerika. Das Land liegt erstarrt unter einer Schicht aus grauer Asche. Gerade so viel blieb übrig, dass Brände sich durch die spärlichen Reste der Wälder fressen können. Städte, Dörfer sind vor dem allgegenwärtigen Tod erstarrt. Wo noch Menschen leben, tun sie sich schlimmes an, um einen weiteren Tag in dieser endlosen Trostlosigkeit zu erwachen.

Durch diese Welt ohne Vorher und Nachher schlurfen, stolpern ein kleiner Junge und dessen Vater. Sie meiden andere Menschen, schleppen sich von Rast zu Rast auf dem Weg an die Küste. Ich bin nicht einmal sicher, dass es Hoffnung ist, die sie noch antreibt.

Der Mann wacht über seinen Sohn, bereitet ihn aber gleichsam auf den Tag vor, da der Junge ohne ihn weitergehen muss. Und dieser Tag wird kommen, da ist sich der Mann sicher. Beim Lesen schnürt einem die Kehle zu, den Jungen Seite für Seite sich fast auflösen zu sehen.

Sie kauern spärlich bedeckt unter kahlen Bäumen, hinterlassen Fußspuren im Asche-Schneematsch. Selbst wenn sie einmal Essbares oder brauchbare Dinge finden, füllen sie allenfalls kurz den Magen, müssen sie doch allzu schnell wieder aufgegeben werden und sind nur kurz von Nutzen. Hier ist einfach alles vergänglich.

Vor den Menschen, die es noch gibt, nehmen sie sich in Acht. Der Mann hat genug davon gesehen, wozu Überlebende in dieser Welt fähig sind. Dass der Junge trotz allem daran glauben will, dass es noch gute Menschen gibt, ängstigt ihn, treibt ihn aber auch immer weiter an. Was aber könnte nur das Morgen in einer solchen Welt sein?

McCarthy schenkt seinen Figuren in dieser Geschichte nichts. Alles in dieser Welt zeugt vom Ende aller Zeiten, davon dass hier nur noch ein Überleben aber kein Leben mehr möglich ist. Der Text lässt nicht einmal bei den Leser:innen die Hoffnung aufkommen, am Ziel, an der Küste könnte wirklich irgendeine Art der Erlösung für die beiden zu finden sein.

Die stete Folge von mal kürzeren, mal längeren Absätzen sorgt für einen Leserhythmus, der sich mit dem Mann und dem Kind dahinschleppt. Die Sprache der Erzählstimme ist eher knapp und klar; hier gibt es nichts mit schönen sprachlichen Bildern zu beschreiben. Die Dialoge zeugen davon, dass es nichts mehr gibt, von dem sich ausufernd erzählen ließe. Mit der Kraft fliehen auch die Worte aus den Körpern der beiden.

Der Text entfaltet eine fast schon unheimliche Sogwirkung, gerade weil hier nichts schön ist. Ich habe mich streckenweise wirklich unbehaglich dabei gefühlt, den Mann und den Jungen zu beobachten und vergehen zu sehen. Sonst schreiben wir Leser:innen ja gern an dieser Stelle, dass wir das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen mochten. In diesem Fall allerdings musste ich den Band immer wieder wegpacken, eben weil er so gut geschrieben ist, dass die Geschichte, die Figuren so nahekommen.

Kurz und gut: In dieser Welt ist selbst die Hoffnung trostlos und grau. Lesen!

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Donnerstag, 21. Juli 2022

Georg Klein: Roman unserer Kindheit


„Ein scheinbar ewiger Sommer umfängt die Neue Siedlung, ein verlassenes Wirtshaus unter uralten Kastanien und die Laubenkolonie, wo die Kinder sich die großen Ferien vertreiben. Langsam, kaum merklich, sickert das Unheimliche ein: Ein Mord wird angekündigt, dann kommen die Boten, buchstäblich aus einer anderen Welt. Wer wird verhindern, dass es eines der Siedlungskinder auf die Nachtseite dieses Sommers hinüberzieht?

Ein Kindheitsroman voll fiebrigem Witz und dunkler Einsicht – ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2019.“ (Umschlagtext)

Die Kombination aus Georg Klein und Kindheitsroman und große Ferien klingt doch nun wirklich nach einer passenden Mischung für feine sommerliche Schmökerstunden, oder etwa nicht?
😉 



Dienstag, 1. März 2022

Rachel Kushner: Ich bin ein Schicksal


"Zweimal lebenslänglich - Romy Hall tritt ihre Haftstrafe in einem kalifornischen Frauengefängnis an. Draußen ist die Welt, von der sie nun abgeschnitten ist: ihr sieben Jahre alter Sohn Jackson und ihre Heimatstadt San Francisco, wo sie als Tänzerin in einem Strip-Club arbeitete. Drinnen wartet eine neue Realität. Tausende Frauen, die tagtäglich um das Nötigste zum Überleben kämpfen. Institutionelle Abläufe, die schonungslos den Alltag erschweren. Körperliche Gewalt durch Wachpersonal und Mithäftlinge sind an der Tagesordnung.
Doch auch in dieser Welt findet Romy einen Hoffnungsschimmer: einen idealistischen Sozialarbeiter, der sich der jungen Frau annimmt ...

Kushners Kommentar zum kulturellen und politischen Zerfall des 'Landes der Freien'. Er ist unsentimental, kritisch, mitfühlend und, vor allem, mitreißend." (Umschlagtext)

Rachel Kushners Kuba-Roman hatte mich ja schon überzeugt. Ich wollte mehr von ihr lesen - here we go.

(Übersetzung: Bettina Abarbanell)

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