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Samstag, 7. März 2026

Ocatvia E. Butler: Verbunden


„Dies ist die Geschichte von Dana, einer jungen Schwarzen Schriftstellerin, die eines Tages auf unerklärliche Weise in die Vergangenheit versetzt wird: auf eine Sklavenplantage im US-Bundesstaat Maryland des Jahres 1815. Jetzt liest sie nicht nur über die Schrecken der Sklaverei – sie erlebt sie am eigenen Leib. Aber Dana findet sich nicht mit ihrem Schicksal ab.

Eine Reise in die Vergangenheit wird zur Auseinandersetzung mit der Gegenwart – mit diesem Roman hat Octavia E. Butler der modernen Schwarzen Literatur den Weg bereitet. Bis heute hat das Buch nichts von seiner eindringlichen Kraft verloren.“ (Umschlagtext)

Einen Tag vorm Internationalen Frauentag finde ich diesen Roman von genau dieser Autorin einen wirklich guten Post. Vor allem, weil Science Fiction/ Fantastisches immer noch eher als Männerdomäne wahrgenommen wird, freue ich mich, dass ich die Romane von Butler für mich entdecken konnte.

Die Verbindung von Frau und Schwarz, Feminismus mit Widerstand gegen Rassismus unterstreicht ganz praktisch die Relevanz von Intersektionalität, wenn wir über eine bessere Welt nachdenken und daran bauen wollen. Doch doch, Lesen bildet halt! 😊

„‘Der Ärger begann schon lange vor dem 9. Juni 1976, als er mir bewusst wurde, aber der 9 Juni ist der Tag, den ich mir eingeprägt habe. Es war auch der Tag, an dem ich Rufus kennenlernte – der Tag, an dem er mich zum ersten Mal zu sich rief …‘

Im Sommer 1976 wird das Leben von Dana, einer jungen Schwarzen Schriftstellerin, völlig auf den Kopf gestellt. Sie wacht plötzlich in einer ihr fremden Umgebung auf, rettet einen kleinen Jungen vor dem Ertrinken und bringt ihn zu seinen Eltern, die auf einer Plantage leben. Dort erfährt sie, dass sie sich im Jahre 1815 befindet – in einer Zeit, in der Schwarze Menschen afrikanischer Herkunft von Weißen versklavt wurden. Dana kann wieder in die Gegenwart zurückkehren, aber sie erlebt weitere Sprünge in die Vergangenheit. Und mit jeder dieser Reisen wird es für sie gefährlicher. Sie erfährt den Horror der Sklaverei, der das Leben von Millionen von Menschen geprägt hat. Und sie begreift, dass sie mit der Skavenplantage und ihren Bewohnern auf verhängnisvolle Weise verbunden ist. Sie muss sich entscheiden: sich unterwerfen, um zu überleben, oder Widerstand leisten und alles riskieren.

Mit Verbunden, erstmals 1970 veröffentlicht, hat Octavia E. Butler die amerikanische Literatur neu definiert. Ein so eindringlicher wie mitreißender Roman über das rassistische System der Sklaverei, familiäre Verstrickungen und gesellschaftliche Verantwortung – vom Magazin Atlantic als einer der ‚bedeutendsten Romane der letzten 100 Jahre‘ ausgewählt.“ (Klappentext)

(Übersetzung: Mirjam Nuenning)

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Donnerstag, 20. März 2025

Octavia E. Butler: Wilde Saat


„Doro ist ein Unsterblicher. Er tötet ohne Reue, wenn er von Körper zu Körper springt, um sich selbst am Leben zu erhalten. Er hat vor nichts und niemandem Angst – bis er der Gestaltwandlerin Anyanwu begegnet, die ihre Heilkräfte nutzt, um den Alterungsprozess aufzuhalten. Vom ersten Moment an begehrt Doro Anyanwu, so sehr er sie auch fürchtet, und sein dreihundert Jahre währendes Werben um sie wird das Schicksal der Menschheit für immer verändern.“ (Umschlagtext)

Nach „Xenogenesis“ brauche ich auf jedem Fall mehr Stoff von Octavia E. Butler. Gesagt, getan. 😉

Sci-Fi bietet ja immer die Möglichkeit, nicht einfach nur eskapistisch zur Unterhaltung einzuladen, sondern eben auch zum Nachdenken über gesellschaftliche Grundfragen anzuregen. Und ich bin sehr gespannt auf die Anregungen, die hoffentlich in diesem Roman stecken.

Ganz abgesehen davon, dass das Cover dieser Ausgabe einfach mal heftig gut geworden ist. 😊

„Doro ist ein Unsterblicher, der die Fähigkeit, menschliche Körper zu übernehmen, meisterhaft beherrscht. Seit tausend Jahren greift er immer wieder in die Geschicke eines kleinen afrikanischen Dorfes ein, um einen perfekten Menschen zu züchten. Doch eines Tages verwüsten Sklavenhändler sein Dorf und nehmen Doros ‚Kinder‘ mit in die neue Welt. Als der Unsterbliche ihnen hinterherreist, macht er eine unglaubliche Entdeckung: Es gibt noch eine zweite Unsterbliche! Anyanwu ist eine Gestaltwandlerin und Heilerin, und sie könnte der Schlüssel zu Doros Zuchtvorhaben sein. Doch die kluge Anyanwu hat ihre eigenen Pläne, und so beginnt ein Jahrhunderte währender Kampf zwischen zwei Halbgöttern, der die Zukunft der gesamten Menschheit für immer verändern wird.“ (Verlagstext)

(Übersetzung: Will Platten)

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Donnerstag, 13. Februar 2025

Octavia E. Butler: Xenogenesis. Dämmerung – Rituale – Imago


„Am Leben!
Noch immer am Leben.
Wieder am Leben.“ (Seite 7)

Man könnte ja meinen, wenn man ein paar Jahrzehnte viel und regelmäßig liest, hätte man irgendwann alles gesehen. Liebe, Tod, Unsterblichkeit und was auch immer – alles schon mal erzählt, alles schon mal gelesen. Allenfalls tauche mal eine neue Stimme auf, die die gleichen Themen aktueller in modernerem Ton erzählt. Tja.

Das fantastische an Literatur ist aber, dass immer mal wieder eine Stimme im Lesestapel auftaucht, die erst mit Jahren Verzögerung zu einem spricht. Verrückt und fantastisch. Dafür liebe ich Literatur.

Octavia E. Butler ist – wenigstens für mich – genau so eine Stimme. Und ja, Heyne hat mit diesem Band viel richtig gemacht. Zumindest hat es bei mir funktioniert. Das Cover als Eyecatcher, ich greife zu, Klappen- und Verlagstext, bumm gekauft.

Während viele Titel ja eher langsamer auf dem Lesestapel nach oben wandern, war hier der richtige Moment zum Lesen schon recht schnell gekommen. Und es war ein Fest. Sehr schnell mischte sich in meine Begeisterung diese beklemmende Erkenntnis, dass ich dieses Epos leider würde nicht noch einmal zum ersten Mal lesen können. Ok, aber die Begeisterung überwog dann doch – bei weitem!

Jetzt aber mal etwas Butter bei die Fische! 😉

Lilith Iyapo wacht auf. Nicht zum ersten Mal, aber die Erinnerung an vorherige Male ist verschwommen. Der tür- und fensterlose Raum, in dem sie sich befindet, ist aus einem Material, das an nichts erinnert, was sie kennt. Eine Stimme, die sie interviewt oder besser ausfragt, macht deutlich, dass sie auf einem Raumschiff sei. Bei einer fremden Spezies. Dass ihre Welt, die sie kannte, untergegangen ist in einem atomaren Weltkrieg. Das sei 200 Jahre her. Sie sei eine der geretteten Überlebenden.

Im Gegensatz zu anderen Science-Fiction-Stoffen bleiben diese Außerirdischen keine Stimme, kein bildloses Phantom des Grauens. Sie sind echt. Und Lilith wird unter ihnen und mit ihnen zu leben lernen.

Die Oankali, auf deren Schiff sie aufwacht, sind eine Händlerspezies. Sie ziehen durch Weltall und tauschen Gene. Stete genetische Veränderung, Erweiterung, Verbesserung ist ihr Antrieb, ihr Lebenszweck. Und sie sind gut darin. Die Menschen in aller ihrer Widersprüchlichkeit, zur bedingungslosen Liebe fähig, zu wissenschaftlichen Großleistungen und dazu, sich selbst in einem erbarmungslosen Krieg auszurotten, die Menschen erregen das Interesse der Oankali. So sehr, dass sie Überlebende bergen, heilen und erst einmal wegpacken, um sie zu erforschen und in genetischen Austausch mit ihnen zu treten.

Derweil beginnen sie auch damit, die Erde zu heilen, wenigstens in Teilen. Die Menschen sollen in ihr natürliches Habitat zurückkehren. Dabei soll Lilith den Oankali helfen. Zunächst lernt Lilith diese Spezie kennen, lebt bei einer Familie, wird integriert. Im Weiteren soll sie Gruppen zusammenstellen, die willens und in der Lage wären, auf der Erde zu überleben.

Doch Lilith ist bereits mehr als ein Mensch. Über genetische Eingriffe wurde ihre Lebenszeit verlängert, wurde sie widerstandsfähiger, stärker gemacht und mit der Fähigkeit versehen, dass ihr Körper sich selbst heilen kann. Und mehr als das, wurde sie auch in Familienstrukturen der Oankali eingebunden – emotional, sexuell. Sie führt ein doppeltes Leben. Eines, in dem sie die Menschheit, wie sie war, retten will. Ein anderes, in dem sie in einer für die Oankali typischen Beziehung lebt – und später auch Kinder bekommt, die genetisch beides sind: menschlich, aber auch Oankali.

Es geht natürlich nicht einfach gut. Das Misstrauen derer, die aufgeweckt und von Lilith trainiert werden sollen, ist groß. Gegenüber den Oankali sowieso, gegenüber Lilith erst recht. Etlichen gilt sie als Verräterin an ihrer Spezies. Denn die Bedingung, um zurück auf die Erde zu können, ist es unfruchtbar zu sein, keine eigenen Kinder mehr zeugen und gebären zu können. Nur noch Kinder aus Beziehungen mit Oankali sollen geboren werden.

Die Begründung klingt ja zunächst auch plausibel. Denn der Hang der Menschen zu Hierarchien und in der Folge dazu, sich selbst zu vernichten, sei zu stark und fest verankert. Die Oankali zeigen sich bereit zu helfen, zu heilen – also für diejenigen, die das annehmen wollen – ansonsten können die zurückgesiedelten Menschen leben, wie sie wollen. Doch so werden sie unweigerlich aussterben, ohne eigene menschliche Nachkommen.

Worüber diese Menschen nichts wissen, ist die Fähigkeit der Oankali, genetisches Material zu sammeln, zu speichern und zu reproduzieren. Sie bräuchten die wiederaufgeweckten Menschen also nicht. Und auf der Ebene gerät die Umsiedelung der Geretteten zum großangelegten Sozialexperiment.

Es passiert natürlich noch sehr viel mehr auf diesen fast tausend Seiten, die Ende der Achtziger zuerst erschienen. Aber das will ich gar nicht alles verraten, weil es so wahnsinnig viel Lesespaß bereitet.

Vielmehr will ich noch erwähnen, dass nicht nur die Menschen und ihre Reaktionen auf das Angebot und die Anwesenheit der Oankali spannend sind, sondern eben auch die Oankali selbst als Lebensform und kulturelle Spezies geschildert werden. Dazu dienen Kinder, die Lilith in ihrer Oankalibeziehung (an der auch menschliche Männer beteiligt sind) zur Welt bringt. Sie sind, weil sie genetisch gemacht wurden, im Kern Oankali. Aber sie tragen eben auch viel Menschliches in sich, was auch die Oankali als Gesellschaft verändert, entwickelt.

Durch den Roman zieht sich auch die Frage, wie selbstlos die Oankali gegenüber den Menschen eigentlich agieren. Was bedeutet diese Hilfe, dieser Handel für die Oankali? Sagen sie die Wahrheit, verschweigen sie womöglich etwas? Nein nein, das schreibe ich hier natürlich wohlweislich nicht. 😊

Das Worldbuilding in diesem Roman ist also umfassend. Und es ist grandios gelungen. Obwohl Butler mit den Oankali eine Spezies erschaffen hat, die so ganz anders aussieht, handelt und funktioniert wie die Menschheit, findet sie eine perfekte Sprache, um das so fremdartige so greifbar zu beschreiben. Sie leben, diese Oankali, sie sind empfindungsreiche Wesen, die Individuen und Teil eines Kollektivs zugleich sind. Butlers Beschreibungen wirken nie platt, pauschal und klischeehaft, sondern immer originär und originell.

Natürlich dreht sich in diesem Epos ganz viel um Rasse – in dem Fall um die Auseinandersetzung zwischen Menschheit und Oankali. Dabei zeigt die Menschheit in Butlers Version eben auch genau die schlechten Seiten, die sie vor dem Krieg sich selbst jahrhundertelang angetan hat.

Ein zweites nicht weniger aktuelles Thema ist das der Geschlechtlichkeit, Gender also. Die Oankali kennen weiblich und männlich aber eben auch etwas dazwischen. Und ohne das dazwischen gibt es keine Beziehung und auch keine Lust und keine Fortpflanzung. Es sind also immer Dreierbeziehungen. Die neuartigen Familien, die mit Menschen entstehen, sind dann sogar Fünferbeziehungen. Und alle sind die Eltern der Kinder, die geboren werden.

Das kollidiert natürlich aufs Härteste mit heteronormativer Menschlichkeit. Insbesondere die Männer, deren Rolle in Oankalibeziehungen ganz anders ausgestaltet ist, hadern und ringen mit sich und den Oankali um ihre Rolle, ihr Selbstverständnis. Und das ist so ernsthaft, nicht verurteilend und empathisch verstehen wollend geschrieben, dass mir wenigstens das Herz dabei aufging.

Zu guter Letzt ist dieser Roman einfach unglaublich gut erzählt und geschrieben. Bei der Story passt einfach alles. Bedenkenlos würde ich sofort tausend weitere Seiten davon lesen wollen. Aber auch hier: Butler findet den perfekten Bogen, um dann einen Punkt zu setzen.

Apropos: Leider lassen sich ihre Arbeiten nur noch retrospektiv entdecken und genießen, denn diese großartige Erzählerin ist schon 2006 verstorben. Immerhin steht zu hoffen, dass noch einiges Mehr von ihr übersetzt und (wieder) veröffentlicht wird. Zumindest zwei neue Übersetzungen konnte ich schon ausmachen. Yieppieh! 😉

Kurz und gut: Ähem, kein Gerede – einfach lesen. Los!

(Übersetzung: Barbara Heidkamp)

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Donnerstag, 24. Oktober 2024

Octavia E. Butler: Xenogenesis. Das große Zukunftsepos


„Die ferne Zukunft. Ein Atomkrieg hat die Erde fast vollständig zerstört. Nur einige wenige Menschen wurden von den Oankali, einer geheimnisvollen außerirdischen Spezies, gerettet. Jetzt sollen sie auf ihren Heimatplaneten zurückkehren. Aber die Hilfe der Oankali hat ihren Preis …“ (Umschlagtext)

Im besten Buchladen von allen in der Auslage gesehen, Umschlagtext gelesen – gekauft. 😉

Jetzt lese ich schon so lange und so viel, und immer wieder entdecke ich Namen, von denen ich noch nie was gehört habe, die aber voll bekannt zu sein scheinen. Irre. Aber dafür lieben wir ja auch diese Welt der Bücher, gelle.

Ist das nicht grandios, dass in diesem dicken Schinken aus den Achtzigern offenbar voll die krass woken Themen verarbeitet wurden? Vielleicht ist es ja tatsächlich schlicht albern, woke als Schimpfwort zu gebrauchen. Egal, ich freu mich auf eine hoffentlich toll erzählte Story. 😊

(Übersetzung: Barbara Heidkamp)

„Die Gegenwart: In einem verheerenden Atomkrieg wird beinahe die ganze Erde zerstört. Jahrhunderte später: Die Schwarze Amerikanerin Lilith Iyapo erwacht an Bord eines Raumschiffs. Die geheimnisvollen Oankali haben die überlebenden Menschen von der verseuchten Erde geholt und in einen Kälteschlaf versetzt. Getrieben von dem Bedürfnis, alles zu verändern, womit sie in Berührung kommen, haben sie die Erde wiederhergestellt und ihre eigenen Gene mit denen der Menschen vermischt – ohne diese vorher nach ihrer Einwilligung gefragt zu haben. Jetzt sollen Lilith und die anderen Überlebenden auf die Erde zurückkehren, doch sie müssen sich ihre alte neue Heimat mit unheimlichen, nicht menschlichen Kreaturen teilen: ihren eigenen Kindern.

In Xenogenesis verwebt Octavia E. Butler, die preisgekrönte Autorin von Die Parabel vom Sämann, so brisante Themen wie Rassismus und Toleranz, Gentechnik und Selbstbestimmung zu einem atemberaubenden Zukunftsabenteuer.“ (Verlagstext)

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