Montag, 13. November 2017
Birgit Weyhe: Madgermanes
Die Bundeszentrale für politische Bildung kann also auch Comic. ^^ Und einen guten Comic haben sie hier als Lizenzabdruck ausgesucht.
Birgit Weyhe greift die Geschichte von mosambikanischen Vertragsarbeitern auf, die Ende der 70er Jahre in die DDR geholt wurden. Nach der Wiedervereinigung mussten die meisten von ihnen wieder zurück in ihre Heimat, wo sie zum Teil bis heute auf die Auszahlung ihres Lohnes durch die eigene Regierung warten. Sie arbeiteten für Made in Germany. Nun nennen sie sich selbst Madgermanes.
"Diese wenig beachtete Episode deutsch-afrikanischer Geschichte arbeitet Birgit Weyhe, die als Kind in Ostafrika lebte, in der Graphic Novel auf. Sie verknüpft afrikanische und europäische Bildsprachen, um das Leben dreier Protagonisten zwischen zwei Welten darzustellen und stößt dabei immer wieder auf die Frage: Was ist Heimat?" (Umschlagtext)
Im Original erschien der Comic im Avant Verlag.
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Mittwoch, 8. November 2017
Isabel Fargo Cole: Die grüne Grenze
Lasst dicke Bücher um mich sein - ähem. ;)
"Nachricht von sehr lebendigen Menschen der verschollenen DDR an ihrer äußersten Grenze, am Fuße des Brocken [...]" (Alexander Kluge, Umschlagtext)
"Die grüne Grenze ist ein sehr reales Märchen vom Leben an der Grenze und von ihrer Überwindung." (Klappentext)
Komm nur, du nasskaltes Herbstwetter! Ich bin gewappnet. Ich habe Bücher, und ich werde sie einsetzen. ^^
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Dienstag, 7. November 2017
Rutger Bregman: Utopien für Realisten.
"Das wahre Problem unserer Zeit ist nicht, dass es uns nicht gutginge oder dass es uns in Zukunft schlechter gehen könnte. Das wahre Problem ist, dass wir uns nichts Besseres vorstellen können." (Umschlagtext)
Zeit, mal wieder rumzuspinnen und über Alternativen und Utopien zu sprechen, meint der Niederländer Rutger Bregman.
Eine coole Aufmachung bzw. Herstellung habt ihr euch da außerdem noch einfallen lassen, liebe Leute vom Rowohlt Verlag. ^^
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Sonntag, 5. November 2017
Tetsuya Tsutsui: Poison City (2 Bände)
Mitglieder der “Abteilung
für Fragen der Kindheit und Zukunft” machen sich in Buchhandlungen auf die
Suche nach möglicherweise jugendgefährdenden Schriften. Sie sammeln ein, was
ihnen verdächtig erscheint.
Nun warden beim
Durchblättern alle Seiten markiert, die einen eventuell “schädlichen” Inhalt
aufweisen. Der Grad der Schädlichkeit des gesamten Werkes ergibt sich aus dem
Verhältnis der “schlimmen” Seiten zur Anzahl der Seitenzahl insgesamt.
Die “Kommission für
Erziehung und Schutz Minderjähriger” bekommt den Stapel der so
herausgefilterten Werke zur abschließenden Begutachtung vorgelegt. Im
Schnellverfahren und ohne Zeit, die Sachen auch wirklich zu lesen, wird nun
abgeurteilt.
Welche Auswirkungen
mag ein solches Zensurverfahren wohl auf die Urheber haben, die die
Veröffentlichung ihrer Werke ja nicht gefährden wollen. Wie reagieren Verlage,
um ihren verkaufbaren Ausstoß an Titeln nicht zu gefährden? Bis hierhin ist
übrigens noch nicht die Story von “Poison City” geschildert worden, sondern nur
der reale Anlaß für Tsutsui, diesen zweibändigen Manga zu schreiben und zu
zeichnen. Diese reale Begebenheit aus dem Japan zu Beginn des 21. Jahrhunderts
wird im Anhang erzählt.
Die Story von “Poison
City” dreht das Rad noch ein wenig weiter. Was wäre, wenn sich eine radikale
Gruppe fände, die dieses Zensursystem nutzte, um mit einer willkürlichen
Behauptung, was alles sittenwidrig und gefährdend wäre, unser Leben
einzuschränken, uns gefügig zu machen. Wie weit würden wir es ertragen?
Brächten wir den Mut zum Widerstand auf?
Ein junger Mangaka
arbeitet an seiner Horrorserie, die er unbedingt veröffentlichen möchte,
während die “Säuberungsfront” sich anschickt, das gesellschaftliche Klima zu
bestimmen. Zunächst weiß er den Verlag auf seiner Seite. Gemeinsam versuchen
sie auszuloten, wie weit sie die neuen Grenzen strapazieren können. Doch als
sein Werk tatsächlich indiziert wird, steht der junge Mann vor existenziellen
Entscheidungen.
Tsutsuis Manga nur als
Thriller zu lesen, erscheint mir zu wenig angesichts der Tragweite, die er
schildert. Seit einigen Jahren erleben wir in den hochgelobten Demokratien, wie
schnell oder unmerklich für ewig sicher
geglaubte Freiheiten angreifbar werden und auch verloren gehen können. Es kommt
dabei auf jede*n von uns an und darauf, wie weit wir bereit sind, dies klaglos
hinzunehmen. Allein die Tatsache, wie wenig sich Autoren/ Zeichner wie Tsutsui
manchmal zur Realität hinzudenken müssen, ist schon erschreckend.
Muss ich extra
erwähnen, dass “Poison City” spannend aufgebaut, überzeugend erzählt und
grafisch toll umgesetzt ist? ^^
Kurz: Eine überzeugende
Lektüre auch für Manga-ferne Leser*innen. Lesen!
Samstag, 4. November 2017
Adnan Oktar (Harun Yahya): Wie Fossilien die Evolution widerlegen. Millionen von Fossilien widerlegen die Evolutionstheorie
Crazy shit - Was man so an einem Samstag ganz unerwartet und ungefragt aus dem Briefkasten ziehen kann. Und dann die spannende Frage: Welche Sorte Kreationisten hat hier wohl viel Geld ausgegeben für "unbestreitbare Beweise, dass der Darwinismus nichts als ein großer Betrug ist und dass mehr als 700 Millionen Fossilien die Evolution vollkommen widerlegen"?
Ich will ja nicht spoilern, um denen nicht den Spaß zu nehmen, die mit diesem quietschebunten Machwerk ebenfalls ungefragt beglückt wurden. Aber soviel kann ich sicher verraten: Es ist vollkommen egal, ob dahinter durchgeknallte Evangelikale, freidrehende Salafisten oder sonst irgendeine Seelenfängerbande steckt.
Egal in welcher Farbe, in welcher Verkleidung oder mit welchem Brimborium - sie verkaufen billigen Welterklärungszauber und gründen sich auf nichts, als der eigenen Unsicherheit, auf Hass auf das Andere und auf nicht erklärbare Verschwörungstheorien.
Und tschüss ... ^^
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Freitag, 3. November 2017
Zoë Beck: Die Lieferantin
“Rotweißblau waren nicht ihre Farben. Morayo Humphries war Schwarz.”
Rotweißblau sind die Farben einer nach dem Brexit erstarkenden Rechten
in einem London in sehr naher Zukunft. Die Stadtpolitik aber auch das ganze
Land antworten auf eine Wirtschaftskrise mit einem autoritären Kurs. Mehr
Beobachtung und mehr Bevormundung der Bürger*innen. Eines der Streitthemen ist
der Umgang mit Drogen. Nach dem Brexit will die Regierung einen Druxit und
glaubt, damit ein drogenfreies England zu erreichen.
Dagegen formiert sich liberaler Widerstand, vor dessen Hintergrund ein
kleines Start-Up für Furore sorgt. Über eine App lassen sich Drogen jeder Art
bestellen, die dann unglaublich schnell geliefert werden – via Drohne. Ellie
Johnson ist die DIE LIEFERANTIN und versteht ihre Dienstleistung als Teil des
Widerstandes gegen die Kampagne der Regierung.
Damit gerät sie natürlich nicht nur ins staatliche Fadenkreuz sondern
auch in das der Londoner Unterwelt, die ihr althergebrachtes Gewerbe bedroht
sieht. Die Jagd auf Elli ist eröffnet.
Zoë Becks Roman lässt
sich sowohl als Polit-Thriller, als auch als Unterwelt-Story lesen. Sympathische,
idealistische Hauptfiguren treffen auf Schurken und korrupte Politiker, die
sich nachts in ihren Rausch stürzen, um am nächsten Tag gegen Drogen mobil zu
machen. Erschreckend ist, wie plausibel das klingt. Vermutlich ließe sich die
gleiche Story mit verschiedensten anderen Aufhängern (Sexismus etc.) genauso
erzählen. So funktioniert Populismus eben.
Abgesehen davon ist Zoë
Beck eine spannende Geschichte gelungen, die sie schnörkellos und mitreißend
erzählt. Neben der Spannung bleibt mir vor allem das Schauern über den so
realistisch nahen, dystopischen Hintergrund in Erinnerung.
Und Zoë Beck kann noch
viel mehr. So übersetzt und verlegt sie selbst Bücher im CulturBooks Verlag, in
dessen Programm ich schon so einige Perlen gefunden habe. Aber das wird ein
anderer Text.
Kurz: Zoë Beck kann
Thriller. Lesen!
Sonntag, 29. Oktober 2017
Aril Folman/ David Polonsky: Das Tagebuch der Anne Frank. Graphic Diary
Anne Franks Tagebuch habe ich in der Schule gelesen. Das ist viele Jahre her und war in einem wenig später im Strom der Geschichte untergegangenen Land. Aktuell und relevant sind die Aufzeichnungen ganz offenbar auch heute noch.
2010 erschien die historische Vorlage schon einmal als grafische Biographie. Nun legt der Fischer Verlag eine Neubearbeitung durch Ari Folman und David Polonsky vor. Wie neu die als "Graphic Diary" vorgestellte Form denn nun wirklich ist und wie gelungen die Umsetzung, darauf bin ich gespannt.
Ein Dank geht schon mal an den Verlag für das Leseexemplar.
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