Sonntag, 22. Juli 2018
Mosaik #512
Das müsste doch vollkommen ausreichen, wenn ich heute beschließe, das Wochenende morgen verlängern?! 😏😎😅
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Freitag, 20. Juli 2018
Nils Knoblich: Fortmachen
"DDR,1984: Die Familie Knoblich stellt einen Ausreiseantrag. Und damit beginnen die Schikanen. [...]
Nils Knoblich, Jahrgang 1984, erzählt - basierend auf den Erzählungen seiner Eltern und Großeltern - wie seiner Familie nach Jahren voller zermürbender Kämpfe die Reise von Deutschland nach Deutschland gelang. Drei Monate später fällt die Mauer ..." (Umschlagtext)
Biografisches geht ja immer. 😏 Trotzdem erhoffe ich mir auch hier Erhellendes und einen guten Comic.
1984 - da kam ich in die dritte Klasse. Wenn ich so darüber nachdenke, weiß ich gerade nicht, wie ich das finde. 🙄🤣
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Donnerstag, 19. Juli 2018
Robert Seethaler: Die weiteren Aussichten
„Herbert Szevko steht nackt und gekrümmt da und schaut in ein
kleines rundes Aquarium hinein.“ (Seite 5)
Das Aquarium steht in Herberts Zimmer. Das liegt im oberen Stock
des Häuschens, welches er zusammen mit seiner Mutter bewohnt. Das Häuschen
steht hinter einer kleinen Tankstelle, die Herbert und seine Mutter gemeinsam
bewirtschaften. Die Tankstelle liegt an einer Landstraße. Und die kommt aus dem
Nichts und führt ins Nichts. Hinter den Hügeln in der einen Richtung liegt aber
zumindest eine Ortschaft mit einem Schwimmbad. Und das wird gleich noch
wichtig.
Frau Szevko, Herbert und Georg leben hier. Alle anderen fahren nur
vorbei und halten allenfalls kurz an. Georg bewohnt das runde Aquarium und
bekommt davon nicht so viel mit. Da sich an diesem Flecken Erde aber ohnehin
eigentlich nichts zuträgt, lässt sich nicht behaupten, dass Georg so sehr viel
verpassen würde.
Recht schnell wird aber klar, dass Frau Szevko und ihr Sohn
Herbert in dieser abgehängten Gegend am Rande vom Nichts noch am Rande wohnen.
Sie sind die komischen Käuze, die selbst das letzte Kaff braucht, um so etwas
wie Normalität und Zugehörigkeit zum Rest der Welt empfinden zu können.
Dann aber kommt ein einfach so ein blaues Klapprad daher geradelt
auf der Landstraße. Natürlich fährt es nicht von selbst sondern wird getreten
von Hilde. Und diese kleine rundliche, eher schon dralle Hilde ist auf dem Weg
in die Ortschaft mit dem Schwimmbad. Und zwar wird sie dort eine neue Stelle antreten,
als Putzfrau, im Schwimmbad. Das allein wäre fast schon aufregend, versetzt
aber unausweichlich dem Gang dieser Geschichte einen kräftigen Tritt, weil Herbert
quasi vom Schlag getroffen so ein ganz komisches und ungewohntes Gefühl
bekommt. Und weil Hilde findet, es mit Herbert gar nicht so schlecht treffen,
sind die beiden dann recht bald ein Paar.
Hilde zieht in das Häuschen hinter der Tankstelle an der
Landstraße, und Georg hat fortan etwas zum Anschauen. Ich meine jetzt nicht,
dass Hilde sich an ihren Herbert kuschelt unter der Decke. Sondern vielmehr die
Veränderungen, die in Herbert vorgehen oder eigentlich aus ihm herausbrechen.
Das Leben könnte plötzlich auch anders sein, als es vor Hilde war. Herbert hat
etwas gefunden, das ihm wichtig ist, auch wenn er kaum Worte dafür findet.
Dafür beginnt er selbst seiner Mutter gegenüber einen eigenen Kopf zu
entwickeln. Und die, also Frau Szevko, mag diese Hilde gar nicht, die sich hier
ins gemachte Nest setzen will. Das wenigstens meint die Frau Szevko.
Außerdem gibt es noch den Bürgermeister, der die Tankstelle
endlich weghaben will, weil er wichtigere Interessen verfolgt. Und einen
Dorfrüpel gibt es auch noch, der die Hilde angrabbscht. Das alles, und dass
Frau Szevko nach dramatischen Entwicklungen ins Krankenhaus muss, sorgt dafür,
dass nur noch eines bleibt, die Flucht in einem Krankenwagen. Und die
Tankstelle brennt ab.
Seethalers große, wirklich große Kunst ist es, dass man gar nicht
hinterher kommt mit den eigenen Gefühlen beim Lesen. Herbert, Hilde, Frau
Szevko – die sind liebenswert, beschränkt, naiv, liebevoll, impulsgesteuert,
eifersüchtig, bodenständig … Egal, ob ich den dreien gerade am liebsten eine
runtergehauen hätte, um sie zu Besinnung zu bringen, oder ob ich sie in den Arm
nehmen wollte, um ihnen zu versichern, dass ganz sicher alles auch für sie gut
werden wird – diese Charaktere sind herzergreifend gezeichnet. Nur ein Stein
könnte da, im Guten wie im Bösen, kein Mitgefühl empfinden.
Und das genau ist wohl eines, dass Bücher wie dieses lehren
können. Egal wie klein und einfach Leute erscheinen mögen, wie sehr abgehängt
sie scheinen mögen – sie leben und lieben und hoffen wie alle anderen auch.
Eine Gesellschaft, in der das Mitgefühl unter den Menschen verloren geht, die
hängt sich selbst ab.
Wofür ich Seethaler wirklich bewundere sind Sätze wie dieser: „Wo
nämlich die Normalität beleidigt ist, kann die Pädagogik einpacken.“ (Seite 5)
Auch wenn der Gedanke etwas aus dem Zusammenhang gerissen erscheinen mag, ich
finde das großartig. Und immer wieder taucht unvermittelt genau so ein Satz
auf, bei dem Seethaler.
Kurz und gut: Diese Geschichte packt sich das Herz und lässt bis
zur letzten Zeile nicht mehr los. Und das ohne auch nur den Anflug von Kitsch.
Lest Robert Seethaler! Alle! Jetzt!
Mittwoch, 18. Juli 2018
Marc-Uwe Kling: QualityLand
„Nun reist du also zum ersten Mal in deinem Leben nach
QualityLand. Bist du schon aufgeregt? Ja? Aus gutem Grund! Denn bald betrittst
du das Land, das so wichtig ist, dass mit seiner Gründung eine neue
Zeitrechnung begann: die QualityTime.“ (Seite 9)
Und da in QualityLand gut natürlich nicht gut genug ist, liegt
hier vor mir die beste Satire über eine Zukunft, die so nah ist, dass sie schon
längst angebrochen ist.
Marc-Uwe Kling muss sich gar nicht so viel neu ausdenken, um ein
Bild der nahen Zukunft zu entwerfen. Arbeit wird immer mehr automatisiert, der
Mensch kann sich dagegen ganz auf das Konsumieren konzentrieren. Dass alles und
jede immer und überall vermessen, gewogen und kategorisiert wird, ist
folgerichtig – dient aber natürlich nicht nur der vorauseilenden Befriedigung
der Wünsche, die die Konsumenten selbst noch gar nicht ahnen. Geld lässt sich
so offenbar soviel machen, dass das System sich selbst immer wieder bestätigt
und die Einteilung der Menschen nach Rängen sich wunderbar von Mal zu Mal
reproduziert.
Zwei Ereignisse erschüttern die bunte, digitale Welt von
QualityLand. Peter Arbeitsloser bekommt per Drohne einen Delfindildo geliefert.
Dass Drohnen ungefragt andauernd etwas liefern, was nach statistischen
Berechnungen ihres Profils in ihnen schlummernde Bedürfnisse befriedigt, das
ist Alltag in QualityLand. Peter aber mag sich so gar nicht mit dem Delfindildo
anfreunden und stößt auf einen Fehler im System.
Das zweite Ereignis ist, dass die Fortschrittspartei zur
anstehenden Präsidentschaftswahl einen Roboter mit Superintelligenz als
Kandidaten präsentiert, was die Maschinenstürmer auf den Plan ruft, als hätte
es die letzten 200 Jahre nicht gegeben.
Ach, ich will eigentlich lieber nicht so viel von der gar
vergnüglichen Lesereise verraten, die der Roman bereithält. Aber loben will ich
noch ein wenig: Zum einen die Ausstattung und Gestaltung des Buches, das
obendrein auch noch in zwei unterschiedlichen Umschlagfarben aufgelegt wurde.
Zum anderen hab ich mich wunderbar über Klings Humor und die grandiose
Detailverliebtheit gefreut, mit der in dieser Zukunftssatire so vieles aus
unserem Alltag als mahnende Anspielung untergebracht oder in logischer Konsequenz
weiter gesponnen wurde.
Ich habe immer noch keine Ahnung, ob ich mit den allenthalben so
gelobten Känguru-Chroniken nun wirklich etwas verpasst habe. Diesen satirischen
Roman zu verpassen konnte ich aber zum Glück vermeiden. 😉
Kurz und gut: Perfekt für ein Sommerwochenende in der Hängematte!
Wenn der Roman nicht in kürzester Zeit verfilmt wird, soll mich der Schlag
treffen! 😉
Montag, 16. Juli 2018
J.D. Vance: Hillbilly-Elegie. Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise
"Seine Großeltern versuchten, mit Fleiß und Mobilität der Armut zu entkommen und sich in der Mitte der Gesellschaft zu etablieren. Doch letztlich war alles vergebens. J.D. Vance erzählt die Geschichte seiner Familie - eine Geschichte vom gescheiterten Aufstieg und von der Resignation einer ganzen Bevölkerungsschicht. Sein Buch bewegte Millionen von Lesern in den USA und erklärt nicht zuletzt den Wahltriumph eines Donald Trump." (Umschlagtext)
Autobiografisches, um gesellschaftliche Phänomene, politische Entwicklungen und gleich ein ganzes Land zu erklären - das ist ja wieder schwer in Mode. Neugierig bin ich aber doch. 😉
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Sonntag, 15. Juli 2018
Helmut Krausser: Geschehnisse während der Weltmeistrschaft
Erst Helmut Krausser, dann Ball Together zum WM-Endspiel! Läuft bei uns. 🤩😏
"Leon gilt als Superstar in seinem Sport, ist reich und von so vielen begehrt - aber unglücklich, den er liebt die Frau vergeblich, mit der er jeden Tag intim verkehrt." (Umschlagtext)
Die Sportart heißt übrigens Leistungssex. Aber das steht erst im Klappentext auf der Innenseite. ^^
Ansonsten wird eine "düstere Utopie, provokante Satire auf die Leistungsgesellschaft, Mysterie-Thriller, Mitschrift einer Geisteskrankheit" angekündigt. Ein echter Krausser eben. 😉
Und echt war er dann auch bei der Lesung aus seinem Buch, bevor es dann direkt zum gemeinsamen Fußballschauen ging. Eine herrliche Kombination. ;)👌
Da die nächste WM erst in vier Jahren ist, hoffe ich aber schwer, dass ich vorher noch einmal die Chance bekomme, Helmut Krausser live zu erleben. Ich fand die Lesung nämlich sehr gelungen. 🤗
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Samstag, 14. Juli 2018
ALFONZ 2/2018 // Comixene #126/#127 // Reddition Achtundsechzig
Samstag wäre doch ein guter Tag, dem Erscheinungsrhythmus von Magazinen hinterher zu lesen.
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