Sonntag, 20. Juni 2021

Johann Chapoutot: Gehorsam macht frei. Eine kurze Geschichte des Managements - von Hitler bis heute


"Was heutige Unternehmen und die NS-Ideologie gemeinsam haben

Über 600 Führungskader- von BMW über Aldi bis Thyssen-Krupp - durchliefen die Akademie für Führungskräfte, die der fanatische NS-Jurist Reinhard Höhn 1956 in Bad Harzburg Begriffserklärung begründete und über Jahrzehnte hinweg leitete. Höhns beispielhafter Aufstieg zum Marketing-Guru wirft die beunruhigende Frage auf: Wie stark ist unsere Arbeitswelt noch heute vom Geist der NS-Zeit geprägt?" (Umschlagtext)

"Die NS-Kriegswirtschaft zielte konsequent auf Leistungsfähigkeit: Der Mensch wurde zum Produktionsfaktor, die 'Volksgemeinschaft' gehorchte dem 'Führer'. Dieses Menschenbild setzte sich in der Bundesrepublik fort: Aus 'Menschenführung' wurde 'Management', auf die NS-Kriegsmaschinerie folgte die Massenproduktion der Konsumgesellschaft. Am Beispiel des Unternehmensberaters Reinhard Höhn legt Johann Chapoutot eine erschreckende Kontinuität im ökonomischen Denken vor und nach 1945 offen: Das Ziel unbedingter Leistungsbereitschaft findet sich bei den Vordenkern der NS-Kriegswirtschaft ebenso wie in den Handbüchern der Unternehmensführung von heute." (Klappentext)

Titel, Untertitel und Cover haben mich sofort innehalten lassen. Auftragstaktik, Delegation von Verantwortung an Mitarbeiter:innen ... alles ursprünglich Nazikram? Und schon war ich sehr neugierig. 🤓

(Übersetzung: Clemens Klünemann)

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Montag, 7. Juni 2021

Steffen Georg Beitz: In dieser Minute


„Sie hatten alle Lichter gelöscht, um durch die Giebelfenster das Leuchten besser sehen zu können, das von der Welt da draußen ausging.“ (Seite 7)

Die Welt da draußen ist in diesem Fall Paris. Und sie, das sind Dirk und Rahim, zwei junge Männer, die sich quasi auf den ersten Blick ineinander verliebt haben. Aber es ist, wie es so schön heißt, kompliziert.

Dirk hat sich als Gärtner in Düsseldorf selbständig gemacht und hat ein übervolles Herz, dafür aber keine Worte, um sich anderen zu öffnen. Anstatt zu studieren geht er nach der Schule in eine Lehre, weil für ihn klar ist, dass Pflanzen und vor allem das Anlegen und Pflegen von Gärten dem Gestalten einer ganzen Welt gleichkommt. Was sollte man anderes wollen? Wir dürfen miterleben, wie er die ersten vier Privatgärten als Aufträge in seine Obhut übernimmt. Und die Besitzer:innen könnten unterschiedlicher nicht sein – ganz wie die Gärten selbst.

In Paris dagegen lebt der Student Rahim in einer multikulturellen WG. Er stammt aus dem Iran, von wo er mit seiner Familie flüchten musste. Die Eltern und auch seine Tante konnten in dem fremden Land beruflich Fuß fassen. Emotional ist das schon schwieriger, weil Rahims Bruder im Heimatland blieb, wo er als Gewerkschafter vom Regime in ein berüchtigtes Gefängnis gesteckt wurde. Das Schamgefühl derer, die es herausgeschafft haben, belastet die Familie und ihre Beziehungen zueinander schwer. Rahims Homosexualität macht es auch nicht leichter.

In einem Kölner Club lernen Dirk und Rahim sich kennen. Es muss Liebe auf den ersten Blick sein. Denn eine Woche später fährt Dirk zum ersten von sehr vielen Malen übers Wochenende nach Paris. Diese Reise wird sein kommendes Jahr bestimmen, den Zeitraum, von dem der Roman erzählt.

So wortkarg Dirk ist, so sehr sprudelt Rahim über vor lauter Leben, was Dirk unglaublich fasziniert und mitreißt. Doch genau dann, wenn es um Rahims Leben, seine Familie, den Iran und seinen Bruder geht, dreht sich das Ganze um. Dirk sieht es als Preis für ihre Liebe und versucht sich zunächst damit zu arrangieren. Aber als der Vater sich einmischt, den Abbruch der Liebe zu Dirk verlangt und Rahim mit einer Cousine verheiraten will, da muss Dirk erkennen, dass auch er Worte finden muss, will er sich dem nicht kampflos ergeben.

In die Geschichte eingewoben sind immer wieder Verweise darauf, was sich zeitgleich zu diesem kleinen Kosmos, der um Dirk, seine Gärten und Rahim kreist, in der Welt ereignet. Es sind Zeitungsmeldungen, die uns, wenn sie denn überhaupt eine Schlagzeile wert sind, innehalten lassen müssten, vor Schock und Scham. Eindringlich empfand ich den Hinweis auf das Bild zweier Jugendlicher aus dem Iran, kurz vor ihrer Hinrichtung dafür, dass sie schwul sind und sich lieben. Die Brutalität des Ganzen wird im Bild ins schier Unendliche gesteigert, weil sie jung sind, die Unschuld ihrer Liebe sich auf ihren noch bartlosen Gesichtern geradezu widerspiegelt, während über ihnen der Henkerstrick schwebt, von einem Bagger hochgezogen. Ich erinnere mich zu gut an dieses Foto und den Schock, den es auch in mir damals ausgelöst hat. Was tun Menschen nur einander an!

Soweit die Story, die ich durchaus gern gelesen habe. Ich möchte aber auch noch ein paar Worte zum Erzählerischen dieses Debutromans verlieren – auch als Dank an und Respekt für den Autor, der mich zum Lesen eingeladen hatte.

Thematisch und erzählerisch hat sich der ehemalige Journalist (wenn ich das der Biografie richtig entnommen habe) ein dickes Brett vorgenommen. Eine zarte und nicht unkomplizierte Liebesgeschichte zweier junger Männer zu erzählen und sie zugleich in Relation zu den immer wieder grausigen Momenten, wie sie ohne Unterlass und überall auf der Welt geschehen, das ist wahrlich kein leichtes Unterfangen.

Dies ist auch die erste erzählerische Kluft, die sich für mich auftat. Die eingestreuten kurzen Kapitel, die auf nicht mehr als ein oder zwei Seiten das Schicksal ganz verschiedener Menschen zu fassen vermögen, finde ich überaus gelungen erzählt. Sie sind prägnant, von ausdrucksstarker Kürze und Wirkung. Nicht ganz so gelungen empfand ich die in den Haupterzählfluss eingeflochtenen Meldungen, die das „in dieser Minute“ des Titels – also zeitgleich zur Handlung – aufgreifen. Bei aller Sensibilität Dirks für diese Meldungen fügen sie sich nicht organisch in die Handlung und auch nicht in das Handeln Dirks ein. Womöglich entstand dieser Eindruck für mich auch, weil dieses Innen und Außen erzählerisch nicht in einen Rahmen gebracht wird. Die Erkenntnis, dass immer auch zeitgleich zu unserem Leben etwas Schlimmes auf der Welt passiert, ist nicht so tief geschürft. Spannend wäre hier der Versuch einer erzählerischen Lösung gewesen, wie sich dies aushalten lässt, ohne auf das eigene Glück zu verzichten.

Eine zweite Kluft empfand ich zwischen den Momenten, in denen Dirks Gärten und sein Wirken in ihnen im Mittelpunkt steht, und denen, in denen die Charaktere handeln (müssten), beziehungsweise beim Fassen ihrer Beziehungen zueinander. In die Gärten konnte mich der Autor wirklich gut entführen. Diese Szenen waren für mich die stärksten im Buch. Zur Beschreibung der Beziehungen wiederum, der geteilten Momente, konnte ich keine rechte Verbindung aufbauen. Zu sehr blieben mir diese Beschreibungen in vorhersehbaren Formulierungen gefangen, fast als wäre der Autor deutlich freier, unbefangener gewesen bei der Schilderung der Gärten.

Immer wieder fühlte ich mich an den klassischen Hinweis „show don´t tell“ erinnert. Die Erzählstimme berichtet das Handeln Figuren und erklärt es auch immer wieder und nimmt ihnen damit die Möglichkeit, durch ihr Handeln selbst zu wirken und Wirkung zu erzielen. Diese Hürde sorgt womöglich auch dafür, dass ich das Gefühl hatte, über Dirk, Minh – einen der Mitbewohner von Rahim, Rahims Tante und Dirks Auftraggeber:innen mehr erfahren zu haben als über die eigentlich zweite Hauptfigur Rahim. Der kommt für meinen Geschmack deutlich zu kurz.

Eine weitere Auswirkung könnte sein, dass die Dialoge recht zögerlich wirken. Hier spricht deutlich mehr der Autor als die Figuren, glaube ich.

Ich könnte mir vorstellen, weil mir das auch bei anderen Autor:innen aufgefallen ist, dass journalistisches Schreiben sehr prägend für den individuellen Erzählton, die Erzählhaltung ist. Für eine Reportage zum Beispiel dürfte die Annäherung an die Charaktere deutlich anders funktionieren als im Literarischen.

Bevor sich das alles aber zu sehr nach einem Verriss anhört, der es gar nicht sein soll, will ich noch Folgendes deutlich festgehalten wissen. Schreiben und erzählen kann Steffen Georg Beitz. Es stecken eine Menge wirklich guter Beobachtungen und Ideen in diesem Roman, dessen Lektüre durchaus zu genießen ist. Was noch fehlt, ist eventuell ein erzählerisches Freischwimmen, wenn ich das mal so formulieren darf, ohne dass es zu großkotzig klingt.

Kurz und gut: Beitz legt sich mit seinem Romandebut die Hürde ordentlich hoch. Und er erzählt hoffentlich noch weitere Geschichten!

Ein ausdrückliches danke noch einmal an den Autor für das Rezensionsexemplar! 😉

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Samstag, 5. Juni 2021

Georg Seeßlen: Trump! Populismus als Politik


„Wir lieben Pop, na klar.“ (Seite 7)

Ich finde es ja gar nicht so schlimm, aktuellen, brandheißen und heiß debattierten Themen ab und an auch ein wenig hinterher zu lesen. So hab ich mir dieses Essay, das ursprünglich bereits 2017 erschien, also nach Trumps Antritt als Präsident, erst jetzt zu Gemüte geführt, da er zumindest diese Bühne schon wieder verlassen hat. Dem Lesevergnügen und dem Erkenntnisgewinn tut das keinem Abbruch, kann ich schon einmal vorausschicken. 😊

Sich dem Phänomen Trump über Pop anzunähern und hier nach Deutungsmustern zu suchen, liegt bei dessen Vorgeschichte natürlich nahe. Und Seeßlen ist ganz sicher ein geeigneter Autor, um das zu unternehmen.

Der Einstieg in diesen kleinen Band ist eine Gegenüberstellung zweier Narrative. Das eine beschreibt das Auftreten Trumps als politischen Betriebsunfall, der durch das politisch-ökonomische System wieder zu beheben ist. Das andere Narrativ erzählt eine Geschichte, die aus dem Unterhaltungsgenre stammen könnte und es womöglich auch tut. Ein einsamer Wolf, ein Underdog lehnt sich hier auf gegen die da oben und beginnt seine Heldenreise auf den Gipfel der Macht.

Spannend zu lesen ist, wie Seeßlen durchdekliniert, wie sehr, allen Regeln des Pop entsprechend, Trump auf die Realitäten aller anderen pfeift und sich seine Welt so interpretiert und baut, wie er sie braucht. Er schaffte es damit eine Sogwirkung zu entfalten, die es dem politischen Gegner aber auch der Gesellschaft selbst unendlich schwer machte, damit einen Umgang zu finden. Bezieht man sich auf Trumps Welt, bestätigt man sie; widerspricht man hier kategorisch, lässt sich auch dies ganz wunderbar und nach allen Regeln populistischer Kunst und Rhetorik als Bestätigung lesen und verwenden. Pop als der glämmervolle Sound des Populismus.

Richtig spannend wird Seeßlen aber schließlich da, wo nicht mehr nur um seine vergleichende Analyse geht sondern nicht weniger um die Frage des Umgangs mit diesem Spektakel – insbesondere was die gesellschaftliche Linke angeht. Es ist schließlich auch heute, wenige Monate vor der Bundestagswahl, kein Geheimnis, dass trumpistische Politikstile oder Populismus insbesondere von Rechts keine geringere Gefahr für die Demokratie darstellen.

Zusammengefasst lautet die naheliegende Empfehlung, sich keinesfalls auf das populistische Spiel einzulassen, egal wie verführerisch das auch erscheinen mag. Pop ist stark zeitgebunden. Was heute der geile heiße Scheiß ist, ist morgen schon fast vergessen und kommt allenfalls übermorgen als Retro zurück. Das mag unterhaltend sein, ist aber ganz sicher ein unsicherer Grund für funktionierende Gesellschaften, die den Einzelnen Sicherheit geben und Selbstbestimmung wie Beteiligung ermöglichen wollen. Es bleibt die Frage, ob unsere kapitalistisch geprägte Welt von heute überhaupt die geeigneten Antworten auf das Phänomen Trump geben kann. Vielleicht müssen wir aber auch die oft als politisches Schreckgespenst bemühten Experimente wagen, um das Showspektakel wieder in die Arenen zurückzuverbannen, in denen sie uns unterhalten aber nicht die Gesellschaften zu zerstören drohen.

Kurz und gut: Ein schlaues Büchlein über viel zu aktuelles. Lesen!

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Freitag, 4. Juni 2021

Salman Rushdie: Golden House


(Übersetzung: Sabine Herting)

„Am Tag der Amtseinführung des neuen Präsidenten, als wir Sorge hatten, er könnte, während er Hand in Hand mit seiner außergewöhnlichen Frau durch die jubelnde Menschenmenge ging, ermordet werden, als so viele von uns wegen der geplatzten Hypothekenblase kurz vor dem wirtschaftlichen Ruin standen und als Isis noch eine ägyptische Göttin war, traf ein ungekrönter etwa siebzigjähriger König mit seinen drei mutterlosen Söhnen aus einem fernen Land in New York City ein, um einen Palast im Exil zu beziehen, dabei verhielt er sich, als gäbe es an dem Land oder an der Welt oder an seiner eigenen Geschichte nichts auszusetzen, und begann wie ein gütiger Herrscher, seine Nachbarschaft zu regieren – doch trotz seines charmanten Lächelns und der Fähigkeit, seine Guadagnini-Geige von 1745 zu spielen, trug er ein schweres, billiges Parfüm, den unverkennbaren Geruch von krasser, despotischer Gefahr, diese Art Duft, der uns warnt, hüte dich vor diesem Kerl, denn er könnte jeden Augenblick deine Hinrichtung anordnen, wenn du zum Beispiel ein T-Shirt anhast, das ihm nicht gefällt, oder wenn er mit deiner Frau schlafen will. (Seite 11)

Ja doch, das ist der erste Satz. Und er geht nicht über die ganze erste Seite. Aber nur fast. 😊

Der junge Filmemacher René wächst inmitten von New York wohlbehütet und angrenzend an einen traumhaft schönen, privaten Garten auf, der nur den Anwohner:innen Zugang gewährt. Seine Eltern gehören zur liberalen, akademischen Elite der Stadt, ohne sich sehr viel darauf einzubilden. Sie lassen ihrem Sohn Zeit und Raum seinen Weg zu finden und zu erkunden. Ihr jäher Unfalltod reißt Renè aus diesem Kokon.

Bereits vor diesem bitteren Moment seines Lebens gibt es in einem der an den Garten grenzenden Häuser einen neuen Bewohner. Nero Holden zieht dort mit seinen drei Söhnen ein, ein buchstäblicher Selfmade-Man, denn sein Name und die Namen seiner Söhne sind selbstgewählt – ebenso wie das beharrliche Schweigen darüber, aus welchem Land sie stammten, bevor sie sich in New York niederließen. Die Holdens sind unfassbar reich. Nero herrscht patriarchengleich über die mutterlose Familie. Zunächst über den Garten lernt René diese rätselhaften Leute kennen, freundet sich an und plant schließlich einen Film aus dem fantastischen Stoff zu machen, den diese Familie, ihre Geheimnisse und Verstrickungen, liefert.

Im Hintergrund vollzieht sich auf der politischen Bühne der Wechsel von dem guten Präsidenten hin zu dem Clown auf dem Thron. Damit ist auch der Kontext aufgespannt, in dem Rushdie René und die Holdens betrachtet. Beispielhaft prallen hier liberale Demokraten aus Überzeugung auf eine schier trumpistische Lebenswelt. Die ist mit genügend Geld ausgestattet, kennt kaum Skrupel und scheint nicht wahrnehmen zu wollen, wie viel sie vorspielt und vorspiegelt, während sie damit beschäftigt ist, dieses Spiel aufrecht zu erhalten. Der alte Nero Holden, der sich eine junge Russin zur neuen Frau nimmt, dirigiert dabei mit eiserner Faust. Aber auch keiner der Söhne, so tragisch ihre Geschichten auch jeweils klingen, ist ohne eigene Schuld. Achja, die neue junge Ehefrau ebenso wenig. Folgerichtig führt uns Rushdie eine Familientragödie vor, die im Desaster und im Untergang enden muss.

Ich kann, das muss ich gestehen, gegen einen Rushdie-Roman einfach grundsätzlich nichts sagen, weil er nach wie vor zu meinen persönlichen literarischen Heroen gehört. Aber die Begeisterung, die mir frühere Romane entlockt haben, blieb dieses Mal leider aus. Ich habe die Lektüre genossen und kann das Buch bedenkenlos weiterempfehlen. Nur der richtige Kick fehlte mir dieses Mal, ohne dass ich genau benennen könnte, was genau fehlt.

Kurz und gut: Es bleibt dabei: Rushdie geht für mich immer, auch mal ohne frenetischen Jubel. Lesen!

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Mittwoch, 2. Juni 2021

Andreas Speit (Hrsg.): Reichsbürger. Die unterschätzte Gefahr


„Zwei Jahre Haft. Im bayerischen Memmingen verurteilte das Amtsgericht einen Reichsbürger wegen gefährlicher Körperverletzung. Der 73-jährige Rentner hatte 2016 bei einer Durchsuchung einen Polizeibeamten mit Pfefferspray so attackiert, dass dessen Haut nachhaltig geschädigt wurde.“ (Seite 7)

Im Zuge der großen Querdenker-Demos im Spätsommer 2020 konnte man den Eindruck gewinnen, dass Reichsbürger (als weiter Begriff für Leute, die die Staatlichkeit der Bundesrepublik anzweifeln – mit allen möglichen Konsequenzen) ein total neues Phänomen seien. Dieser Sammelband mit Beiträgen dazu, wer sich so unter diesem Begriff fassen lässt, worauf sich diese Leute beziehen, in welche Kontinuitäten sie sich einreihen und was sie eigentlich wollen – dieser Band versuchte bereits 2017 eine Bestandsaufnahme.

Resümee der Fachleute, die hier zu Wort kommen, was bereits damals, dass es reichlich verwunderlich sei, dass die Behörden und auch die Politik dieses Spektrum so lange in komische Käuze und Einzelfälle kleinredete, obwohl die Bezüge eigentlich schon länger offensichtlich waren.

Wenn es überhaupt eine öffentliche Wahrnehmung gab, dann erschöpfte sie sich zumeist in dem Bild eigenbrötlerischer Querulanten, die Behörden mit einer Eingaben- und Beschwerdeflut überzogen. Dass es eine oder auch mehrere Szenen geben könnte, die vernetzt sind, und es ebenfalls einen ideologischen Hintergrund braucht, damit reichsbürgerische Ideen überhaupt greifen können, das blieb dann doch außen vor.

Wenig überraschend zeichnet der Sammelband nach, dass es diesen Szenen weniger darum geht, Staatlichkeit immer und überhaupt abzulehnen. Vielmehr wird die Souveränität des Einzelnen, einfach so einen Staat ausrufen zu können, dafür genutzt, nicht irgendeinen Staat abzulehnen, sondern eben genau diese Bundesrepublik als Nachfolgerin des Deutschen Reiches. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

Im Lichte des postfaktischen Zeitalters, in dem Querdenker, AfD und Co. behaupten, es sei ein Zeichen von Freiheit, sich einfach die Fakten selbst bauen zu können, die die vorgefasste eigene Meinung bestätigen, ist es nun alles andere als verwunderlich, dass sich bei den Protesten gegen die Anti-Corona-Maßnahmen eben nun diese krude Mischung aus den Obengenannten wiederfindet. Um die Rechtslastigkeit dieser selbstbehaupteten Bewegung oder wenigstens deren Offenheit gerade nach Rechts zu erkennen, braucht es dann nicht viel. Wer sehen und hören kann, der/die kann genau das auch wahrnehmen.

Kurz und gut: Um einen Überblick und Einblick in das zu bekommen, was hier unter „Reichsbürgern“ zusammengefasst wird, ist dieser Sammelband bestens geeignet. Lesen!

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Samstag, 29. Mai 2021

Benjamin von Eckartsberg/ Thomas von Kummant: Gung Ho. Band 5: Die weiße Flut


"Celines Tod hat den Zorn der Jugendlichen entfesselt: Holden und seine Gang haben die Schnauze voll von den Regeln der Erwachsenen! Die Macht von Bagster und Kingsten ist Schnee von gestern. Die wütende Truppe um Holden greift zu den Waffen und stellt ab jetzt ihre eigenen Regeln für Fort Apache auf. Indes finden Zack, Archer und ihre Freunde an außergewöhnlicher Stelle wertvolle Verbündete, um den Frieden zurück in die Siedlung zu bringen. Doch als sie dort eintreffen, hat sich alles verändert.
Kingsten mag die Kontrolle über Fort Apache verloren haben, aber in einem behält sie Recht:
Die weiße Flut kommt…"
(Verlagstext)

Ich möchte weinen vor Freude, dass der nächste Band endlich da ist aber auch vor Trauer, weil es der letzte der Reihe ist. Na gut, vielleicht kreische ich jetzt einfach ein bisschen ... 🤓🥳😅

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