Sonntag, 18. Oktober 2020

Elisabeth Desta (Hrsg.): Illustrated (Hi)stories. Kolonialsoldaten im Ersten Weltkrieg


 "Das Gedenken an den Ersten Weltkrieg in Deutschland und Europa ist nach wie vor sehr auf die europäische Perspektive beschränkt. Tatsächlich war der Krieg ein globaler: Millionen Soldaten aus kolonisierten Gebieten nahmen an den Kämpfen teil. Die Kolonialtruppen bildeten ein wesentliches Element der Kriegsführung bei fast allen Kriegsparteien. Als Soldaten „zweiter Klasse“ erhielten sie allerdings deutlich weniger Sold sowie schlechtere Verpflegung und Ausrüstung. Zudem waren sie während des Krieges und danach rassistischen kolonialen Unterdrückungsmechanismen unterworfen, an deren Fortbestand auch der Kriegseinsatz wenig änderte. In der dominanten Erinnerungskultur wird das Schicksal der Kolonialsoldaten folglich fast vollständig ausgeblendet – auch deswegen, weil das, was sie erlebt haben, oft nur als „oral history“ verfügbar war und von der westlichen Geschichtsschreibung nicht berücksichtigt wurde. Dieses Buch widmet sich der Geschichte der Kolonialsoldaten in neun Comics, die auch eine künstlerische Auseinandersetzung mit Möglichkeiten historischer Überlieferung und dem Fortwirken kolonialer Bildproduktion leisten." (Umschlagtext)

ComicKunst für historisch-politische Bildung - das geht auch. Wollja!

#leseherbst #comic #elisabethdesta #bpb #polbil #geschichte #wk1 #Kolonialismus #kunst #lernen #erinnern #lesen #leselust #bücher #literatur

Samstag, 17. Oktober 2020

Marc-Uwe Kling: Qualityland 2.0. Kikis Geheimnis


 

"Schwer was los in ...

QUALITYLAND

... dem besten aller möglichen Länder!

Jeder Monat ist der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnung, ein Billionär möchte Präsident werden, und dann ist da noch die Sache mit dem Dritten Weltkrieg. Peter Arbeitsloser darf derweil endlich als Maschinentherapeut arbeiten und versucht, die Beziehungsprobleme von Haushaltgeräten zu lösen. Kiki Unbekannt schnüffelt in ihrer eigenen Vergangenheit herum und bekommt Stress mit einem ferngesteuerten Killer. Außerdem benehmen sich alle Drohnen in letzter Zeit ziemlich sonderbar …" (Verlagstext)

Oder, wie es auf dem Umschlag heißt:

"Dieses Buch ist ein Mega-Pageturner! Was in Kapitel 4 passiert, ist ultrakrass!" (Umschlagtext)

Endlich präsentiere ich mal wieder was echt aktuelles! 😅🥳🤓

#leseherbst #roman #marcuwekling #ullstein #zukunft #qualityland #satire #peterarbeitsloser #kikiunbekannt #lesen #leselust #bücher #literatur

Freitag, 16. Oktober 2020

William Melvin Kelley: Ein anderer Takt


 

"Die kleine Stadt Sutton im Nirgendwo der Südstaaten. An einem Nachmittag im Juni 1957 streut der schwarze Farmer Tucker Caliban Salz auf seine Felder, tötet sein Vieh, brennt sein Haus nieder und zieht nach Norden. Ihm folgt die gesamte schwarze Bevölkerung. Fassungslos verfolgen die zurückbleibenden Weißen den Auszug. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis sich ihre Wut und Hilflosigkeit entladen. Beißend sarkastisch, aber auch mit überraschendem Mitgefühl erzählt hier ein schwarzer Autor von weißen Amerika. Ein Roman von beunruhigender Aktualität." (Umschlagtext)

Im Original erschien der Roman 1962. Dies scheint die erste deutsche Übersetzung zu sein.

#leseherbst #roman #williammelvinkelley #hoffmannundcampe #usa #rassismus #südstaaten #gesellschaft #gedankenspiel #leiderimmernochaktuell #lesen #leselust #bücher #literatur

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Theodor W. Adorno: Aspekte des neuen Rechtsradikalismus. Ein Vortrag



"Am 6. April 1967 hielt Theodor W. Adorno auf Einladung des Verbands Sozialistischer Studenten Österreichs an der Wiener Universität einen Vortrag, der aus heutiger Sicht nicht nur von historischem Interesse ist. Vor dem Hintergrund des Aufstiegs der NPD, die bereits in den ersten beiden Jahren nach ihrer Gründung im November 1964 erstaunliche Wahlerfolge einfahren konnte, analysiert Adorno Ziele, Mittel und Taktiken des neuen Rechtsradikalismus dieser Zeit, kontrastiert ihn mit dem „alten“ Nazi-Faschismus und fragt insbesondere nach den Gründen für den Zuspruch, den rechtsextreme Bewegungen damals – 20 Jahre nach Kriegsende – bei Teilen der bundesdeutschen Bevölkerung fanden.

Vieles hat sich seitdem geändert, manches aber ist gleich geblieben oder heute, 50 Jahre später, wieder da. Und so liest sich Aspekte des neuen Rechtsradikalismus wie eine Flaschenpost an die Zukunft, deren Wert für unsere Gegenwart Volker Weiß in seinem Nachwort herausarbeitet." (Klappentext)

Manche Bücher brauchen auch einfach keinen erklärenden Kommentar!


#leseherbst #sachbuch #essay #vortrag #theodorwadorno #suhrkamp #politik #demokratie #gesellschaft #rechtsruck #rechtsradikalismus #polbil #lesen #bücher #leselust #lesenswert

Mittwoch, 14. Oktober 2020

Jan-Christoph Nüse: Vier Tage im Juni



„Gut geölt ruhe sie tief unten im Luftschutzbunker. Zerlegt, aber jederzeit einsatzbereit, hieß es. Nun habe ich die Guillotine hier in Moabit gesehen.“ (Seite 11)

 

Ein Politthriller in der Bundesrepublik 1963 – und Kennedy spielt auch mit. Das schreit doch förmlich nach ein paar verregneten Schmökernachmittagen im Herbst. ;)

 

Bei dem Genre darf ich natürlich nicht zu viel Inhalt verraten. Also versuche ich mal eine minimale Zusammenfassung.

 

Kennedy kommt in die Bundesrepublik. Adenauer ist die letzten Monate Bundeskanzler, bevor er von Ludwig Erhard abgelöst wird. Starke Stimmen im Militär fordern die Bewaffnung der Deutschen mit Atomwaffen, weil sie die Amerikaner unter Kennedy für zu schwach halten, um Deutschland gegen die Sowjetunion zu verteidigen. Dass ihn auch amerikanische Militärs für einen Schwächling halten, braucht fast nicht erwähnt werden.

 

Die Sicherungsgruppe Bonn wird mit der Absicherung des Kennedy-Besuches beauftragt, der von Köln über Bonn und Frankfurt am Main bis nach Berlin führen soll. Doch schon in Bonn kommt es zu einem versuchten Attentat. Ermittlungen und Verwirrungen folgen und werden den gesamten Besuch Kennedys über brauchen, bis dann doch jemand verhaftet wird und sich – siehe oben – in Moabit wiederfindet.

 

Die Story, die Jan-Christoph Nüse hier vorgelegt hat, fußt auf dem historischen Besuch Kennedys. Wenngleich der Plot und tragende Figuren fiktiv sind. Damit ist aber auch dafür gesorgt, dass zumindest von Anfang an klar ist, es wird kein erfolgreiches Attentat auf Kennedy erzählt werden. Und mehr will ich zum Inhalt gar nicht sagen. ;)

 

Ein wenig möchte ich aber noch über das Genre nachdenken und was mir beim Lesen so aufgefallen ist.

 

Insbesondere solche zeithistorischen Stoffe, die beanspruchen, eben nicht nur Fiktion zu bieten, leben natürlich von detailgenauen Beobachtungen. Und tatsächlich hatte ich den Eindruck, dass der Autor als ehemaliger Journalist ziemlich gewissenhaft recherchiert hat. Detaillierte Beschreibungen aber auch die Verweise im Anhang legen das nahe.

 

Damit entsteht schon mal eine Atmosphäre, die gut durch die Story trägt. Man ist es ja kaum noch gewöhnt, dass Sicherheitsleute so ganz ohne Handy, Internet oder gar Computer zurechtkommen müssen. 

 

Bei den Dialogen war ich etwas hin- und hergerissen. Einerseits passen sie mit der nach meinem Eindruck spürbaren Steifheit irgendwie in die Zeit oder zumindest in das Bild davon. Andererseits sorgten sie zusammen mit den Schilderungen der Figuren, die eher als Archetypen funktionieren und weniger als auserzählte Charaktere, dafür, dass ich wenigstens beim Lesen keine Gesichter im Kopf hatte. Also bis auf Kennedy und Kevin Kostner (wegen Ted Sorensen, ihr wisst schon).

 

Gelegentlich störend oder unpassend empfand ich die Erzählstimme, die oft zu sehr nach dem schalkhaften Kobold auf der Schulter des gerade Handelnden klang. Ich schätze, dass sie für etwas Auflockerung sorgen sollte, was für mich wenigstens nicht geglückt ist.

 

Die Schnitte in der Handlung von Ort zu Ort vermögen ja das Tempo und die Dramatik im Erzählfluss zu erhöhen oder auch zu dämpfen. Mitunter hatte ich hier das Gefühl, dass der Autor gern noch etwas anderes erzählt hätte. In der Folge wirkten die Gewichtungen auf mich nicht immer stimmig und ab und an so, als sei der Fokus verrutscht. Vielleicht mischt sich das aber auch mit der Detailfreude, die ich oben schon erwähnt habe – doch etwas zulasten des Thrills.

 

Zeitgeschichtliche Thriller, noch dazu im Politmilieu, sind vermutlich schon so was wie eine Königsklasse. Die Fiktion muss letztlich so gut in historische Abläufe und Gegebenheiten einpasst sein, dass wir sie beim Lesen wenigstens für wahrscheinlich halten können. Die Grundannahme dieser Geschichte erfüllt das schon ganz passend. Etwas mehr „Polit“ hätte ich mir persönlich in diesem Thriller aber tatsächlich doch gewünscht.

 

Kurz und gut: Den Blick hinter die Kulissen des beschaulichen Bonns kann man gut lesen, auch wenn mich der Thriller nicht so richtig gekriegt hat.

 

Vielen Dank an den Autor für die Leseanfrage und an den Gmeiner Verlag für das Rezensionsexemplar! ;)

 

#leseherbst #thriller #janchristophnüse #gmeinerverlag #politik #zeitgeschichte #kennedy #deutschland #sicherungsgruppebonn #attentat #verfolgungsjagd #spione #secretservice #verschwörung #lesen #leselust #bücher #literatur

Dienstag, 13. Oktober 2020

John Lanchester: Die Mauer


 "Großbritannien ist von einer hohen Mauer umgeben. Joseph Kavanagh gehört zu jener Gruppe von jungen Menschen, die sie gegen Eindringlinge verteidigt. Der Preis für ein mögliches Versagen ist hoch: Schaffen es Eindringlinge ins Land, werden die verantwortlichen Verteidiger dem Meer - und somit dem sicheren Tod - übergeben. Das Leben auf der Mauer verlangt Kavanagh einiges ab, doch seine Einheit wird zu seiner Familie. Mit Hifa, einer jungen Frau, fühlt er sich besonders eng verbunden. Gemeinsam absolvieren sie Kampfübungen, die sie auf den Ernstfall vorbereiten sollen. Denn ihre Gegner können jeden Moment angreifen. Für ein Leben hinter der Mauer sind sie zu allem bereit." (Umschlagtext)

Vor dem Hintergrund von Brexit, Corona und populistisch-autoritären Politiker:innen in Führungspositionen klingt eine derartige dystopische Welt nicht mehr so unwahrscheinlich wie noch einige Jahre zuvor. Just saying.

(Übersetzung: Dorothee Merkel)

#leseherbst #roman #johnlanchester #heyne#uk #dystopie #mauer #flucht #angst#gesellschaft #lesen #leselust #bücher#literatur

Montag, 12. Oktober 2020

Barbara Langmaack/ Michael Braune-Krickau: Wie die Gruppe laufen lernt. Anregungen zum Planen und Leiten von Gruppen. Ein praktisches Lehrbuch


 "Die Teilnehmer eines Workshops durchlaufen einen komplexen Prozess mit vielen Wechselwirkungen. Die Autoren weisen aus langjähriger Erfahrung, wie man diesen Prozess plant und gestaltet und welche Klippen man dabei zu umschiffen hat. [...]" (Umschlagtext)

Ich packe in meine Workshopkiste ... 🥳🤓 Ihr wisst schon. 😉

#leseherbst #sachbuch #barbaralangmaack #michaelbraunekrickau #beltz #weiterbildung #training #gruppe #teambuilding #trainerlife #polbil #kommunikation #lesen #leselust #bücher