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Mittwoch, 10. September 2025

Robert Seethaler: Das Feld

„Wenn die Toten auf ihr Leben zurückblicken könnten, wovon würden sie erzählen? Wäre es eine Geschichte oder die Erinnerung an einen Moment, an ein bestimmtes Gefühl, eine Regung?

Das Feld handelt von den letzten Dingen. Es ist ein Buch der Menschenleben, jedes ganz anders, jedes mit anderen verbunden. Sie fügen sich zum Roman einer kleinen Stadt und zu einem großen Bild menschlicher Koexistenz.“ (Umschlagtext)

Hach, der Seethaler! Mit dem Trafikanten hat er sich mir ja ins Herz geschlichen und seither nicht enttäuscht. Einfach gute Geschichten, ganz unprätentiös erzählt und selbst Kitschiges ist plötzlich plausibel und ok.

So jemanden trifft man gern in unregelmäßigen Abständen immer wieder, setzt sich zusammen, lauscht einer Geschichte, lässt sich mitreißen – bis zum nächsten Mal.

„Was bleibt von einem Leben?

Einer wurde geboren, verfiel dem Glücksspiel und starb. Ein anderer hat nun endlich verstanden, in welchem Moment sich sein Leben entschied. Eine erinnert sich daran, dass ihr Mann ein Leben lang ihre Hand in seiner gehalten hat. Eine andere hatte siebenundsechzig Männer, doch nur einen von ihnen hat sie geliebt. Einer war vernünftig genug, sich seine Träume nicht zu erfüllen. Und einer dachte: Man müsste mal raus hier. Doch dann blieb er.
In Robert Seethalers neuem Roman geht es um die letzten Dinge: um das, was sich nicht fassen lässt. Es ist ein Buch der Menschenleben, jedes ganz anders, jedes mit anderen verbunden. Sie fügen sich zum Roman einer kleinen Stadt und zu einem großen Bild menschlicher Koexistenz.“ (Klappentext)

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Sonntag, 21. August 2022

Hernan Diaz: Treue


„Treue führt uns nach Manhattan, mitten in die rasenden 1920er Jahre. In den obersten Stockwerken der Wolkenkratzer jedoch ist es still. Hier bestimmt das leise Surren des Börsentickers das Schicksal des Landes. Es ist das Reich Andrew Bevels, dessen unaufhaltsam wachsendes Finanzimperium ebenso viel Anlass zur Spekulation gibt wie seine rätselhafte Gattin Helen. Doch wessen Geschichte wird hier eigentlich erzählt? Und wer bestimmt, welche Geschichte überdauern wird?

Ein Roman der das feste Gefüge von Geld, Macht und Deutungshoheit sprengt.“ (Umschlagtext)

Ui, da ist doch mal wieder was ganz Aktuelles auf den Lesestapel gekrabbelt. Neben dem Stöbern im unabhängigen Buchladen meines Vertrauens und auf Büchertischen bei Messen sind es eben manchmal auch Rezensionen, die mich neugierig machen. Das hat hier bestens funktioniert. 😉

„Am Anfang steht das Geld. Und ein Mann, der es zu vermehren versteht wie kein Zweiter. In der schillernden New Yorker Finanzwelt der 1920er Jahre wächst Benjamin Rasks Vermögen ins Unermessliche. Aber erst seine Ehe mit der geheimnisvollen Helen gibt seinem Leben Sinn. Bald vibriert die ganze Stadt vor Gerüchten um das enigmatische Paar, und mit der Zeit beginnen die vielen Erzählungen die Wahrheit über die Eheleute zu verschleiern. Bis sich eine unerwartete Stimme in dem Gewirr Gehör verschafft.

Treue ist ein fulminantes Spiel mit dem Leser, eine vierteilige Matroschka, deren Kern den großen amerikanischen Mythos des Kapitals für immer verändert. Was als klassischer Roman über Macht und Männer beginnt, gipfelt in einer provokanten Geschichte der Emanzipation.“ (Klappentext)

(Übersetzung: Hannes Meyer)

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Sonntag, 10. Oktober 2021

Jonas Eika: Nach der Sonne


(Übersetzung: Ursel Allenstein)

„Ich erreichte Kopenhagen verschwitzt und halbwegs neben mir stehend nach einem äußerst fiktiven Flug.“ (Seite 7)

Bände mit Erzählungen gelten hierzulande ja gemeinhin als schwieriger zu verkaufen als Romane, die in epischer Breite erzählen. Ob es daran liegt, dass Käufer:innen das Gefühl haben, weniger Inhalt für ihr Buch zu bekommen, darüber habe ich noch nichts gelesen oder gehört. Allerdings stelle ich verschnupft fest, dass mein Buchkaufundleseverhalten in dieser Hinsicht wohl dem Mainstream entspricht.

Schon während ich diese fünf Erzählungen von Jonas Eika las, fragte ich mich, woran das wohl bei mir selbst liegen mag. Zunächst einmal liebe ich diese temporären Freund- oder Feindschaften zu handelnden Personen in den Büchern, die ich so lese. Zumeist haben sie ja auf Grund der Länge der Texte etwas Zeit zu wachsen, sich zu entwickeln, zu festigen oder erschüttert zu werden. Dass ich froh über das Ende der gemeinsamen Zeit bin, passiert mir in etwa so häufig wie ich es bedauere und hoffte, sie möge noch hundert Seiten länger andauern.

Mitunter ähnelt das Lesen von Romanen auch einer langen Zugfahrt, bei der man nicht einschlafen kann, immer wieder abschweift, gedanklich oder mit den Blicken aus dem Fenster, aber dennoch sitzt man ja im Abteil und nimmt auf, was um einen herum geschieht.

Auch wenn die berühmte erste Seite schon mitentscheidet, auf welchen Roman ich als nächste Lektüre Lust habe, führte sie noch nie dazu, dass ich das Buch zuklappte und gänzlich zur Seite legte. Zu groß ist dann doch jedes Mal die Neugierde auf die Welt, die sich noch in den nächsten Seiten verbirgt und auf die Menschen, denen ich da begegne. Ich kann gut damit leben, wenn eine Story etwas braucht, um sich zu entwickeln.

Handlung ist das, was mich meist bei einem Roman bei Laune und an der Stange hält. Vor Längen ist mir nicht unbedingt bange, vor allem, wenn die Vielzahl an Details dann doch eine Atmosphäre entwickelt, die mich erreicht und anspricht. Gleichzeitig gibt es „die ollen Großmeister“ wie Philip Roth, um einen willkürlich herauszugreifen, die auf einer Seite so komprimiert und komplex erzählen können, ohne auch nur ein Stück an Verständlichkeit einzubüßen. Das bewundere ich sehr.

Es ist also so, dass es eher verwunderlich ist, dass ich zu dem schmalen Erzählband von Jonas Eika gegriffen habe. Und nein, da gibt es nichts zu bereuen.

Ich verzichte mal auf Schilderungen und Zusammenfassungen des Inhaltes der fünf Erzählungen und beschränke mich auf Folgendes: Ich musste so unglaublich kichern, als der Erzähler der ersten Geschichte in Kopenhagen die Bank, für die er arbeitet, in einem Krater versunken wiederfindet. Und während er durch die Trümmer und zusammengesackten Stockwerke kraxelt, musste ich unentwegt an die Zusammenbrüche von Finanzinstituten denken, von denen viel zu viele dann doch einfach weiterarbeiten wie ehedem. Hier ein Banker hinter einem zusammengebrochenen Schreibtisch, dort eine Schreibkraft in einer Trümmernische …

Eikas Buch ist eine der kleinen Hoffnungen für mich, dass es mit mir und den Erzählungen ja vielleicht doch ab und an gutgehen kann. Und damit ich noch ein wenig darüber zur Kenntnis bringe, was in dem Band so zu erwarten ist, zitiere ich gern noch ein wenig Verlagstext, dem ich ausnahmsweise mal nichts hinzuzufügen das Gefühl habe:

„[…] Fünf sinnliche, geheimnisvolle Erzählungen über dunkles Begehren und kapitalistische Ausbeutung, über Liebe, Hoffnung und Solidarität in einer unsicheren, technologisch flirrenden Welt, in der Körper, Himmel und Licht die einzigen Konstanten sind.“ (Klappentext)

Kurz und gut: Wer das nicht liest, ist doof! So, lesen! 😉

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Montag, 30. November 2020

Jonas Eika: Nach der Sonne


 "Ein IT-Berater stellt fest, dass die Bank, für die er arbeitet, mitten in Kopenhagen in einem Krater versunken ist. Ein Ehepaar lässt sich in der Wüste Nevadas nieder, wo die Menschen auf das Erscheinen von Außerirdischen warten. Eine Obdachlose findet in den grauen Trümmern Londons ein Zuhause und verliert es wieder. Und unter dem knallblauen Himmel Cancuns tragen scheinbar gefügige Beach Boys den reichen Urlaubern die Sonnenschirme hinterher. Fünf sinnliche, geheimnisvolle Erzählungen über dunkles Begehren und kapitalistische Ausbeutung, über Liebe, Hoffnung und Solidarität in einer unsicheren, technologisch flirrenden Welt, in der Körper, Himmel und Licht die einzigen Konstanten sind." (Klappentext)

Ok ok, ich war bei dem dunklen Begehren schon interessiert. 🤷‍♂️🤓

(Übersetzung: Ursel Allenstein)

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Montag, 14. Mai 2018

Garth Greenwell: Was zu dir gehört



"Ein Amerikaner in Sofia trifft auf einen jungen Mann, der Charisma ausstrahlt und Gefahr. Er bezahlt ihn für Sex, er trifft ihn immer wieder und kann dabei weder seinem Verlangen entkommen noch den Graben überwinden, der sie voneinander trennt. 'Was zu dir gehört' ist eine Ballade der sexuellen Abhängigkeit, ein Roman über die Macht von Scham und Sehnsucht. Und über eine Liebe entgegen jeder Wahrscheinlichkeit." (Umschlagtext)

Ok, da brauchte ich nicht lange überlegen, ob mich das anspricht. Jetzt muss es nur noch gut geschrieben sein. ;)

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