Posts mit dem Label knaus verlag werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label knaus verlag werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 9. November 2025

Walter Moers: Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr


„Eine abenteuerliche Liebesgeschichte und eine Reise durch das träumende Gehirn

Dylia Insomnia ist die schlafloseste Prinzessin von ganz Zamonien. Eines Nachts erhält sie Besuch von einem alptraumfarbenen Nachtmahr, der sich ihr als Havarius Opal vorstellt. Er kündigt an, die Prinzessin in den Wahnsinn treiben zu wollen, bietet ihr jedoch vorher noch die Gelegenheit zu einer abenteuerlichen Reise: nach Amygdala, der berüchtigten Stadt der Angst, in der das dunkle Herz der Nacht regiert. Dylia willigt ein, weil es nicht nur um ihren Verstand, sondern auch um ihr Leben geht.

‚Willkommen in Deinem Alptraum
In unserem schlaflosen Traumraum
Zusammen sind wir allein
Wir gehen auf eine Reise
Auf unbewegliche Weise
Und kehren niemals mehr heim‘

Gesang der Nachtmahre“ (Umschlagtext)

Ich weiß doch, dass das nicht der neue Moers ist, der diese Woche in die Buchläden kam. Da ich Zamonien und Walter Moers als Autor (und Übersetzer aus dem Zamonischen) erst spät für mich entdeckt habe, schmöker ich immer noch etwas hinterher. Das ist aber gar nicht schlimm, weil ich so immer noch einige Bände vor mir auf dem Lesestapel weiß. Nicht wie all die Schlaumeier, die alles sofort lesen müssen, hah! 😉

„Prinzessin Dylia Insomnia ist mit einer unheilbaren Krankheit geschlagen, deren lästigstes Symptom eine monströse Schlaflosigkeit ist, welche Dylia mit ihrem außergewöhnlichen Einfallsreichtum bekämpft. Eines Abends, nach achtzehn Tagen ohne jeden Schlaf, bekommt sie Besuch von Havarius Opal, einem Nachtmahr mit alptraumfarbener Haut und kuriosen Manieren. Er kündigt an, die Prinzessin in den Wahnsinn zu treiben, bietet ihr aber auch großzügig an, vorher mit ihm noch eine letzte abenteuerliche Reise durch ihr Gehirn zu unternehmen.

Wolter Moers erzählt sein somnambules zamonisches Märchen mit Rasanz, Romantik, scharfsinnigem Humor und aberwitzigen Kreaturen: Zergesser und Thalamiten, Egozetten und Grillos, Ideenschmetterlinge und Irrschatten, die giftgrüne Spinne der Erinnerung und nicht zuletzt die mysteriösen Zwielichtzwerge. Überstehen Prinzessin Insomnia und Havarius Opal den Weg nach Amygdala und finden das dunkle Herz der Nacht?“ (Klappentext)

#leseherbst #roman #waltermoers #hildegunstvonmythenmetz #lydiarode #knaus #zamonien #abenteuer #märchen #fantasy #alptraum #lesen #leselust #leseratte #bücher #literatur

Samstag, 21. September 2024

Walter Moers: Das Labyrinth der Träumenden Bücher. Ein Roman aus Zamonien von Hildegunst von Mythenmetz


„Hier geht die Geschichte weiter.“ (Seite 9)

Ein mysteriöser Brief führt den zamonischen Großdichter Hildegunst von Mythenmetz nach Buchhaim – ja genau, die Geschichte scheint sich in dieser Fortsetzung des erfolgreichen Bandes „Die Stadt der Träumenden Bücher“ zu wiederholen. Einmal mehr lässt sich beim Lesen diese wunderbare, hier wiederaufgebaute Stadt mit all ihren Wundern, Merk- und Denkwürdigkeiten entdecken. Alte und neue Bekannte des zamonischen Erzählers geben sich ein Stelldichein. Und hui, schon ist die Debatte eröffnet, ob dieser zweite Teil zu dieser irre-fantastischen Stadt nun kongenialer Stoff oder eine stupide Wiederholung sei.

Mit Fortsetzungen ist es ja offenbar eh so ein Ding – gerade, wenn sie auf einen supererfolgreichen ersten Teil aufbauen. Alle, und ich nehme mich da ja gar nicht aus, wollen noch einmal dieses Prickeln des ersten Males fühlen. Allein die Erwartungshaltung vorm erneuten Eintauchen in eine so berauschend empfundene Welt kann natürlich nicht mehr die gleiche sein wie zuvor.

Solch eine Fortsetzung müsste also das Hochempfinden noch einmal steigern, noch fantastischer, noch spannender, witziger, gruseliger, ausgefallener … was auch immer. Kein Wunder also, dass zweite Teile – ob im Film, im Comic oder auch in der Literatur – so oft an genau diesen Erwartungen scheitern. Ob sie das wirklich müssen, sei mal dahingestellt.

Die Kritik am „Labyrinth der Träumenden Bücher“ konzentrierte sich auf den Punkt, dass die erste Reise des Hildegunst von Mythenmetz hier in weiten Teilen einfach noch einmal erzählt würde. Erst am Ende des Bandes beginnt die eigentlich neue Geschichte. Der letzte Satz des Buches lautet denn auch: „Auf der Einladung stand nur ein einziger Satz. Er lautete: Hier fängt die Geschichte an.“ (Seite 427)

Ein geniales Spiel mit den Erwartungen der Lesenden oder einfach nur doof? Ich ahne, dass ein Fan (Fanboy – ich hier, ja 😉) die Frage anders beantworten wird als jemand mit *hüstel* mehr emotionalem Abstand. Hier also mein Fazit:

Ich habe mich bald scheckiggelacht, weil ich die Idee so grandios fand, die Erwartung derart zu bedienen. Die enthusiasmierte Lesendenschar wollte zurück nach Buchhaim und, Achtung Taschenpsychologie, im Grunde den Kitzel und Reiz des ersten Bandes noch einmal erleben. Also bedient dieser Band genau das. Und die Geschichte wird mit allem Ernst und aller Moers´schen Rafinesse noch einmal erzählt, nicht weniger brillant und gekonnt und fesselnd als im ersten Band. Zugleich zügelt der Autor seine Fantasie kein Stück und lässt Buchhaim noch einmal – und eben erweitert – auferstehen. Für mich mit dem gleichen Sog und der gleichen Faszination.

Wäre der Text hier hingeschludert, würde ich der Kritik zustimmen. Allein ich kann hier kein Schludern entdecken. Und so ist dieser Roman für mich ein grandioses Spiel mit den Erwartungen, das mich am Ende nicht weniger neugierig darauf macht, wie es denn nun weitergehen mag.

Und falls sich jemand wundert, warum ich hier so gar nichts weiter über die Story selbst schreibe – ehrlich, Moers muss man selbst lesen. Dann funkt es … und ganz bestimmt nur in wenigen Fällen nicht. 😉

Kurz und gut: Wenn dereinst Literaturseminar zu zamonischer Literatur …  Ehrlich, einfach lesen! 😉

#lesesommer #roman #waltermoers #hildegunstvonmythenmetz #knaus #zamonien #abenteuer #fortsetzung #fantastik #bücherliebe #illustration #lesen #leselust #lesenswert #leseratte #bücher #literatur

Samstag, 8. April 2023

Walter Moers/ Florian Biege: Die Stadt der Träumenden Bücher. Teil 1: Buchhaim/ Teil 2: Die Katakomben


„In tiefe, kalten, hohlen Räumen
Wo Schatten sich mit Schatten paaren
Wo alte Bücher Träume träumen
Von Zeiten, als sie Bäume waren
Wo Kohle Diamant gebiert
Man weder Licht noch Gnade kennt
Dort ist´s, wo jener Geist regiert
Den man den Schattenkönig nennt“ (Seite 5, Band 1)

Es ist natürlich ein ausgesprochener Glücksfall, dass Walter Moers Zeichner, Erzähler und Autor in einem ist. Es war also irgendwie folgerichtig, dass irgendwann neben den Zamonien-Romanen auch noch ein Zamonien-Comic entstehen musste. Und die Stadt der Träumenden Bücher lieferte ganz sicher nicht die schlechteste Vorlage dafür. Voilà!

Dass ich das Moers´sche zamonische Universum erst spät für mich entdeckt habe, hatte ich ja verschiedentlich schon erwähnt. Meiner Begeisterung tat und tut das keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Genüsslich schmökere ich mich langsam durch die herrlich illustrierten Romane und zolle dem Hype um die Stadt der Träumenden Bücher meinen Tribut.

Auch mich hat die Geschichte des selbstverliebt-larmoyant-großherzigen Hildegunst von Mythenmetz verzaubert. Nur zu gern bin ich mit ihm von der Lindwurmfeste nach Buchhaim gewandert und habe kaum weniger gestaunt über diese ganz wunderbare Schöpfung, die es so natürlich nur in Zamonien geben kann.

Die abenteuerliche Reise durch die Katakomben unter der Bücherstadt, die ein Memorial für all die geschriebenen Texte, all die liebevoll oder profitorientiert gedruckten und gebundenen Bücher ohnegleichen bieten. Überhaupt ist doch schon diese Huldigung der Fähigkeit, sich Geschichten auszudenken, Gedanken auf Papier zu formen und greifbar werden zu lassen, die Huldigung dessen in Form einer so fantasievollen, abenteuerlichen Geschichte einfach nur großartig. Und wer sich nicht sofort beim ersten Treffen in die Buchlinge verliebt – der sollte nie nie wieder ein Buch in die Hand nehmen.

Die aus dem Roman bekannte Geschichte wurde von Moers und Biege natürlich nichts weniger als meisterlich für das Medium Comic adaptiert. Mir gefällt die Vorstellung, Hildegunst von Mythenmetz, Buchhaim, die Katakomben und die Buchlinge nun mit den Augen ihres Schöpfers selbst betrachten zu können. Was ich da erblicke, kann ich gar nicht anders als opulent bezeichnen. In Farbgebung, der Detailverliebtheit, in der Stimmigkeit der Stimmungen, der Zeichnung all der herrlichen Figuren und Kreaturen – ich kann da wirklich nichts finden, dass nicht genau so ist, wie es nur sein konnte.

Das Verrückte ist, dass ich einerseits so gern auch alle anderen Romane in dieser Form noch einmal lesen wollen würde. Andererseits wäre das womöglich genau das Ding zu viel. Da das aber zum Glück eben auch nicht von mir entschieden werden muss, freue ich mich derweil auf die für den Herbst angekündigten neuen Bände aus Moers´ Feder.

Kurz und gut: Diese traurige Euphorie, weil man liebt, was man schon gelesen hat, in Vorfreude auf die noch vor einem liegenden Bände, deren Stapel aber traurigerweise immer kleiner werden. Und nichts kann man noch mal zum ersten Mal entdecken. *seufz* Lesen, keine Widerworte!

„Getürmt aus Buch auf Buch
Verlassen und verflucht
Gesäumt von toten Fenstern
Bewohnt nur von Gespenstern
Befallen von Getier
Aus Leder und Papier
Ein Ort aus Wahn und Schall
Genannt Schloss Schattenhall“ (Seite 5, Band 2)

#lesefrühling #comic #waltermoers #florianbiege #knaus #zamonien #buchhaim #hildegunstvonmythenmetz #buchlinge #abenteuer #lesen #leselust #lesenswert #leseratte #bücher #literatur #graphicnovel #yesyoucomican

Sonntag, 5. Februar 2023

Walter Moers: Das Labyrinth der Träumenden Bücher. Ein Roman aus Zamonien von Hildegunst von Mythenmetz


„Nehmt euch in Acht:
Gefährlicher können Bücher nicht sein!

Hildegunst von Mythenmetz, der größte Schriftsteller Zamoniens, suhlt sich auf der Lindwurmfeste in seinem Erfolg. Da erreicht ihn ein mysteriöses Schreiben, das ihn verlockt, nach Buchhaim, der ‚Stadt der Träumenden Bücher‘, zurückzukehren. Dort trifft er auf eine neuerbaute Stadt, die vor Leben rund um das Buch nur so vibriert. Und er begegnet alten Bekannten, aber auch neuen Phänomenen und Wundern der Stadt: Librinauten und dem Biblionismus, Qualmoiren und dem Buchwein sowie vor allem den obskuren Puppettisten, dem faszinierenden Puppaecircus Maximus und dem geheimnisvollen Maestro Corodiak.“ (Umschlagtext)

Da muss ich lesen, dass im Herbst diesen Jahres ein neuer Band mit Geschichten aus Zamonien erscheinen soll – und ich bin gerade erst bei Band 6 angekommen mit Lesen. Ich hab also noch einige Ausflüge nach Zamonien vor mir. Los geht’s! 😊

(Übersetzung/ Illustration: Walter Moers)

„Über zweihundert Jahre ist es her, seit Buchhaim, die ‚Stadt der Träumenden Bücher‘, von einem verheerenden Feuersturm zerstört worden ist. Der Augenzeuge dieser Katastrophe, Hildegunst von Mythenmetz, ist inzwischen zum größten Schriftsteller Zamoniens avanciert und erholt sich auf der Lindwurmfeste von seinem monumentalen Erfolg. Er gefällt sich im täglichen Belobhudeltwerden, als ihn eine verstörende Botschaft erreicht, die seinem Dasein endlich wieder einen Sinn ergibt.

Verlockt durch diesen rätselhaften Brief kehrt Hildegunst von Mythenmetz nach Buchhaim zurück. Die prächtig wieder aufgebaute Stadt ist erneut zur pulsierenden Metropole der Literatur und zum Mekka des Buchhandels geworden und wird durchströmt von Buchverrückten aller Art. Dem Rätsel auf der Spur gerät Mythenmetz, kaum hat er die Stadt betreten, in ihren abenteuerlichen Sog. Er begegnet alten Bekannten wie dem Schriftstellerkollegen Ovidios, der das Orm erlangt hat, dem Eydeeten Hachmed Ben Kibitzer und der Schreckse Inazea Anazazi. Er trifft aber auch auf zahlreiche neue Bewohner, Phänomene und Wunder, wie mysteriöse Librinauten, obskure Puppettisten und vor allem auch auf die jüngste und gewaltigste Attraktion Buchhaims, den Puppaecircus Maximus mit dem ‚Unsichtbaren Theater‘, wo er mit seiner eigenen Geschichte konfrontiert wird.“ (Klappentext)

#lesewinter #roman #waltermoers #hildegunstvonmythenmetz #knaus #zamonien #fantasy #abenteuer #schwarzerschatten #bücherliebe #lesen #leseratte #leselust #bücher #literatur

Sonntag, 29. November 2020

John Burnside: Glister



(Übersetzung: Bernhard Robben) 

„Wo ich jetzt bin, kann ich noch die Möwen hören. Alles andere verklingt, wie ein Traum gerade dann verklingt, wenn man aufwacht und sich an ihn erinnern will, nur die Möwen sind noch da, wild und heiser krächzend wie immer.“ (Seite 7)

 

Ich will ja gar nicht mystifzieren, wie ich zu Büchern finde oder sie zu mir. Im Allgemeinen führen Bücher und Autor:innen schlicht zu noch mehr Büchern und Autor:innen. Ein bestehendes und über Jahre hinweg gepflegtes Netz wird dichter und dichter gewebt und Masche um Masche erweitert. Das entstehende Muster ist nicht zwingend vorhersehbar, gibt bei der Suche nach neuem Lesestoff aber einen gewissen Halt und bietet Orientierung.

 

John Burnsides „Glister“ konnte ich gar nicht anders finden als durch einen reinen Zufall. Das widerspricht dem eben Behaupteten überhaupt nicht. Die Möglichkeit des Zufalls, so selten er auch eintrifft, sorgt für das Glitzern im Gewebe. Das Buch also hat mich gewählt. So muss es gewesen sein. Denn ich schaue in der besten aller Buchhandlungen wirklich selten nach den antiquarischen Angeboten. Möglicherweise war es auch K, die beste aller Buchhändlerinnen, die mir das Buch in die Hand drückte. Ganz objektiv kann es aber nicht anders gewesen sein, als das dieses Buch mich wählte.

 

Der Ort der Story ist Trostlosigkeit pur. Ein kleines Städtchen an der Küste hatte eine Zeitlang Glück. Eine große Chemiefabrik wurde gebaut, Jobs und bescheidener Wohlstand hielten Einzug. Die Fabrik ist bereits schon wieder lange Geschichte. Zurück blieben rostige Ruinen, verseuchte Böden und Wälder, Geschichten von merkwürdig deformierten Tieren im Meer und an Land und eine katatonisch erstarrte Stadt. Die Bewohner:innen sind entweder krank von den Nachwirkungen der segensreichen Chemiefabrik oder krank von den Krankheiten der anderen. Niemand kann hier leben wollen. Wer hier lange genug lebt, hat jede Fantasie eingebüßt, die ein Leben woanders auch nur denkbar macht. Ist es da ein Wunder, dass Jungs im Teenageralter sich davonstehlen, auf Nimmerwiedersehen?

 

Mit dieser Begründung können sich die Bewohner:innen, die Eltern ganz wunderbar zufrieden geben. Beim ersten Jungen war es plausibel. Warum sollte es das bei den anderen, die ihm über die Jahre folgten nicht auch sein? Der Polizist des Städtchens hat schließlich ermittelt und genau das bestätigt. Dass er etwas anderes gesehen hat und an seinem Schweigen zu ersticken droht – nun, da waren alle schon wieder mit den eigenen Sorgen zu beschäftigt, um das zu bemerken.

 

Leonard ist der Lichtblick in der Geschichte und zugleich ihr Erzähler. Der Fünfzehnjährige ist dabei nicht mal außergewöhnlich. Abgesehen davon, dass er nicht hinnehmen kann und will, dass auch sein bester Freund einfach so auf eigene Faust verschwunden sein soll.

 

Er will eigentlich auch nur seine Ruhe, streift liebend gern über die zerfallende Industriebrache, schaut den Möwen dort zu. Fast zufällig kommt er zum Lesen, befeuert durch den richtigen Bibliothekar zur richtigen Zeit. Abgesehen davon macht er, was Teenager hier machen können, um sich doch ein wenig lebendig zu fühlen. Er atmet tief die verseuchte Freiheit, die Fabrikruine bietet und fickt seine Freundin. Romantischer wird das in der Story auch nicht.

 

Spätestens als er sich recht widerwillig einer jugendlichen Gang anschließt, die sich damit abreagiert, dass sie sich an allem austobt, was schwächer erscheint, ist er zu einer treibenden Kraft einer Entwicklung geworden, die mit den verschwundenen Jungen schon lange im Gange ist. Keine Sorge, bei dieser nebulösen Beschreibung belasse ich es auch. ;)

„Glister“ ist eines der Bücher, das mich von der ersten Seite an in seinen Bann schlug, ohne dass ich recht sagen könnte, was es ist. Irgendwo las ich die Empfehlung, man solle dieses Buch nur bei Tageslicht lesen. Und ja, es ist ein ganz fein gesponnener und gar nicht mal zurückhaltend formulierter Horror, der hier aus den Seiten strömt. Stephen King zum Beispiel konstruiert ja gern erst eine uns ganz wunderbar vertraute Realität, die er dann nach und nach kippen lässt. John Burnside wiederum wirft uns einfach direkt in den Wahnsinn.

 

Dass Burnside sich als Dichter bereits einen Namen gemacht hat, las ich erst im Nachhinein. Was seine wirklich grandiose Sprache in dem Roman angeht, war das fast erahnbar. Leonard als Ich-Erzähler spricht natürlich kein Stück wie ein Teenager. Und trotzdem klingt er so echt wie es nur geht, insbesondere wenn es um sein so gar nicht romantisches Verhältnis zu Mädchen geht oder auch als er, um einen Foltermord zu verhindern, selbst zum Mörder wird.

 

Kurz und gut: Alter, krasser und krass guter Stoff! Lest Burnside!

 

#leseherbst #roman #johnburnside #knaus #schottland #gesellschaft #geisterstadt #umwelt #totemenschen #glitzern #horror #lesen #leselust #lesenswert #bücher #literatur

Dienstag, 18. Februar 2020

Walter Moers/ Florian Biege: Die Stadt der Träumenden Bücher (Teil 1 und 2)



"Als der Pate des jungen Dichters Hildegunst von Mythenmetz stirbt, hinterlässt er ihm ein geheimnisvolles Manuskript. Dieses ist so makellos, dass Hildegunst nicht anders kann, als dem Geheimnis nachzugehen. Die Spur führt nach Buchhaim, der 'Stadt der Träumenden Bücher', wo Bücher nicht nur spannend oder komisch sind, sondern in den Wahnsinn treiben und sogar töten können." (Umschlagtext)

Walter Moers ist und bleibt ein Glücksfall, weil er nicht nur begnadet schreiben kann. Und wer wäre denn besser geeignet, seine fantastischen Geschichten als Comic noch einmal zu erzählen als er selbst?! 🤓🥰

#lesewinter #comic #waltermoers #florianbiege #knaus #zamonien #fantastik #hildegunstvonmythenmetz #graphicnovel #lesen #leselust #lesenswert #Bücher #literatur

Sonntag, 21. April 2019

Walter Moers: Die Zamonien-Romane (Bände 1 – 4)



„Ein Blaubär hat siebenundzwanzig Leben. Dreizehneinhalb davon werde ich in diesem Buch preisgeben, über die anderen werde ich schweigen. Ein Bär muß seine dunklen Seiten haben, das macht ihn attraktiv und mysteriös.“ (Die 13 ½ Leben des Käpt´n Blaubär, Seite 6)

Walter Moers als Teenie zu lesen geht voll klar, weil das keine Kinderbücher mehr sind und noch kein dröger Erwachsenenstoff die Seiten beschwert. In den Zwanzigern Moers zu lesen passt gut zur künstlich verlängerten Jugend und der Weigerung, endgültig erwachsen zu werden. In den Dreißigern ist es eine kurze Zeitlang grenzwertig. Moers in den Vierzigern zu entdecken verspricht den höchsten Genuss. Vertraut mir, ich weiß, wovon ich rede! 😉

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als bei vielen um mich herum in den ersten eigenen Wohnungen in den IKEA-Regalen Ausgaben der „13 ½ Leben des Käpt´n Blaubär“ auftauchten. „Doch, das musst du mal lesen. Das ist voll gut.“ Damals hab ich andere Bücher für mich entdeckt und war ziemlich genervt von dem quietschigen Hype von Leuten, die nur keine richtigen Bücher lesen wollten. Dachte ich mir damals jedenfalls. Und dieses damals ist jetzt auch schon wieder fast zwanzig Jahre her. ^^

Lange hab ich also nur aus den Augenwinkeln wahrgenommen, dass da immer mal wieder neue Moers-Romane aufgetaucht sind. Ob der Hype immer noch so groß ist, weiß ich gar nicht zu sagen. Jedenfalls haben die Leute von damals ohnehin schon ihre zweite oder eher dritte Wohnung, wenn nicht ein Eigenheim und anständige Jobs, wohlerzogene Kinder und die meisten vermutlich eher nicht mehr so viele Bücher im Regal. Es könnte aber auch sein, dass ich gerade abschweife. Egal, es ist ja mein Text. ;p

Im letzten Jahr jedenfalls bekam ich ein hinterhältiges Geschenk zum Geburtstag. Der erste von zwei Bänden der Comicadaption der „Stadt der träumenden Bücher“ war bereits erschienen. Ich hatte ihn schon in der Hand gehabt, fand aber immer wieder etwas, was mir interessanter erschien. Zum Geburtstag schließlich kam ein Päckchen mit eben genau diesem ersten Band. Und es ist nun wirklich hinterhältig, einem Leser mit Hang zum Sammeln und Horten von irgendetwas den ersten Band zu schenken. Noch dazu, wenn dicht unter der Haut Zwangsneurosen hausen wie die, gar nichts gegen Adaptionen zu haben, aber dann wenigstens das Original zuerst lesen wollen zu müssen. Das letzte Mal zuvor erhielt ich so ein wirklich schlimmes Geschenk anlässlich der Comicversion von Stephen Kings „Dunklem Turm“. Und ja, die acht Bände des Romanzyklus stehen durchgesuchtet im Regal. Ich hatte ja bereits darauf hingewiesen, dass dies hier mein Text ist. Ich darf also abschweifen, wie und so oft ich will! ^^

Wenn das Original dann aber nicht einmal der erste sondern der vierte Roman einer mehrbändigen Reihe ist und diese neben den nett gemachten, günstigen Taschenbuchausgaben auch noch als liebevoll hergestellte und lustvoll illustrierte Hardcoverausgaben zu haben ist – dann offenbart sich die ganze Hinterhältigkeit eines solchen vergifteten Geschenks. Buhuuu …

Die Neurose säuselte mir also ins Ohr: Das ist sie, die bisher ausgebliebene Gelegenheit. Nun hol sie dir schon, diese wunderschönen Bücher. Am besten alle auf einmal. Sonst gibt es sie womöglich nicht wieder. Und schau, „Die 13 ½ Leben des Käpt´n Blaubär“, die ursprünglich nur mit schwarz-weißen Illustrationen erschienen waren, die gibt es nun sogar in einer aufwendig kolorierten Ausgabe. Der Kolorist ist zugleich auch noch der junge Zeichner, mit dem der Moers zusammen die Comicadaption schuf. Wie könntest du also nicht zugreifen?

Alter, du nervst!

Ich habe die Zwangsneurose ausgetrickst. Von wegen alles auf einmal kaufen. Ich habe mich auf die ersten drei Bände beschränkt. Band 4 war dran, als ich Band 3 zu lesen anfing. Band 5 – das ergibt sich ja schon von selbst. Nur damit die Neurose nicht so scheußlich selbstzufrieden grinsen kann, habe ich die Bände 6 und 7 gleich zusammen gekauft. Den Weihnachtsband bekam ich zu Weihnachten geschenkt. Aber Band 8 – den hebe ich mir jetzt einfach noch auf. Nimm das, du doofe Neurose, und troll dich!

Da ich ja ohnehin vermutlich der Letzte bin, der die Route nach Zamonien entdeckt hat, brauch ich euch auch nicht mit detaillierten Inhaltsangaben zu langweilen. Viel mehr beschäftigt mich auch eigentlich die Frage, was es ist, das diese Romane so fürchterlich gut verschlingbar macht. Mit welchen teuflischen Tricks schreibt dieser Moers? Welches so unglaublich süchtig machende Pulver streut er unter die Worte und zwischen seine Sätze? Gibt es eine anerkannte Therapieform, und warum sollte sich irgendjemand überhaupt aus Zamonien wieder heraustherapieren wollen?

Meine erste und grundlegende Erkenntnis ist: Diese Bücher sind ernst gemeint und darum sind sie echt. Jedes Wort ist wahr!

Das unterscheidet Moers’ Werk von unzähligen anderen Fantasywerken mit und ohne pädagogischen Anspruch. Diese Romane wollen nicht belehren. Es geht nicht um „Wir sprechen hier von Wolpertingern, meinen aber natürlich Menschen. Und du, lesendes Menschlein, lerne nun daraus!“. Damit war der Weg zu einem x-beliebigen Kinder- und Jugendbuchverlag schon grundlegend verbaut. Puh, ein Glück aber auch. ^^

Wer bisher glaubte, Walter Moers würde sich als Autor nur hinter den Erzählstimmen von Käpt´n Blaubär oder von Hildegunst von Mythenmetz verstecken, dem sei versichert: Wenn eine Welt wie Zamonien so echt ist, dann braucht sie keine Versteckspiele oder literarischen Rochaden, sondern nur ein Medium mit der Fähigkeit, bisher Unsichtbares sichtbar zu machen, in Worte zu fassen. Wir sollten Walter Moers dafür danken, dass er sich dafür hergegeben hat und hoffentlich weiter hergibt. Schließlich kann sich all diese Gestalten und Kreaturen und deren Abenteuer ja kein Mensch einfach so ausdenken, oder?!

Ich hab es schon bei den ersten Zeilen des ersten Romans gespürt. Es kribbelte in der Nase, vibrierte tief in mir drin, so in der Gegend um das Zwerchfell herum. Wie auf einem silbernen Faden aufgefädelt und durch einen sanften Wind angepustet tanzte Seite um Seite vor meinen Augen, wirbelten Volten, Wendungen, schöne Sätze und die Ahnung von monströsem Monstergeschrei vorbei.

Für die Superskeptischen unter der Leserschaft sorgte Moers mit den Querverweisen auf das lexikalische Werk von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller vorsorglich für eine hinreichende und nachweisliche Faktenlage. Wie ich schon erwähnte: Jedes Wort ist wahr!

Meine zweite Erkenntnis erschüttert jedes postmodern-ironische Gefüge: Es gibt es noch, das Gute in der Verlagswelt.

Großformatig hergestellte, liebevoll und aufwendig illustrierte, mit angemessen viel Raum für den Satz versehene, auf elegantem Papier gedruckte Bücher gibt es nur, wo auch das Gute noch ein Zuhause hat.

Nach Zamonien als Teenager zu reisen macht das Herz weit und weitet den Blick auf das, was da vor einem liegt und entdeckt werden will. In den Zwanzigern sorgt eine solche Reise dafür, dass die magischen Kräfte aus Kindheit und Jugend nicht einfach so verschwinden. In den Dreißigern ist es eine kurze Zeitlang grenzwertig. Aber Zamonien in den Vierzigern zu entdecken, bedeutet zu verstehen, dass es nie zu spät ist.

Kurz und gut: Leider hatten alle recht. Würde Walter Moers nicht von Zamonien berichten, müsste sich dringend jemand finden, der oder die das nachholt. Lesen! 😉

#lesefrühling #roman #waltermoers #knaus #zamonien #hildegunstvonmythenmetz #abenteuer #fantasy #monster #märchen #wolpertinger #lesen #bücher #leselust #lesenswert #literatur

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Walter Moers: Die Stadt der Träumenden Bücher



"Ja, ich rede von einem Ort, wo einen das Lesen in den Wahnsinn treiben kann. Wo Bücher verletzen, vergiften, ja, sogar töten können. Nur wer wirklich bereit ist, für die Lektüre dieses Buches derartige Risiken in Kauf zu nehmen, wer sein Leben auf's Spiel setzen will, um an meiner Geschichte teilzuhaben, der sollte mir folgen. Allen anderen gratuliere ich zu ihrer feigen, aber gesunden Entscheidung, zurückzubleiben. Macht's gut, ihr Memmen! Ich wünsche euch ein langes und sterbenslangweiliges Dasein und winke euch in diesem Satz Adieu!" (Umschlagtext)

Und weiter geht's mit Geschichten aus Zamonien. Band vier kommt mir gerade recht für die Herbstferien. ;)

Katzen würden Moers lesen!

#leseherbst #roman #waltermoers #knaus #zamonien #hildegunstvonmythenmetz #fantasy #bücher #lesen '#leselust #literatur

Donnerstag, 20. September 2018

Walter Moers: Rumo & Die Wunder im Dunkeln



"Rumo, der kleine Wolpertinger, der einmal der größte Held von Zamonien werden will, schlägt sich mit seinem sprechenden Schwert Löwenzahn durch Obenwelt und Untenwelt, zwei höchst unterschiedliche zamonische Welten voller Abenteuer, Gefahren und unvergeßlicher Charaktere: Rala, die schöne Wolpertingerin, die ein riskantes Verhältnis mit dem Tod pflegt; General Ticktack, der bösartige Anführer der Kupfernen Kerle; Urs vom Schnee, der mehr vom Kochen als vom Kämpfen hält [...]" (Klappentext)

Moers lesen ist irgendwie wie ein heftiger Anfall von Fantasie- und Erzählsucht. Und es komme mir jetzt niemand mit Eskapismus. 🤣😉

#lesesommer #roman #waltermoers #knaus #zamonien #rumo #wolpertinger #fantasie #lesen #leselust #literatur

Dienstag, 7. August 2018

Walter Moers: Ensel und Krete. Ein Märchen aus Zamonien



"Der Große Wald. Buntbären. Fhernhachenzwerge. Ein gemeingefährlicher Laubwolf. Unsterbliche Sternenstauner. Ehrgeizige Erdgnömchen. Ein unberechenbarer Stollentroll. Die Mythenmetzsche Abschweifung. Kokette Elfenwespen. Geheimbären. Eine Waldspinnenhexe. Blutsaugende Fledertratten. Weinende Bäume. Sprechende Pflanzen. Tanzende Pilze. Leuchtende Ameisen. Doppelköpfige Wollhühnchen. Dreiäugige Schuhus. Ein sehr alter Meteor. Schreckliche Spannung. Grausamste Bosheit. Goldener Humor. Feinste zamonische Hochliteratur. Um nur das Gröbste zu sagen." (Umschlagtext)

Bestes Reiseziel 2018: Zamonien! 🤩😍

#lesesommer #roman #waltermoers #hildegunstvonmythenmetz #knaus #zamonien #enselundkrete #märchen #fantasie #lesen #leselust #literatur

Mittwoch, 1. August 2018

Walter Moers: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär



"Gefragt, was für ihn gute Literatur sei, antwortete der Blaubär einmal: "Es gibt für mich nur zwei Arten von guten Büchern: solche, die man bisher noch nicht gelesen hat. Und solche, die man immer wieder neu lesen möchte. Meine Lebensgeschichte gehört in beide Kategorien." (Klappentext)

Es ist also passiert. Nachdem ich mich jahrelang auch um diesen Bestseller gedrückt habe, sorgte ein sicher nicht unbedachtes Geburtstagsgeschenk dafür, dass ich die Zamonien Romane nun endlich nachhole. 😅

Allein Aufmachung und Gestaltung treiben mir ja schon Freudentränen in die Augen. 🤩😍

#lesesommer #roman #waltermoers #knaus #zamonien #käptnblaubär #seemannsgarn #fantastik #illustration #lesen #leselust #literatur

Montag, 8. Mai 2017

John Burnside: Glister



Nach und nach verschwinden Kinder in einer Stadt, und niemanden scheint es zu kümmern. Aber ein Junge will nicht glauben, dass sie alle abgehauen seien, um eine bessere Zukunft zu finden.

"... ein verstörend ehrliches Buch über Einsamkeit und moralische Verwahrlosung." (Umschlagtext)

Ich begrüße einen Schotten in der Sammlung. ^^

#lesefrühling #roman #johnburnside #knaus #schottland #teen #gesellschaft #lesen #leselust #literatur