Freitag, 26. November 2021

Samira El Ouassil & Friedemann Karig: Erzählende Affen. Mythen, Lügen, Utopien. Wie Geschichten unser Leben bestimmen


"Eine starke Geschichte kann Leben retten, Wahlen entscheiden, Gesellschaften verändern. Aber sie kann auch Kriege auslösen und Menschen für verfeinden. Samira El Ouassil und Friedemann Karig verfolgen diese ambivalente Wirkmacht anhand wichtiger Narrative von der Antike bis zur Gegenwart: von Jesus bis Frodo, von Kassandra bis Greta. Sie zeigen, welche Erzählungen uns heute gefährden und warum wir dringend neue benötigen, um unsere Welt zu erhalten." (Umschlagtext)

"Wie gelingt es, die Klimakrise so zu erzählen, dass ein weltweites Handeln einsetzt? Aus welchen Narrativen entstehen Rassismus und Antisemitismus? Mit welchen Storys manipulierte Trump seine Anhänger, weshalb verfangen die Lügen der Rechtspopulisten und Verschwörungsideologinnen? Was erzählen wir seit jeher über uns selbst - als Deutsche, als Europäer, als Humanistinnen? Geschichten sind ein maßgeblicher Teil unserer Sozialisation, mehr noch, sie sind Kern unserer Identität. Kein Wunder, dass wir die Welt in Geschichten sortieren. Sie durchdringen Politik, Medien und Kultur, lehren uns, unterhalten uns, verführen uns, formen unsere Wirklichkeit. Samira El Ouassil und Friedemann Karig erforschen die Kraft der Narrative, die sich im griechischen Drama ebenso manifestiert wie in einer Netflix-Serie, im Roman wie im Rap. Und sie machen sich auf die Suche nach einer wirkmächtigen neuen Erzählung der Aufklärung." (Klappentext)

Ihr wisst schon: Es stand da so rum ... wie hätte ich nein sagen können?! 🤓🙈🤷‍♂️

#leseherbst #sachbuch #samiraelouassil #friedemannkarig #Ullstein #Kommunikation #narrative #geschichtenerzählen #gesellschaft #Kultur #polbil #lesen #bücher #leselust

Montag, 22. November 2021

Joe Hill/ Gabriel Rodriguez: Locke & Key. Master Edition (Bände 1, 2 und 3)


Drei Geschwister in einem alten Haus in Lovecraft, magische Schlüssel, rachsüchtige Geister und ein brutaler Kampf um die Zukunft. Ich würde sagen, da ist alles drin. 🤓

Und wer sich partout nicht die Zeit nehmen will, den Comic zu genießen, die:der streamt hält nur die Serie. Für alle anderen ist es ein doppelter Genuss. 🥳

Ich freu mich jetzt auf die Bände 2 und 3 der fetten Master Edition. 🤓🥰

(Übersetzung: Reinhard Schweizer)

Band 1:

„Nach der brutalen Ermordung ihres Vaters ziehen die Geschwister Tyler, Kinsey und Bode mit ihrer Mutter in ein altes Anwesen im Küstenstädtchen Lovecraft. Doch das Grauen verfolgt sie bis in ihr neues Zuhause, wo außerdem gefährliche Geheimnisse, rachsüchtige Geister und das ultimative Böse auf die Familie warten. Denn mit dem richtigen Schlüssel und der passenden Tür kann man nicht nur zum Geist werden, sondern auch vieles öffnen: Die finstere Vergangenheit genauso wie die Schädeldecke eines Menschen…“ (Umschlagtext)

Band 2:

„Seit ihr Vater brutal ermordet wurde, leben Tyler, Kinsey und Bode Locke mit ihrer Mutter im Keyhouse. Das alte Anwesen auf der Insel Lovecraft ist ein Ort voller Geheimnisse, an dem die unheilvolle Vergangenheit nie zur Ruhe kommt. Das hat vor allem mit den magischen Schlüsseln und Türen zu tun – die einen nicht nur in einen Geist verwandeln können – aber auch mit dem skrupellosen, finsteren Zack. Er stellt ein weiteres gefährliches Geheimnis dar, das mit dem Gestern und dem Keyhouse zu tun hat, und mit düsteren Absichten hat er sich in Tys Leben und in Kinseys Herz geschlichen. Und so werden die Locke-Kids mit immer mehr Finsternis konfrontiert…“ (Umschlagtext)

Band 3:

„Die Finsternis der Vergangenheit und die Gewalttaten der Gegenwart sind durch die Geheimnisse des Keyhouse und magischen Schlüssel untrennbar miteinander verbunden. Allerdings ahnen Tyler und Kinsey Locke nicht, dass der Körper ihres kleinen Bruders Bode von jenem rachsüchtigen Geist übernommen wurde, der für alles Leid in ihrem Leben verantwortlich ist – und der alles noch viel schlimmer machen will, indem er die Schwarze Tür öffnet! Und so kommt es zu einer letzten brutalen, blutigen Schlacht, in der die Locke-Kids und ihre Freunde an vorderster Front gegen das Böse kämpfen müssen…“ (Umschlagtext)


#leseherbst #comic #joehill #gabrielrodriguez #paninicomics #mystery #Action #Magie #familie #freundschaft #geister #dasböse #lesen #leselust #bücher #literatur

Sonntag, 14. November 2021

Min Jin Lee: Ein einfaches Leben

"Sunja und ihre Söhne leben als koreanische Einwanderer in Japan wie Menschen zweiter Klasse. Während sie versucht, sich abzufinden, fordern Noa und Mozasu ihr Schicksal heraus. Der eine schafft es an die besten Universitäten, den anderen zieht es in die Spielhallen der kriminellen Unterwelt der Yakuza.

Ein opulentes Familienepos über Liebe, Loyalität und die Suche nach der eigenen Identität - zeitlos und universell." (Umschlagtext)

"Zwanzig Jahre Arbeit stecken in diesem großen, umwerfenden Buch, das in über zwanzig Ländern erschienen ist.
Sunja, Tochter eines Fischers, wird genau im falschen Moment schwach, bei genau dem falschen Mann. Um ihrer Familie keine Schande zu machen, verläst sie Korea und bringt ihre Söhne Noa und Mozasu fernab der Heimat in Japan zur Welt. Koreanische Einwanderer, selbst in zweiter Generation, leben dort als Menschen zweiter Klasse. Während Sunja sich abzufinden versucht, fordern ihre Söhne das Schicksal heraus. Noa studiert an den besten Universitäten, Mozasu zieht es in die Pachinko-Spielhallen der kriminellen Unterwelt der Yakuza.

Ein opulentes Familienepos, mit leichter Hand erzählt. Zeitlos und universell." (Verlagstext)

Im Buchladen meines Vertrauens gesehen und schon liegt es auf meinem Lesestapel - verrückt. 🤓

(Übersetzung: Susanne Höbel)

#leseherbst #roman #minjinlee #dtv #Japan #korea #migration #Familie #gesellschaft #lesen #leselust #Bücher #literatur

Donnerstag, 11. November 2021

Grit Lemke: Kinder von Hoy. Freiheit, Glück und Terror


"In den sechziger und siebziger Jahren waren sie mit ihren Eltern nach Hoyerswerda gekommen, eine DDR-Musterstadt: aus dem Heideboden gestampft, aus Bauelementen zusammenmontiert? Morgens rollen die Eltern in Schichtbussen davon, die Kinder wachsen in einem großen kollektiv auf. Doch der Wiedervereinigung folgen Massenentlassungen, und der Rassismus gegen in der Stadt lebende Vertragsarbeiter führt letztlich zu Ausschreitungen. Danach wird nichts mehr sein, wie es war ...

Durch Angriffe auf Migranten wurde Hoyerswerda 1991 zum Symbol für rechte Gewalt in den neuen Bundesländern. In einem dokumentarischen Roman über ihre Heimatstadt verschränkt die 1965 geborene Autorin Grit Lemke virtuos die Stimmen der 'Kinder von Hoy' zu einer mitreißenden Oral History und einer Biografie ihrer komplexen Generation." (Umschlagtext)


Wieder der Osten, dieses Mal ein "dokumentarischer Roman". Offenbar gibt es aber viele Menschen, die mit dem Thema noch lange nicht durch sind, dabei erzählen so viele Texte eher verstörende Geschichten. Wie kommt dennoch dieses Gefühl des Verbundenseins zustande?

#leseherbst #Roman #gritlemke #suhrkamp #suhrkampnova #ostkinder #DDR #hoyerswerda #rassismus #transformation #nachwende #gesellschaft #Debatte #lesen #leselust #Bücher #literatur

Sonntag, 7. November 2021

Caroline Fourest: Generation Beleidigt. Von der Sprachpolizei zur Gedankenpolizei. Über den wachsenden Einfluss linker Identitärer. Eine Kritik


(Übersetzung: Alexander Carstiuc, Mark Feldon, Christoph Hesse)

„Im Mai 1968 träumte die Jugend von einer Welt, in der es verboten ist zu verbieten. Die neue Generation denkt nur daran, zu zensieren, was sie kränkt oder ‚beleidigt‘.“ (Seite 7)

Spätestens seit in diesem Jahr das Buch „Die Selbstgerechten“ von Sahra Wagenknecht erschien, war die Debatte um Identitätspolitik(en) und wenn ja, wie viel davon, im politisch linken Meinungsspektrum vollends für eine breitere Öffentlichkeit angekommen. Das erhöhte die Unübersichtlichkeit der Diskussionen für Menschen, die nicht jede noch so kleine akademische Debatte verfolgen, ungemein. Immerhin kamen die Stimmen, die sich über political correctness beklagten, das Gendern als den Untergang der Sprache und der Zivilisation schlechthin ansahen, die Geschlechterquoten für einen Angriff auf die armen Männer halten, und die sowieso nicht verstehen wollten, warum jetzt alles Mögliche auch noch umbenannt werden solle – diese Stimmen kamen recht zuverlässig aus dem rechten oder wenigstens konservativen Lager. Wie es kam, dass sich der Disput nun aber auch für eine breitere Öffentlichkeit ins linke Feld verlagerte, darüber lässt sich in diesem schmalen Band der französischen Feministin und Filmemacherin Caroline Fourest nachlesen.

Ich muss gar nicht verschweigen, dass ich nicht jede Schlussfolgerung, Be- oder Zuschreibung der Autorin teile oder ganz nachvollziehen kann. Ein lesenswerter Debattenbeitrag ist dies aber gleichwohl – im Gegensatz zum oben genannten Text von Sahra Wagenknecht, über den ich hier ja auch schon ausführlicher geschrieben habe.

Während sich der Wagenknecht-Text wie eine eher garstige Wiederauflage der Debatte um Haupt- und Nebenwidersprüche las, bei der es um das gegeneinander Ausspielen von sozialer Frage und Freiheitsrechten zu gehen schien, gelingt es Fourest hier viel klarer zu beschreiben, was sie kritisiert. Ansatzweise ordnet sie ein, wo manche Debatte wurzelt. Vor allem aber listet sie jede Menge Anlässe und Vorfälle auf, bei denen sie klare Tendenzen von Sprach- und Gedankenpolizei ausmacht, weil verschiedene Gruppen Debatten oder Ausstellungen oder Theaterstücke etc. zu verhindern suchen.

Sie kritisiert, auch mit drastischen Worten, dass mit dem Einfordern von safe spaces eben auch Räume geschaffen würden, in denen Diskurs nicht mehr stattfindet. Die Besinnung auf die eigene Identität – hier als Teil von Minderheiten, unterdrückten Gruppen etc. – sorge in der Konsequenz dafür, dass sich Bewegungen nur noch auf sich selbst fokussieren und notwendige Solidarität und Gemeinsamkeit damit verschwinde. Dies wiederum öffne dem rechten gesellschaftlichen Rollback Tür und Tor. Dabei träfen die Verdikte derer, die sie identitäre Linke nennt, oft genug gar nicht den politischen Gegner sondern Linke.

Dankbar bin ich, dass Fourest wenigstens an etlichen Stellen Ross und Reiter:in benennt, also für manche der berichteten Episoden konkrete Personen oder Gruppierungen. Dem deutschen Publikum dürften die, wie auch mir, weitgehend unbekannt sein. Sie spielen in Frankreich, den USA oder auch in Kanada. Die Vermutung liegt nahe, dass die Debatten dort tatsächlich auch noch mal anders geführt werden als wir das hierzulande bisher erlebten. Fourests Warnung ist aber klar: Auch Diskurse hier drohen davon in Mitleidenschaft gezogen zu werden.

Insbesondere den Beispielen, die Fourest aus eigenem Erleben schildert, kann ich nicht absprechen, dass sie überaus drastisch und vollkommen überzogen wirken. Offen bleibt für mich aber dennoch die Frage, wie es sein kann, dass ursprüngliche Kleinstgruppen aus anscheinend akademischen Blasen derart wirkmächtig werden konnten, dass auch Öffentlichkeiten, Institutionen sogar Medien nach deren Verdikten richten. Wenn die Generation, die Fourest hier beschreibt die politische Enkel- oder Kindergeneration der Linken ist, die heute im zumindest gesetzten Alter ist, dann stellt sich auch die Frage, was da an Generationentransfer falsch gelaufen sein mag.

Fest scheint mir zu stehen, dass da Welten aufeinandertreffen, die sich in den Debatten nichts nehmen und fast unversöhnlicher miteinander ringen als mit dem politischen Gegner auf der Rechten.

Kurz und gut: Streitbar aber unbedingt lesenswert, auch weil Caroline Fourest lesbar zu beschreiben und zu argumentieren versteht. Lesen!

#leseherbst #sachbuch #carolinefourest #editiontiamat #verlagklausbittermann #identitätspoltik #debatte #politik #gesellschaft #demokratie #achtsamkeit #sprachpolizei #lesen #leselust #lesenswert #bücher #indiebook

Mittwoch, 3. November 2021

James Baldwin: Giovannis Zimmer


"Dies ist die Geschichte von David und Giovanni und einer Liebe ohne Unschuld im Paris der Fünfzigerjahre. 'Giovannis Zimmer' gilt heute als Baldwins berühmtester Roman: ein Lebensbuch über die Liebe und ihre Demütigungen, mitreißend, glühend, ikonisch." (Umschlagtext)

"Im Paris der Fünfzigerjahre lernt David, ein amerikanische Expat, in einer Bar den reizend überheblichen, löwenhaften Giovanni kennen. Die beiden beginnen eine Affäre - und Verlangen und auch Scham brechen in David los wie ein Sturm. Dann kehrt plötzlich seine Verlobte zurück, und David bringt nicht den Mut auf, sich zu outen. Im Glauben, sich selbst retten zu können, stürzt er Giovanni in ein Unglück das tödlich endet.

Baldwin brach mit 'Giovannis Zimmer' 1956 gleich zwei eherne Tabus: Als schwarzer Schriftsteller schrieb er über die Liebe zwischen zwei Männern, zwei weißen Männern. Sein amerikanischer Verlag trennte sich daraufhin von ihm, seine Agentin mahnte, er solle das Manuskript verbrennen. Heute gilt 'Giovannis Zimmer' als Baldwins berühmtester Roman." (Klappentext)

Bei "Das musst du gelesen haben!" lächle ich ja oft milde und folge dann einfach meinem eigenen literarischen Entdeckungspfad weiter. Und dann gibt's da Freunde, die schenken ganz ohne diesen Satz ein Buch, und ich wundere mich, warum das bisher noch nicht auf meinem Lesestapel lag. Danke! 🥰😘

(Übersetzung: Miriam Mandelkow)

#leseherbst #roman #jamesbaldwin #dtv #Paris#Liebe #gay #gesellschaft #lesen #leselust#bücher #literatur