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Freitag, 18. April 2025

Ed Firth: Horny & High. Vol. 2


„Stu ist arbeitslos, pleite und steht kurz davor, sein WG-Zimmer zu verlieren. Ob all das daran liegt, dass ihm Drogen und Sex wichtiger sind als Job-Interviews und das Gemecker seiner Mitbewohner*innen?

Statt sich dieser Frage zu stellen, erliegt der liebenswerte Chaot erneut der Verlockung einer Einladung zu einer privaten Sexparty. Er geht hin, wirft sich ins Getümmel und landet schon sehr bald in einer Parallelwelt. Die mehrtägige Orgie macht ihn erst horny, dann high – und implodiert schließlich in einem absurd-existenzialistischen Horrortrip.“ (Umschlagtext)

Messemitbringsel 6:

Letztes Jahr, auf der #LBM habe ich den ersten Band des „furiosen Höllenritts durch die schwule Großstadtgegenwart“ als Mitbringsel mitgebracht. Folgerichtig gibt es nun den zweiten Band.

Eine grafisch und inhaltlich fantastische Einführung in die Welt der Hauptfigur sind schon die Umschlaginnenseiten. Dort finden sich Kacheln, die Grindr-Profilbildern mit den Profilnamen nachempfunden sind. Das ergibt ein großartiges Panorama, bei dem ich fast wetten würde, dass die Namen nicht mal ausgedacht sind. Oder die Realität ist so wenig überraschend. Oder Social Media hat unser Hirn so richtig gleichgeschaltet. 😉

Story, Setting und der herrlich reduzierte Stil versprechen in jedem Fall, dass ich mich beim Schmökern ordentlich amüsieren werde. 😉

(Übersetzung: Timm Stafe)

#lesefrühling #comic #edfirth #männerschwarm #salzgeber #london #gay #szene #liebe #lust #großstadt #lesen #leselust #leseratte #bücher #literatur #indiebook

Mittwoch, 2. April 2025

#lbm25 - war schön jewesen!


Hach, so schnell sind vier Tage im Bücher-Paralleluniversum auf der #lbm auch schon wieder vorbei. Aber schön wars gewesen. 😊

Viel Vorplanung haben der MM und ich in diesem Jahr irgendwie nicht hinbekommen. Aber wenigstens standen ein paar Gesprächstermine und für den ersten Tag eine Reihe Veranstaltungen als Optionen bereit.

Meine Strategie in diesem Jahr: Am Vortag in der App der #leipzigerbuchmesse einfach alle Veranstaltungen markieren, die irgendwie interessant sein könnten. Unterwegs auf der Messe konnte ich dann einfach immer schauen, was als nächstes erreichbar wäre und dann entscheiden, was dran ist. Das ging für mich dieses Mal gut auf, machte mir weniger Stress und sorgte durchaus auch dafür, dass ich auf anderen Veranstaltungen landete als zunächst gedacht.

Vielleicht ein kleines Fazit zur App: Find ich grundsätzlich gut. Nur die Suchfunktion ist doch suboptimal, weil dann doch immer wieder sehr umständlich oder ohne Ergebnisse.

Den ersten Tag waren der MM und ich eher getrennt unterwegs. Mein Fokus lag darauf, erstmal alle Hallen zu durchstreifen, ohne gleich in einen Kaufrausch zu verfallen – und ein wenig Veranstaltungshopping. Von Weltpolitik über Gespräche zu neuen Buchprojekten bis hin zu einem Vortrag zu Social Media, Debattenkultur und KI war inhaltlich so einiges dabei. Am Abend hab ich dann doch auch endlich mal die Moritzbastei von innen gesehen und zwei Lesungen genossen. Und ja, das war den Eintritt wirklich wert. Coole Location und zwei spannende Autoren mit überzeugenden Lesungen. 😊

Am Messefreitag nahm ich mir dann etwas mehr Zeit für das Erkunden von einzelnen Ständen, das Stöbern und Reinlesen. Irgendwie war dann auch Familientag, weil wir gemeinsam etliche Leute getroffen haben, die es spontan oder geplant auf die Messe verschlagen hatte. Aber das ist ja das Tolle an Leipzig, dass es immer um Bücher aber auch um Menschen (mit Büchern) geht.

Das Abendprogramm war wieder eine Lesung in der Stadt – richtig voll. Ich weiß noch, dass wir im letzten Jahr doch das eine oder andere Mal eher genervt davon waren. Dieses Mal war es einfach das besondere Flair. Es kommt halt auf die Perspektive an. Und „was tun gegen Rechtsextremismus“ ist ja auch ein Thema, dem man nur ganz viel Zulauf wünschen kann.

Der Samstag auf der Messe ist ja traditionell quasi die Hölle. 😉 Nach über zwei Stunden im Stau haben mich die Videos, die vom Besucherandrang im Netz herumgingen, so gar nicht verwundert. Wir haben es also etwas ruhiger angehen lassen. Halle 5 und die Unabhängigen Verlage sind und bleiben da immer unsere sichere Homebase.

Um ein bisschen zu verschnaufen, ging es an dem Tag etwas früher von der Messe. So haben wir tatsächlich auch noch etwas Leipzig im Tageslicht gesehen. Natürlich brauchte es auch hier ein Abendprogramm. Wir haben mit klassischem Boulevard gestartet, was uns aus unserer üblichen Blase doch deutlich herausgeführt hat. Dafür endeten wir mit Satire gegen Antisemitismus. Brillant.

Ach nein, eigentlich endete der Samstag in dem Lokal, dass ich seit der vorletzten LBM als Tradition zu trenden versuche. Und mit einer unglaublich leckeren Portion Würzfleisch. Muss ja auch mal gewürdigt werden. 😊

Der letzte Messetag gehört, so steht es seit langem fest, unserer Halle 5 und dem ganz gediegenen Bummel durch die Stände der kleinen und unabhängigen Verlage. Wie jedes Jahr merke ich wenigstens, dass ich mit den Messeauftritten der großen Verlage echt nicht mehr viel anfangen kann. Zu voll, nur Gedränge, eigentlich kaum eine Chance mit den Verlagsleuten mal ins Gespräch zu kommen – ganz anders halt als in Halle 5. Es ist ja nicht so, dass ich irgendwie auch verstehe, warum das so ist. Aber hey, die Bücher der Großen gibt’s halt auch in den meisten x-beliebigen Buchhandlungen. Also ran an die Kleinen und ihre Bücher und an die Büchermenschen in Halle 5. 😊

Auffällig war dieses Jahr der Andrang des Publikums schon vom ersten Tag an. Den Verlagen, der Messe ist das ja nur zu wünschen. Für die Anfahrt ist es halt die Hölle. Vermutlich gab es dieses Jahr kaum jemanden ohne sehr strapazierte Nerven, bis es endlich auf die Messe ging. 😉

Und etwas Letztes konnte ich zumindest in diesem Jahr wahrnehmen, was natürlich keine repräsentative Umfrage ist: Aber ich fand die Stimmung bei den Verlagsmenschen deutlich optimistischer als noch im letzten Jahr. Möge das keine Fehleinschätzung gewesen sein.

Jetzt hab ich eine sehr lange Liste an Bücher, die ich eigentlich gern in der besten Buchhandlung von allen #buchdisko bestellen wollen würde – hach, jemand sollte mich besser stoppen. 😊

#lesefrühling #sachbuch #roman #comic #carlauer #albino #kremayrscheriau #kanon #männerschwarm #indiebook #lesen #leselust #lesenswert #leseratte #bücher #literatur

Samstag, 15. Februar 2025

Ed Firth: Horny & High. Vol I


„Liebeskummer, Poppers-Rausch und der Kater am Tag danach – wenn der britische Comic-Künstler Ed Firth den Stift zückt, werden all diese Stimmungen spürbar. In seinem ersten Comic entführt der Erfinder des Kult-Zines ‚Pound Shop‘ die Lesenden auf eine melancholische Nachtbus-Fahrt, einen aus dem Ruder laufenden Chill-Out und einen ‚idyllischen‘ Cruising-Trip in den Park. Ein furioser Höllenritt durch die schwule Großstadtgegenwart – kompromisslos, authentisch und meisterhaft gezeichnet.“ (Umschlagtext)

Ich finde ja, dass heute ein wunderbarer Tag ist, um diesen Comic zu posten, der schon seit der #lbm24 in meinem Büchereingangsstapel schlummert. Heute, weil in anderthalb Stunden in Berlin der #winterpride startet – als ein außerordentlicher CSD von gut 40 deutschlandweit. Angesichts von Diskursverschiebungen von Rechts, erstarkenden populistischen Parteien (rechts bis rechtsextrem oder immerhin rechtsoffen) ist das vor der Bundestagswahl am kommenden Wochenende ein wichtiges Zeichen: #wähltliebe

Ein solcher Blick in „die Szene“ ist ein Türöffner zum Verständnis von Vielfalt. Vielfalt an Lebensentwürfen, die einer wieder der andere berechtigt und wichtig sind. Darum darf dies nichts sein, um Menschen gegeneinander aufzuhetzen.

Genau das machen aber all die Illiberal-Autoritär-Verliebten, in dem sie ihre eigenen Lebensentwürfe absolut und über alle anderen setzen. Und damit ist auch klar, das nach einer Hetze gegen Migrant:innen, die Hetze gegen Trans-Menschen, die Hetze gegen anders Liebende, die Hetze gegen Frauen … Das lässt sich wirklich leicht ausrechnen und hat leider genügend historische Vorläufer.

Ein kleines Mosaiksteinchen, das einen kleinen Beitrag gegen diese Entwicklungen beitragen kann, ist Sichtbarkeit und Pride. Darum sind solche Comics wichtig, solche Storys und solche Demos – mit allen Klischees, die zum Glück dabei sind. Also: #wähltliebe

(Übersetzung: Timm Stafe)

#lesewinter #comic #edfirth #männerschwarm #salzgeber #london #gay #szene #liebe #lust #großstadt #polbil #lesen #leselust #leseratte #bücher #literatur #indiebook #yesyoucomican

Sonntag, 14. Mai 2023

Xaver Rammbock: Die Welt der Knollennasen. Eine sozio-rhinologische Untersuchung


„Ob Konrad und Paul, Adam und Eva oder Gronzo Granato – Ralf König hat ein ganzes Universum der Knollennasen geschaffen. Was liegt also näher, als diese in zirka dreißig Jahren entstandenen Geschichten einmal gründlich zu analysieren und das ‚Weltbild‘ herauszuarbeiten, das ihnen zugrunde liegt. Man kann nur staunen, auf welche Bereiche in Alltag, Kultur und Geschichte sich die Welt der Knollennasen bereits erstreckt. Wir hoffen, dass die Leser dankbar dafür sein werden, die geballte Lebensweisheit dieser Welt nun in komprimierter Form präsentiert zu bekommen. Ein Muss für Ralf-König-Fans!

Xaver Rammbock wurde als Zwillingsbruder des Pornodarstellers Richie Rammbock in die Welt der Knollennasen geboren, siedelte später jedoch in die USA und dann nach Berlin um. Er studierte Medizin und lehrte Rhinologie an verschiedenen Universitäten. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt auf der Zwillingsforschung. 2009 erhielt er den Dirty-Deal-Preis der Muckraker-Society für seinen investigativen TV-Beitrag ‚Ein Knollen-Ei – zwei rattige Rivalen‘.“ (Umschlagtext)

Nur weil ein paar Tage seit dem letzten Post zum Messestapel vergangen sind, heißt das natürlich nicht, dass der Stapel schon abgeräumt wäre. Nein, nein! 😉

Diesen feinen, kleinen Band habe ich geschenkt bekommen und mich riesig darüber gefreut. Natürlich habe auch ich Ralf Königs Knollennasen lieben gelernt. Und dieses kleine Geschenk, das übrigens schon 2010 erschienen ist, erinnert mich daran, mal wieder in einem König-Comic zu blättern.

#lesefrühling #sachbuch #comic #xaverrammbock #männerschwarm #ralfkönig #knollennasen #soziologie #universum #schwul #gay #legende #indiebook #lesen #leselust #lesenswert #leseratte #bücher #literatur #yesyoucomican

Sonntag, 7. Oktober 2018

Detlef Grumbach (Hrsg.): DEMO.FÜR.ALLE. Homophobie als Herausforderung



„Orlando, 12. Juni 2016: Ein Attentäter betritt den queeren Club Pulse. Dort feiern Latinos eine Party, die meisten sind schwul, lesbisch, bisexuell oder transgender. Er tötet 49 Besucher*Innen und verletzt 53 weitere.“ (Seite 7, Vorwort von Detlef Grumbach)

Das Attentat von Orlando, das dem Vorwort des Herausgebers als Bezugspunkt dient, war ein trauriger Höhepunkt der an ähnlich schaurigen Gelegenheiten nicht armen Zeit zunehmender gesellschaftlicher Spaltung in den USA noch vor der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten. Kurze Zeit nach dem Erscheinen des Debattenbandes gab es in Deutschland wiederum diesen euphorischen Moment, in dem die Ehe für alle so ganz plötzlich auf der Tagesordnung stand und möglich wurde. Wie lässt sich anhand zweier so gegensätzlicher Ereignisse argumentieren, dass dieser und ähnliche weitere Beiträge zu einer gesellschaftlichen Debatte notwendig sind?

Der Begriff der Klasse lag der gesellschaftlichen Linken lange schwer im Magen, erreicht aber inzwischen wieder ein immer jüngeres Publikum. Sie suchen und finden damit ein Instrumentarium die mehr und mehr fragmentierte Gesellschaft zu beschreiben, die immer weiter auseinanderklaffenden Chancen für Einzelne systematisch zu analysieren und zu beschreiben. Zugleich verstärkt sich die Debatte, wie viel Identitätspolitik für immer kleiner werdende Gruppen es braucht entgegen dem einenden Band der Klasse. Aber auch innerhalb der immer kleiner werdenden identitätspolitisch ausgerichteten Gruppen scheint der Kampf um Deutungshoheit noch lange nicht ausgefochten. Ich gebe zu, dass ich hier sehr grob zusammenfasse.

Auch hierzulande ist immer öfter von einer auch durch den Aufschwung der Populisten von Rechts beförderten Polarisierung der Gesellschaft die Rede. Aber noch verteidigen die selbsternannten Retter des Abendlandes „ihre Frauen“ und selbst „ihre Homos“ gegen den Islam und gegen jeden einzelnen geflüchteten Menschen im Besonderen. Das gelingt vor allem, weil sie so konsequent pauschalisieren und damit rassistische Stereotype bedienen. Geflüchtete sind alle Moslems und der Islam ist so und so. Also sind alle Moslems so.

Was aber, wenn keine Geflüchteten mehr kommen, weil unsere Mauern so hochgezogen worden sind, dass sie nicht mehr als einfachste populistische Erklärung für alle herhalten können. Was, wenn dann genauer nachgeschaut wird, wer dem Volkskörper noch alles schädlich sein könnte? Was, wenn dann alle liberalen Errungenschaften wie die Ehe für alle ganz schnell wieder in Frage stehen?

Wird dann ein Klassenbegriff von links helfen, wenn er alle Unterschiede innerhalb der Klassen ausblendet? Werden alle miteinander um die Deutungshoheit ringenden Gruppen dann noch dazu in der Lage sein, auch das Gemeinsame zu sehen?

Natürlich kann ein solches Buch all das nicht verhindern oder auch nur ausführlich beschreiben. Aber es ein Hoffnungsschimmer, dass dieser und auch andere Debattenbände, wie zum Beispiel diejenigen von Patsy l´Amour laLove im Querverlag, schon eine Weile lang sehr gefragt sind und für emotional geführte Diskussionen sorgen. Ich will gern hoffen, dass es ein gutes Zeichen, dass wir diskutieren.

Kurz und gut: Nicht vollständig und allumfassend, aber ein guter Einstieg in eine aktuelle Diskussion. Wir mögen geglaubt haben, dass schon fast alles erreicht sei. Dieser Band lässt erahnen, dass auch für unsere Generation und die nachfolgenden genügend gesellschaftliche Kämpfe übrig sind.

#leseherbst #sachbuch #detlefgrumbach #männerschwarmverlag #homophobie #gesellschaft #diskussion #debatte #politik #gleichberechtigung #polbil #lesen #leselust #indiebook

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Patsy l'Amour laLove (Hrsg.): Beissreflexe / Selbsthass & Emanzipation // Detlef Grumbach (Hrsg.): Demo.für.alle



Meine Vorbereitung auf eine kleine, aber feine Gesprächsrunde mit Patsy l'Amour laLove heute Abend. ^^

Nachdem es Quotenregelungen für die Gleichstellung von Frauen gibt, Antidiskriminierungsvorschriften und auch die Ehe für alle, müssten doch alle auch zufrieden sein - könnte man meinen. Stattdessen tobt die Debatte um political correctness, Rassismus, Sprechverbote etc. in der LGBTTI-Community und um Homo- und Transphobie in der Gesellschaft erneut und umso heftiger.

Dabei verlaufen die Fronten inzwischen mitunter überraschend anders als vielleicht erwartet. So meldete sich sogar die feministische Ikone Judith Butler in der ZEIT zum Sammelband "Beissreflexe" von Patsy l'Amour laLove kritisch zu Wort. Der Sammelband thematisiert eine autoritäre Ausprägung queerer Ansätze, die sich von Emanzipation und Selbstbewusstsein entfernt habe.

Von diesem Ausgangspunkt aus freue ich mich auf zwei Stunden Diskussion und Gespräch und viel Anregung und bestimmt neue Erkenntnisse. ^^

#lesesommer #sachbuch #patsylamourlalove #querverlag #detlefgrumbach #männerschwarm #queer #debatte #berlin #gesellschaft #politik #polbil #lesen #leselust

Dienstag, 4. Juli 2017

Detlef Grumbach (Hrsg.): DEMO.FÜR.ALLE. Homophobie als Herausforderung



Aber war nicht gerade erst #ehefüralle ?

Kurz bevor sich binnen einer Woche die gesellschaftspolitische Welt der Berliner Republik überschlug und ein bisher vor sich hin schnarchendes Großthema als verabschiedetes Gesetz den Bundestag verließ, erschien dieser Debattenbeitrag über zunehmende Homophobie.

Geht das denn zusammen? In alldem rechtslastigen und rechtspopulistischen "Das muss man doch mal sagen dürfen!", das seit geraumer Zeit öffentliche Diskurse mitbestimmen darf, ist nicht nur der nationalistische, sondern auch der rassistische, gesellschaftlich rückwärtsgewandte und eben auch homophobe Tonfall nicht zu überhören.

Der Band, so kündigt es der Umschlagtext an, weil daran erinnern, dass das Rad der Geschichte sich auch ganz schnell rückwärts drehen kann und Erfolge von heute nicht automatisch eine Ewigkeitsgarantie haben.

Ich bin gespannt.

#lesesommer #sachbuch #detlefgrumbach #maennerschwarmverlag #debatte #gesellschaft #homophobie #politik #lesen

Freitag, 28. August 2015

Gabriel Wolkenfeld: Wir Propagandisten



Ein junger, deutscher Slawist geht für ein Jahr nach Russland. Genauer gesagt nach Jekaterinburg, irgendwo am Ende Europas - weit, weit im Osten. Vor allem die jüngeren Leute dort, unter anderem die Studenten, die er in deutscher Sprache und Kultur unterrichtet, begegnen ihm als dem fleischgewordenen Zipfel der Hoffnung auf ein besseres Leben jenseits der gemütlichen Tristesse und der schwermütigen Leichtlebigkeit, die ihr Leben bestimmen.

Wolkenfeld erzählt in vielen kleineren Episoden, aus denen sich das Bild eines jungen Menschen herausschält, der in der irgendwie vertrauten Fremde eben doch sich selbst im Gepäck trägt. Im Gepäck ist auch, dass er als Schwuler aus Berlin hier erlebt, wie schwules Leben in Jekaterinburg versteckt und im Verborgenen blühen muss. Es ist die Zeit kurz bevor ausgelebte Homosexualität im Russland Putins als homosexuelle Propaganda verunglimpft wird.

Sprachlich gelungen fand ich viele kleine Beobachtungen und Bilder, auch wenn ich vermute, dass die literarische Stimme noch nicht ganz "ausgewachsen" ist. Ein beachtliches Debüt ist "Wir Propagandisten" für meinen Geschmack allemal.

#lesesommer #roman #gabrielwolkenfeld #männerschwarmverlag #russland