(Übersetzung: Ursel
Allenstein)
„Ich erreichte
Kopenhagen verschwitzt und halbwegs neben mir stehend nach einem äußerst
fiktiven Flug.“ (Seite 7)
Bände mit Erzählungen
gelten hierzulande ja gemeinhin als schwieriger zu verkaufen als Romane, die in
epischer Breite erzählen. Ob es daran liegt, dass Käufer:innen das Gefühl
haben, weniger Inhalt für ihr Buch zu bekommen, darüber habe ich noch nichts
gelesen oder gehört. Allerdings stelle ich verschnupft fest, dass mein Buchkaufundleseverhalten
in dieser Hinsicht wohl dem Mainstream entspricht.
Schon während ich diese
fünf Erzählungen von Jonas Eika las, fragte ich mich, woran das wohl bei mir
selbst liegen mag. Zunächst einmal liebe ich diese temporären Freund- oder Feindschaften
zu handelnden Personen in den Büchern, die ich so lese. Zumeist haben sie ja
auf Grund der Länge der Texte etwas Zeit zu wachsen, sich zu entwickeln, zu
festigen oder erschüttert zu werden. Dass ich froh über das Ende der
gemeinsamen Zeit bin, passiert mir in etwa so häufig wie ich es bedauere und
hoffte, sie möge noch hundert Seiten länger andauern.
Mitunter ähnelt das
Lesen von Romanen auch einer langen Zugfahrt, bei der man nicht einschlafen
kann, immer wieder abschweift, gedanklich oder mit den Blicken aus dem Fenster,
aber dennoch sitzt man ja im Abteil und nimmt auf, was um einen herum
geschieht.
Auch wenn die berühmte
erste Seite schon mitentscheidet, auf welchen Roman ich als nächste Lektüre Lust
habe, führte sie noch nie dazu, dass ich das Buch zuklappte und gänzlich zur
Seite legte. Zu groß ist dann doch jedes Mal die Neugierde auf die Welt, die sich
noch in den nächsten Seiten verbirgt und auf die Menschen, denen ich da begegne.
Ich kann gut damit leben, wenn eine Story etwas braucht, um sich zu entwickeln.
Handlung ist das, was
mich meist bei einem Roman bei Laune und an der Stange hält. Vor Längen ist mir
nicht unbedingt bange, vor allem, wenn die Vielzahl an Details dann doch eine
Atmosphäre entwickelt, die mich erreicht und anspricht. Gleichzeitig gibt es „die
ollen Großmeister“ wie Philip Roth, um einen willkürlich herauszugreifen, die
auf einer Seite so komprimiert und komplex erzählen können, ohne auch nur ein
Stück an Verständlichkeit einzubüßen. Das bewundere ich sehr.
Es ist also so, dass es
eher verwunderlich ist, dass ich zu dem schmalen Erzählband von Jonas Eika gegriffen
habe. Und nein, da gibt es nichts zu bereuen.
Ich verzichte mal auf
Schilderungen und Zusammenfassungen des Inhaltes der fünf Erzählungen und
beschränke mich auf Folgendes: Ich musste so unglaublich kichern, als der
Erzähler der ersten Geschichte in Kopenhagen die Bank, für die er arbeitet, in
einem Krater versunken wiederfindet. Und während er durch die Trümmer und
zusammengesackten Stockwerke kraxelt, musste ich unentwegt an die Zusammenbrüche
von Finanzinstituten denken, von denen viel zu viele dann doch einfach
weiterarbeiten wie ehedem. Hier ein Banker hinter einem zusammengebrochenen
Schreibtisch, dort eine Schreibkraft in einer Trümmernische …
Eikas Buch ist eine der
kleinen Hoffnungen für mich, dass es mit mir und den Erzählungen ja vielleicht
doch ab und an gutgehen kann. Und damit ich noch ein wenig darüber zur Kenntnis
bringe, was in dem Band so zu erwarten ist, zitiere ich gern noch ein wenig
Verlagstext, dem ich ausnahmsweise mal nichts hinzuzufügen das Gefühl habe:
„[…] Fünf sinnliche,
geheimnisvolle Erzählungen über dunkles Begehren und kapitalistische
Ausbeutung, über Liebe, Hoffnung und Solidarität in einer unsicheren,
technologisch flirrenden Welt, in der Körper, Himmel und Licht die einzigen
Konstanten sind.“ (Klappentext)
Kurz und gut: Wer das
nicht liest, ist doof! So, lesen! 😉
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