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Samstag, 6. Dezember 2025

Rebecca F. Kuang: Yellowface


„Ihr Buch ist ein Bestseller. Das Problem ist nur – sie hat es nicht geschrieben.

June Hayward und Athena Liu hegen beide große Ambitionen für ihre Debütromane. Aber während Athena einen Hit landet, interessiert sich niemand für Junes Roman. Als Athena bei einem Unfall stirbt, ist June dabei – und handelt impulsiv: Sie stiehlt Athenas gerade vollendetes neues Manuskript und veröffentlicht es unter dem mehrdeutigen Künstlernamen Juniper Song. Denn verdient es diese Geschichte nicht, erzählt zu werden, und zwar egal von wem? Aber nun muss June ihr Geheimnis hüten. Koste es, was es wolle.

Ein mitreißender Roman, in dem die Grenzen zwischen Kunst und Leben oft verschwimmen – was ist Original und was geklaut, wem kann man in dieser Geschichte Glauben schenken und wie weit geht man für den eigenen Traum?“ (Umschlagtext)

Ich gegen den Trend – naja, zugegeben, manchmal kann ich mich dem auch nicht entziehen. Und so tummeln sich nun drei Bücher dieser Autorin in meinen Stapeln, obwohl ich noch keines davon gelesen habe. 😉

Immerhin war ich beeindruckt zu sehen, wie viele vorrangig jüngere Leser:innen sich beim ILB in diesem Jahr bei der Veranstaltung von Rebecca F. Kuang tummelten. (Natürlich waren wir bei ganz anderen Lesungen. 😉)

Also, der Plot klingt spannend, ich darf also zurecht voller Erwartung sein. 😉

(Übersetzung: Jasmin Humburg)

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Donnerstag, 11. April 2024

Jasmin Schreiber: Endling


„Eine Nachricht von meiner kleinen Schwester.“ (Seite 7)

Ein Endling ist der letzte seiner Art. Titelgebend ist eine Schnecke, die eine zugegeben eher passive Rolle im Text spielt. Vielleicht geht es aber auch um unsere Art, die Menschheit.

Im Jahr 2041, in der Welt des Romans, ist nichts besser geworden. Das Klima konnte nicht gerettet werden, die Umwelt rebelliert gegen die Menschen, das Aussterben immer weiterer Arten ist das sichtbare Zeichen des menschlichen Versagens. Auch gesellschaftlich sieht es nicht besser aus. Der Rechtsruck hat sich weiter fortgesetzt, das politische Klima ist repressiv und richtet sich insbesondere gegen Frauen und deren Rechte, die immer weiter beschnitten werden. Das klingt nicht heimelig und hoffnungsfroh und soll es auch nicht.

Zoe ist Biologin, arbeitet in München und hat noch Familie in Frankfurt. Die besteht aus ihrer Mutter, ihrer kleinen Schwester Hanna und der im gleichen Haus wohnenden Tante Auguste. Wegen immer wieder auftretender Epidemien ist das Reisen schwierig. Als die Mutter zu einer Reha muss, kommt Zoe aber nach Frankfurt, um sich um Hanna und Auguste zu kümmern.

Hanna ist eine aufgeweckte und altersgerecht aufgekratzte Teenagerin, die ohne große Erinnerung an eine Welt ohne Abtreibungs- und Verhütungsverbote aufwächst. Die Tante Auguste, ebenfalls Biologin, hat über die Jahre aufgegeben, wurde immer schrulliger und verlässt einfach nicht mehr das Haus. Zoe, vermutlich in ihren Dreißigern, gehört zu der Generation, die alt genug ist, sich daran zu erinnern, was alles mal anders war, ist aber jung genug, um zu versuchen sich zu arrangieren, um nicht zu verzweifeln.

Die Konstellation allein reichte sicher schon aus, um anhand dieser drei Frauen zu erwählen, wohin ein weiterlaufender Rechtsruck in der Gesellschaft führen könnte, welche Auswirkungen das auf das Leben von Frauen hätte und wie verschiedene Generation ihren Umgang damit zu finden versuchen.

Als sich das Trio vollkommen ungeplant und selbst davon überrascht auf einer Reise von Frankfurt nach Italien und weiter bis nach Schweden wiederfindet, spannt die Autorin den Bogen weiter. In dieser kaputten Welt verschwinden Tierarten nach und nach, doch auf ihrer Reise entdecken sie Orte, an denen sie unverhofft wieder auftauchen. Doch an diesen Orten sammeln sich nicht nur ausgestorben geglaubte Arten, auch auf Gruppen von Frauen treffen sie, die jenseits und abseits der Welt leben. Nur Männer gibt es dort keine. Und was noch mysteriöser ist, kommen Männer in die Nähe, erkranken sie auf geheimnisvolle Weise und sterben. Einfach so.

Ich mochte die Prämissen des Romans, das Setting und auch die Beschreibung der Welt über einen Blick auf bedrohte und aussterbende Tierarten. So trägt jedes Kapitel den Namen einer Art, die dann im Kapitel selbst auch einen Auftritt hat. Das gilt auch für den Endling aus dem Titel, hinter dem sich eine Schnecke verbirgt.

Etwas schade fand ich, dass das für mein Gefühl holpernde Tempo der Handlung dazu führte, dass spannende Momente nicht weiterverfolgt und auserzählt würden. Gerade da, wo diese mysteriösen Orte mit den nicht weniger mysteriösen Frauengruppen auftauchen, hätte ich mich über ein Breitmachen der Erzählung gefreut. Die exemplarische Konstellation der drei Frauen hätte so eine Einbettung in eine größere Erzählidee gefunden, die es ziemlich zweifellos auch gab.

Auch bei meinem offenbar aktuellen Lieblingsthema, den Dialogen, muss ich etwas rumkritteln. Und die Frage, wie sich den Figuren angemessene Stimmen geben lassen, die uns Lesenden authentisch erscheinen, ist ja keine ganz einfache. Schreiber hat hier zum Beispiel Versatzstücke von Jugendlichen aus den 2010er Jahren genommen und sie Zoe in den Mund gelegt, um sie in ihrem Alter zu Kennzeichnen. Vielleicht war die Idee, damit auch eine Verknüpfung zu unserer realen Welt zu legen. Für mich war das nicht wirklich überzeugend, den Tonfall von vor zehn Jahren als Stimme in der Zukunft zu hören.

Insgesamt glaube ich, dass dem Text noch etwas mehr Zeit und Bearbeitung (Lektorat?) gut getan hätte. Der Roman ist zweifellos unterhaltend und auch gut geschrieben, bleibt aber an dem, was ich an Anspruch meine herausgelesen zu haben, eben doch unter seinen Möglichkeiten. Vielleicht gab es ja Produktionszwänge, die hier eine Rolle gespielt haben. Das soll aber insgesamt gar kein Vollverriss sein.

Kurz und gut: Coole Idee, unterhaltsam aber mit noch mehr Potential, das hier leider nicht ganz eingelöst wurde. Kann man lesen, ist aber noch kein Muss!

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Freitag, 16. Februar 2024

Jasmin Schreiber: Endling


„Artensterben. Abtreibungs- und Verhütungsverbote. Repressalien. Die Welt, in der sich Frauen im Jahr 2041 zurechtfinden müssen, ist eine andere. Zoe ist Biologin und forscht fern der Heimat an Käfern. Als ihre Mutter in die Reha muss, kehrt sie nach Hause zurück, um sich um ihre Teenager-Schwester Hanna und ihre schrullige Tante Auguste zu kümmern, die seit Jahren das Haus nicht mehr verlässt. Doch dann verschwindet Augustes Freundin Sophie, und während sich die Ereignisse überschlagen, lauert in Schweden ein dunkler Wald auf sie.“ (Umschlagtext)

Käferforschung wäre jetzt literarisch wahrscheinlich eher nicht so meins. Mit dem Hinweis auf eine nahe Dystopie und Feminismus hab ich die Leseeinladung zu dieser Leihgabe dann doch interessiert angenommen.

Jetzt muss es der Band nur noch vom Lesestapel zum Lesesessel schaffen, und schon kann ich mehr berichten. 😊

„Zoe ist Biologin und forscht in München an Käfern. Ihre Familie – bestehend aus ihrer Mutter, ihrer Teenager-Schwester Hanna und ihrer Tante Auguste, die ebenfalls Biologin ist – lebt gemeinsam in einem Haus in Frankfurt. Während Hanna und ihre Mutter einige Jahre nach dem Tod des Vaters immer noch damit beschäftigt sind, sich mit dem Verlust zu arrangieren, wurde Auguste davon völlig aus der Bahn geworfen. Sie verkriecht sich immer mehr in ihrer Wohnung, die zunehmend einem Kuriositätenkabinett gleicht. Dort setzt sie ihre Forschungen fort, abgeschnitten von der Außenwelt und nur mit einer Schnecke als Gefährtin – einem Endling, dem letzten Exemplar ihrer Art.
Als ihre Mutter in die Reha muss, kehrt Zoe nach Frankfurt zurück, um sich um Tante und Schwester zu kümmern. Doch schon bei der Ankunft spürt sie die angespannte Atmosphäre im Haus. Die Situation spitzt sich noch stärker zu, als sie plötzlich nichts mehr von Augustes einziger Freundin Sophie hören. Was ist geschehen? Hat sie etwas herausgefunden, das sie in Schwierigkeiten bringt? Und was hat eine Untergrundorganisation, die nur aus Frauen besteht, damit zu tun? Zoe, Hanna und Auguste begeben sich auf eine Suche, die sie nach Italien und Schweden führt. Und in einem Wald, der sie nicht so leicht wieder loslässt.“ (Klappentext)


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Mittwoch, 10. Februar 2021

Esi Edugyan: Washington Black


"Barbados, 1830: Der Sklavenjunge Washington Black schuftet unter unmenschlichen Bedingungen auf einer Zuckerrohrplantage. Bis er zum Leibdiener Christopher Wildes, dem Bruder des brutalen Plantagenbesitzers, auserwählt wird. Christopher ist Erfinder, Entdecker, Wissenschaftler - und Gegner der Sklaverei. Nachdem das ungleiche Paar in einem selbstgebauten Luftschiff von der Plantage entkommt, beginnt eine abenteuerliche Flucht, die die beiden um die halbe Welt führen wird." (Umschlagtext)

Da verführt mich der MM zu einer ARTE Doku über kanadische Autor:innen, die verschiedenen Minderheiten angehören. Und schwupps hab ich schon ein Buch bestellt. 🤷‍♂️🤓

(Übersetzung: Anabelle Assaf)

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Dienstag, 8. Januar 2019

Timur Vermes: Die Hungrigen und die Satten



„Der Flüchtling versucht betont normal zu gehen, was nicht leicht ist, weil es sich nicht normal anfühlt.“ (Seite 11)

Fast schon normal dagegen klingt die Ausgangslage dieser Satire, die tatsächlich so bissig daherkommt, wie sie angepriesen wird.

Europa hat sich entschieden, die weltweiten Fluchtbewegungen der Hungrigen auszusitzen. Die Grenzen sind dicht. Eine Pufferzone sorgt dafür, dass unzählige Menschen in unüberschaubar großen Lagern mitten in Afrika weder vor noch zurück kommen. Sie warten. Das ist das Einzige, was ihnen noch bleibt.

Derweil malen die heimischen Medien den Satten in Deutschland eine bunte, oberflächliche Fernsehwelt, die zynisch jedes noch so dramatische Weltgeschehen TV-gerecht verwurstet, um nur das Publikum bloß nicht zu erschrecken.

Da muss es schon sensationell anmuten, wenn ein TV-Sternchen, das man nicht mal im Dschungelcamp sehen wollte, auf die Idee kommt, eine bewegende Reportage ausgerechnet in einem der Flüchtlingscamps zu drehen. Sie trifft auf einen jungen Mann, der in ihr seine eine Chance sieht, endlich nach Deutschland zu kommen. Und so nimmt der Plot rasant seine Fahrt auf.

Die weltentrückte Moderatorin entdeckt ihren Hang zum Weltretten gemeinsam mit dem jungen Flüchtling, der sich passgenau dem Medienformat vorstellt. Schon gibt es eine Story. Und was für eine.

Im Zeichen ihrer großen Liebe führen sie einen Zug von 150.000 Flüchtenden durch die Wüste gen Europa, gen Deutschland. Das alles wird live übertragen, dramaturgisch aufbereitet und in der Redaktion erwartbar zynisch kommentiert. Für die Quote ist sogar glitzerbunte Menschlichkeit im Prime-Time-Format ok.

Zu dumm nur, dass die Satten das Ganze zwar gern im Fernsehen verfolgen. Das Ziel des Zuges ist aber ganz real – das Land der Satten. Als stehen die Hungrigen irgendwann direkt vor der Tür – zum großen Finale der Satire.

Ich bin nicht ganz sicher, ob es dem Roman nun mehr um den oberflächlichen Zynismus der Medienwelt geht oder um unseren Umgang mit den Fluchtdramen, die sich im Hier und Heute und ganz real abspielen. Zumindest scheint mir die politische Dimension des Themas eher unterkomplex behandelt zu werden.

Ganz wie die Medienwelt des Romans fokussiert auch der Text selbst eben auf die krachende Wirkung der Satire. Die ganze Zeit hatte ich dabei so eine flotte TV-Satire im Privatfernsehen vor Augen, mit der Ferres in der Hauptrolle, die überall plakatiert wird und einige Wochen omnipräsent in jedem Feuilleton begeistert besprochen wird.

Trotzdem, weil das gar kein übler Verriss werden soll, hat mich das Buch grandios unterhalten. Timur Vermes weiß, was er als Autor zu tun hat. Die Story ist perfekt inszeniert, alles greift wunderbar ineinander, ohne zu glatt zu sein. Sein Spott ist beißend bis fast unerträglich böse. Und er schenkt seinen Figuren wirklich nichts.

Kurz und gut: Wenn auch nur jede*r vierte Leser*in nach dieser Satire nicht wieder ins TV-Koma verfiele, sondern eine Zeitung aufschlüge und mit offeneren Augen durch den Alltag ginge, dann hätte das Buch seine Wirkung nicht verfehlt.

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Freitag, 26. Oktober 2018

Timur Vermes: Die Hungrigen und die Satten



"Europa hat die Grenzen geschlossen. Millionen Flüchtlinge sitzen in Afrika fest. Ohne Zukunft, ohne Hoffnung. Mit so viel Zeit, dass man eigentlich auch zu Fuß bis nach Deutschland gehen könnte, wäre da nicht die Sahara ..." (Umschlagtext)

Das Elend geflüchteter Menschen als Reality TV Format aufbereitet - Warum erscheint der Ausgangspunkt dieser Satire nur so unglaublich schlüssig? Ok, das war eine rhetorische Frage. ^^

Kurz entschlossen gebe ich mich gerade dem Sog frisch und forsch formulierter Gesellschaftssatire hin, ohne schon sagen zu können, wie sehr mich Timur Vermes hier überzeugt. Es ist ja noch etwas Urlaub übrig zum Schmökern. ;)

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Montag, 24. August 2015

Saul K. Padover: Lügendetektor. Vernehmungen im besiegten Deutschland 11944/45



"Doch am Ende fanden weder ich selbst noch andere Leute eine nennenswerte Zahl von Oppositionellen, die offen oder versteckt gegen das Hitlerregime gekämpft hatten, sondern nur erbärmliche Mitläufer. Das allein ist der schlimmste Vorwurf, den man den Deutschen machen kann." #saulkpadover interviewte als Offizier der Abteilung für psychologische Kriegsführung der US Army mehrere Monate lang Deutsche nahe der Frontlinien. Das ist sein Bericht. Die Tatsache, dass dies alles schon lange kein Geheimnis mehr ist, nimmt den Schilderungen Padovers nichts von ihrer erschütternden Eindringlichkeit. #lesesommer #sachbuch #geschichte #weltkrieg #eichborn

Sonntag, 16. August 2015

Saul K. Padover: Lügendetektor. Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45



Der Hans sagt, das sollte ich mal gelesen haben. Also los. ^^ Ein amerikanischer Offizier der Psychologischen Kriegsführung interviewt Deutsche unmittelbar nach der Befreiung. Das erinnert mich etwas an die wirklich großartige und angemessen dicke Autobiografie von Stefan Heym "Nachruf". #lesesommer #sachbuch #geschichte #weltkrieg #saulkpadover #eichborn #stefanheym