Montag, 6. April 2026

Michael butter: Die Alarmierten. Was Verschwörungstheorien anrichten


„Verschwörungstheorien sind oft Symptome für tieferliegende Ursachen. Begreift man sie pauschal als Bedrohung für die Demokratie, gerät aus dem Blick, was viel eher geeignet und nötig wäre, um unser politisches System zu stärken. Man adressiert die Folgen, statt die Ursachen zu behandeln.“ (Umschlagtext)

Und zurück zum Stapel mit den Mitbringseln von der #lbm26 😉

Schon den Band „Nichts ist, wie es scheint“ zum Thema Verschwörungstheorien von Michael Butter fand ich sehr hilfreich beim Verstehen und Sortieren. So wenig das Phänomen neu ist, sorgen doch gerade die sozialen Medien für eine sehr viel größere Verbreitung und Relevanz dessen, was sonst eher seltener so öffentlich sichtbar war.

Wie lässt sich aber die Welt noch verstehen, wenn so viel im Durcheinander von Fake News, Desinformation und abstrusen Erklärungen, die keine sind? Dass dies das Fundament demokratisch verfasster Gesellschaften direkt betrifft, weil es die Grundlagen von gesellschaftlicher Kommunikation in Frage stellt und unterminiert, ist inzwischen offensichtlich. Was können wir aber tun, wie umgehen mit denen, die aus lauter Verunsicherung gar nichts mehr glauben und niemandem mehr vertrauen wollen? Auf die Lektüre bin ich einmal mehr gespannt.

„Spätestens seit der Coronapandemie sind Verschwörungstheorien ein Signum unserer Zeit. Je komplexer unsere Welt wird, desto mehr Menschen scheinen für ihre erklärenden Sinnangebote empfänglich. Elon Musk, der reichste Mensch der Welt, hat ein ganzes soziales Netzwerk in eine Schleuder für konspirationistische Erzählungen verwandelt. Donald Trump, der mächtigste Mensch der Welt, amtiert als conspiracy theorist in chief im Weißen Haus.
Michael Butter, Bestsellerautor und einer der renommiertesten Experten für das Thema, präsentiert die Ergebnisse seiner jahrelangen Forschung. So groß die Gefahr auch ist: Eine freie und demokratische Gesellschaft darf sich nicht von der Angst vor Verschwörungstheorien beherrschen lassen und in Alarmismus verfallen. Wie Populismus sind auch sie eine Reaktion auf eine empfundene oder befürchtete Exklusion. Wer sie bekämpfen will, sollte andere nicht einfach als Schwurbler oder Leichtgläubige hinstellen. Vielmehr gilt es, die gesellschaftlichen Ursachen zu bekämpfen. Inklusion und Teilhabe, so Butter, stellen den wirksamsten Schutz gegen Hetze und Unwahrheiten dar.“ (Klappentext)

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Sonntag, 5. April 2026

Tony Sandoval: Doomboy


„Hi, Spaghetti, was gibt´s neues, Mann?“ (Seite 6)

Du lebst als Teenager in irgendeiner Kleinstadt, da sind deine Kumpels, die Typen, die du nicht leiden kannst und in den Clubs ist eigentlich auch nichts los. Das wäre schon irgendwie ok, aber deine Freundin ist weggezogen. Und dann gestorben. Das ist wirklich viel für ein so junges Herz.

Also treibst du durch die Tage, und staunst darüber, dass dieses Loch in deinem Herzen immer größer wird, je mehr du an deine Freundin denkst. Und du wirst das Gefühl nicht los, nichts, zu wenig, das Falsche getan zu haben. Nichts stimmt mehr.

Als du deinem Todfeind deine E-Gitarre über den Kopf ziehst, glaubst du noch, der Tag könnte nicht merkwürdiger werden. Doch auf dem Nachhauseweg streift dich ein Hauch, etwas scheint dich mit sich tragen zu wollen, oder dich anstupsen. Plötzlich ist da diese Idee im Kopf – du schreibst Songs für deine Freundin, um dich endlich von ihr verabschieden zu können. Musik, die das Loch in deinem Herzen vielleicht ein wenig zu stopfen vermag. Ok, du bist eigentlich ein eher mieser Gitarrist, aber darum geht es ja hier nicht.

Am Strand richtest du mit einem Freund ein kleines „Studio“ ein und überträgst deine Musik auf einer alten Radiofrequenz, die niemand mehr nutzt. Schließlich brauchen deine Songs eine Art Übertragung, damit sie deine tote Freundin erreichen können.

Du ahnst dabei nicht, dass diese Übertragungen nicht unbemerkt bleiben und dein von echten, tiefen Gefühlen getragenes Spiel lässt dich über dich selbst hinauswachsen. Aus D wird Doomboy – und alle sprechen von dir. Und nur du hast keine Ahnung davon, genauso wenig, wie alle anderen wissen, wer genau eigentlich dieser mysteriöse, grandiose Gitarrist ist.

Na gut, Metall ist jetzt nicht die leiseste Musik und Schlägereien gibt es auch – aber insgesamt ist Sandoval hier eine wirklich sanfte, traurig-schöne und leise Geschichte gelungen darüber, was das Leben manchmal schon Teenagern abverlangt.

Mit wenigen Strichen und erzählerischen Kniffen baut Sandoval die Welt, in der D lebt. Da sind die prolligen Möchtergernmusiker, bei denen Posen und Ego sich aggressiv vermischen, Metallbräute, Freunde mit Geheimnissen – eine echte Teeniewelt in einer beliebigen Kleinstadt mit wenig Wahlmöglichkeiten fürs Leben darüber hinaus. Und ohne mehr über die Freundin, die erst wegzieht und dann plötzlich verstirbt erfahren wir auch nicht. Trotzdem ist sie in dem Loch in D´s Herzen, im Wind, in seinen Gedanken präsent genug, um die Geschichte und D voranzutreiben.

D braucht nicht viele Worte und würde in einer anderen Geschichte als typischer Außenseiter, maulfauler Teenie durchgehen. Sandoval schaut ihm jedoch tief ins Herz und macht seinen Schmerz, seine Schuldgefühle, seine Einsamkeit sichtbar.

Das alles in einem unverkennbaren Stil, der bei allen Mackerigkeiten und Härten des Lebens die Figuren eben auch als das zeigt, was sie sind: junge Menschen, am Beginn ihres Lebens, die noch dabei sind, sich zu finden, sich auszuprobieren und dabei auch dumme Dinge tun. In dieser Zerbrechlichkeit ist aber auch Stärke angelegt, Zuversicht. Und den aufkommenden Sturm an der Küste, den konnte ich beim Schmökern buchstäblich übers Gesicht fahren spüren.

Kurz und gut: Tolle, feinfühlige Geschichte mit ganz viel Atmosphäre. Unbedingt lesen!

(Übersetzung: Anne Bergen)

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Samstag, 4. April 2026

Uné Kaunaité: 2084


„In einer nahen Zukunft verbringen Menschen ihr Leben fast vollständig in der virtuellen Realität ‚Bubble‘. Die Grenzen zwischen Wahrheit, Erinnerung und Programmierung lösen sich auf. Kajus, ein stiller Beobachter dieser perfektionierten Welt, sucht nach dem, was noch echt ist: Gefühle, Nähe, Freundschaft – jenseits von Datenströmen, die Glück nur simulieren. Mit kühler Klarheit und philosophischer Tiefe erzählt Uné Kaunaité von Liebe und Verlust im digitalen Zeitalter und fragt, was geschieht, wenn künstliche Intelligenz beginnt, unsere Geschichte zu schreiben – und über unser Leben zu bestimmen. Ein Roman zwischen Dystopie und Liebesgeschichte, der George Orwells ‚1984‘ hundert Jahre später weiterdenkt – in einer Welt totaler Überwachung, algorithmischer Sehnsucht und emotionaler Simulation.“ (Umschlagtext)

In die Lesung und Buchvorstellung dieses Bandes bin ich auf der #lbm26 eher zufällig hineingestolpert und war angetan. Nicht, dass ich den #mitteldeutschenverlag als Hort von #sciencefiction auf dem Schirm gehabt hätte – aber es fällt schon auf, die gehäuft Geschichten aus der nahen Zukunft derzeit veröffentlicht werden. Utopien sind die wenigsten davon.

Es soll ja Zeiten gegeben haben, in denen die Menschen voller Lebenshunger begierig auf all das waren, was die vor ihnen liegende Zukunft so an Möglichkeiten bereithielt. Kann sich da noch jemand dran erinnern, und wann ist uns das eigentlich so gründlich abhandengekommen?

(Übersetzung: Markus Roduner)

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Freitag, 3. April 2026

Nicholas Potter: Die neue autoritäre Linke. Eine akute Bedrohung für die demokratische Gesellschaft


„Über eine Linke, die den Terror feiert

Sie gibt sich progressiv, tritt aber seit dem Angriff der Hamas auf Israel zunehmend demokratiefeindlich auf: die neue autoritäre Linke. Mit dogmatischem Eifer deutet sie radikalislamische terroristische Gewalt zum dekolonialen Widerstand um. Propaganda und Desinformation autokratischer Regimes oder zweifelhafter ‚Alternativmedien‘ nimmt sie bereitwillig auf. Wer widerspricht, gilt schnell als Feind, gegen die Presse schürt sie Hass – bis hin zu Mordaufrufen.
Der Journalist Nicholas Potter gibt durch investigative Recherchen und seine persönliche Geschichte Einblicke in das Innerste dieser Bewegung. Er deckt das Netz der neuen autoritären Linken auf, zeigt, wie sie agiert, und fragt: Sind wir darauf vorbereitet?“ (Umschlagtext)

Dann kommen wir mal zur Ausbeute von den diesjährigen #lbm26 😉

Einer Buchvorstellung konnte ich im #tazstudio auf der Messe schon etwas lauschen. Es war rammelvoll und schwer, einen Platz mit guter Akustik zu ergattern. ^^

Klar war mir aber schon, dass im Ringen darum, all den gesellschaftlich-politischen Polarisierungen zum Trotz, Demokratie und demokratische Errungenschaften nicht aufs Spiel zu setzen, auch die Notwendigkeit besteht, Entwicklungen auf allen Seiten zu verfolgen. Natürlich ist das unangenehmer auf der eigenen Seite. Also auf zur Aua-Lektüre. 😉

„Feindeslisten, Fahndungsplakate, Mordaufrufe – die neue autoritäre Linke agiert immer bedrohlicher. Radikalisiert durch den Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 und den Krieg in Gaza, stellt sie auch nach dem Waffenstillstand in Nahost eine Gefahr für die demokratische Gesellschaft dar.
Getrieben von einem unerbittlichen Freund-Feind-Denken und tiefsitzendem Antisemitismus, verklärt sie islamistische Terrorgruppen wie die Hamas, die Hisbollah und die Huthis zu revolutionären Verbündeten im Kampf gegen den westlichen Imperialismus.

Auf Demonstrationen, an Hochschulen, in den sozialen Medien und in linken Subkulturen ist diese Radikalisierung bereits deutlich spürbar. Und sie gefährdet zunehmend die freie Presse. Der Journalist Nicholas Potter, selbst ins Fadenkreuz dieser Szene geraten, zeichnet auf Basis seiner persönlichen Erfahrung und packender Investigativrecherchen ein eindrückliches Bild der neuen autoritären Linken: ihrer Akteure, ihrer Netzwerke, ihrer Ideologie – in Deutschland und darüber hinaus.

Ein eindringlicher Weckruf an die demokratische Gesellschaft, gegenüber jeglicher Form autoritären Denkens und politischen Extremismus wachsam zu sein.“ (Klappentext)

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Sonntag, 29. März 2026

Mosaik #604


 Puh, da köchelt was im Prag um 1600. 

😉

Ich musste jetzt immer mal wieder daran denken, dass ich als Jugendlicher Geschichten um Rabbi Löw und den Golem gelesen habe und sehr davon angetan war. Beim besten Willen komme ich aber nicht mehr darauf, was das für ein Buch gewesen sein könnte. 🤷‍♂️😅

Hach, so viele Bücher und Geschichten
… 😉

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Samstag, 14. März 2026

Indiebookday 2026


 Dank Wolfram gibt es in diesem Jahr noch viel mehr gute Gründe genau heute Bücher von unabhängigen Verlagen in der unabhängigen Buchhandlung eures Vertrauens zu kaufen. 

😜

Und ich hoffe sehr, dass von der #lbm26 in der nächsten Woche noch sehr viel mehr rote Karten in Richtung Kanzleramt gezeigt werden! ✊

#lesewinter #indiebookday26 #roman #sachbuch #matthesseitzberlin #memoranda #lesen #leselust #leseratte #bücher #literatur

Dienstag, 10. März 2026

Sascha Reh: Biotopia

 


„Natürlich hatte Malu von der Störung gehört, immerhin war sie der Grund, weswegen die letzte Lieferung der Farm ausgeblieben war und sie das geplante Abendessen eine Nummer kleiner ausfallen lassen musste.“ (Seite 8)

Wenn doch aber alles so schön bio und nachhaltig ist …

Berlin in naher Zukunft. Klimatische und andere globale Entwicklungen zwingen immer mehr zu nachhaltigen Lösungen vor Ort. So ist es doch ganz wunderbar, dass ein Startup in Berlin genau solche anbietet. Auf dem Tempelhofer Feld entsteht und arbeitet eine Vertikalfarm, die die Stadt mit Lebensmitteln und allem möglichen Anderen versorgt. Großartig.

Ja gut, das Startup beginnt mit seinem Erfolg und Rahmenbedingungen immer mehr in die Stadtgesellschaft hineinzuwachsen. So kann sich der Staat ganz effizient auf immer weniger Verwaltungsaufgaben konzentrieren und damit ein Umfeld schaffen, das dem Startup nutzt, was natürlich den Menschen nutzt.

Also, wenn sie das zu schätzen wissen. Und nicht durch sämtliche Raster fallen. So wie Flüchtlinge zum Beispiel. Da gab es vor einigen Jahren Gerüchte, dass die wie Sklaven in der Fabrik auf dem Tempelhofer Feld gehalten würden. Aber wirklich stören konnten diese Gerüchte das neubürgerliche, nachhaltige Leben in der Stadt nicht.

Alle, die sich an die neuen Gegebenheiten anpassen wollten und wollen, sind ohnehin ausgewandert in den Speckgürtel und weiter hinaus. Auch wenn die Bezeichnung Speckgürtel für den immer weiter zerfallenden Raum jenseits der Stadt der Zukunft eigentlich eine eher unpassende Bezeichnung scheint. Dort leben auf jeden Fall all die unangepassten Nichtkonsumenten, Verweigerer:innen jeglicher Couleur, Habenichtse, Ewiggestrige. Aber auch sie sind und bleiben mit der Stadt so sehr verbunden, dass Malu, die Hauptfigur des Romans, ohne sie nicht weiterkommt.

Sie ist Ermittlerin, angestellt bei dem Reststaat, der in der Stadt noch existiert, und will die aktuellen Vorgänge in der Fabrik aufklären. Und diese Vorgänge sind verknüpft mit alten Gerüchten, mit immer geringeren individuellen Spielräumen gegenüber einer KI-gesteuerten Versorgung, die gesellschaftliche Verantwortung zu einer leeren Hülle hat verkommen lassen. Um also zu klären, was mitten in der Stadt passiert, muss sich Malu dem stellen, was in dieser Welt das logische Gegenstück zur bio-heilen, künstlichen Konsumentenstadt ist, dem abgehängten sehr realen Rest.

Zugegeben, so richtig mitreißend ist Sascha Reh dieser Roman nicht gelungen. Solide erzählt ist er aber allemal. Und so konnte ich mich letztlich auch sehr gut auf das Durchdeklinieren von Strängen einlassen, die ins Hier und Heute ragen. Vermeintlich grünes Wirtschaften, dem ausgerechnet Cybertechniken zum Durchbruch verhelfen. Ein vermeintlich grüner Hyperkapitalismus, der nur noch Individualismus zu kennen scheint, aber eigentlich ein privatwirtschaftliches Monopol gegenüber einer ausgehöhlten Gesellschaft meint. Eine Manipulation der Bürger:innen, die das auch noch für ein Heilsversprechen halten sollen und das Aussortieren all derer, die nicht in dieses Raster passen oder passen wollen.

Und obwohl jetzt häufiger das Wort grün gefallen ist, geht es eher um die libertär-autoritären Entwicklungen, die sich heute bei den amerikanischen Techgiganten ebenso beobachten lassen wie bei all den rechtspopulistischen/-extremen Gruppierungen, die angeblich eine hübsch bürgerliche Welt bauen wollen.

Kurz und gut: Ganz nah dran und darum: Lesen!

#lesewinter #roman #saschareh #schöffling #berlin #zukunft #technologie #ki #gesellschaft #versorgung #autoritarismus #indiebook #lesen #leselust #lesenswert #leseratte #bücher #literatur

Sonntag, 8. März 2026

Veronika Kracher: Bitch Hunt. Warum wir es lieben, Frauen zu hassen

 

„Es ist erschreckend, wie omnipräsent Frauenhass in unserer Gesellschaft nach wie vor ist. Was früher in reißerischen Printmedien stattfand, geschieht heute online und in Echtzeit. Ein breites Publikum beteiligt sich begeistert an Hass und Hetze gegen Frauen. Influencer, deren Content ausschließlich aus Angriffen gegen Frauen und queere Menschen besteht, erreichen auf Sozialen Medien ein Millionenpublikum. Digitale Plattformen unterbinden dies nicht, denn hinter dem Hass steckt oft ein System, das gewinnbringende Klicks generiert.

In ‚Bitch Hunt‘ analysiert Veronika Kracher die Funktion digitaler Misogynie, welche Rolle misogyne Kampagnen im rechten Kulturkampf spielen und wie Soziale Medien alltäglichen Frauenhass in einer patriarchalen Gesellschaft verstärken. Letztendlich leiden nicht nur Betroffene unter diesen Dynamiken, sondern auch unsere Demokratie.“ (Umschlagtext)

Internationaler Frauentag! Rosen und Anderes werden verteilt, wohlfeile Reden gehalten – es gibt aber auch Demos, die den Finger in die Wunde legen. Weil der konservative/rechte Rollback sich natürlich auch hier nicht nur gesellschaftlich, sondern für so viele Frauen auch ganz real auswirkt.

Immerhin hat es den Effekt, dass Termine wie dieser, die doch recht lange etwas zu gerade mal pflichtschuldig wahrgenommenen Daten geraten sind, wieder an Relevanz gewinnen.

Und ein bisschen Feiern gehört natürlich auch dazu. Also auf Euch! 😉

„Im Sommer 2022 offenbarte die Hasskampagne gegen die Schauspielerin Amber Heard, wie salonfähig es ist, Opfer häuslicher Gewalt zu verhöhnen und wie omnipräsent Frauenhass in unserer Gesellschaft nach wie vor ist. Was früher in reißerischen Printmedien stattfand, geschieht heute online und in Echtzeit. Ein breites Publikum beteiligt sich begeistert an Hass und Hetze gegen Frauen – stellenweise sogar ungehemmt unter vollem Klarnamen. Influencer, deren Content ausschließlich aus Angriffen gegen Frauen und queere Menschen besteht, erreichen auf Sozialen Medien ein Millionenpublikum. Digitale Plattformen unterbinden diesen, oft gegen Einzelpersonen gerichteten Hass, nicht – ganz im Gegenteil, denn hinter dem Hass steckt oft ein System, das gewinnbringende Klicks generiert.
In ‚Bitch Hunt‘ analysiert Veronika Kracher die Funktion digitaler Misogynie, welche Rolle misogyne Kampagnen im rechten Kulturkampf spielen, und wieso Soziale Medien alltäglichen Frauenhass in einer patriarchalen Gesellschaft derart verstärken. Letztendlich leiden nicht nur Betroffene unter diesen Dynamiken, sondern unsere Demokratie.“ (Verlagstext)

#lesewinter #sachbuch #veronikakracher #verbrecherverlag #politik #deutschland #gesellschaft #gleichberechtigung #misogynie #frauenleben #socialmedia #hate #polbil #trainerlife #lesen #leselust #leseratte #bücher

Buchhandelspreis 2026: Buchhandlung Zur schwankenden Weltkugel, Berlin


So, ihr Schlapphüte! Tuscheln ist ja auch ne Form von Unsicherheit. Und ich kann berichten, dass gestern wirklich viele Leute ganz sicher gezeigt haben, dass es wirklich keinen Grund gibt, einem stabilen Buchladen mit stabilen Leuten und einem sehr stabilen Sortiment so hintenrum einen reinzuwürgen.

Perfide ist, wenn sich jetzt hämische Stimmen vernehmen lassen, die linke Bubble bekäme jetzt einfach nur ihre eigene Cancel Culture zu schmecken. Mir wenigstens ist bis heute kein staatliches Eingreifen im Sinne linker Politik bekannt, bei dem mal ernsthaft gecancelt wurde. Im Sinne konservativ/rechter Politik schon.

Und es ist nicht mal verwunderlich, dass es hier drei linke und unabhängige Buchhandlungen trifft. Niemals nie würde das bei den großen Buchhandelsketten vorkommen. Konzerne sind einfach zu gefügig, wie wir in den USA seit über einem Jahr gut beobachten können. Das gleiche gilt übrigens für unabhängige Verlage vs. Konzernmedien.

In diesem Sinne: Nächste Woche, am 14. März ist Indiebookday. Ein wirklich guter Anlass gleich wieder in die unabhängige Buchhandlung eurer Wahl zu gehen und gute und gut gemachte Bücher von unabhängigen Verlagen zu erstehen. Das geht dann natürlich auch auf der Leipziger Buchmesse eine Woche später – Halle 5, einfach vormerken! 😉

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Samstag, 7. März 2026

Ocatvia E. Butler: Verbunden


„Dies ist die Geschichte von Dana, einer jungen Schwarzen Schriftstellerin, die eines Tages auf unerklärliche Weise in die Vergangenheit versetzt wird: auf eine Sklavenplantage im US-Bundesstaat Maryland des Jahres 1815. Jetzt liest sie nicht nur über die Schrecken der Sklaverei – sie erlebt sie am eigenen Leib. Aber Dana findet sich nicht mit ihrem Schicksal ab.

Eine Reise in die Vergangenheit wird zur Auseinandersetzung mit der Gegenwart – mit diesem Roman hat Octavia E. Butler der modernen Schwarzen Literatur den Weg bereitet. Bis heute hat das Buch nichts von seiner eindringlichen Kraft verloren.“ (Umschlagtext)

Einen Tag vorm Internationalen Frauentag finde ich diesen Roman von genau dieser Autorin einen wirklich guten Post. Vor allem, weil Science Fiction/ Fantastisches immer noch eher als Männerdomäne wahrgenommen wird, freue ich mich, dass ich die Romane von Butler für mich entdecken konnte.

Die Verbindung von Frau und Schwarz, Feminismus mit Widerstand gegen Rassismus unterstreicht ganz praktisch die Relevanz von Intersektionalität, wenn wir über eine bessere Welt nachdenken und daran bauen wollen. Doch doch, Lesen bildet halt! 😊

‘Der Ärger begann schon lange vor dem 9. Juni 1976, als er mir bewusst wurde, aber der 9 Juni ist der Tag, den ich mir eingeprägt habe. Es war auch der Tag, an dem ich Rufus kennenlernte – der Tag, an dem er mich zum ersten Mal zu sich rief …‘

Im Sommer 1976 wird das Leben von Dana, einer jungen Schwarzen Schriftstellerin, völlig auf den Kopf gestellt. Sie wacht plötzlich in einer ihr fremden Umgebung auf, rettet einen kleinen Jungen vor dem Ertrinken und bringt ihn zu seinen Eltern, die auf einer Plantage leben. Dort erfährt sie, dass sie sich im Jahre 1815 befindet – in einer Zeit, in der Schwarze Menschen afrikanischer Herkunft von Weißen versklavt wurden. Dana kann wieder in die Gegenwart zurückkehren, aber sie erlebt weitere Sprünge in die Vergangenheit. Und mit jeder dieser Reisen wird es für sie gefährlicher. Sie erfährt den Horror der Sklaverei, der das Leben von Millionen von Menschen geprägt hat. Und sie begreift, dass sie mit der Skavenplantage und ihren Bewohnern auf verhängnisvolle Weise verbunden ist. Sie muss sich entscheiden: sich unterwerfen, um zu überleben, oder Widerstand leisten und alles riskieren.

Mit Verbunden, erstmals 1970 veröffentlicht, hat Octavia E. Butler die amerikanische Literatur neu definiert. Ein so eindringlicher wie mitreißender Roman über das rassistische System der Sklaverei, familiäre Verstrickungen und gesellschaftliche Verantwortung – vom Magazin Atlantic als einer der ‚bedeutendsten Romane der letzten 100 Jahre‘ ausgewählt.“ (Klappentext)

(Übersetzung: Mirjam Nuenning)

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Donnerstag, 5. März 2026

Anne Applebaum: Die Achse der Autokraten. Korruption, Kontrolle, Propaganda: Wie Diktatoren sich gegenseitig an der Macht halten


„In unserer Vorstellung sind Autokraten einsame Herrscher. Doch Pulitzer-Preisträgerin Anne Applebaum zeigt: Die Macht von Diktatoren beruht auf vielfältigen Verbindungen untereinander und einem ausgeklügelten globalen Netzwerk, einer ‚Achse der Autokraten‘. Von Belarus bis Syrien, von Myanmar bis Venezuela unterstützen sich autokratische Machthaber gegenseitig mit Waren und Finanzströmen, Söldnern, Waffen und Equipment made in China, Iran oder Russland. In ihrem augenöffnenden Buch offenbart Applebaum, wie diese Achse funktioniert und wie die Autokraten von heute, geeint in ihrer Gier nach Machterhalt und dem Kampf gegen die Demokratie, eine neue Weltordnung erschaffen.“ (Umschlagtext)

Das Buch erschien ursprünglich 2024, kurz vor den US-amerikanischen Wahlen, aus denen Trump zum zweiten Mal als Sieger hervorging. In ihrem aktualisierten Vorwort geht Applebaum darauf ein.

Ist der Blick auf Autokraten von 2024 heute bereits obsolet, wo sich zumindest in Syrien, in Venezuela die Lage verändert hat? Wo sich die Lage der westlichen Demokratien noch einmal in schon dramatischer Weise weiterentwickelt hat – mit derzeit umso offenerer Zukunft?

Es wäre ja zu wünschen, dass Autokraten und ihre Regimes ein eher abseitiges Thema wären. Leider zeigt die weltweite Entwicklung eher etwas anderes. Grund genug also, sich dem Thema intensiver zu widmen – und dabei nicht zu vergessen, auch darüber zu sprechen, was wir mit Demokratie zu erhalten und sogar zu gewinnen haben.

„‘Im Westen, und vor allem in den Vereinigten Staaten, sehen außenpolitische Experten die Welt oft als ein Nebeneinander von getrennten Schauplätzen – Mitteleuropa, der Nahe Osten, das Südchinesische Meer –, auf denen jeweils eigene Spezialisten gefragt sind. Autokraten sehen die Welt anders. Putin unterstützt rechte und extremistische Bewegungen in Europa und versorgt afrikanische Diktatoren mit Söldnern und Waffen. Er führt seinen Krieg in der Ukraine, indem er in aller Welt die Nahrungsmittelknappheit schürt und die Energiepreise nach oben treibt. Der Iran finanziert seine Schergen im Libanon, in Palästina, im Jemen und im Irak. Iranische Agenten haben einen Bombenanschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum in Buenos Aires verübt, Morde in Istanbul und Paris begangen, Attentate in den Vereinigten Staaten durchgeführt und Medien in der gesamten arabisch- und spanischsprachigen Welt finanziert. Der belarussische Diktator versucht, seine Nachbarländer zu destabilisieren, indem er Flüchtlinge aus dem Nahen Osten ins Land holt und nach Europa schleust. Kubaner kämpfen in den Reihen der russischen Armee in der Ukraine, kubanische Geheimpolizisten greifen dem Regime in Venezuela unter die Arme. Und China, mit seinen umfassenden wirtschaftlichen und politischen Interessen in Afrika und Lateinamerika, sieht sich schon lange nicht mehr als ‚asiatische‘ Macht.
Die Autokraten verfolgen die Siege und Niederlagen der anderen sehr genau und wählen den Zeitpunkt für ihre eigenen Schritte so, dass sie damit das größtmögliche Chaos stiften.‘

Aus dem Inhalt“ (Klappentext)

(Übersetzung: Jürgen Neubauer)

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Mittwoch, 4. März 2026

Mosaik #603 und Sonderheft mit der Neuen Bachgesellschaft


Die Hundine läuft lieber im Flur herum und schaut, wer so alles im Büro unterwegs ist. Wäre ich etwas kleiner, wäre das also mein Leseplatz. 😉

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Samstag, 28. Februar 2026

Barbara Kingsolver: Demon Copperhead


„Ein Trailer in den Wäldern Virginias, dem Land der Tabakfarmer und Schwarzbrenner, der Hillbilly-Cadillac-Stoßstangenaufkleber an rostigen Pickups. Hier kommt Demon Copperhead zur Welt – die Mutter ist noch ein Teenie und frisch auf Entzug, der Vater tot. Ein Junge mit kupferroten Haaren und großer Klappe, der sich trotz allem nicht unterkriegen lässt. Dies ist seine Geschichte, erzählt in seinen Worten, unbekümmert, vorwitzig, von übersprudelnder Lebenskraft. Ein mitreißender Roman über ein Leben auf Messers Schneide, in dem in jedem Moment Hoffnung aufscheint.“ (Umschlagtext)

Lange bin ich um die Hardcover-Ausgabe rumgeschlichen und konnte bei Erscheinen der Taschenbuchausgabe nun nicht mehr widerstehen. 😉

Ein wenig erinnnert die Beschreibung an den autobiografischen Roman des aktuellen US-Vize-Präsidenten J.D. Vance. Ich hoffe inständig, das diese Story mehr hermacht, nachdem mich die Geschichte von Vance enttäuscht zurückgelassen hatte.

Jetzt mal wieder so richtig lange Lese-Winterabende … 😉

„‘Erst mal musste ichs schaffen, auf die Welt zu kommen.‘ So beginnt die Geschichte von Damon Fields – auf dem Fußboden eines Trailers, geboren von einer Mutter im Teenageralter, die sich für das Ereignis mit Whiskey und Pillen gewappnet hat. Seine vorlaute Art bringt ihm bald den Spitznamen Demon ein; die roten Haare, das Einzige, was ihm der tote Vater auf den Lebensweg mitgab, erklären das Copperhead. Demon wächst in Lee County, Virginia, auf, der ‚Welthauptstadt der Lose-Lose-Situation‘: stillgelegte Kohlebergwerke und heruntergekommene Farmen, dazwischen Fastfoodketten, Tankstellen und Perspektivlosigkeit. Mit elf Jahren gerät Demon in die Mühlen der Kinderfürsorge, erlebt Hunger, Vernachlässigung, Ausbeutung, flüchtige Momente des Glücks und unvorstellbare Tragödien; bewahrt sich trotz allem seinen Mut, seine Verletzlichkeit und Hoffnung.
Seine Odyssee durch die abgehängte, von Armut und Drogen verheerte Provinz der Appalachen erzählt von einem Amerika, wie wir es kaum kennen – und, auf der Vorlage von Charles Dickens´ ‚David Copperfield‘, von einer ganzen verlorenen Generation. Barbara Kingsolvers Roman über ein Leben gegen alle Widerstände wurde zum Weltbestseller und u.a. mit dem Pulitzer Prize und dem Women´s Prize for Fiction ausgezeichnet.“ (Verlagstext)

(Übersetzung: Dirk van Gunsteren)

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Freitag, 27. Februar 2026

Roman Krznaric: Der gute Vorfahr. Langfristiges Denken in einer kurzlebigen Welt


„Das Mindset für ein besseres Morgen

Kann der Mensch nachhaltig denken? Ja, sagt der Soziologe und Philosoph Roman Krznaric. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass wir seit jeher danach streben, gute Vorfahren zu sein: Von den Pyramiden bis zum modernen Gesundheitssystem – immer wieder hat die Menschheit die angeborene Fähigkeit bewiesen, für künftige Generationen zu planen. Wenn wir der Welt in guter Erinnerung bleiben wollen, ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, um zu handeln.

Roman Krznaric zeigt sechs Wege auf, wie wir in unserer schnelllebigen Zeit zurück zum langfristigen Denken finden können, und gibt Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft.“ (Umschlagtext)

Langfristiges Denken, unsere Verantwortung für die Zukunft, Nachhaltigkeit – schon verrückt eigentlich, dass derartige Selbstverständlichkeiten, die offensichtlich schon immer dem Handeln der Menschheit innewohnten und sie auch mit ausgemacht haben, in politischen Diskursen schon seit Längerem als etwas Komisches, Schrulliges, ja für das Heute Schädliches geframet werden.

Wenn es auch nur etwas Erfolg verspricht, bin ich aber sehr dafür, die aktuellen Kulturkämpfe auch damit zu führen, uns Solcherlei wieder ins Gedächtnis zu rufen, es sagbar und denkbar zu machen. Wenn es eine Verengung des Meinungskorridors gibt, dann ist es eigentlich die ausschließliche Betonung des Egos von Heute. Dieser narzisstische Egoismus, der sich eben auch politisch äußert – man schaue sich nur all die neuen Autokraten und Möchtegerns an – kann nicht über den eigenen Tellerrand schauen und schon gar nicht Visionen für die Zukunft entwickeln.

Ok, schauen wir mal, ob dieses Werk Inspiration zu liefern vermag. Ich bin gespannt. 😊

„Augenöffnend, inspirierend und optimistisch: Krznaric feiert die Entdeckung der Langfristigkeit.

Wir leben in einer Zeit, die vom kurzfristigen Denken beherrscht wird. Aber in fünfzig, in hundert, in fünfhundert Jahren werden immer noch Menschen auf unserem Planeten leben, arbeiten, lieben und träumen. Ihre Leben werden tiefgreifend davon beeinflusst sein, wie wir heute handeln. Die wichtigste Frage, vor der jeder von uns steht, lautet also: Wie können wir gute Vorfahren sein? Roman Krznaric hat die Antwort. Von bahnbrechenden Konzepten wie dem ‚Kathedralendenken‘ über Zukunftsräte in Japan bis hin zu einer Bibliothek in Norwegen, die erst 2114 ihre Pforten öffnet, um einhundert bis dahin unveröffentlichte Werke zu präsentieren: Inspiriert von Lösungen aus der ganzen Welt erklärt er, wie wir lernen können, heute langfristig zu denken, um ein besseres Morgen zu schaffen.
Der Pfad des guten Vorfahren liegt vor uns. Wir müssen ihn jetzt beschreiten.“ (Klappentext)

(Übersetzung: Sebastian Vogel)

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Donnerstag, 26. Februar 2026

Franzobel: Einsteins Hirn

„Eine frei erfundene wahre Geschichte: Der Pathologe Thomas Harvey stiehlt Einsteins Hirn und behält es sein Leben lang.

Am 18. April 1955 kurz nach Mitternacht stirbt Albert Einstein im Princeton Hospital, New Jersey. Seinem Wunsch entsprechend wird der Körper verbrannt und die Asche an einem unbekannten Ort verstreut. Vorher jedoch hat der Pathologe Thomas Harvey Einsteins Hirn entfernt. Er wird damit zweiundvierzig Jahre lang durch die amerikanische Provinz tingeln …“ (Umschlagtext)

Also einen Roman von Franzobel hab ich schon gelesen und schon recht gefeiert. Grund genug, weiterzuschauen, ob hier ein ähnlich genial anarchistischer Fabulierer am Werk ist, wie zum Beispiel T.C. Boyle. Jaja, ich hasse solche Vergleiche auch, aber ihr braucht ja etwas Futter, gelle. 😉

„Franzobels neuer Roman ist ein hinreißender Trip durch wilde Zeiten und zugleich die Lebensgeschichte eines Mannes, den Einsteins Hirn aus der Bahn wirft.
Am 18. April 1955 kurz nach Mitternacht stirbt Albert Einstein im Princeton Hospital, New Jersey. Seinem Wunsch entsprechend wird der Körper verbrannt und die Asche an einem unbekannten Ort verstreut. Vorher jedoch hat der Pathologe Thomas Harvey Einsteins Hirn entfernt. Er wird damit zweiundvierzig Jahre lang durch die amerikanische Provinz tingeln. Mit Einsteins Hirn erlebt Harvey die Wahl John F. Kennedys zum Präsidenten, die erste Mondlandung, Woodstock und Watergate und das Ende des Vietnamkriegs, und irgendwann beginnt es, mit Harvey zu sprechen.“(Verlagstext)

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Sonntag, 15. Februar 2026

Volker Ullrich: Schicksalsstunden einer Demokratie. Das aufhaltsame Scheitern der Weimarer Republik


„Demokratien sind fragil. Freiheiten, die fest errungen scheinen, können verspielt werden. Wenige historische Ereignisse verdeutlichen die so eindringlich wie das Scheitern der Weimarer Republik. Volker Ullrich erzählt eines der größten Dramen der Weltgeschichte – anschaulich, spannend und nahe an den handelnden Personen. Chancen blieben ungenutzt, Alternativen wurden verspielt. Nichts war zwangsläufig oder unvermeidbar. Die Schicksalsstunden einer Demokratie, es gab sie von den Anfängen in der Revolution von 1918 bis zu den verhängnisvollen Tagen im Januar 1933. Es kommt auf die konkreten Handlungen einzelner Personen an – damals wie heute. Eine Lektüre, die beklemmende Parallelen zur Gegenwart zeigt.“ (Umschlagtext)

Man sollte meinen, es gäbe inzwischen genügend Studien, Berichte, Analysen – darüber, was einer Demokratie droht, wenn die Demokrat:innen nicht entschieden zu ihrer Rettung beitragen. Und das bezieht sich ganz sicher eben nicht nur auf die Politiker:innen. So richtig besser will es aber anscheinend nicht werden, trotz all der Regalmeter.

Spricht das dagegen, sich immer und immer wieder mit historischen Momenten auseinanderzusetzen, um im Hier und Heute handeln zu können? Natürlich nicht.

Aber eine Frage wäre da noch: Wo sind all die mutmachenden, hoffnungsvollen und inspirierenden Texte, die Kraft geben und auch Lust machen auf Demokratie? Machen wir uns tatsächlich oft genug auch klar, was wir verteidigen wollen?

„Die Geburt der Weimarer Republik stand unter einem denkbar ungünstigen Stern. Das deutsche Kaiserreich hatte den Weltkrieg krachend verloren. Der Versailler Vertrag legte dem besiegten Land harte Bedingungen auf. Eine nicht abreißende Kette von Krisen – unterbrochen nur durch eine Phase scheinbarer Stabilisierung Mitte der 20er Jahre – erschütterte die Republik. Doch trotz aller Belastungen – das Experiment der ersten deutschen Demokratie war nicht von allem Anfang an auf ein ruhmloses Ende angelegt. In seinem packenden Buch zeigt der renommierte Historiker und Publizist Volker Ullrich, dass es immer wieder Gelegenheiten gab, die Weichen anders zu stellen, von der Gründungsphase der Republik bis zum Januar 1933. So ist Ullrichs Buch auch eine eindringliche Warnung: Wir haben es in der Hand, ob die Demokratie siegt oder scheitert.“(Verlagstext)

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